Posts by Wolfgang Prüfert

    Hallo PiTho,


    die Farbe des Sporenpulvers deutet eher in Richtung Faserling (Psathyrella) als in Richtung Fälbling (Hebeloma).


    Ich würde den Pilz im Umfeld des Wässrigen Mürblings (Psathyrella piluliformis) suchen. Allerdings mache ich um die Gattung meist einen Bogen, weshalb ich zur genauen Art keine Hilfe bin. Ich vermute aber, dass man ohne Mikromerkmale nicht sicher zum Ziel kommt.


    Grüße,



    Wolfgang

    Hallo Dirk,


    ohne Zusatzbeleuchtung geht es meist nicht. Für Fotografen gibt es aber inzwischen erschwingliche LED-Videoleuchten mit einem CRI von 98, ich habe eine mit CRI 94, das ist schon deutlich farbneutraler als eine handelsübliche Taschenlampe.


    Hängt natürlich davon ab, wie wichtig Dir eine naturnahe Farbgebung Deiner Bilder ist.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Tuber,


    Eine Online-Kartierung ist im 21. Jahrhundert doch eine vollwertige Alternative. Vielleicht gibt's noch eine App dazu fürs Gelände, aber ein Programm, das von jedem Benutzer auf Windows installiert werden muss, entspräche nicht mehr den Rahmenbedingungen moderner IT.


    Mit Indicia, um das es hier geht, kartiert auch z.B. die British Mycological Society, oder die Deutsche Pflanzenkartierung NetPhyD.


    Grüße,


    Wolfgang

    Wenn die Genetiker feststellen, bei M. rhodosperma und M. mastoidea handelt es sich um die selbige Art - was dann? Bisher hat man nur immer einen Teil von der Doppelhelix sequenziert, um daraus gewissen Schlüsse zu ziehen.

    Hallo Tuber,


    rhodosperma und mastoidea sind mit der derzeit verwendeten molekularen Standard-Methode (ITS) gut zu trennen.


    Das heißt natürlich noch nichts, denn ein unterschiedlicher Sequenz-Ausschnitt ist nur ein weiteres (wenn auch starkes) Merkmal, um Artkonzepte aufzustellen. Zwischen diesen beiden kommen aber noch weitere, "klassische" Merkmale dazu, wie die SPP-Farbe, Stiel-Farbe und -ornamentation, etc.


    Interessant wird es ja eher innerhalb von mastoidea s.l. , wo es mit gracilenta, rickenii, konradii, affinis ... verschiedene Namen gibt, die sich (außer an der Tiefe der Färbung und der Art der Schuppung) nicht klar voneinander abgrenzen lassen. Da wäre ein genetisches Merkmal schon recht willkommen, um die unterschiedlichen Erscheinungsformen zu klassifizieren. Aber da hilft die ITS nicht weiter, und auch andere Sequenzbereiche nicht.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Dirk,


    ich kann den Beitrag von abeja nur in allen Punkten unterstützen. Pilzbestimmung funktioniert so leider nur in seltenen Fällen.


    Die kleinen violetten Punkte zwischen den Lamellen deuten auf eine künstlerische Farbverschiebung bei der Bearbeitung, ggf. zusammen mit einer nicht farbneutralen LED-Beleuchtung. Das macht die Bestimmung im Allgemeinen noch mehr zu einem Rätselspiel.


    Auf Deinem Bild hat sich übrigens eine zweite Pilzart versteckt: die kleinen schwarzen Kügelchen unter der Rinde gehören zu einem Pyrenomyceten (Kernpilz).


    Gruß,


    Wolfgang


    P.S.: wirklich schönes Bild übrigens - Danke dafür!

    Fällt uns wirklich keine zweckmäßigere deutsche Bezeichnung ein, um bspw. von ihr das ein oder andere (makroskopisches) Merkmal ableiten zu können? My 2 cents

    Hi Andreas,


    das ist ja die Crux in der Gruppe, dass alle Merkmale irgendwie ähnlich, überlappend, und verwirrend sind - eben so wie die Sequenzen.


    Und mit Deutschen Namen wie "Dunkel grobschollig aufreißender Zitzenschirmling" wäre ja auch niemandem gedient...


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Tuber,


    Pilze der Schweiz 4 (250) wird zwar als "konradii" bezeichnet, zeigt aber rhodosperma - das ist der älteste valide Name für den Pilz, der jahrzehntelang in Deutschland (Ost und West) als "konradii" und in den Niederlanden als "fuliginosa" bezeichnet wurde. Da muss man sich nur an den anderen Namen gewöhnen, die Art ist ansonsten gut definiert. "Kleiner Bruder des Parasols" trifft es, finde ich, nicht schlecht. Soo klein ist er aber nicht immer, ich kenne ihn auch fast in Parasol-Größe, aber zusammen mit der Ökologie im Laubwald, sowie den außen meist fehlenden Hutschuppen und feineren Stielschuppen aber gut bestimmbar.


