So noch nie gesehen ... (Gloeophyllum abietinum)

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Es gibt 16 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Peter Karasch.

  • Hallo,

    vor kurzem sah ich diese "seltsamen Pilzobjekte".

    Ich denke, es ist ein Pilz, den ich eigentlich ganz gut kennen sollte ... wenn ich ihn auch erst 2-3 mal gefunden habe, aber in dieser Form sah ich ihn noch nie. Auch beim Bildvergleich im Web finde ich keine ähnlichen Bilder.

    Ich mache es spannend ... (alle Bilder liegen in 1200 Pixel Breite vor)


    Puschelig-noppig-stachelig ------------------------- , Rand noch "puscheliger" -------------------------- "wulstiger Pilzring"

         


    "Palisadenbau mit aufrechten "Streben" ---------"flauschige Öhrchen mit etwas hellerer Zuwachskante"

      


    von oben, doch ein paar Hütchen mehr


    Hütchen haben "Lamellchen" untendrunter (lamellenartiges Hymenophor, relativ große Abstände)



    Gesamtansicht auf Nadelholzstück




    Färbung mit KOH schwarz.

    Ich halte das für G.... a...., ihr auch?


    VG abeja

  • Hallo,

    danke für die Rückmeldungen!

    Gloeophyllum abietinum war das, worauf ich hinaus wollte :).


    Ich muss gestehen, dass ich bei dem Holz ursprünglich nicht hundertprozentig sicher war - es ist nämlich kein Fitzelchen Rinde mehr zu erkennen. Allerdings erscheinen mir die Jahresringe typisch für Nadelholz. Das hatte mir ein Baumkundler mal erklärt - bei einer Anfrage, ob es sich bei einem (beschneiten) Totholzstamm, wo man nur die Schnittkante sah, um Laub-oder Nadelholz handelt.


    Bei dem Bild, dass die Unterseite eines Hütchens zeigt, sind vielleicht die Größenrelationen nicht ganz klar, das Teilchen ist kleiner als mein Daumennagel, die "Lamellen" sind auch relativ scharfkantig.


    Ich hatte schon einmal ganz junge Gloeophyllum abietinum, wo es nur Hutbildung gab (keine resupinaten Anteile) und wo die Hüte überraschend flauschig waren. Dazu hänge ich noch die alten Bilder an. Innerhalb von 3 Monaten waren die Hüte fast ganz verkahlt.


    Im Web hatte ich gelesen, dass bei resupinatem Wachstum dieser Pilzes nur einen lamellenartige Struktur ausgebildet wird (die dann "nach oben" zeigt).

    Diese Strukturen, wie ich sie hier fand, sah ich nirgends.

    Hat jemand so etwas wie bei den zuerst eingestellten Bildern schon mal gesehen?


    Bilder vom September 2015 und Dezember 2015 (800 Pixel breit)

         


    3 Monate später

      

  • Hallo Hans,

    oh ja, sicher - aber auch mit diesen ganz oben abgebildeten Noppen (die nirgendwo abgebildet werden)?

    Sorry, wenn diese Frage hier zu trivial ist, ob jemand das in dieser Weise schon mal gesehen hat ...

    Ich finde es jedenfalls interessant, ungewöhnliche Erscheinungsformen zu dokumentieren.


    VG abeja

  • Hallo zusammen,

    danke für die Unterstützung :)

    Die letzten 5 Bilder hatte ich schon mal in einem anderen Forum eingestellt ... hier hatte ich sie nur zum Vergleich noch einmal gebracht. Diese 5 Bilder zeigen das gleiche Pilz-Ensemble nach 3 Monaten Entwicklung.


    Überraschend zu dem damaligen Zeitpunkt war für mich, dass die jungen Pilze so extrem "flauschig" waren (und das war auch manchen Pilzkundlern mit mehr Erfahrung noch nicht so aufgefallen). Dann verkahlen sie, bleiben farblich dabei relativ unauffällig..

