Definition der Abundanz (Häufigkeit)

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Es gibt 16 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Bernd-Miggel.

  • Hallo,
    was versteht man aktuell bei der Pilzkartierung unter Abundanz (Häufigkeit), bezogen auf eine best. Pilzart in einem best. Kartierungsareal zu einem bestimmten Kartierungsdatum?
    Klassifiziert man die Abundanz nach der Anzahl der Fruchtkörper oder nach der Anzahl der Myzelien?
    Danke!
    Bernd

  • Hallo Bernd,


    ich kann mir nicht vorstellen, daß die Anzahl der Fruchtkörper eine Relevanz bei der Kartierung haben sollte. Es geht doch eigentlich nur darum festzustellen, daß Pilz X zum Zeitpunkt X im Gebiet X vorgefunden wurde. Daraus ergeben sich dann Aussagen zum Vorkommen einer speziellen Art und deren Stabilität im untersuchten Gebiet.


    Ob die Art nur mit einem Exemplar oder mit vielen Exemplaren nachgewiesen wurde läßt sich, bei einer gut dokumentierten Kartierung, dann als sekundärer Schritt auswerten. Aber nur, wenn entsprechende Notizen vorhanden sind. Angaben zur Amplitude der Fruktifikation dürften aber oft fehlen oder werden bei Massenpilzen als unerwähnenswert nicht erfasst.


    Beste Grüße
    Stefan F.

  • Hallo Stefan,
    eigentlich sehe ich das ganz ähnlich. Demgegenüber kann man die "Definition der Abundanz für Kartierer" im Beiheft 8 zur ZfM auf S. 179 nachlesen: Abundanz = geschätzte Zahl der Fruchtkörper auf 10.000 qm am Tag der Aufnahme (siehe hier im Anhang).
    L.G. - Bernd


    Beiheft 8 (179).pdf


    Ich möchte zu lebhafter Diskussion anregen :)

  • Hallo Bernd,


    das ist ja tatsächlich sehr diskussionswürdig. Für die Einzeluntersuchung eines relativ kleinen Areals, wie hier 10.000 qm, mag diese Art Abundanz sicher interessante Aspekte abbilden, aber büschelig wachsende Pilze werden so wohl generell häufig vorkommen.
    Bei der Kartierung sind es aber wesentlich größere Gebiete, die gar nicht in dieser Intensität untersucht werden können oder nur punktuelle Ausschnitte zu einer bestimmten Zeit dargestellt werden können. Eine Abundanz, wie im Beiheft empfohlen, würde ja dann auf einer ganz, ganz dünnen Grundlage stehen, will man eine Aussage zur Häufigkeit einer Art treffen.


    Ich bin gespannt auf eine Diskussion darüber.


    Beste Grüße
    Stefan F.

  • Hallo,


    konkret geht es um eine mehrjährige Kartierung in einem Übergangsmoor. Als Basis dienen die Pflanzengesellschaften. Beispielsweise gibt es ein 20.000 qm umfassendes Moorkiefern-Areal (Vaccinio-Mugetum), in dem die Pilzarten kartiert werden.


    Und hier ist natürlich eine tragfähige Definition der Abundanz gefragt! ;)


    L.G. - Bernd

  • Hallo Stefan,


    die Definition der Abundanz aus der unten stehenden Publikation scheint mir geeignet. Mit ihr arbeitet z.B. H. Jahn (1986) in seiner Arbeit "Der Satanspilzhang bei Glesse..." (Westf. Pilzbr. X./XI. Band, Heft 8b):


    r = rarus:
    seltener Pilz, nur an einer Stelle oder in wenigen Exemplaren oder einzeln in der Fläche vorhanden
    n = numerus:
    nicht sehr häufig, doch mehrfach, zerstreut in der Fläche vertreten
    a = abundans:
    sehr häufiger Pilz, an vielen Stellen der Fläche vorhanden, in großer Individuenzahl


    Diese Werte gelten für jeden einzelnen Kartierungszeitpunkt und werden später für den gesamten, mehrjährigen Untersuchungszeitraum abgeschätzt.


    Die oben angesprochene Arbeit (die ich leider nicht besitze):


    JAHN, H., A. NESPIAK & R. TÜXEN (1967) — Pilzsoziologische Untersuchungen in Buchenwäldern (Carici-Fagetum, Melico-Fagetum und Luzulo-Fagetum) des Wesergebirges. Mitteil. Flor.-soziol. Arbeitsgem. 11/12.


    L.G. - Bernd

  • Hallo,


    ich persönlich halte nicht viel von einer Abundanzangabe bei Pilzen auf ein bestimmtes Gebiet bezogen. Egal welches System man versucht, es klemmt immer. Fruchtkörperbasiert bevorzugt gesellig und büschelig wachsende Arten über Gebühr. Zählt man (gedachte) Myzelien, so hat man das Problem, bei welchem Abstand zueinander denn ein neues myzel angenommen werden kann. Außerdem wissen wir ja, wie groß Myzelien werden können (Stichwort Hallimasch ...), so dass im Extemfall dann eine Pilzart, die das gesamte Gebiet überzieht nur als 1 Myzel gewertet würde.