    Pilze der Schweiz 4 (248) wird zwar als "excoriata" bezeichnet, zeigt aber eher mastoidea f. konradii, das wäre also konradii gemäß dem Typus von Orton, mit weißem Stiel.


    Grüße,



    Wolfgang

    Hallo Hans,


    leider gibt es wenig Hoffnung, dass sich im procera- und im mastoidea-Komplex demnächst die Fronten klären.


    Im Moment hat man ja noch nicht mal einen Sequenzbereich gefunden, in dem die "Arten" (wenn es denn welche sind) auflösen.

    Deswegen plädiere ich ja für "agg".


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    das ist im "Feld" alles nicht sooo einfach nachzuvollziehen

    nicht mehr im Feld sondern am Mikro oder am Sequenzierer wird's ja aktuell keinen Deut besser, insofern müsste man m.E. procera und mastoidea meist auf Aggregats-Ebene kartieren.


    Bei rhodosperma finde ich die feinschuppige Stielnatterung eigentlich ein recht konstantes Merkmal. Die Ökologie (rhodosperma ist bei mir ein Pilz der sauren Buchenwälder) ist leider nicht so eindeutig, denn procera und mastoidea können da auch vorkommen (umgekehrt habe ich aber noch keine rhodosperma auf der Wiese gesehen).


    Derzeit gibt's auch noch das Problem, dass der Deutsche Name "Sternschuppiger R." sowohl für M. rhodosperma, als auch für mastoidea f. konradii benutzt wird.


    Weil die Gattung doch hohe Aufmerksamkeit hat, wären ein-eindeutige deutsche Bezeichnungen hilfreich, um die Verwirrung aufzulösen. Und "Rosasporiger R." für rhodosperma ist auch wieder nur verwirrend, weil die Sporen mal stärker, mal schwächer creme-rosa sind - wie bei procera auch.


    Wahrscheinlich dreht man den Spieß besser um und verwendet den (gut eingeführten) Namen "Sternschuppiger R." für rhodosperma, und nennt mastoidea f. konradii dann "Konrads Zitzenschirmling". Was denkt Ihr?


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    wenn man sich in der Gattung auf die 4 (Sammel)arten beschränkt, die sich auch per ITS unterscheiden lassen, finde ich das Artkonzept eigentlich recht klar:


    - procera

    - excoriata

    - rhodosperma (früher oft fälschlich konradii genannt)

    - mastoidea


    Wenn man tiefer 'reingehen will, wird's sowohl im procera- wie im mastoidea-Komplex schnell unübersichtlich. Insofern finde ich die Vorgehensweise von Vellinga nachvollziehbar, darunter bis auf weiteres über "Formen" zu sprechen.


    Unten nochmal ein typischer rhodosperma (der sich übrigens nicht notwendig anhand der Sporenpulverfarbe von anderen Arten unterscheidet, sondern halt nur unter diesem Namen beschrieben worden).



    Zum Taxon "konradii" schreibt Frank allerdings etwas, was sich nicht mit meinem Wissensstand deckt:

    Macrolepiota konradii (Huijsman ex P.D. Orton) M.M. Moser 1967 ist eine Form von M. procera mit glattem Stiel, anliegenden Schuppen und weißem Sporenpulver (= M. procera var. konradii (Huijsman ex P.D. Orton) Gminder 2003)

    Nach meiner Kenntnis wurde der Typus von konradii genetisch in den mastoidea-Komplex eingeordnet. Dazu passt auch der glatte Stiel und das weiße SPP.


    Hier wurde aktuell ein konradii s.str. gezeigt und diskutiert:


    https://www.pilzforum.eu/board…das-f%C3%BCr-schirmlinge/


    Grüße,


    Wolfgang


    Hallo Sonnenschein,


    Champignons (und Dein Pilz gehört dazu) sind für Sammler ziemlich schwierig: es gibt giftige Champignons, die sich nur schwer von eßbaren Arten unterscheiden lassen. Einige Arten sammeln stark Cadmium. Mindestens ein giftiger Champignon ist kürzlich aus dem Mittelmeer-Raum eingewandert, der gerade dem Wiesenchampignon zum Verwechseln ähnlich ist.


    Nur anhand von Bildern kann es grundsätzlich keine Essensfreigabe geben, weil man viele Merkmale und auch den Zustand nicht beurteilen kann. Aber inzwischen geben viele Sachverständige gar keine Champignons mehr frei, selbst wenn sie vor ihnen liegen.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    Zur Info, falls es weiterhilft: in der kleinen Tricholoma-Monographie FNE 4 von Christensen&Heilmann-Claussen steht im Text zu columbetta:


    "Many records of T. albidum seem to refer to albino forms of T. terreum or T. scalpturatum (e.g. Riva 2003), and the taxon was recombined as Tricholoma argyraceum var. albidum by Krieglsteiner (2001). We have not been able to study the type of T. albidum, and are uncertain about its taxonomic status. "


    Das starke Gilben auf dem 1-Tag-Später-Bild von Klaas und die nicht so schmalen Sporen deuten m.E. in die Richtung eines Albinos von T. scalpturatum.