    Und hier ganz oben bei den "Noppenpilzen" sind die jungen Fruchtkörper genau so flauschig.


    Zur makroskopischen Unterscheidung von G. abietinum und G. sepiarium hatte ich damals aus verschiedener Literatur und aus Webseiten etwas heraus geholt - mich also schon mal länger damit beschäftigt, ich zitiere das mal:


    VG abeja

  • abeja

    Hat den Titel des Themas von „So noch nie gesehen ...“ zu „So noch nie gesehen ... (Gloeophyllum abietinum)“ geändert.
  • Hallo abeja,

    einfache mögliche unterscheidung macroskopisch: bei Druck auf "Röhren" von G. sepiarium bräunen sie.

    Die sichere unterscheidung ist "nur" mikroskopisch möglich! Ohne inkrustierte Zystiden ist es dann G. abietinum.

    Sollte so auch vom Landeskoordinator für Kartierung gesehen werden.;)

    Viele Grüße

    Hans

  • Hallo Hans,

    danke für den Hinweis mit dem Bräunen (und die Mikromerkmale) - das ist sicher wichtig bei den "lebenden Zweifelsfällen" , die es immer wieder geben wird - wenn z.B. die "Lamellen"-Zahl pro irgendwas grenzwertig ist - und fürs Kartieren natürlich, wenn es auf größte Genauigkeit ankommt. Würde man da wirklich diese Pilze alle zur Sicherheit auch mikroskopieren?

    .... Jetzt müsste man/ich (zum Spaß) auch mal schauen, wie die "optische" Bandbreite von G. sepiarium im ganz ganz jungen Zustand ist - ich denke, da sehen die doch deutlich anders aus als meine "trübbraunen Puschelchen" ;)


    VG abeja

  • Hallo abeja,

    im DGfM-Forum gibt es einen Kartierungs aufruf, sozusagen an "Pilzinteressierte". Der Nachwuchs fehlt wie in allen Vereinen. Jetzt sollen "Feldmykologen", die es in jedem Pilzvereinen gibt bei einer Kenntnis von 200, 500, 1000 Arten

    Pilze kartieren. Aber erst ab 500 Arten sind mikroskopische Kenntnisse erforderlich. Eigentlich kann man die wenigsten Pilze makroskopisch mit x% prozentiger sicherheit bestimmen. Ok, es soll Prüfungen geben, dann den Titel "Feldmykologe" geben. Der Titel nutzt jedoch nur Pilzkundlern die öffenliche kartierungs aufgaben wahrnehmen

    wollen. Darum sehe ich Fotos etwas kritischer an, könnte der Pilz doch ohne genauerer bestimmung im Verbreitungsatlas erscheinen. Habe selbst das Glück mit sehr erfahrenen Mykologen, die "jeden" meiner tausenden von Funden überprüfen, bevor er in die kartierung geht, unterwegs sein zu dürfen.:thumbsup:

    War meine Kritik unangemessen:?:

    Viele Grüße

    Hans

  • Hallo Hans,

    ich habe deine Antwort nicht als Kritik empfunden :). Du hast sicherlich bzgl. der Kartierungen einen ganz anderen Erfahrungshorizont als ich, deshalb habe ich eigentlich nur nachgefragt, ob für eine (normale) Kartierung (für Verbreitungskarten) auch bei diesen Pilzen eine mikroskopische Absicherung normalerweise gemacht wird (oder wurde).

    Bisher habe ich es so mitbekommen, dass auch "Makroskopiker" Pilzfunde melden können (und das auch tun). Es ist dann wahrscheinlich manchmal schwierig zu unterscheiden, wo eine Abklärung notwendig ist, und wo nicht.

    Die Gloeophyllum-Arten hätte ich jetzt für eindeutig bestimmbar gehalten - ganz im Gegenteil zu z.B. Entoloma oder was ich gerade gefunden habe ... Lyophyllum, erst blaugrau, dann schwach schwärzend. Da kommt höchstens eine dicke cf. Bestimmung bei herum, aber keine "sichere" Benennung.

