Ehrenamtliche Pilzberatung am siechenden Ende?

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  • Hallo Peter,


    Deine Fragen:
    Grundsätzlich wird jedes Jahr zur Frühjahrstagung eine Ehrung langjähriger oder verdienter Pilzberater durch den Vorstand direkt auf der Tagung vorgenommen und Präsente sowie Urkunden überreicht. Im Jahr 2018 waren es exakt 18 solcher Ehrungen die anlässlich der Tagung vorgenommen wurden.


    Bislang wurden von 4 Ehrenmitgliedern, die der LVPS hat, 3 Berater a. G. Ihrer Verdienste um die Pilzberatung durch diese Ehrenmitgliedschaft geehrt.


    Nach Vorschlag des LVPS gab es zudem weitere besondere Ehrungen für verdienstvolle Pilzberater. Auf die Schnelle:
    Brigitte und Ute Nothnagel wurden zu verdienten Bürgern der Stadt Weißenfels.
    Arno Martinköwitz wurde ins Golden Buch seiner Heimatstadt Roßlau eingetragen,
    Gisela Schult wurde vom Minister f. Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt der Heimatpreis Ilsenburger Eller verliehen (den erhielten auch Michael Gorbatschow und Dietrich Genscher) - die Laudatio zur Verleihung hielt der Vorsitzende des LVPS.
    Das Ehepaar Schindler erhielt für seine Tätigkeit als PSV des LVPS den Umweltpreis der Stadt Zeitz.


    Die Statistik auf der Seite stimmt nicht mehr so ganz - wahrscheinlich müssen wir die Veröffentlichung der Daten angesichts der DGSVO nochmals prüfen. Exakt hat der LVPS derzeit 120 Mitglieder und 79 aktive Pilzberater. Derzeit kommen jährlich zwischen 1 und 3 Berater dazu. Freilich liegt der Altersdurchschnitt viel höher als es wünschenswert wäre.
    Die Differenz von 79 zu 120 sind "Azubis", d . h. Pilzfreunde, die über kurz oder lang vorhaben, sich der Prüfung als Pilzberater zu stellen und derweil meist von einem "Paten" betreut werden und so alle Fortbildungen, Vorträge und Exkursionen und Fundbesprechungen miterleben.


    Die Frage nach der Anzahl der LVPS-Mitglieder, die auch DGfM - Mitglied sind, würde bedingen, dass wir die Mitglieder nach ihren sonstigen Vereinszugehörigkeiten befragen - das würde sicher gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen. Prüfen kann ich aber, wie viele der auf der web-Seite der DGfM stehenden PSV auch im LVPS als Pilzberater tätig sind. Das sind von 10 dort genannten PSV 8. D.h. 71 Pilzberater des LVPS sind nicht PSV der DGfM.


    48 der Pilzberater haben Verträge (Tätigkeitsvereinbarungen) mit Landkreisen oder Kommunen und erhalten eine Aufwandsentschädigung. 11 weitere haben Verträge und rechnen gegenüber Behörden mittels Honorar ab. 3 weitere Berater haben zwar Verträge erhalten aber kein Honorar oder eine Aufwandsentschädigung, aber der Vertragspartner Landkreis) trägt die Haftpflichtversicherung.


    Das mit dem Defizit musst Du wohl falsch verstanden haben. Ich sehe den LVPS absolut nicht als Defizit. Die damalige Haltung der Verantwortlichen der DGfM (das ist jetzt aber 25 Jahre her und hat nichts mit den derzeit handelnden Personen zu tun, insofern möchte man die Kritik bitte ganz gelassen nehmen) machte die Gründung des LVPS aus Sicht der Pilzberater notwendig. Viel lieber wäre es den Sachsen-Anhaltern damals gewesen, die DGfM hätte sich selbst um Regionalstrukturen bemüht und versucht, die ererbten Voraussetzungen für ein dichtes Pilzberaternetz zu nutzen und sich zu eigen zu machen.

