Ungewöhnlicher Pappelschüppling Pholioto destruens syn. P. populnea

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    • Ungewöhnlicher Pappelschüppling Pholioto destruens syn. P. populnea

      Hallo!

      Ich bin neu hier im Forum, und ich hoffe, ich bin nicht zu dreist, mich als Neuling gleich im Expertenforum zu melden :) .

      Ich habe vor einigen Tagen einen Pappelschüppling gefunden, der in einigen
      Eigenschaften von den Beschreibungen in meinen Pilzbüchern abweicht, und ich möchte Euch fragen, was ich von diesen Abweichungen halten soll bzw. wie sie zu bewerten sind.





      Als ich noch nicht wußte, daß es sich um einen Pappelschüppling handeln könnte, beschrieb ich den Pilz in einem anderen Forum so:
      "Auf den ersten Blick dachte ich, ich habe den größten Shiitake meines
      Lebens gefunden! Die braune, weißgeschuppte Oberfläche und der dicke,
      weißgeschuppte, exentrische Stiel paßten gut. Er wuchs auf einem dicken
      Stammstück, vermutlich Weide oder Pappel.

      Die Lamellen sind, im
      Unterschied zum Shiitake, braun (dunkelbraun, rostbraun), ausgebuchtet
      angewachsen. Beim Anfassen bekommen die Finger braune Flecken. Sie sind
      elastisch, nicht gedrängt. Erst am Hutrand sind zahlreiche
      Zwischenlamellen vorhanden, die ein gedrängtes Bild geben. Die Lamellen
      sind vom Fleisch mit etwas Geschick abtrennbar. Auch die Huthaut ist
      abziehbar.

      Ganz am Rand sind die Lamellen derart schmal, fast
      nicht vorhanden, daß der Hutrand wie überstehend wirkt, wie eine ca. 3
      mm breite Krempe. Eine dünne schwarze, abziehbare Linie wird von
      Velumresten gebildet.

      Der Stiel hat weiße Schuppen, die beim
      Anfassen verschwinden und sich braun färben. Kein Ring. Sehr dick,
      exentrisch angewachsen. Fleisch von Stiel und Hut ist homogen, nicht
      getrennt, jedoch ist das Stielfleich komplett wässrig-schmutzig-braun,
      das Hutfleisch dagegen ist wässerig-weiß mit Brauntönen, "schmutzig",
      fest. Kein Wurmbefall, trotz leichter Überständigkeit."

      Auf den Tip hin, daß es sich um einen Pappelschüppling handeln könnte, habe ich detailgenau die mir vorliegenden Beschreibungen verglichen. (Bücher: Bruno Cetto, Der große Pilzführer, Bd. 1, BLV, und Aurel Dermek, Pilze unserer Heimat, Gondrom )
      Dabei fielen mir einige Unterschiede auf:


      Dermek: Hutgröße 6-12 cm, Stiel 5-12 x 1,5-3 cm
      Cetto: Hutgröße 5-20cm, Stiel 4-10 x 1-3,5 cm
      Pilz: Hutgröße 25cm, Stiel 15 x 5 cm

      Dermek: Hutrand von schuppigen Hüllresten fransig gewimpert
      Cetto: Rand schuppig
      Pilz: schwarze, abziehbare dünne Velumlinie. Keine Fransen
      Möglicherweise sind die Schuppen eingeschrumpelt

      Cetto: Lamellen gedrängt, gerade angewachsen, weißlich, dann braun, tabakbraun
      Dermek: mäßig dicht, zuerst blaß-cremefarben, später zimtbraun oder rostbraun (keine Angabe, ob ausgebuchtet o. ä.)
      Pilz: ausgebuchtet angewachsen, rostbraun. Am Hutrand sind die Lamellen derart schmal, fast nicht vorhanden, daß der Hutrand wie überstehend wirkt, wie eine ca. 3 mm breite Krempe. Nicht gedrängt, erst am Hutrand durch viele Zwischenlamellen gedrängt. Schneiden etwas weißlich.
      Die Lamellen sind nicht gerade angewachsen, wie Cetto sagt. Die "Krempe" wird nicht erwähnt

      Dermek: Abstehender schuppiger Ring, Stiel oberhalb glatt, unterhalb geschuppt
      Cetto: Flockiger Ring, Stiel auf der ganzen Länge schuppig
      Pilz: Kein Ring feststellbar, Stiel auf der ganzen Länge schuppig
      Der Ring könnte verlorengegangen sein

      Dermek: Geruch unangenehm
      Cetto: Mit charakteristischem, aromatischem Geruch
      Pilz: Kein Geruch feststellbar
      [i]Mein Geruchssinn ist nicht ausgeprägt, ein schwacher Geruch kann mir entgehen [/i]

      Dermek: Fleisch weißlich
      Cetto: weiß
      Pilz: Hutfleisch weißlich, von den Lamellen her braun angelaufen, leicht gläsern, Stielfleisch braun, leicht gläsern
      Das braune Stielfleisch wird nirgendwo erwähnt!

      Dermek: Geschmack bitter
      Cetto: Geschmack mild, dann säuerlich, ziemlich bitter
      Pilz: erst mild, dann bitter, später etwas stechend.
      Ich spürte beim Kauen eine Kreislaufbeschleunigung, die aber auch auf Unsicherheit beim Testen eines neuen Pilzes zurückzuführen sein könnte



      Ich betrachte mich noch als Anfänger in Sachen Pilze, und bin nicht sicher, was ich von diesen Abweichungen halten soll. Was ist Eure Meinung?

