Gattung gesucht (Braunsporer)

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    • Gattung gesucht (Braunsporer)

      Hallo,

      ich fand vor einigen Tagen drei Kollektionen eines Braunsporers, die mir Kopfzerbrechen bereiten. Koll. 1 wuchs bei junger Alnus incana und Salix, weiter weg Picea auf einem schotterigen Wegrand mit Ruderalbewuchs. Koll. 2 wuchs auf einem eher grasigen Waldweg, in der Nähe wieder die gleichen Bäume. Koll. 3 (Einzelfruchtkörper) fand ich auf einem bemoosten Laubholz-Baumstumm (Erle oder Weide), in der Nähe waren wieder Grau-Erle, Fichte und Weide. Leider hab ich die zweite Kollektion nicht fotografiert, da es zu schütten begonnen hat und ich erst drauf gekommen bin, dass hier ein Foto fehlt, als die Pilze schon am Trockner lagen. Die dritte Kollektion hielt ich im Feld für irgendeinen „unbedeutenden“, leicht bestimmbaren Braunsporer, der, zumal nur ein Einzelfruchtkörper, kein Foto wert war... Alle Funde fand ich nicht weit voneinander entfernt in einem montanen Bachtal (Nationalpark Hohe Tauern, Hollersbachtal).

      Zu den eigentlichen Problemen: Makroskopisch sahen sich alle drei Kollektionen sehr ähnlich (wie eine Mischung aus Telamonia, Tubaria, Naucoria und Psilocybe) und weisen als gemeinsame Merkmale unscheinbare Fruchtkörper mit hygrophanen Hüten, nicht abziehbarer Huthaut, schwach gerieftem Rand und weißlichem Velum auf. Das Sporenpulver ist irgendwo zwischen hell- und ockerbraun. Mikroskopisch gleichen sich die Kollektion in den winzigen (5-6 x 3-3,5 µm), hellbraunen, etwas dickwandigen Sporen mit trotz ihrer Kleinheit recht auffälligem Keimporus. Weitere gemeinsame Merkmale: Schnallen +, Sporen J-, HDS eine Kutis, Cheilozystiden vorhanden, Pleurozystiden fehlend, Pileozystiden keine gesehen, Lamellenschneide steril. Auffällig ist aber, dass die Form der Cheilozystiden von Koll. 1 und Koll. 2 doch recht unterschiedlich ist (Koll. 3 gleicht hier Koll. 2), obwohl sich wie gesagt alle sonstigen makro- und mikroskopischen Merkmale gleichen. Bei Koll. 1 sind die Chz eher einheitlich utri- bis lageniform mit zahlreichen kleineren, keulig-blasigen Zystiden dazwischen. Bei Koll. 2 hingegen zeigen sich vielgestaltigere Zystiden, häufig mit einigen kurzen Auswüchsen. Hier messen die Zystiden 33-54 x 9-14 µm, bei Koll. 1 sind sie etwas kürzer. Alles wurde in KOH bzw. KOH+KR anhand von Exsikkatmaterial gemessen und fotografiert.

      Wem der obige Text zu viel war, hier eine kurze Zusammenfassung: Drei Braunsporer, die ich keiner Gattung zuordnen kann. Alle wuchsen bei Alnus incana, Salix, Picea und haben identische Makro- und Mikromerkmale (siehe oben), abgesehen von der Form der Chz. Koll. 1 zeige ich mit makro- und mikroskopischen Fotos, Koll. 2 nur mit Mikrofotos (kein Makrofoto gemacht), Koll. 3 (kein Makrofoto gemacht) gleicht Koll. 2 in den Mikromerkmalen, hiervon gibt‘s keine Fotos (kann aber bei Bedarf Mikrofotos machen).

      Ich gebe mal keine Vermutungen zu möglichen passenden Gattungen ab und nenne auch keine Gattungen, die ich für mich schon ausgeschlossen habe, damit ihr möglichst unbeeinflusst bleibt. :D Ich bin für alle Hinweise dankbar!

      Schöne Grüße
      Gernot


      Die Fotos 1-3 zeigen Koll. 1, die Fotos 4-6 Koll. 2. Foto 5: HDS, Foto 6: Sporenpulver.
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    • fiese Psilos?

      Servus Gernot,

      auf Wolfgangs Anregung habe ich mal kurz in FE 13 geblättert, vielleicht wäre Deconica xeroderma eine Möglichkeit? Die hat recht kleine Sporen und auf einem Foto meine ich zu erkennen, dass die Sporen deiner Kollektion zumindest leicht abgeplattet sind. Eine andere Gattung fällt mir zu diesen Schwammerln auch nicht ein.

      Grüße aus München

      Hias
    • Hallo zusammen,

      Fredi Kasparek hat 1993 im Rheinl.-pfälzischen Pilzjournal über einige kleinsporige Psilocyben berichtet: Rheinl.-Pf.Pilzj. 3 (1): 69 -73
      Guzman (The Genus Psilocybe, 1983) hat die 6 Arten (und 1 Varietät) nicht blauender Psilocyben mit kleinen, dünnwandigen Sporen und fehlenden Pleurozystiden in einer Sektion Pratense zusammengefasst.
      P. subviscida (heute P. montana) ist bei ihm die Art mit den kleinsten Sporen in der Sektion, mit Extremwerten von 6 x 3,8, also immer noch größer als die hier dargestellten Sporen. Guzman berichtet übrigens auch von selten 6-sporigen Basidien.

      Spontan fiel mir zu den Fotos Psilocybe montana (Syn. P. subviscida) ein. Hier ein Porträt von Fredi Kasparek: tintling.com/inhalt/2002/psilocybe_montana.pdf

      Viele Grüße
      Karin
      Alle sagten: "Das geht nicht." Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es gemacht.
Hilbert Meyer, Professor für Schulpädagogik, Universität Oldenburg

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Tintling ()

    • Hallo zusammen,

      danke für eure Antworten! Ja, irgendeine Deconica-Art wäre auch mein Tipp gewesen (die haben mich ebenfalls schon oft reingelegt). Abgesehen von der Sporengröße (Guzmans Werte kommen meinen schon recht nahe) sind es vor allem die Cheilozystiden, die mich stutzig machen. Die sind mir einfach zu untypisch für Deconica-Arten. Selbst wenn man diese stumpfen Auswüchse als Abnormalität einstuft (immerhin bei zwei Kollektionen beobachtet!), erscheinen mir die Chz immer noch zu voluminös/breit für Deconica. Auch konnte ich die zahlreichen birnenförmigen bis keuligen Zellen zwischen den größeren Zystiden der Koll. 1 bisher bei noch keiner Deconica-Art beobachten und finde auch in der Literatur nichts dazu. Die Zystiden sind außerdem immer entweder länger oder haben breitere Hälse als für die halbwegs passenden Arten in der Literatur angegeben.

      Naja, die Pilze werden eingetütet und wer weiß, vielleicht klärt sich das ja noch irgendwann.

      Schöne Grüße
      Gernot