  • Das Ideal wäre wohl saisonale Pilzberatung an einem festen, öffentlichen Ort zu einer festgelegten Zeit mit Kostenausgleich für die Beratenden. Bereitwillige, zahlreiche Berater und wohlwollende Kommunen vorausgesetzt. Dies würde auch im Einzelfall die Privatsphäre schützen

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dieses Model keineswegs die Privatsphäre schützt. Ich biete seit etlichen Jahren (mit Kostenausgleich durch die wohlwollende Kommune!) während der Saison im Rathaus Wetzlar Pilzberatung an. Weiterhin gibts Kurse an der VHS und sonstige Führungen und Vorträge.
    Das hat dann aber zwangsläufig zur Folge, dass ich in meinem heimischen Umkreis bekannt bin wie ein bunter Hund und dann rücken einem die Ratsuchenden erst recht auf die Pelle. Ich stehe dummerweise im Telefonbuch... ;(


    Grüße
    Harald

    Landeskoordinator Pilzkartierung Hessen

  • Nach Vorschlag des LVPS gab es zudem weitere besondere Ehrungen für verdienstvolle Pilzberater. Auf die Schnelle:
    Brigitte und Ute Nothnagel wurden zu verdienten Bürgern der Stadt Weißenfels.
    Arno Martinköwitz wurde ins Golden Buch seiner Heimatstadt Roßlau eingetragen,
    Gisela Schult wurde vom Minister f. Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt der Heimatpreis Ilsenburger Eller verliehen (den erhielten auch Michael Gorbatschow und Dietrich Genscher) - die Laudatio zur Verleihung hielt der Vorsitzende des LVPS.
    Das Ehepaar Schindler erhielt für seine Tätigkeit als PSV des LVPS den Umweltpreis der Stadt Zeitz.

    Danke für deine ausführlichen Info's, Peter!


    Das macht ihr wirklich vorbildlich. Dann scheidet aus meiner Sicht zumindest für euer Bundesland das Argument "mangelnde Anerkennung" wohl aus.


    Aus Bayern (BMG) ist mir bislang keinerlei solche oder näherungsweise vergleichbare Aktion für Pilzberater bekannt. In München wurden die Pilzberater lange Zeit einmal jährlich zum Weihnachtsessen mit Vertretern der Lebensmittelaufsicht und einem Stadtratsmitglied eingeladen. Das wurde m. W. vorletztes Jahr gestrichen.


    Beste Grüße, Peter

  • Hallo ihr lieben,


    ich denke viele von euch machen es sich schon etwas zu leicht. Ich für meinen Teil biete zwar Beratungen an, bin an sich viel lieber in der Pilzkartierung unterwegs, weil dort aus meiner Sicht meine Zeit und meine ehrenamtliche Arbeit im Endeffekt "sinnvoller" investiert ist. Die Ratsuchenden bringen meist nur alte Röhrlingsschlappen und haben auch leider wenig Einsehen, wenn ich denen Versuche den Verzehr von dem Röhrlingsmatsch auszureden. Das zehrt echt ziemlich an den Kräften.


    Das Problem mit Leuten, die erwarten, dass ich immer erreichbar sein muss, habe ich selten. Die Ratsuchenden wissen zum Glück meist, dass wir PSV ehrenamtlich aktiv sind. Ansonsten ist das Thema (finanzielle) Anerkennung ein schwerwiegendes. In einigen Landkreisen Sachsens gibt es finanzielle Aufwandsentschädigungen für PSV für Weiterbildungen etc. in einigen nicht. In Dresden z.B. leider nicht. Aus meiner Sicht sollte die DGfM nicht auf eine staatliche Anerkennung für eine "PSV-Ausbildung" anstreben sondern sich lieber dafür stark machen, dass die PSV bundesweit eine Entschädigung bekommen von kommunalen oder Landesbehörden, bzw. Krankenkassen etc. bekommen. Damit wäre viel gewonnen.


    Zum Thema gesundheitlicher Verbraucherschutz: Für Marktkontrollen etc. sind Lebensmittelkontrolleure zuständig; keine PSV! Wenn Bedarf besteht, dann kann die zuständige untere Lebensmittelüberwachungsbehörde einen PSV als externen Gutachter bestellen, der die Marktpilze begutachtet. Das passiert nur leider so gut wie nie. Ansonsten fühlen sich die Lebensmittelkontrolleure beim Thema Marktpilze fachlich überfordert und achten da auch nicht so drauf. Leider ist es wirklich so, dass das Thema Pilzberatung kaum bis gar keine Beachtung in der amtlichen Lebensmittelüberwachung findet. Sie legt eher Wert auf andere Schwerpunkte, die aus toxikologischer Sicht wichtiger sind, wie z.B. Kontaminten, Rückstände oder allgemeine Hygiene. Die Pilze fallen da hinten runter; leider.


    l.g.
    Stefan

    Auf der Suche nach dem heiligen (Pilz)Gral ;)

  • Aus Bayern (BMG) ist mir bislang keinerlei solche oder näherungsweise vergleichbare Aktion für Pilzberater bekannt.

