Brandkrustenpilz

Für Diskussionen über die Gesellschaft, ihre Strukturen und Ziele dient ausschließlich das Board "DGfM e.V." als Plattform zum Meinungsaustausch.

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Peter Specht.

  • Hallo,
    In der einschlägigen Pilzliteratur wird der Brandkrustenpilz als Saprophyt an Laubholz beschrieben (Jahn: Pilze an Holz, Pilze der Schweiz usw.). Inzwischen ist man wohl zur Erkenntnis gekommen dass die Art ein gefährlicher Parasit ist (Wikepedia usw.) Kann mir Jemand sagen auf welche Untersuchungen diese neue Meinung zurückgeht?


    Gruß Gerhard

  • Danke Peter,


    Es ist schon erstaunlich dass es offensichtlich schon um 1950 Veröffentlichungen gibt, die auf die Gefährlichkeit dieser Pilzart hinweisen. Trotzdem wurde (und wird?) auch Jahrzehnte später der Brandkrustenpilz immer noch von namhaften Mykologen als Saprophyt angesprochen.

  • Hallo,


    Parasitismus und die Gefahr, die von einem Pilz ausgehen dürfen nicht gleichgesetzt werden. Beim Parasitismus handelt es sich vielmehr um eine Lebensform. Und dabei lebt der Pilz (wenn wir es auf ihn beziehen) in der Regel in lebendem Gewebe und stirbt auch meistens ab, wenn das Wirtsgewerbe abstirbt. Der Brandkrustenpilz ist dagegen ein typische Saprophyt, der sich von abgestorbenen Material (Zellen) ernährt. Und das ist beim Baum der der größte Teil der Zellen. Nur im äußeren Splintbereich leben einige Zellen des Holzgewebes noch.
    So findet man den Brandkrustenpilz derzeit auch vor allem an Totholz in Form von liegenden Stämmen und an Stöcken. Vor allem in Buchenbeständen kann man die "verbrannten" Holzstücke überall finden.
    Sicher gehen eine Reihe von Saprophyten, bei für Sie günstigen Bedingungen auch mal an angrenzendes lebendes Material. Und vor allem der Hallimasch (genau genommen einige Arten des Hallimasch) kann in dem Zusammenhang auch als Saprophyten, die auch fakultative Parasiten sein können betrachten.


    Als strenge Parasiten können die Rostpilze und der Eichenmehltau angesprochen werden.


    Übrigens würde ich das Bild auf der Wikipediaseite nur als Schleimfluß der Buche deuten. Erreger ist dabei (so sieht dieses Bild aus) oft die Wurzelhalsfäule der Buche die durch den Erreger Phytophthora sp. hervorgerufen werden. Die sind übrigens echte Parasiten und über die dann entstandenen freien Holzkörper dringt gern einmal Kretschmaria deusta ein.


    Beste Grüße


    Markus

  • Ich glaube Markus hat das Problem schon benannt. Auch stehende (also lebende) Bäume bestehen zu einem Großteil aus abgestorbenen Zellen. Selsbtverständlich tragen aber dieses Zellen des abgestorbenen (komplett verholzten) Teiles von Stammm und Wurzeln zur Standsicherheit von Bäumen bei. Erst wenn die Zellwände zerstört werden und Lignin und Zellulose abgebaut werden kommt es zu Gefährdungen.
    Die Annahme, dass Kretzschmaria deusta ein Parasit sei, beruht wohl vor allem darauf, dass er auch lebende Bäume befällt (für wen ist schon erkennbar, dass er dort nur totes Material abbaut). Aber auch der Abbau toten Materials führt zur Beeinträchtigung der Standsicherheit, weil eben ein guter Teil der lebenden Bäume aus totem Zellmateral besteht.


    Leider tragen derzeit rigorose Baumschnittarbeiten vermehrt dazu bei, dass totes Zellmaterial vermehrt an der Außenseite der Stämme zu finden ist (Beschnitt von Starkästen bis hin zum Kappen ganzer Kronen).


    Ein Nachweis, dass der Brandkrustenpilz tatsächlich auf lebenden Zellen parasitiert, ist mir nicht bekannt. Es besteht m. E. nur die irrige Annahme dass nur komplett entlaubte, liegende Bäume totes Zellmaterial enthalten würden.