    ...wäre auch ein Kandidat für 'ne Sequenz.

    Mikroskopisch könnte man noch auf das Vorhandensein einer Subpellis aus kugeligen Zellen prüfen.


    Grüße,



    Wolfgang

    Hallo abeja,


    bei mir ist queletii nicht selten, aber diese Farbvariante kenne ich nicht. Bei mir hat er immer die zimtbräunliche Hutfarbe wie auf dem 2. Bild auf der von Dir verlinkten boletales.com-Seite. Das Rot am Stiel kann auch mal so schwach ausfallen wie bei Deinem Fruchtkörper.


    Was Passenderes als Bestimmungsergebnis kann ich jedenfalls nicht beitragen, wobei ich die übrigen seltenen Rotporer nicht gut kenne.


    Gruß und Danke fürs Zeigen,


    Wolfgang

    Pilzforschung an der Uni Halle: nicht überall haben Phythopathogene so viele Liebhaber wie in der Z. Mykol.


    Der VBIO berichtet in seinem aktuellen Rundbrief, dass eine einfache Substanz namens Acetohydroxamsäure die auskeimenden Pilzsporen daran hindert, Stickstoff zu verstoffwechseln. Damit kann man z.B. Colletotrichum graminicola, einen Rostpilz an Mais, aber auch viele weitere landwirtschaftliche Schadpilze bekämpfen:


    https://www.vbio.de/aktuelles/…-pilzbefall-zu-schuetzen/


    Wenn es nur soviel Forschung FÜR Pilze gäbe wie dagegen...


    Grüße,

    Wolfgang

    Hallo abeja,


    danke für die schönen Bilder - den hab' ich noch nie "live" gesehen!

    kann man davon ausgehen - wenn die Fundorte ca. 50 m voneinander entfernt liegen (geschotterter Weg dazwischen u.a.) - dass es sich um unterschiedliche Mycelien handelt?

    Weil die seltenen Boleten fast immer in alten Laubwäldern vorkommen (= lange kontinuierliche Bewirtschaftung als Buchenwald) , würde ich erstmal vermuten, dass auch ihre Mycelien relativ alt und groß werden. Vielleicht wurde das Mycel bei der Anlage des geschotterten Weges geteilt, und jetzt leben beide Hälften getrennt? Wären das dann nach Deiner Ansicht ein oder zwei Mycelien?


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo abeja,


    casesiotincta kenne ich nicht, für mich wäre Nr. 1 daher als murinella durchgegangen.

    In den aus meiner Sicht zuverlässigsten Quelllen nachgelesen: Ludwig (Pilzkompendium) synonymisiert beide. Boekhout (Flora Neerlandica agaricina) schlüsselt sie getrennt nach Substrat, was ich nicht überzeugend finde. Man muss dort schon im Kleingedruckten lesen, um noch einen unterschiedlichen Sporenquotienten zu finden, in der Diskussion wird auf den Unterschied der Arten leider nicht eingegangen.


    Zu Nr. 2: filzige Pluteusse gibt's scheinbar wirklich nur zwei in der deutschen Literatur, nämlich den den kleinen hispidulus und Deinen ephebeus.


    Gruß,


    Wolfgang


    P.S.: endlich wieder Pilze sehen - in RPL ist immer noch Dürre...

    https://www.dwd.de/DE/leistung…te_dl/bodenfeuchtedl.html

    Hallo an alle,

    und es auch keine Verfärbungen am Stiel gab

    Nein - Karbolchampignons verfärben im Allgemeinen nur im Fleisch der Knolle gelb, und die ist hier abgeschnitten.

    Daher fehlt dem gezeigten Pilz das wichtigste Merkmal, um ohne weitere Hilfsmittel (Chemie, Mikroskop, ...) einen typischen Karbol- von einem typischen Anis-Champignon zu unterscheiden. Und Pilze sehen nicht immer typisch aus, und durch den Klimawandel wandern auch weitere, nicht gilbende Karbol-Champignons aus dem Süden ein.


    Aus gegebenem Anlass hier also nochmal die eindringliche Warnung an alle mit-lesenden Speisepilz-Sammler: gerade Champignons kauft man wirklich besser im Supermarkt, denn die wildlebenden sind sehr schwierig. Die Magen-Darm-Vergiftungen mit Karbol-Champignons können sehr heftig ausfallen. Und: die Stielbasis gehört bei allen Anfragen zur Bestimmung immer dazu.


    Gruß,


    Wolfgang