    Servus Peter,


    deine Beobachtungsgabe ist ausgezeichnet. Ich gebe dir recht. Allerdings weißt du ebenso wie ich, dass die BMG erst seit 5 Jahren die Pilzberaterausbildung angeleiert hat und daher "altgediente" Pilzberater der BMG maximal seit 5 Jahren tätig sein können. Zumindest solltest du das ja wissen, da du damals, als wir damit begonnen hatten, Teil des Präsidiums der BMG warst.



    In München wurden die Pilzberater lange Zeit einmal jährlich zum Weihnachtsessen mit Vertretern der Lebensmittelaufsicht und einem Stadtratsmitglied eingeladen. Das wurde m. W. vorletztes Jahr gestrichen.

    Ja, das ist bedauerlich, geht aber von der Stadt München aus. Da du ja früher der Vorsitzende des VfP München warst, ist dir die Sachlage zwischen dem VfP München und der Stadt München ebenfalls bestens bekannt. Daher weißt du auch, dass die Stadt dem VfP München ihre Räumlichkeiten fest für den Verein zur Verfügung stellt, wenn der Verein dafür die Pilzberatung stemmt. Die Pilzberatung wird also durch die kostenlose Nutzung der städtischen Räumlichkeiten entgolten, was sehr großzügig ist.
    Dass die Stadt dass Essen gestrichen hat, ist sehr bedauerlich.


    Das sehe ich nicht als Defizit, sondern im Sinne von Regionalstrukturen sehr positiv. Die Zusammenarbeit könnte wohl intensiver sein, insbesondere wenn man Wünsche an die DGfM hat.


    Ich nehme das mal aus dem Beitrag, in dem du auf Peter Spechts Vorschlag erst positiv reagiert hast, um dann den Spieß umzudrehen und auch an ihn ein paar im Zusammenhang doch recht fordernd rüberkommende Fragen gestellt hast.


    Ja, die Zusammenarbeit könnte intensiver sein. Letzten Endes laufen wir seit Jahren der DGfM hinterher und bieten an, zusammenzuarbeiten. Wir bilden - auch das ist ja schon mehrfach von mir erwähnt worden - eure PSV ehrenamtlich seit Jahren fort. Die "Zusammenarbeit" ist da aber eben extrem einseitig. Andere machen etwas und ihr schreibt es auf eure Fahnen. Entgegenkommen? Angebote retour?


    Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht kann man irgendwann auch mit der DGfM zusammenarbeiten. In dem Wort ist halt auch ein "zusammen" enthalten.


    Lösungsorientiertes Denken und Handeln anstatt ein "ällabätsch - ihr habt ja auch keinen Preis" wäre hier zielführender. Damit du aber zufrieden bist: nein, die BMG hat im Moment auch keinen Preis oder besondere Ehrungen für Pilzberater ausgelobt oder umgesetzt. Nur sind wir eben noch ein sehr junger und auch finanziell nicht so gut wie die DGfM aufgestellter Verein. Man sollte da dann - finde ich - durchaus andere Maßstäbe ansetzen.


    Wie auch immer - ich denke, es wäre besser, zum eigentlichen Thema zurückzukommen. Es steht dir aber jederzeit frei, z.B. im BMG-Forum entsprechende Fragen zur Förderung von Pilzberatern zu stellen.


    Liebe Grüße,
    Christoph

  • ich denke viele von euch machen es sich schon etwas zu leicht

    Hallo Stefan,
    diese Aussage verstehe ich nicht, was meinst Du damit?


    Ich für meinen Teil könnte es mir sicher leicht machen, indem ich auch nur noch in Sachen Pilzkartierung unterwegs wäre und die Beratungs- und Kurstätigkeit aufgeben würde. Das würde mir einen gehörigen Haufen Zeit sparen und auch meine Urlaubsplanungen sehr deutlich entzerren.