    Praktikabler fände ich da den Ansatz, dass man im Gesamtgebiet eine Anzahl Intensivplots definiert, z.B. 0,1 ha-Kreise (Kreis mit ca. 18,5 m Radius), die merhmals im Jahr begangen werden (am besten zeitstandardisiert). Wenn im Gesamtgebiet dann z.B. 10 oder 20 solcher Plots per zufälliger Verteilung inventarisiert werden, dann könnte man eine Abundanz ausweisen.


    Hierzu wichtig wäre auch die Arbeit von Dr. Haas (seine Promotion 1932!) über die bodenbewohnenden Pilze der Fichten-Tannenwälder am Schwarzwaldrand, in der er nach Braun-Blanquet die Pilze aufgenommen hatte. Ich habe versucht, mich bei meiner Arbeit über den Bannwald Sommerberg daran zu orientieren (siehe AMO-Heft XIV), bin aber nicht sehr begeistert davon, weil es eben nur eine Momentaufnahe darstellt, die in einem anderen jahr völlig anders aussehen kann.


    beste Grüße,
    Andreas

  • Hallo Andreas,
    die Bedenken sind mir wohlbekannt, bin selber recht skeptisch.
    Aber das hilft hier nicht weiter: Die Drs. Haas und Kost haben vor 33 Jahren das gleiche Gebiet kartiert und dabei ebenfalls eine 4-stufige Abundanz-Einschätzung vorgenommen (spä = spärlich, slt = selten, hfg = häufig, 1x = nur einmal notiert). Um einen späteren Vergleich möglich zu machen, wird die Abundanz also benötigt.
    L.G. - Bernd

  • Hallo Bernd,


    leider ist ein Vergleich nur dann möglich, wenn in beiden zu vergleichenden Zeitabschitten auch dieselbe Aufnahmemethodik angewandt wird und auch dieselbe Expertise zur Verfügung steht. Ansonsten kannst Du statistisch nicht mit den beiden Datensätzen vergleichend arbeiten.


    Wenn Du also im selben Gebiet Arten kartierst, und deren Abundanz angeben willst, nach obigem Schema, dann macht das nur Sinn, wenn Du auch dieselbe Anzahl Exkursionen zu denselben Zeiten in derselben Länge unternommen hast. Und Du kannst nur diejenigen Arten zum Verlgeich herziehen, die sowohl das damalige Team Haas/Kost als auch Du beide kennt. Wenn Du also z. B. auch Pyrenomyceten und überhaupt inoperculate mit inventarisiert hast, so ist da ein Vergleich nicht möglich, weil meines Wissens Haas/Kost diese nicht bearbeitet haben.


    Wenn Du also die damaligen Ergebnisse mit den heutigen vergleichen willst, dann musst du dieselbe Abundanzsskala anwenden. Die andersartigen Rahmenbedingungen musst du aber erklären und begründn, warum sie keine Rolle spielen, oder wie du damit umgehst. Anderenfalls vergleichst Du Äpfel mit Birnen.


    Welches Gebiet schaust Du eigentlich an, Waldmoor-Torfstich?


    beste Grüße,
    Andreas

  • Hallo,


    bezüglich von Pilzsoziologischen Untersuchungen bitte auch DARIMONT mit den Buchenwäldern der Ardennen nicht vergessen. Hab das Zitat nicht greifbar und auch die Arbeit selbst nicht.


    Für Bernd sicherlich im konkreten Fall nicht relevant, aber generell eine wichtige Arbeit in dieser Thematik.


    beste Grüße,
    Andreas

  • Danke Andreas,


    du meinst sicher diese Arbeit:


    Darimont, F. (1973) - Recherches mycosociologiques dans les forêts de Haute Belgique. 1 & 2, Institut Royal des Sciences Naturelles de Belgique: Mémoires ; 170 [Text + Tafeln]


    Ich könnte das aber nur ratend lesen, da mir das Französisch nie beigebracht wurde. Wenn Interesse besteht, wir habe diese Arbeit in der Bibliothek.


    Beste Grüße
    Stefan F.

  • Hallo Andreas,


    ich wollte mich schon vor Wochen melden, aber es wachsen im Waldmoor-Torfstich (um dieses Gebiet geht es) trotz der Feuchtigkeit dort seit vielen Wochen außer Porlingen ... keine Pilze. Und so kann ich im Moment zur Abundanz dort wenig sagen.
    Die Haas'sche Promotionsarbeit von 1932 über die bodenbewohnenden Pilze der Fichten-Tannenwälder am Schwarzwaldrand und auch deine Arbeit über den Bannwald Sommerberg (AMO-Heft XIV) interessieren mich sehr !


    Hättest du sie in für mich digitaler Form?



    L.G. - Bernd