Wer kann/ sollte kartieren? Was macht Sinn? Anfängerfragen

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    • Wer kann/ sollte kartieren? Was macht Sinn? Anfängerfragen

      Hallo Leute,
      ich bin am Überlegen, mich an der Kartierung zu beteiligen.

      Bevor ich mich aber in die Onlinekartierung usw.... weiter einlese, hätte ich 4 Fragen

      Ist Onlinekartierung auch sinnvoll/erwünscht, wenn man gar nicht alle Pilzarten kennt, nur überhaupt makroskopisch bestimmbare Pilze eintragen könnte (die wären natürlich sicher bestimmt), sich mit einigen Gattungen noch kaum auskennt (da würden dann sogar makroskopisch bestimmbare Pilze u.U. teilweise unter den Tisch fallen)

      Werden bei der Onlinekartierung auch stets die Fundtage miteingegeben? Wenn nicht, könnte ich in einem Rutsch gleich die erinnerten Funde der letzten Jahre in bestimmten Gebieten eintragen (auch wenn u.U. nicht jedes Jahr vorkommend). Da wäre ich schon alleine länger mit beschäftigt, da ich einige Gebiete seit Jahren ziemlich genau beobachte.Wäre vielleicht interessant, falls die noch niemand kartiert hat.

      Sind auch Onlinekartierung in Stadtgebieten erwünscht?, z.B. Parkplätze, Grünstreifen? Ich finde es immer sehr interessant, was ich da so finde und habe da sogar schon für mich Erstfunde getätigt. Die meisten Fundmeldungen wären aber dann reine Augenblicksaufnahmen, da ich dann da nicht öfter hinkomme.

      Wie verhält es sich mit Pilzvorkommen, die man mal eingetragen hat, wo dann der Bestand dieser Pilzart später sicher erlischt? Z.B. durch Baumfällungen, Wegebau, Düngung.....Löscht man dann solche Funde wieder in der Karte?

      Danke im vorraus!
    • Hallo Grünling,

      es gibt viele "banale" Pilzarten, die unterkartiert sind, weil sich die "Experten" lieber mit interessanten Funden beschäftigen.
      Von daher sind auch Fundpunkte des Fliegenpilzes erwünscht.

      Voraussetzung ist natürlich, dass Dir bekannt ist, welche Pilzaggregate heutzutage in verschiedene Arten aufgespalten werden. Mit "Rotfußröhrling" oder "Hallimasch" kann man eher wenig anfangen.

      Kartierung ist auch "Datensammeln auf Verdacht". Wenn in 20 Jahren jemand wissen möchte, ab welcher Bodenfeuchte Maronen Fruchtkörper bilden, könnte er hocherfreut sein, wenn von Dir klar definierte Waldstücke regelmäßig auf diese Pilzart untersucht wurden. Auch wenn es nur diese eine Art war. Aber es gibt keine Garantie, dass die Daten mal wichtig werden.

      Das Datum des Fundes muss aber ebenso präzise stimmen wie das Gebiet.

      Auch viele Stadtbiotope wie Straßenränder sind systematisch unterkartiert. Leider sind nicht viele der dort vorkommenden Arten ohne Mikroskop sicher bestimmbar.

      Daten werden nicht gelöscht, wenn der Standort erloschen ist. Sonst wäre ja der Beweis, dass die Pilzart dort einmal gewachsen ist, vernichtet. Sieh Dir mal das Plakat zum Pilz des Jahres 2016 durch - die Karte hätte sonst nie so entstehen können. Leider gibt es derzeit keine Möglichkeit, das gezielte "Nicht-Wiederfinden" einer Art am Standort zu dokumentieren. Daher ist es umgekehrt durchaus sinnvoll, Wiederfunde erneut zu melden, vielleicht nicht täglich, aber sicher jährlich.

      Grüße,


      Wolfgang
    • Danke vielmals Wolfgang,

      dann werde ich mich mal mit dem Thema beschäftigen.

      Aber es taucht dann tatsächlich noch eine Frage auf, bzgl der " Pilzaggregate". Bei einigen Pilzen streiten sich ja die Gemüter, ob 2 Erscheinungsformen eines Pilzes 2 Arten oder halt doch nur unterschiedliche Erscheinungsformen sind. Wie wird eigentlich mit dem Problem umgegangen? Überhaupt mit der Frage Pilz xy var. z?