    Beste Grüße
    Harald

    Landeskoordinator Pilzkartierung Hessen

  • Hallo in die Runde,


    Ich finde schon, dass konstruktive Ansätze hier drin stecken. Man muss sie vielleicht ein bisschen suchen, aber warum nicht darauf fokussieren ;)


    Preise, Auszeichnungen, Ehrenmitgliedschaften wären eine Möglichkeit der Anerkennung, die von den PSV offenbar häufig vermisst wird. Ich hatte mich tatsächlich vor kurzem gewundert, dass eine bestimmte Person, die sich meines Wissens nach sehr um die Ausbildung verdient gemacht hat, nicht bei den Ehrenmitgliedern aufgeführt ist.


    Etwas anderes, was vielleicht interessant sein könnte, hat Peter Specht nebenbei erwähnt:


    Die Differenz von 79 zu 120 sind "Azubis", d . h. Pilzfreunde, die über kurz oder lang vorhaben, sich der Prüfung als Pilzberater zu stellen und derweil meist von einem "Paten" betreut werden und so alle Fortbildungen, Vorträge und Exkursionen und Fundbesprechungen miterleben.


    Ich finde solche (auf beiden Seiten freiwillige) Mentoring-Konzepte eine gute Sache, sowohl in der Pilzberatung als auch bei der Kartierung. Peter, wie hat sich das bei der LVPS entwickelt, bzw. wer den Anstoß dazu gegeben? Wäre so etwas auch für die DGfM denkbar?


    Beste Grüße,
    Craterelle

  • Hallo zusammen,
    so allmählich geht mir dieses Thema mit seinen ständigen Dauerwiederholungen auf den Geist.


    Dazu 3 Anmerkungen:
    1.) PSV sind ehrenamtlich tätig, die Pilze sind unser Hobby. Keiner wird gezwungen, 24 Std. pro Tag und 365 Tage pro Jahr zur Verfügung zu stehen. Auch ich mache Pilzberatung zu Hause, gehe in Kindergärten, arbeite mit der Vergiftungszentrale Freiburg zusammen, mache VHS-Kurse, biete Veranstaltungen für Touristinformationen an und kartiere auch noch nebenher. Aber alles in einem Rahmen, daß es nicht in Streß ausartet. Wenn ich nicht zuhause bin, bin ich nicht zuhause, und wenn ich im Urlaub bin, bin ich im Urlaub...na und ? Dann müssen sich die Ratsuchenden eben jemand anderen suchen. Es gibt kein Grundrecht auf Pilzberatung.


    2.) Offenbar wird doch ausreichend PSV-Nachwuchs ausgebildet, es gibt genügend Interessenten für die PSV-Prüfungen. Das könnte man einfach mal zur Kenntnis nehmen.


    3.) Die Pilzcoaches sind doch keine Konkurrenz für die PSV. Das ist lächerlich. Man sollte um jeden froh sein, der sich für das Thema begeistern kann.


    Viele Grüße
    Harald

  • Hallo Stefan,diese Aussage verstehe ich nicht, was meinst Du damit?


    Ich für meinen Teil könnte es mir sicher leicht machen, indem ich auch nur noch in Sachen Pilzkartierung unterwegs wäre und die Beratungs- und Kurstätigkeit aufgeben würde. Das würde mir einen gehörigen Haufen Zeit sparen und auch meine Urlaubsplanungen sehr deutlich entzerren.


    Beste Grüße
    Harald

    Hallo Harald,


    danke der Nachfrage. Ich für meinen wollte darauf hinaus, dass die Problematik nicht an Einzelproblematiken festgemacht werden kann. Die sind ziemlich vielschichtig aus meiner Sicht.
    Anstatt über mögliche Nicht- oder Docheinhalttungen der Satzungsziele zu philosophieren, bzw. über nervende Ratsuchende zu "beschweren", sollten wir als DGfM lieber Lösungen erarbeiten, wie wir Thematiken wie Gesundheitlichen Verbraucherschutz mittels Pilzberatung auch in der ganz hohen Politik, Lebensmittelüberwachungsbehörden, Gesundheitswesen allgemein stärken, Pilz- und Biotopschutz, die Öffentlichkeit sensibilisieren, uns als Pilzvereine allgemein besser in der Öffentlichkeit präsentieren können usw. Halt Lobbyarbeit betreiben. ;)
    Auch die Frage nach den PSV, welche die Prüfungen ablegen. Es sind laut Veronika jedes Jahr rund 50 Prüflinge. Von denen bestehen die Prüfung sagen wir im Schnitt 45. Wir sollten versuchen diese Leute auch dafür zu begeistern, Pilzberatungen anzubieten und ehrenamtlich tätig zu sein. Meist absolvieren die Leute die Prüfung und das wars dann. Einige wollen den Ausweis noch haben und dann wirds mau. Von den meisten hört und sieht man dann nix mehr.


