Austern-Seitling oder nicht?

    • Austern-Seitling oder nicht?

      Guten Morgen zusammen,

      vor einigen Jahren hatte ich in der Wikipedia den Artikel über den Austern-Seitling (Pleurotus ostreatus) neu illustriert. Als Hauptbild hatte ich dieses Foto (Charl de Mille-Isles from Mille-Isles, Canada; Wikimedia Commons; Creative-Commons-Lizenz BY 2.0) verwendet:



      Auf der Diskussionsseite des Artikels wurde kürzlich die Bestimmung angezweifelt:
      Könnte jemand verifizieren, daß das aktuelle Bild wirklich den Austernseitling abbildet? (Es wird auch in der Familie als Pleurotus ostreatus benutzt.)Auf der Mehrzahl aller Austernseitlingsbilder in Google scheinen die Lamellen am Stiel hinunter bis ins Substrat zu reichen.
      Was meint ihr: Ist das ein Austern-Seitling oder nicht?

      Gruß, Andreas
    • Hallo, Andreas!

      Wenn das ein europäischer Fund wäre, müsste er schon mal in die Gattung gehören. Mit der Fruchtkörperform und dem Lamellenansatz (ist ja deutlich herablaufend, wenn auch nicht bis zur Stielbasis) müsste man sich nur noch zwischen Pleurotus ostreatus und Pleurotus pulmonarius entscheiden.
      Wobei ich da mittlerweile resigniert habe, auch im mikroskopischen Bereich (sklerifizierte Hyphen), daß jede Kollektion klar einer der beiden Arten zuzuordnen wäre. Es gibt ja so wunderliche Sommerformen von Pleurotus ostreatus (die schon so aussehen, wie auf dem zitierten Bild), die sich in Form und Farben stark dem klassischen Pleurotus pulmonarius annähern.
      Hat da eigentlich mal jemand untersucht, ob die beiden Arten zufällig Hybriden bilden können?

      Das aber mehr am rande, wenn das Bild nämlich eine kanadische Kollektion zeigt, wird es noch mal etwas schwieriger, weil ich so dunkel im Kopf habe, daß da noch ein oder zwei weitere Arten unterwegs sind, die bislang aus Europa nicht dokumentiert wurden.


      LG; Pablo.
    • Hallo Pablo,

      Beorn schrieb:

      Mit der Fruchtkörperform und dem Lamellenansatz (ist ja deutlich herablaufend, wenn auch nicht bis zur Stielbasis) müsste man sich nur noch zwischen Pleurotus ostreatus und Pleurotus pulmonarius entscheiden.
      Wobei ich da mittlerweile resigniert habe, auch im mikroskopischen Bereich (sklerifizierte Hyphen), daß jede Kollektion klar einer der beiden Arten zuzuordnen wäre. Es gibt ja so wunderliche Sommerformen von Pleurotus ostreatus (die schon so aussehen, wie auf dem zitierten Bild), die sich in Form und Farben stark dem klassischen Pleurotus pulmonarius annähern.
      Hat da eigentlich mal jemand untersucht, ob die beiden Arten zufällig Hybriden bilden können?
      Ich meine mich daran zu erinnern, dass es eine makrochemische Farbreaktion gibt, die nur der Austern-Seitling haben soll. Oder täusche ich mich?

      Beorn schrieb:

      Hallo, Andreas!
      wenn das Bild nämlich eine kanadische Kollektion zeigt, wird es noch mal etwas schwieriger, weil ich so dunkel im Kopf habe, daß da noch ein oder zwei weitere Arten unterwegs sind, die bislang aus Europa nicht dokumentiert wurden.
      Ich habe das strittige Bild sicherheitshalber aus dem Wikipedia-Artikel entfernt und ein anderes in die Infobox eingefügt.

      Vielleicht schaffe ich es die Tage nochmals zu meinen Eltern, da sich an deren Apfelbaum ein paar schöne Fruchtkörper entwickelt haben:







      Da lohnt es sich, mit einer gescheiten Kamera nochmals anzurücken, bevor der Baum gefällt wird. 8)

      Gruß, Andreas
    • Hallo, Andreas!

