Pilze an Esche - jetzt noch kartieren, bevor es zu spät ist?!

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Pilze an Esche - jetzt noch kartieren, bevor es zu spät ist?!

      Hallo zusammen,

      es ist ja schon mehrfach dirch die Medien gegangen: Die Esche stirbt uns weg. Im Raum München kommt in den Auwäldern dazu, dass neben dem Echensterben auch die Forstwirtschaft massiv Eschen schlägt (als Feuerholz?). Jedenfalls passiert dies seit ein paar Jahren an der Isar.

      Wie wird sich das auf die Eschenbegleiter auswirken? Ich denke jetzt nicht nur an die Morchel, sondern ganz allgemein auf die Pilze an und bei Esche. Die Totholzbesiedler werden wohl zuerst zunehmen und dann massiv zurückgehen (sage ich mal so).

      Inwieweit das Eschensterben gehen wird und ob die Esche tatsächlich ausstirbt, wird sich zeigen. Bei mir sind die meisten Eschen krank und werden es nicht mehr allzulang machen.

      Insofern möchte ich anregen, auch banale Arten an Esche vermehrt zu kartieren, damit für spätere Rote-Liste-Bearbeitungen genügend Datensätze vorhanden sind, um eventuelle Rückgänge aufzeigen zu können.

      Als optischen Anreiz hänge ich ein Foto von Peniophora limitata an, welches ich heuer gemacht habe. Der Fund stammt aus einem Fichten-Stangen-Forst bei meiner Heimatgemeinde (Mammendorf), in der eine einzelne Esche vor sich hin stirbt. Und die Äste sind/waren voll mit Peniophora limitata und Hadrotrichum pyrenaicum (Nebenfruchtform von Hypoxylon cercidicolum - ich hab bisher nur die Nebenfruchtfom gefunden, die aber fast bei jeder älteren Esche).

      LG
      Christoph
      Bilder
      • pen_limitata01.jpg

        117,21 kB, 800×479, 357 mal angesehen
      Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
      (Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)
    • Hallo Christoph,

      es gab mal einen Beitrag - im gelöschten Vorgängerforum;-) - von Ingo Wagner, der sich mit dieser Materie wohl ein wenig befasst hat (Hymenoscyphus pseudoalbidus). Er schildert dort auch meinen Eindruck: Man sieht zwar die welken Blätter allerorten - vor allem an jungen Bäumen - aber die verstorbenen Bäume fehlen zu diesem Bild irgendwie, und im Jahr darauf, sieht man (auch Jungbäume) wieder ganz normal dastehen. Dass der Forst auf soetwas in einer Art vorauseilendem Gehorsam reagiert, und vermehrt Eschen einschlägt (vor allem auch, wenn die Preise für Esche noch hoch genug sind;-), darf man vorerst weniger als Orakel denn als Hysterie einstufen. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

      Grüßle
      Jürgen
      www.pilzflora-ehingen.de
    • Servus Jürgen,

      die Krankheit erkennt man vor allem an den absterbenden Astenden. Davon erholt sich der befallene Baum aber nicht mehr im nächsten Jahr, sondern es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Im Baltikum, wo die Krabkheit (Hymenoscphus pseudoalbidus) schon länger grassiert, soll es praktisch keine jungen Eschen mehr geben. Alte Bäume sind zwar auch betroffen, halten aber länger durch.

      Dass sich die Bäume wieder erholen, kann ich in meiner Gegend nicht bestätigen. Dass der Forst Eschen einschlägt, liegt, denke ich, vor allem an der steigenden Nachfrage nach Feuerholz für Kaminöfen. Und Eschenholz ist hier sehr begehrt.

      Ich würde mich freuen, wenn Ingo Wagner auf lange Sicht recht mit seiner Einschätzung hätte. Im Moment befürchte ich eher das Gegenteil. Oft genug gibt es aber bei den meisten Seuchen immer ein paar Überlebende. Man denke an die Ulmen - auch heute nich gibt es alte, mächtige Ulmem. Nur sind diese halt sehr selten geworden.

      LG
      Christoph
      Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
      (Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)
    • Eschentriebsterben

      Hallo Christoph,

      ganz so dramatisch (wenn auch ernst) wie Du die Lage im Augenblick siehst, dürfte sie nach meiner Meinung noch nicht sein.