    Bei Kallis Prüfungen sieht das etwas anders aus. Die 2-3 Prüflinge im Jahr, die er hat, wenn er denn überhaupt welche hat, engagieren sich. Bei den Pilzberatern Südwestsachsen sieht das ähnlich aus. Über die anderen Vereine, die eine Pilzberaterausbildung, bzw. -prüfung anbieten, habe ich keinen Einblick. Ich kann an der Stelle nur für Sachsen sprechen. ;)


    craterelle: Mentoring-Programme für angehende PSV wurden von Seite der DGfM schon mehrfach angeregt, leider mit nur mäßigem Erfolg, warum auch immer. Ich weiß vieles nur aus Erzählungen von anderen. Ich bin noch nicht so lange dabei, um den Überblick über alle Aktionen der DGfM zu haben. Wenn es solche Programme gibt, dann in den Pilzvereinen vor Ort.


    l.g.
    Stefan

    Auf der Suche nach dem heiligen (Pilz)Gral ;)

  • Es tut mir leid, dass manch einer sich durch das immer wiederkehrende Thema genervt fühlt. Die dargestellte "basta-Haltung" ist so aber nicht korrekt und stimmt - zumindest für mein Bundesland Sachsen-Anhalt - auch nicht mit der gesetzlich fixierten Norm überein. ("Aus Lust und Laune und wenn ich mal keine Zeit habe, dann gibts keine Beratung" - das ist jedenfalls nicht unser Anspruch).


    Ich darf mal aus dem Gesetz über den Öffentlichen Gesundheitsdienst und die Berufsausübung im Gesundheitswesen im Land Sachsen-Anhalt (Gesundheitsdienstgesetz - GDG LSA) vom 21. November 1997 zitieren:


    In Abs. 2 des § 5 (Amtliche Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz) heißt es wörtlich:


    "(2) Der Öffentliche Gesundheitsdienst wirkt bei der Förderung der Beratung der Bevölkerung über die Genusstauglichkeit von wildwachsenden Pilzen und bei der Aufklärung von Pilzvergiftungen mit."


    Die "Sachkundigen für Pilzaufklärung" in Sachsen-Anhalt (egal ob man sie nun Pilzberater oder Pilzsachverständige nennen will) sind also nicht nur Hobbyisten, die ihrer ganz privaten Passion nachgehen.


    Dass es auch der Lobbyarbeit des LVPS und insbesondere dessen Vorsitzenden zu verdanken ist, dass es diese Gesetzesformulierung gibt, ist durchaus betonenswert.


    Und hierzu - und ja ich wiederhole mich - steht die Lossagung der DGfM von der Ausbildung von PSV und die fast schon stiefmütterliche Behandlung des Pilzberaterwesens in der DGfM im krassen Kontrast. Dass man niemals die staatliche Anerkennung von PSV erlangen kann, wie es in der Satzung steht, darüber besteht zwischen uns sicher Einigkeit. Aber zwischen dem was man tun könnte und dem was man nicht erlangen könnte, gibt es derzeit viel, was die DGfM derzeit leider nicht wahrnimmt und umsetzt. (Ja ich weiß, es ist die gleiche Leier wie immer. Aber an dieser Kritik halte ich fest.)

  • Hallo Peter,


    in besagtem Paragraph steht nix von "Sachkundigen für Pilzaufklärung". Dies ist primär Sache des "öffentlichen Gesundheitsdienstes" und nicht von deinen erwähnten Sachkundigen. In deiner zitierten Gesetzesnorm steht darüber hinaus nix. Der "öffentliche Gesundheitsdienst" kann aber externe Gutachter bestellen, wenn Hilfe benötigt wird. Das geben die Rechtsmittel (Verwaltungsverfahrensgesetz etc.) her. Ist dir ein Fall bekannt, wo ein "Sachkundiger" im Falle von überlagerten Marktpilzen zu Rate gezogen wurde. Ich kann an der Stelle nur für Niedersachsen und Sachsen sprechen und da sieht das ziemlich mau aus. Harry Anderson bietet, bzw. bat für einige Lebensmittelkontrolleure Kurse in der Beurteilung von Marktpilzen an. In Sachsen ist das kein so herausragendes Thema; leider.


