Schwarze Anamorphe an Fichtenharz

    • Schwarze Anamorphe an Fichtenharz

      Hallo zusammen,

      den schwarzen Belag konnte ich schon mehrmals an eingetrocknetem Fichtenharz finden (bei uns ist es gerade knochentrocken, und in der Not frisst der Teufel Fliegen;-). Es handelt sich um einen Hyphomyceten mit kettenartig sprossenden Konidien, die in der Art eines Kalottenmodells auch winkelig verzweigt sein können. Ich konnte in meiner Literatur und im Web leider nichts eindeutiges dazu finden, glaube aber, dass es wohl nichts seltenes ist. In einer Publikation über Mycosphaerellaceae (Braun et al) gibt es Abbildungen einer Catenulostroma germanicum, die meinen Funden sehr ähnlich sehen. Diese Art (Typus) ist jedoch auf Steinen gefunden worden. Vielleicht ist das aber ja auch was Häufiges und einigen Lesern bekannt!?

      Kurzbeschreibung:

      Schwarzer und sehr flacher, matter, trockener Belag auf eingetrocknetem Fichtenharz. Bräunliche, etwas rauhe Hyphen, viele kurz- und längerkettige, rundliche und dunkelbraune Konidien, die abgewinkelt, eingerollt oder verzweigt sein können.

      Grüßle
      Jürgen
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      • Anamorph-spec01.jpg

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    • Hallo Jürgen,

      mein Vorschlag wäre die Anamorphe einer Sarea Art. Auf dem 2. Bild meine ich sogar zwei winzigste schwarze Becher zu erkennen. Sarea difformis wäre dann wohl eine Möglichkeit. Was es da aber sonst noch so alles gibt weis ich allerdings nicht und ob das mikroskopisch hinhaut ebenso.

      Gruß Joschi
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      • Anamorph-spec02.2.jpg

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    • Hallo Joschi,

      vielen Dank für Deinen Tipp. Ich kannte diese Gattung noch gar nicht. Ich konnte allerdings keine Becherchen oder kleinen Scheibchen auf dem Substrat finden, dort ist nur der schwarze Belag drauf. Leider besitze ich keine weiterführende Literatur zur Gatung Sarea, um das abzuchecken. Ellis & Ellis (Microfungi on Landplants) ist jedoch schon auf meiner Wunschliste. Vielleicht schaut der ein oder andere "Phytoparasiten-Freund" hier noch rein. Vielleicht probiere ich es mal im französischen Asco-Forum.

      Grüßle
      Jürgen
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    • Hallo Jürgen,

      ob Dir hier die "Phyto Freunde" helfen können wage ich mal zu bezweifeln. Ein Lichenologe wäre da vielleicht hilfreicher. ;)

      Bei dem Substrat altem Harz und der schwarzen Farbe dachte ich halt sofort an ein Harzbecherchen, die so weit ich weis die meiste Zeit des Jahres nur als Anamorphe "dahinwegetieren". Im Frühjahr dann aber auch mal richtige Becher ausbilden können. An altem Lärchenharz hab ich dieses Jahr schon kleine orangene Sarea resinae gesehen.

      Für die "Teufels-Fliegenzeit" hast Du Dir mit dem alten Harz was passendes rausgesucht. :)

      Ich häng Dir mal noch zwei ältere Fotos an.

      Gruß Joschi
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      • resinae1.2.jpg

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      • cf-difformis1.1.jpg

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    • Hallo Eric,

      danke für Deinen Tipp. Eine Ähnlichkeit ist da vorhanden, und diese Formgattung ist sicher eine gute Spur, aber da passt nichts so richtig. Hier mal eine weitere Aufsammlung (die dritte). Eine Flechte konnte ich bisher nicht ausmachen, und dieser schwarze Belag scheint dem Harz, oder wie hier auch dem entrindeten Holz direkt aufzuwachsen. Ich werde mal Uwe Braun kontakten.

      Grüßle
      Jürgen
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      • Anamorphe-harz01.jpg

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      • Anamorphe-harz02.jpg

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    • Hallo zusammen,

      die Art hat nun dank Professor Uwe Braun, den ich dazu kontaktierte, einen Namen. Erics Gattungs-Tipp trifft ins Schwarze. Es handelt sich um Trimmatostroma betulinum, die hauptsächlich an Ästchen von Birken vorkommt, aber auch an Nadelhölzern gefunden werden kann. Hier noch ein Link, mit einer Abbildung aus Ellis&Ellis. Jule hatte diesen Hyphomyceten mal gefunden:

      pilzepilze.de

      Grüßle
      Jürgen
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    • Schwarze Anamorphe an Fichtenharz

      Hallo Jürgen,

      der von dir vorgestellt Pilz erinnert mich an eine sehr ähnliche, wenn nicht gleiche Form, die mir bei meinen früheren Arbeiten über Ruß- und Schwärzepilze untergekommen ist. Wir nannten den Hyphomyceten "Fingerpilzchen" (Cheiromycella microscopica [Karst.] Hughes) mit Vorkommen auf Fichten- und Kiefernholz. Ich finde gerade eine gute Abbildung davon in Elli/Ellis: Microfungi on Landplants, Fig. 831. Trimmatostroma betulinum kenne ich nur von Birke.

      Mit Gruß aus Wolfenbüttel - Heinz
    • Lieber Heinz,

      herzlichen Dank für Deinen Tipp! Tatsächlich sehen einige Konidien meiner Aufsammlung so aus, wie die von Ch. microscopica. Ich habe Ch. microscopica mal auf einem Fichtensast gefunden und mikroskopiert (untere Abbildung). Da konnte ich z.B. nur hyaline Konidiophora sehen. Lt. Literatur handelt es sich bei den Konidiomata um Sporodochien. Vermutlich setzt sich der schwärzliche Belag aus zwei oder mehr verschiedenen Hyphomyceten-Arten zusammen, das soll ja bei den Schwärzepilzen vorkommen.

      Grüßle
      Jürgen
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      • Cheiromycella-micro04.jpg

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