      1. zum Baltikum. Dort ist das Eschentriebsterben schon seit über 20 Jahren auf großer Fläche bekannt. Und ich habe mich gerade mit einem Bekannten Forstmann aus Lettland unterhalten. Sie haben auch immer noch die Eschen und er kann bislang keine dramatische Abnahme der Esche erkennen. Aber wirklich verläßliche Zahlen habe ich leider auch nicht.

      2. zur Situation in Bayern. Ich denke die Lage ist problematisch. Die Ausbreitung ist inzwischen so weit gegengen, dass alle Landesteile betroffen sind. Aber eine Dynamik wie beim Ulmensterben, wo der Baum innerhalb kurzer Zeit abstirbt ist nicht gegeben. Es ist oft ein langer Kampf des Baumes gegen den Pilz. Manches mal spielen natürlich auch Sekundärparasiten mit. Hier ist neben dem Hallimasch (Armillaria sp.) auch noch der Eschenbastkäfer zu nennen. Und wenn man hinschaut kann man immer wieder Bäume finden die sich noch sehr gut gehalten haben. Eine weitgehende Ausheilung der Bäume, wie wir es von manchen anderen Pilzkrankheiten kennen, ist in dem Fall kaum zu erwarten.

      3. Die Nutzung von Holz hat in den letzten Jahren sicher wieder zugenommen. Aber schon seit Jahrhunderten ist Esche in Bayern genutzt worden. Hatte dieser Baum doch eine Holzqualität, die man von keiner anderen Baumart gekannt hat. (Stiele für Werkzeuge usw.). Was auf jeden Fall wieder viel mehr gefragt ist, ist Holz für den Kaminofen.

      4. Übrigens haben wir gerade in den letzten Jahren die Wälder nördlich von München untersucht. Dort hat die Esche bislang (in den letzten 30 Jahren ganz stark zugenommen) Und es wird wirklich spannend sein, wie es mit dieser Baumart weitergeht.

      Viele Grüße

      Markus
    • Hallo Markus,

      wunderbar! Ich lasse mich hier gerne eines Besseren belehren, vor allem, wenn das gute Nachrichten bedeutet (zumindest nicht soo schlechte). Zumal Du ja Informationen aus erster Hand hast (und ich nur Sekundärquellen bemühen kann).

      zu 1.) Ich hatte gehört, dass es im Baltikum praktisch keine Verjüngung mehr gebe, aber dann war das (zum Glück!) wohl übertrieben.

      zu 2.) Dass andere Parasiten zuschlagen können, wenn der Baum geschädigt ist, ist leider klar. Natürlich ist/war das Ulmensterben drastischer, da die Infektion relativ schnell zum Tode führte, während bei der Esche die Bäume ja langsam und Stück für Stück geschädigt werden. Hier rund um Mammendorf sieht es im Moment nicht schön aus - vor allem relativ junge Bäume sind stark betroffen.

      zu 3.) Das ist auch nur eine Beobachtung aus den Isarauen bei München. Ich weiß auch nicht, ob das den Staatsforst oder Privatwälder betrifft. Vielleicht ist es auch Zufall, dass gerade in den letzten Jahren die Esche dort recht stark genutzt wurde. Ich bin halt ein bisserl betroffen, weil es manche meiner Morchelplätze betraf.

      zu 4.) Yep, finde ich auch. Sollten einige Eschen absterben, so wird auf alle Fälle mit einer Zunahme von Totholzbesiedlern der Esche zu rechnen sein. Ich hoffe sehr, dass sich unser Morchelwirt Nr. 1 dauerhaft halten wird. Im Baltikum haben sich ja offenbar doch genügend Bäume gehalten.

      Vielen Dank für Deine Einschätzung!

      LG
      Christoph
      Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
      (Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)
    • Die ansässige Forst sägen auch überall die schönen alten Eschen aus den Wädern in Mv ab. Das Holzangebot von Fraxinus überschwemmt den Markt und leider wird nur Feuerholz daraus gemacht. Aber die Holzabnehmer zahlen die Preise - wahrscheinlich um die Marktpreise stabil zu halten. Es gibt viele gute Stämme darunter, man könnte gute Möbel daraus fertigen. Aber sie belassen es lieber bei Feuerholz. Auch wenn die Forst den ganzen Wald absägt, sie werden den kleinen Ascomyceten, welcher dafür verantwortlich ist nicht ausmerzen.