    Was ein PSV aber machen, wenn an einem Marktstand oder Supermarkt völlig überalterte Pilze angeboten werden:


    1. Den Marktstandbetreiber darauf hin ansprechen; bringt meistens nix, kann man aber probieren.
    2. Fotos machen und dies dann der zuständigen unteren Lebensmittelüberwachungsbehörde als Verbraucherbeschwerde (als Privatmensch, der zufälligerweise PSV ist und die entsprechende Sachkunde hat) melden. Das ist das Recht und die Pflicht als Staatsbürger, die zuständigen Behörden über Misstände zu informieren. ;)


    Anders ist leider das Problem als einfacher Privatmensch nicht zu lösen


    l.g.
    Stefan

    Auf der Suche nach dem heiligen (Pilz)Gral ;)

  • Hallo Stefan,


    "die Mitwirkung bei der Förderung der Beratung der Bevölkerung" fordert das Gesetz.


    Das führt dazu, dass die Landkreise und Kommunen Verträge mit "Pilzberatern" oder "PSV" oder "Sachkundigen für.." schließen.Das führt dazu, dass der zuständige Gesundheitsminister des Landes höchstpersönlich auf einer Tagung des LVPS erscheint ..., das führt


    Sie, die zuständigen Behörden, haben die gesetzliche Aufgabe der Förderung.


    Auch wenn Du mal Verwaltungsmensch warst:


    Ich muss es Dir doch nicht übersetzen, was es heißt "Mitwirkung bei der Förderung der Beratung".
    Da steht nicht, dass der öffentliche Gesundheitsdienst selbst beraten muss oder dass die Beratung Sache des Öffentlichen Gesundheitsdienstes wäre. Die Förderung der Beratung ist vom Gesetzgeber gefordert.


    (Es ist übrigens auch nicht Aufgabe des Brandschutzamtes jedes Feuer durch die Amtspersonen zu bekämpfen. Auch dazu bedient man sich, wenn man keine Berufsfeuerwehr hat, Freiwilliger, die ins Ehrenamt berufen werden.)


    Im Übrigen gibt es einen Erlass des Ministeriums in ST, der die Landkreise und Kommunen anhält, Pilzberater für ihren Aufwand als Ehrenamtler gem. Kommunalverfassungsgesetz zu entschädigen. Deshalb mein Vergleich mit der Freiwilligen Feuerwehr (denn deren Entschädigung ist in entsprechenden Satzungen der Kommunen geregelt), den mancher gern komisch finden kann. Aber in beiden Fällen geht es um Schutz des Lebens, in beiden Fällen geht es um ein Ehrenamt.


    Mit Fragen zu Gammelpilzen mag ich mich hier nicht beschäftigen. Es hat schlichtweg nichts mit dem Thema zu tun, wenn man das dahinsiechende Pilzberaterwesen (so Thema des nicht von mir erfundenen Threads) nicht mit den gammelnden Pilzen vergleichen will.


    Beste Grüße - Peter

  • Hallo Peter,
    wenn in Sachsen-Anhalt Verträge zwischen Landkreisen/Kommunen und PSV zur Pilzberatung geschlossen werden, ist das natürlich eine tolle Sache. Und wenn ein PSV einen solchen Vertrag unterschrieben hat, muß er auch uneingeschränkt für die Beratung zur Verfügung stehen, das ist völlig klar.
    In Baden-Württemberg sieht das etwas anders aus. Hier ist die Pilzberatung wirklich nur Hobby. Für Zeitaufwand, Fahrtkosten, Krankenhausbesuche etc. gibt es kein Geld.
    Warum sollte ich mir dann nicht die Freiheit nehmen, als Berufstätiger auch mal in Urlaub zu fahren (und zwar nicht nur im Januar oder Februar, bloß weil dann die Wahrscheinlichkeit für eine Beratungsanfrage am Geringsten wäre).
    Ich biete schon seit vielen Jahren Pilzberatung an, die auch rege genutzt wird...Einfach, weil es mir Spaß macht. Die Leute kommen auch nicht nur mit alten Röhrlingen, sondern bringen durchaus auch interessante Funde zur Bestimmung.
    ...und Anerkennung bekomme ich zur Genüge von den Ratsuchenden, VHS-Kurs-Teilnehmern etc. Dafür brauche ich keine Politiker in Anzug und Krawatte ;)


    Gruß Harald

  • Servus,


    ich bin jetzt seit 1986 dabei und dieses Thema war schon damals aktuell. Die DgfM hatte sich schon vor der "Wiedervereinigung" um eine staatliche Anerkennung im Westen bemüht, war aber in der Politik auf taube Ohren gestoßen.