      Viele Grüße,
      Lauscher

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lauscher ()

    • Hallo "Lauscher",

      Willkommen in Forum! Ich habe Deinen Beitrag in das dafür geeignete Unterforum verschoben.

      Zu Deiner Frage:
      von den Bildern her scheint mir Dein PIlz ein recht typischer Pappelschüppling zu sein.

      Den Ring muss man an einem jungen Exemplar beurteilen - so wie es aussieht, hättest Du Dir auf Bild 4 die Frage selbst beantworten können.

      Geruch und Geschmack werden in der aktuellen Bestimmungsliteratur (z.B. Ludwig, Pilzkompendium) als variabel angegeben. Für die Bestimmung der Art sind diese Merkmale nicht erforderlich.

      Deine Beobachtung, dass die Huthaut 3mm über die Lamellen überhängt, ist interessant. Sie fehlt in der Beschreibung beim Ludwig, in den Pilzen der Schweiz und auch in der Flora Neerlandica, die normalerweise extrem präzise beschreibt. Ich werde mal bei einem Fund hier am Rhein gucken, ob das konstant ist.

      Noch eine Bemerkung sei mir erlaubt: Ohne Dir zu nahe treten zu wollen - mit dem Cetto kann man keine Pilze bestimmen. Da Du offensichtlich über eine sehr genaue Beobachtungsgabe verfügst, wäre Dir mit moderner Literatur sehr geholfen. Lass' Dich mal bei einem Fachmann beraten (z.B. myco-shop.de). Die Großpilze Baden-Württembergs werden gerade verramscht... bald ist Weihnachten ;)

      Viele Grüße,


      Wolfgang Prüfert
    • Hallo Wolfgang,
      Willkommen in Forum!
      Dankeschön!
      Den Ring muss man an einem jungen Exemplar beurteilen
      Das war mir nicht klar, danke.

      so wie es aussieht, hättest Du Dir auf Bild 4 die Frage selbst beantworten können.
      Auf dem Foto scheint ein Ring recht deutlich - in natura war es mir nicht eindeutig, ob es sich wirklich um einen Ring handelte oder nicht nur um ine Sporenverfärbung auf den Schuppen war.

      Deine Beobachtung, dass die Huthaut 3mm über die Lamellen überhängt, ist
      interessant. Sie fehlt in der Beschreibung beim Ludwig, in den Pilzen
      der Schweiz und auch in der Flora Neerlandica, die normalerweise extrem
      präzise beschreibt. Ich werde mal bei einem Fund hier am Rhein gucken,
      ob das konstant ist.
      Ja, das würde mich auch interessieren. Ich fand das Merkmal so auffällig, daß es mich wunderte, es nirgendwo beschrieben zu finden.

      Noch eine Bemerkung sei mir erlaubt: Ohne Dir zu nahe treten zu wollen - mit dem Cetto kann man keine Pilze bestimmen.
      Ich gebe Dir vollauf recht :D - ich habe ihn vor kurzem online teuer gekauft und war doch sehr enttäuscht. Sehr unübersichtlich, und nicht so ausführlich, wie ich hoffte.

      Da Du offensichtlich über eine sehr genaue Beobachtungsgabe verfügst,
      wäre Dir mit moderner Literatur sehr geholfen. Lass' Dich mal bei einem
      Fachmann beraten (z.B. myco-shop.de). Die Großpilze Baden-Württembergs
      werden gerade verramscht... bald ist Weihnachten ;)
      Ja, neue Pilzliteratur ist angesagt - ich habe bereits ca. 10 Pilzbücher, bin aber immer noch unzufrieden damit.

      Ich wünsche mir ein Buch, das deutlich mehr als 1000 Arten aufführt, die Pilze auch im Längsschnitt zeigt, ihre Hutunterseite zeigt, evtl. sogar den Sporenabdruck, und in der Beschreibung viele Details enthält. Auch die Mykorrhizapartner und. die Substrate der Pilze sind mir wichtig.

      Viele Grüße,
      Lauscher
    • Hallo Lauscher,

      Ich wünsche mir ein Buch, das deutlich mehr als 1000 Arten aufführt, die
      Pilze auch im Längsschnitt zeigt, ihre Hutunterseite zeigt, evtl. sogar
      den Sporenabdruck, und in der Beschreibung viele Details enthält. Auch
      die Mykorrhizapartner und. die Substrate der Pilze sind mir wichtig.
      Das wird ein Buch, es sei denn es hat tausende von Seiten, wohl nicht können. Solange wir über Großpilze reden, die Basidiomyceten sind, kommt man um einige Standardwerke nicht herum, die die Bestimmung ermöglichen, aber oft keine oder kaum Bilder der bestimmten Pilze beeinhalten, sondern eben Schlüsselwerke sind (aktuell z.B. Funga Nordica (engl.)). Daneben gibt es eben die Bildbände wie Cetto, Dähnke usw., wo eben die wichtigen Details, auch z.B. zu Verwechselungsmöglichkeiten, fehlen.
      Wenn du aber mal richtig tief einsteigst, kommst du um Gattungsmonographien (leider oft sehr teuer) nicht mehr rum. Dann muß man aber auch mikroskopieren. Wobei "muß" hier das falscheste Wort ist, denn die Welten, die sich einem da erschließen, sind beeindruckend.

      LG, Jens