    Dass eine (neue) Ausbildung zum Feldmykologen angedacht ist, habe ich mitbekommen.


    VG abeja

  • und fürs Kartieren natürlich, wenn es auf größte Genauigkeit ankommt. Würde man da wirklich diese Pilze alle zur Sicherheit auch mikroskopieren?

    Hallo,


    das kommt auf den persönlichen Erfahrungsschatz an. Wenn man eine Art schon xmal mikroskopiert und ausführlich studiert hat, wird man sie nur bei angebrachten Zweifeln nochmal unters Messer legen. Deine G. abietinum hätte ich aufgrund der weit entfernt stehenden dicken Lamellen nicht angezweifelt. In unseren Untersuchungsgebieten im NP Bayerischer Wald kommen G. abietinum und sepiarium manchmal auf einem Fichtenstamm nebeneinander vor.

    G. sepiarium ist aber deutlich häufiger.

    Deine interessanten Bilder von Fruchtkörperentwicklung könnten wir auch gut auf pilze-deutschland.de zeigen, wenn du sie uns dafür zur Verfügung stellen möchtest.


    BG, Peter


    .

  • Jetzt sollen "Feldmykologen", die es in jedem Pilzvereinen gibt bei einer Kenntnis von 200, 500, 1000 Arten

    Pilze kartieren. Aber erst ab 500 Arten sind mikroskopische Kenntnisse erforderlich. Eigentlich kann man die wenigsten Pilze makroskopisch mit x% prozentiger sicherheit bestimmen. Ok, es soll Prüfungen geben, dann den Titel "Feldmykologe" geben. Der Titel nutzt jedoch nur Pilzkundlern die öffenliche kartierungs aufgaben wahrnehmen

    wollen.

    Hallo Hans,


    es geht hier nicht ums Titel sammeln, sondern um die Möglichkeit, sich jenseits von Gift- und Speisepilzen mit der Artenvielfalt im Pilzreich zu beschäftigen. Auch wenn die Nachwuchsförderung von Kartierern ein wichtiges Argument ist, sollte es nicht nur darauf reduziert werden. Wir freuen uns über jeden, der sich mit Pilzen beschäftigt, egal auf welchem Level. Und auch Fehler dürfen gemacht werden, denn wir sind hier im Amateurbereich und möchten Freude an unserem schönen Hobby haben. Die Liste mit den 200 Arten (das sind nicht einmal 2 % aller aus D bekannten Arten), die ohne mikroskopische Kenntnisse erlernbar sind, wurde von erfahrenen Feldmykologen erstellt. Es geht hier um das Schrittweise hereinwachsen in die Thematik ohne Ängste und erhobene Zeigefinger. Wir möchten Pilzfreunde im Nachwuchsbereich begeistern und nicht von Beginn an mit hochwissenschaftlichen Ansprüchen verschrecken.

    Ich persönlich habe sehr viele Einsteiger erlebt, die nach einem Abend im Kreise von Pilzexperten völlig verschreckt und desillusioniert davongezogen sind. Von Verwechslungsgefahren sollte man meines Erachtens nur bei Speise- und Giftpilzen sprechen. Wenn man das auf die Frage "Gloeophyllum abietinum oder sepiarium" erweitert, kann ich keine reale Gefahr erkennen. Es ist vielleicht eher ein Gesellschaftsproblem, wenn man Fehler nicht akzeptieren kann. Für mich gehören sie zu jedem Lernprozess und sollten nicht in den Vordergrund gestellt werden.


    Wir möchten mit dem abgestuften Ausbildungskonzept alle erreichen, die sich gern mit Pilzen beschäftigen möchten, ob sie dann nachher kartieren oder nicht. Wer sich künftig zum Feldmykologen ausbildet, der macht das in erster Linie für sich selbst.


    Schöne Grüße vom Möhnesee, Peter