    Ich habe noch nie irgendeine Ehrung oder Wertschätzung oder Förderung vom Bayerischen Staat oder den Kommunen erhalten, lege darauf auch keinen Wert. Von Anfang an habe ich Pilz-Lehrwanderungen, Kurse, Vorträge und Ausstellungen organisiert und Interessierte gerne aufgeklärt, was sie da gefunden haben. ABER: Meine "Philosophie" war schon immer, dass ich keine Körbe sortiere in essbar und nicht essbar (wenn es die Leute gar nicht interessiert, was sie da gefunden haben - "billige Mahlzeit"). Das habe ich auch immer so kommuniziert und bin weitgehend von Haustürüberfällen verschont geblieben, obwohl in den Medien als "Schwammerlpapst" dargestellt.


    Die besonders interessierten Pilzfreunde habe ich eingebunden und vor 6 Jahren haben wir ein "Pilztreffen" im Raum Regensburg begonnen, das zu einer Erfolgsgeschichte wurde. Inzwischen haben wir 6 PSV in unseren Reihen, es finden monatliche Treffen mit reger Teilnahme auch im Winter statt, in der Hauptsaison auch wöchentlich. Warum ich das schreibe? Weil es diese Erfolgsgeschichte ist, aus der ich meine Kraft, weiter zu machen und meinen Spaß an den Pilzen beziehe. Und aus der manchmal noch vorhandenen Dankbarkeit von Beratungssuchenden über die Giftnotrufzentrale, vor allem wenn man diese beruhigen konnte, dass ihre Kleinkinder keinen Schaden nehmen werden.


    Und ich schreibe das, weil es schon immer Streit gegeben hat in den Pilz-Organisationen (wie in allen größeren Vereinen) und ich dafür plädiere, das "sportlich" und sachlich zu sehen und nicht sich beleidigt in die Schmoll-Ecke zurück zu ziehen, mimosenhaft zu reagieren oder gar gleich auszutreten. "Eigentlich" wollen wir doch alle das Gleiche. Das Ziel ist der Weg :-)


    Gruß Helmut


    P. S.: Die PAGO (Pilzkundliche Arbeitsgemeinschaft Ostbayern) ist kein eingetragener Verein, sondern ein lockerer Zusammenschluss von Pilz-Enthusiasten. Für die Pilzlehrwanderungen, Kurse, Vorträge und Ausstellungen nehmen wir übrigens schon Geld, denn "wos nix kost' is nix wert". Eine Pilzberatung im engeren Sinn (Erklären der Funde und der Unterschiede zwischen essbar und giftig) wird in den Pilztreffen durchgeführt und erfolgt da ehrenamtlich.

  • Hallo Helmut,
    es ist - so finde ich jedenfalls - überhaupt nicht schlimm, wenn es Streit gibt. Solange alle Streitparteien positive Veränderungen im Blick haben, bringt auch konstruktiver Streit alle weiter.


    Falls Du jetzt aber mich meinst, mit "beleidigt in die Schmoll-Ecke zurückgezogen, mimosenhaft reagiert und gleich ausgetreten", dann bis Du in Bezug auf das PSV-Wesen der DGfM auf dem Holzweg. Mein Austritt aus der DGfM hatte nichts mit einem Streit übers PSV-Wesen zu tun. Wegen dem PSV-Wesen habe ich mich 2015 aus dem FA-PSV-Wesen zurückgezogen und hätte mich da auch gern innerhalb der DGfM weiter über den richtigen Weg gestritten, wegen verschiedener Ansichten muss man nicht austreten. Der Austritt hatte andere Gründe, die wollte damals niemand wissen und die muss ich auch jetzt hier nicht thematisieren.