      Daß Pilzfunde tagesaktuell eingetragen werden entnehme ich Deiner Antwort, also würde ich, wenn ich mich dazu entschließen sollte, dann wohl einen Neustart hinlegen. Wobei außerhalb der klassischen Pilzsammelsaison habe ich einfach mehr Zeit zu sowas, hoffentlich werden dadurch die September- und Oktoberarten nicht unterrepräsentiert.

      Daß es natürlich verschiedene Rotfußröhrlinge und Hallimasche gibt, ist klar, versteht sich von selbst.

      Aber noch mal eine Frage zur Kartierung von Straßenrändern.... Wenn z.B. ein Pilz dort durch Holzhäcksel eingebracht wird, nehmen wir mal Spitzmorcheln(die ich ehrlich noch nie gefunden habe), Dachpilze... und nach dem Aufbrauchen des Substrats erlöschen wird, würde der dann auch kartiert? Die Idee mit der Kartierung von Parkplätzen: Ich würde sagen, daß da nicht weniger oder mehr ohne Mikroskop bestimmbar sind, als überall. Was mich da auf den Gedanken der Kartierung gebracht hat, sind echt ganz besonders die Erstfunde (für mich), die ich da schon getätigt habe.

      Und dann habe ich noch eine Frage zu den für "Experten" interessanten Funden. Sind das im Allgemeinen bei den meisten Kartierern eher die seltenen Funde oder halt eher Funde einer bestimmten Gattung je nach Kartierer, z.B. der eine Schleierlinge, der andere Rißpilze, der nächste Fälblinge .....(alles Gattungen, wo ich schnell an meine Grenzen komme ;( )?
    • Hallo Grünling,

      die DGfM unterhält eine taxonomische Referenzliste, die immer wieder an den wissensschaftlichen Stand angepasst werden muss. Bedingt durch die unzähligen auf DNA-Studien basierenden Namensänderungen ist das ein mühsames, aber notwendiges hinterherlaufen.

      Zu deiner Frage bzgl. der Einordnung unterschiedlich interpretierter Taxa kannst du ich dir auf pilze-deutschland.de mal das Beispiel Hallimasch ansehen.
      Auf pilze-deutschland wird immer der aktuellste TaxRef-Listenstand verwendet.

      Dort kannst du sehen, dass es die Möglichkeit gibt, einen Hallimasch als mellea s.l. einzutragen, wenn die genaue Artbestimmung nicht mögllich war.
      Wer Armillaria mellea ss.str., A. lutea, A. ostoyae usw. genau kennt, kartiert diese als eigene Arten.


      BG, Peter
    • Wenn z.B. ein Pilz dort durch Holzhäcksel eingebracht wird, nehmen wir
      mal Spitzmorcheln(die ich ehrlich noch nie gefunden habe), Dachpilze...
      und nach dem Aufbrauchen des Substrats erlöschen wird, würde der dann
      auch kartiert?
      Ja, auch dann. Durch die Kombination mit dem exakten Funddatum ist der Datensatz relevant, auch wenn es zwei Jahre später dort keine Substrat mehr gibt und damit die Art nicht mehr existieren kann.

      BG, Peter
    • Und dann habe ich noch eine Frage zu den für "Experten" interessanten
      Funden. Sind das im Allgemeinen bei den meisten Kartierern eher die
      seltenen Funde oder halt eher Funde einer bestimmten Gattung je nach
      Kartierer, z.B. der eine Schleierlinge, der andere Rißpilze, der nächste
      Fälblinge
      Das kann man nicht so einfach sagen. Für den einen Experten sind taxonomische Forschungen insbesondere bei seltenen, schwierigen, ggf. neuen Arten interessant. Für den anderen ALLE Hinweise zur Verbreitung von Arten aus seiner bevorzugten Gattung inkl. ökologischer Daten.

      BG, Peter
    • Sorry, schon wieder weitere Fragen:

      1)Ich wollte mir das ganze jetzt eigentlich mal näher anschauen, nur gelingt mir da weder Anmeldung noch Registrierung. Was mache ich falsch oder muß ich beachten? Es erscheint stets in rot: ungüliger Benutzername.