      Wenn die (bei Ludwig erwähnte?) magentafarbene Reaktion auf Sulfovanillin gemeint ist: Ich fürchte, das taugt nicht zur Abgrenzung. Funktioniert bei Pleurotus ostreatus nämlich ebenso, wenn auch nicht immer ganz konstant:



      Und bei Pleurotus cornucopiae geht das auch, nach eigenen Versuchen.

      Letztlich bin ich daran verzweifelt, aus Literatur und eigenen Funden irgendwie auch nur ein wirklich konstantes, immer funktionierendes merkmal herauszuarbeiten. Da müsste man wohl am besten eine möglichst umfassende Sammlung aller drei Arten aus der Gruppe durchführen, möglichst viele morphologische Merkmale dokumentieren und dann auch die Sequenzen angucken.

      Immerhin: bei einigermaßen typischen Kollektionen (Einzelfruchtkörper sind dann allerdings blös zu beurteilen) lassen sich die drei Arten normalerweise schon über Habitus - Merkmale ganz gut untescheiden. So wie bei deinen Apfelbaum - Austern zB: Da wird auch eine Sequenz wohl nix anderes sagen als Pleurotus ostreatus. :thumbup:


      LG, Pablo.
    • Hallo Pablo,

      ja genau, ich meinte die Farbreaktion der Huttrama bei Kontakt mit Sulfovanillin.
      Ludwig (2001) schreibt in seinem Pilzkompendium auf Seite 566:

      Erhard Ludwig schrieb:

      Fleisch: [...] Im Hut mit Sulfovanillin weinrot.
      Was mir seinerzeit etwas spanisch vorkam: Beim Austern-Seitling wird die Farbreaktion erwähnt, aber bei allen anderen Seitlingen nicht. Ich vermute einfach mal, dass das Merkmal einzig zur Artabgrenzung vom Lungen-Seitling (P. pulmonarius) dienen soll..?

      Beorn schrieb:

      Wenn die (bei Ludwig erwähnte?) magentafarbene Reaktion auf Sulfovanillin gemeint ist: Ich fürchte, das taugt nicht zur Abgrenzung. Funktioniert bei Pleurotus ostreatus nämlich ebenso, wenn auch nicht immer ganz konstant:
      Jetzt bin ich etwas verwirrt: Die Farbreaktion betrifft doch den Austern-Seitling - wolltest Du hier einen anderen Seitling mit "ebenso" anführen? ;)

      Beorn schrieb:

      Und bei Pleurotus cornucopiae geht das auch, nach eigenen Versuchen.
      Den Rillstieligen Seitling würde ich auch gerne mal finden. Ist der bei euch häufig?

      Beorn schrieb:

      Letztlich bin ich daran verzweifelt, aus Literatur und eigenen Funden irgendwie auch nur ein wirklich konstantes, immer funktionierendes merkmal herauszuarbeiten. Da müsste man wohl am besten eine möglichst umfassende Sammlung aller drei Arten aus der Gruppe durchführen, möglichst viele morphologische Merkmale dokumentieren und dann auch die Sequenzen angucken.
      Wohl war. Solange einfach Funde dokumentieren und Belege machen. :saint:

      Beorn schrieb:

      Immerhin: bei einigermaßen typischen Kollektionen (Einzelfruchtkörper sind dann allerdings blös zu beurteilen) lassen sich die drei Arten normalerweise schon über Habitus - Merkmale ganz gut untescheiden. So wie bei deinen Apfelbaum - Austern zB: Da wird auch eine Sequenz wohl nix anderes sagen als Pleurotus ostreatus. :thumbup:
      Denke auch, dass die Bestimmung safe ist.

      Gruß, Andreas
    • Hallo, Andreas!

      Hoppla, das war Pleurotus ostreatus, der so reagiert? Komisch, dann hatte ich das wohl eben verwechselt. Aber ja, Pleurotus pulmonarius kann das meiner Ansicht nach auch:


      Der Rillstielige ist hier sicher nicht häufig. Gelegentlich findet man mal einen (als Einzelfruchtkörper oder Büschel), bevorzugt in Auwäldern oder degradierten Auwäldern der Oberrheinebene und im Gegensatz zu den anderen beiden Arten anscheinend gerne an stärker zersetztem Substrat.




      LG, Pablo.