  • Nein nein, Peter,


    diese Aussage hat nix mit Dir zu tun, noch sonst mit jemand konkret. Du bist auch nicht der einzige, der irgendwo ausgetreten ist. Ich würde mich hüten, die konkreten Gründe für einen Austritt zu bewerten, wenn ich die Hintergründe nicht kenne. Das war wirklich als generelle Aussage gemeint und nicht mal nur auf die Mykologie bezogen. Aber - im Sinne Deiner Worte - so etwas gehörte sich mal ausgesprochen bzw. ausgestritten (im direkten Gespräch, nicht über Medien).


    Gruß Helmut

  • craterelle: Mentoring-Programme für angehende PSV wurden von Seite der DGfM schon mehrfach angeregt, leider mit nur mäßigem Erfolg, warum auch immer. Ich weiß vieles nur aus Erzählungen von anderen. Ich bin noch nicht so lange dabei, um den Überblick über alle Aktionen der DGfM zu haben. Wenn es solche Programme gibt, dann in den Pilzvereinen vor Ort.


    Hm, gerade dann ist es doch enorm interessant herauszufinden, wieso es bei der LVPS funktioniert und bei der DGfM nicht. Darauf zielte auch meine (leider unbeantwortet gebliebene) Frage an Peter ab.


    LG, Craterelle

  • Tschuldigung Craterelle, die Nichtbeantwortung war nicht beabsichtigt.
    Wie sich das entwickelt hat? Den Damen und Herren der älteren Generation, ich rede also von denen die schon zu grauen Vorzeiten Orts- oder Kreispilzsachverständiger waren, liegt ihre, meist feste Pilzberatungsstelle am Herzen. Sie meinen, nicht eher aufhören zu können, bis sie einen Nachfolger gefunden haben.("Wer soll das denn machen wenn ich nicht mehr bin?" "Man kann doch die Bevölkerung nicht im Stich lassen." Da wird doch jemand gebaucht") Also bringen oder brachten sie zu den Tagungen Pilzinterssierte mit. Es sind quasi Miniinteressengemeinschaften. Sie treffen sich zu gemeinsamen Exkursionen, der potentielle Nachfolger setzt sich mit an den Tisch bei Beratungen (finden ja oft zu ganz festen Zeiten statt) und der Jüngere weiß, dass er den Älteren jederzeit mit Fragen löchern kann.
    Einzige Voraussetzung ist eine gewisse räumliche Nähe des Duos.
    Es ist also nichts was irgendwie organisiert, gelenkt oder geleitet wird - es passiert von allein.


    Beste Grüße - Peter

  • Hallo Stefan,


    also das möchte ich so nicht stehen lassen:

    Meist absolvieren die Leute die Prüfung und das wars dann. Einige wollen den Ausweis noch haben und dann wirds mau. Von den meisten hört und sieht man dann nix mehr.

    ich verstehe nicht, wie Du zu dieser Aussage kommst. Ich denke, dass mindestens die Hälfte der von Dir angesprochenen Anzahl Prüflinge aus meinen Prüfungen kommt. Und zu meinen Prüflingen habe ich zu einem hohen Prozentsatz auch nach Jahren noch Kontakt. Die bilden sich auch weiter, meist öfters als sie unbedingt müssten, haben oftmals eine Gruppe um sie herum oder wo sie eben dabei sind und somit regelmäßigen Austausch und machen so ihr Ding mit Pilzen. Nicht jeder unbedingt mit öffentlicher Pilzberatung, okay, aber der allergrößte Teil aktiv auf irgendeine Weise - und darauf kommts doch eigentlich an.
    Und wenn DU nichts mehr von denen hörst, dann ist es noch lange nicht unbedingt so, dass die nicht aktiv sind. Das ist schon ein wenig anmaßend von Dir, das so darzustellen!


    beste Grüße,
    Andreas

  • Hi,


    sorry für das Misverständnis. Meine Aussage bezieht sich auf das Anbieten öffentlicher PSV-Beratungen oder sonstigen Aktivitäten der Neu-PSV, Veröffentlichen der Kontaktdaten auf der Website usw. (Meine Aussage bezieht sich auf Erzählungen von Veronika) Ich dachte das ergibt sich aus dem Kontext mit dem Titel des Threads. Was die Prüflinge privat machen, wie viele Fortbildungen sie besuchen etc, habe ich keinen Einblick.


    Das ist Aufgabe der/des PSV-Beauftragten; nicht des FA-PSV.


    l.g.
    Stefan

    Auf der Suche nach dem heiligen (Pilz)Gral ;)