Risspilz aus der Gruppe um I.melanopus

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    • Risspilz aus der Gruppe um I.melanopus

      Liebe Risspilz-Freunde,

      letztes Jahr hatte ich die Gelegenheit, mit Ditte über einen Risspilzfund aus der Verwandschaft von I.melanopus diskutieren zu können. Leider waren meine Aufzeichnungen und Belege von dem Pilz etwas dürftig, so dass sich nicht mehr klären ließ, was es für eine Art gewesen ist.

      Ich habe heute an einem anderen Standort einen Pilz gefunden, der die Merkmalskombination des damaligen Funds aufweist (leider ein Einzelexemplar):



      Hut: breitgebuckelt, Rand scharf nach unten geneigt, 30 mm Durchmesser, Huthaut matt ockerlich, für einen Risspliz wenig stark aufreißend, mit kurzen, vollkommen anliegenden Haarschuppen, die sich farblich kaum abheben. Huthautmerkmale sind über den gesamten Hut einheitlich.

      Lamellen: Auffallend hell, mit weißlich ebgesetzten Schneiden

      Stiel: Zylindirsch 50 mm x 5 mm, basal nur minimal verdickt, keine Knolle, im oberen Teil flockig (fast wie eine Hebeloma), beonders im unteren Teil auf Berührung schnell trüb bräunlich anlaufend.

      Mikromerkmale: Sporen oval, 9-10 x 5-5,5 µm, Hymenialzystiden -60 x -18 µm dünnwandig, keulenförmig, apikal stumpf zulaufend (also relativ breit endend), in der Mehrzahl nicht beschopft, Kaulozystiden an der Stielspitze fehlend.
      .
      Fundort: Ungedüngtes Rasenstück an einer Graft unter Eschen, in einiger Nähe auch Weiden und Linden (keine Nadelbäume). Frischer Kleiboden.

      Kann es sich bei dem Pilz tatsächlich um I.melanopus handeln, oder wo sollte man stattdessen suchen?
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    • Lieber Andreas,

      herzlichen Dank für die prompte Antwort. Ich werde den Fund unter Inocybe melanopus einsortieren. Bei der obigen Beschreibung vergaß ich Anmerkungen zum Fleisch des Pilzes, das insbesondere im Stiel regelrecht hart ist. Erstaunlich auch der Geruch, der mir eher mehlartig als spermatisch erschien (Clitopilus prunulus kann so riechen, wenn auch stärker).

      Beste Grüße aus Friesland

      Martin
    • Hallo Andreas, hallo Helmut,

      Geruch nach Bananenschale? Hab ich bei meinem Fund nicht festgestellt. Der roch zunächst eindeutig mehlartig und auf dem zweiten Riehcer leicht spermatisch (den Eindruck habe ich bei Clitocybe prunulus eben auch häufig). Bei der Bestimmung von Gerüchen bin ich aber häufig zu phantasielos und würde gerne noch einmal nachriechen, ob »Bananenschale« nicht eben doch auch passt. Aber mit dem Konservieren von Gerüchen klappt es ja nicht so.

      Von der Oberseite des Huts habe ich nachträglich noch ein (scheußliches) Foto gemacht, das ich anhänge. Außerdem habe ich ein Abwurfpräparat erstellt und mal ein paar Sporen mehr durchgemessen: 8,5 - 9,3 x 5,1 - 5,4 (Breite sehr konstant), Sporenquotient 1,6-1,7.
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    • Servus Martin,

      leider habe ich noch wenige Aufsammlungen aus diesem Formenkreis. Neben I. melanopus gibt es da noch I. ayeri, I. gigantea und I. treneri und wer weiß was noch alles. Anfangs hatte ich meine Zweifel, ob nicht einfach eine Art so variabel sein kann. Auf Ditte's Homepage kannst Du aber nachlesen, dass auch Unterschiede bei den DNA-Analysen gefunden wurden.

      Mein erster Fund einer vermeintlichen I. melanopus stammt von 2011 aus den Berchtesgadener Alpen anlässlich der Bayerischen Mykologischen Tagung dort, gefunden zusammen mit dem "Interhias". Ein Jahr später gelang eine etwas anders aussehende Kollektion in der Nähe meines Wohnortes (in dem Wald gibt es mehr Arten, die sonst mehr aus den Alpen bekannt sind, z. B. Gomphus clavatus). Dort wachsen sie seitdem standorttreu und ich konnte eine große makroskopische Variabilität beobachten. Irgendwann stieß ich in meinem Herbar auf einen weiteren Fund von 2006, den ich damals gar nicht hatte zuordnen können. Der sieht schon sehr anders aus und ist inzwischen abgelegt als I. cf. treneri, vor allem wegen der mehr filzigen Hüte. Er gleicht Deinem Fund. Allerdings sollten die Sporen größer sein (bis 12 µm) und der Stiel nur leicht bräunen. Mein Fund hatte zudem deutlich braunere Hüte (ich hänge mal ein Foto meiner cf.-Kollektion an).

      Zu I. treneri gibt es eine ausführliche Publikation: Banidini&Oertel in Z. Mykol. 78/2. Dort steht, dass bei jungen Frk. die Sporen kleiner seien. Bei Deinem Fund (wie auch bei meinem) handelt es offenbar noch um recht junge Exemplare. Es könnte also durchaus auch diese Art sein.