      2) Wie würde eigentlich in Situationen verfahren, wenn ein Pilz an dem Standort eigentlich gar nicht vorkommen dürfte, z.B. Kaiserling in Schleswig- Holstein :D , aber man fände sowas?( Wäre eine echte Sensation).Was würde man eigentlich in so einem Fall machen? Mehr Interessensfrage. Ich habe bisher noch nie einen Pilz gefunden, bei dem es von dem Pilz in meinem Bundesland nicht schon andere Funddaten gibt, wenn auch teilweise nur spärliche.
    • Danke vielmals Wolfgang,

      ich habe mir jetzt mal erstmal die Online- Kartierung von Axel Schilling angeschaut. Das Programm scheint nicht gerade viel genutzt zu werden, wenn man sich die die fast nicht vorhandenen Einträge anderer anschaut. Und dann müssen die Daten, um im Kartierungssystem der DGfM zu landen, noch exportiert werden. Ob ich als Computerlaie da überhaupt checke, wie und ob ich das hinbekäme? Auch nur über weitere Programme. Macht das überhaupt Sinn?

      Mykis, leider sehe ich da vor der Installation gar nicht, wie das Programm überhaupt funktioniert, ob ich damit überhaupt irgendwie zurande käme.

      Weitere Frage: Kann man eigentlich irgendwo sehen, rausbekommen, ob ein bestimmtes Gebiet schon von jemand anderen kartiert wurde. Wenn das der Fall sein sollte, würde es nach meinen jetzigen Überlegungen eigentlich viel mehr Sinn machen, dort dann eher nur die bisher nicht eingetragenen Arten (z.B weil vom anderen zu dem Zeitpunkt nicht gefunden) nachzutragen oder zumindest andere Zeitpunkte zu wählen. Bzw. mir gleich ein anderes Gebiet vorzunehmen.Es macht doch eigentlich keinen Sinn, wenn alles u.U. doppelt und dreifach eingetragen wird. Ich bin in meinem Sammelbereichen zwar noch nie einem Kartierer begegnet, was aber nichts heißen will. Aber wenn man ein Gebiet sich öfters vornimmt, ehrlich nur alle einzutragen, die ich mit meinen bescheidenen Wissen und Mitteln sicher bestimmen und eintragen könnte, da wäre ich nach einigen Tagen schon eine ganze Zeit beschäftigt. Wenn da zufällig ein anderer das gleiche ein paar Tage vorher gemacht hat, ehrlich, das fände ich ziemlich unproduktiv.
    • Grünling schrieb:

      Und dann müssen die Daten, um im Kartierungssystem der DGfM zu landen, noch exportiert werden. Ob ich als Computerlaie da überhaupt checke, wie und ob ich das hinbekäme? Auch nur über weitere Programme. Macht das überhaupt Sinn?
      Hi Grünling,

      um diesen Teil musst Du Dich nicht kümmern, die Daten werden zentral von Axel Schilling exportiert und uns zur Verfügung gestellt.

      Gruß,

      Wolfgang
    • Hoffe bin hier Richtig...

      ... bin kein PSV, kein Pilzberater usw. Bin einfach nur ein Pilzgänger, der das ganze Jahr in die Pilze geht. Mein Sammelgebiet ist die Wuhle mit seinen Auenwäldern, und den umliegenden Wiesen. Die Wuhle ist der kleinste von 5 Flüssen in Berlin. Sehr schönes Gebiet. Würde gern meine Funde kartographieren. Es ist aber immer wieder die Frage, liege ich mit meinen Bestimmungen richtig??? Von daher: Pilz des Jahres 2016 - Lilastieliger Rötelritterling???? Find ihn jedes Jahr im selben Gebiet.

      Gruss aus Berlin. Heinz
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    • Hallo Heinz,

      zu dem unten gezeigten Fund: das ist tatsächlich einer der wenigen Pilze, die man anhand einer Foto-Serie sicher bestimmen kann und ja, das ist der Lilastielige.

      Ansonsten sind unsichere Bestimmungen für Kartierung leider nicht so geeignet, aber in Berlin gibt es sicher einige Leute z.B. bei der PABB (Pilzkundliche Arbeitsgemeinschaft Berlin Brandenburg), die sich Deine Funde ansehen können und die Bestimmungen absichern.

      Grüße,

      Wolfgang