Entoloma nitidum

    • Entoloma nitidum

      Hallo,

      Bei einer Recherche über das Vorkommen von Rötlingen in Westfalen ist mir aufgefallen das der Stahlblaue Rötling sehr stark rückläufig ist. Die letzten Nachweise dieser Art liegen in dieser Region schon mehr als 10 Jahre zurück. Nach dem Krieglsteiner-Atlas war die Art offensichtlich dort früher weit verbreitet.

      Ein Vergleich mit den Pilzen Deutschlands zeigt im Norden (Niedersachsen, Schleswig-Holstein) ähnliche Tendenzen während E. nitidum in Bayern / Baden-Württemberg usw. noch häufig zu sein scheint.

      Ist das wirklich so und hat - wenn ja - Jemand eine Idee für diese Rückgangstendenz?

      Gruß Gerhard
    • Hallo Zusammen,

      in Mykis kann man unter Auswertungen den Bestandstrend für die Art anzeigen lassen.
      Anbei das Diagramm für Bayern, das Gerhards Vermutung bestätigt bzw. keinen rückläufigen Trend erkennen lässt.

      Die Gefährdungsursachen, die Andreas nennt, sehe ich genauso.

      Beste Grüße, Peter
      Dateien
    • Danke Andreas, danke Peter,

      Wenn der Grund der erhöhte Stickstoffeintrag ist, so frage ich mich allerdings warum gerade im Norden und Westen Deutschlands ein starker Rückgang der Art zu beobachten ist während sich in Süd- und wohl auch Ostdeutschland offensichtlich keine Veränderung abzeichnet. Der Stickstoffeintrag dürfte doch überall ähnlich sein.

      Gruß Gerhard
    • Hallo gerhard,

      ich glaube dass tendenziell im Süden und Südosten größere zusammenhängende Waldgebiete ohne dazwischenliegender Landwirtschaft vorhanden sind. Insbesondere die Mittelgebirge sind ab einer gewissen Höhe einfach weniger durch Verwehung aus der Umgebung belastet. Wenn ich mir die kleineren Waldstücke hier in der Agrarwüste anschaue, dann habe ich schon den Eindruck, dass vor allem die Landwirtschaft an der Eutrophierung der Landschaft schuld ist, die Industrie- und Autoabgase zumindest nicht so punktuell eine so große Rolle spielen (gleichwohl natürlich insgesamt auch kräftig dazu beitragen)
      Die Böden haben möglicherweise in den Mittelgebirgen eine höhere Pufferkapazität da stärker sauer?

      beste Grüße,
      Andreas
    • Hallo Gerd,

      speziell zu den Auswirkungen von Stickstoff auf die Pilz-Artengemeinschaften kannst du hier nachlesen.
      Auch den deutschen Entscheidern ist das Problem bekannt, aber die Nahrungsmittelindustrie und die trägen Verbraucher haben noch die deutlich größere Lobby.

      Die Auswirkungen von Stickstoffeinträgen auf Artengemeinschaften von Pilzen:
      Kuyper, T. W.
      Ausgabe: Z. Mykol.
      79(2): 565-581 (2013)
      Abstrakt: Dieser Übersichtsartikel gibt Aufschluss über die
      Auswirkungen von Stickstoffeinträgen auf mykorrhizabildende und
      saprotrophe Pilze. Mögliche Folgen der Veränderungen von
      Artenzusammensetzungen für das Funktionieren von Bodenökosystemen werden
      diskutiert und Erkenntnislücken aufgezeigt. Nach jetziger Kenntnis kann
      sich nur eine erhebliche Senkung der Stickstoffeinträge positiv
      auswirken. Es ist aber wahrscheinlich, dass sich Artengemeinschaften
      erst nach längerer Zeit erholen können.
    • Hallo in die Runde,

      habe die Diskussion bislang leider übersehen. Ich finde E. nitidum regelmäßig im Mertinger Forst (Bayern, Schwaben, Lkr. Donau-Ries) im Einzugsbereich eines Waldbächchens rings um eine Torfmoosinsel auf saurem, nassen Boden unter Picea abies mit einer Hand voll bis einem guten Dutzend Frk. Die Art scheint solche feuchten bis anmoorigen Habitate zu bevorzugen. Leider kenne ich die Situation/Entwicklung in Norddeutschland nicht, aber könnten die rückläufigen Zahlen auch durch einen Verlust entsprechender Biotope verursacht oder zumindest mitverursacht werden?

      Gruß, Andreas
      Ein früher Vogel tappt im Dunkeln.
    • G_Woelfel schrieb:

      Ein Vergleich mit den Pilzen Deutschlands zeigt im Norden (Niedersachsen, Schleswig-Holstein) ähnliche Tendenzen während E. nitidum in Bayern / Baden-Württemberg usw. noch häufig zu sein scheint.

      Ist das wirklich so und hat - wenn ja - Jemand eine Idee für diese Rückgangstendenz?
      Es liegt auch einfach daran, dass in Pilze Deutschlands die Niedersachsen-Daten noch fehlen und erst im Laufe dieses Jahres eingestellt werden.
      Ganz so schlimm ist die Datenlage nicht, wie die folgende vorläufige Verbreitungskarte zeigt. Darunter befinden sich nur 3 Alteinträge an Quadranten von vor 1980. Andererseits gibt es nur 6 Einträge der letzten 10 Jahre.
      Grüße,
      Axel
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      • Entoloma_nitidum_VerbreitungNds2.jpg

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