      Gruß

      Helmut
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    • Liebe Alle,
      auch ich zögere, lieber Martin, deinen Pilz als melanopus zu bezeichnen: der Standort wäre schon recht ungewöhnlich. Dass der Hut sehr glatt ist angesichts dessen, dass es sich um einen jungen Fruchtkörper handelt, vielleicht nicht so wesentlich (siehe das Bildchen bei meinem Namen, das eine junge melanopus zeigt). Dennoch....
      Hier bräuchte man mehr Fruchtkörper unterschiedlichen Alters.
      Ich würde also an das melanopus zumindest ein cf. machen :) .

      Was deine Kollektion angeht, lieber Helmut, sieht das auch für mich nicht nach melanopus aus - rein makroskopisch. Was war das denn für ein Standort: also Boden und Begleitbäume? Submontan oder montan bei Picea und/oder Abies oder Flachland bei Pinus (und sandig)? Falls ersteres: Hast du die mal mit ayeri verglichen?

      Herzliche Mittagspausengrüße in die Runde!
      Ditte
      PS Der eine Fk von dir, Helmut, ist, wie vermutet, proximella.
    • Was? Alles schon wieder so kompliziert? Naja, dann ist es auf jeden Fall ein Risspilz...

      Ich habe auf Helmuts Anraten mir mar ayeri, treneri und gigantea angeschaut, wobei ich zunächst nur die Angaben und Bilder von inocybe.org zum Vergleich hatte. Später habe ich dann entdeckt, dass die Arten bei Ferrari/Bandini/Boccardo ausführlich beschrieben sind. Den von Helumt erwähnten ZMykol-Artikel über die »verschollene« Art Inocybe treneri habe ich gestern abend noch (mal) gelesen.

      Was meinen Fund angeht, klärt das nicht alles. Von den makrskopischen Merkmalen wäre ich ja am ehesten mit Inocybe ayeri einverstanden, so wie sie bei inocybe.org abgebildet ist (erstes Bild), aber mein Fundort (Burg Kniphausen 2414.1) liegt ja nicht mal bei 2m über Null. Nadelbäume fehlen ohnehin.

      Im Vergleich zu Inocybe treneri ist die Huthaut bei meinem Fund tatsächlich etwas sehr glatt. Andererseits zeigen Helmuts cf treneri Exemplare deutliche Ähnlichkeiten zu dem Pilz, den ich gefunden habe. Ich erinnere mich auch, bei der Mikroskopiererei Sporen gesehen zu haben, bei denen ich dachte »Hoppla, die sind nun schon fast eckig«, was bei älteren Funden von treneri ja häufig vorzukommen scheint. Außerdem ist treneri wohl die einzige Laubbaum-Art in dem betrachteten Komplex.

      Auffällig an meinem Fund ist, dass ich keine Zystiden mit Hals gefunden habe, sondern alle (breite z.T. sehr breite) Ampullenform aufwiesen, wie es Ditte in ihrem Artikel über Inocybe treneri nennt.

      cf treneri ist also vielleicht sogar ein besserer Arbeitstitel als cf melanopus, aber klären lässt sich das auf der derzeitigen Basis nicht. Das meinte ja Ditte auch schon.

      Habt Dank für Eure Einschätzungen und die Literaturtipps!
    • Hallo Martin, ja, I. treneri ist - angesichts dessen, was du über die Sporenform und die Zystidenform sagst und angesichts des Standorts und der Begleitbäume - für mich die wahrscheinlichere Option. Ayeri ist, soweit man das bis jetzt weiß, an bergige Regionen mit Abies und Picea gebunden, die Zystiden sind auch oft leicht kopfig, die würde ich bei deinem Fund ausschließen. Ich würde diese Inocybe also rein so aus der Ferne also auch eher als cf. treneri bezeichnen als als cf. melanopus.
      I. albovelutipes scheidet meines Erachtens auch aus, weil die insgesamt viel wolliger ist, auch sehen die Zystiden anders aus. Ich habe einen Topotyp von ihr hier und untersucht.

      Ich häng noch ein Foto einer treneri-Kollektion vom letzten Jahr an. Sandiger Boden, Flachland. Und, wie man sieht, können die Hüte auch sehr glatt sein.
      Herzlich!
      Ditte
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    • Liebe Ditte,
      lieber Martin,

      meine Kollektion wuchs Anfang Juni 2006 in einem Garten unter Corylus, auf dünner Humus-Auflage über saurem, eher armem Sandboden auf ca. 430 m.

      Ich hatte notiert: "Die filzigen Hüte und der sandige Standort passen recht gut zur Beschreibung von Banidini&Oertel in Z. Mykol. 78/2. Die Sporen scheinen zu klein zu sein. Aber Bandini&Oertel schreiben, dass bei jungen Frk. die Sporen deutlich kleiner seien. Hier handelt es sich um recht junge Exemplare. Allerdings erscheint die Hutfarbe zu dunkel und der Stiel bräunt deutlicher als dort angegeben."

      Damals konnte ich den Fund gar nicht zuordnen, ich kannte noch nicht einmal I. melanopus "ss. l.". In meinem Fundus habe ich aber inzwischen noch weitere Kollektionen aus diesem Formenkreis, evt. auch ayeri und gigantea. Dazu mehr bei anderer Gelegenheit (und wenn ich wieder zu Hause bin).

      Grüße von der pilzfreien kroatischen Mittelmeerküste

      Helmut