Mit Hut und Schirm im Wald: u.a. Leucoagaricus (Sericeomyces) cf. serenus ? (--> L. sericifer)

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Es gibt 10 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von abeja.

  • Hallo,

    Pilze gibt es in meiner Region weiterhin in Kleinstmengen, von den essbaren Pilzen hat fast nur Hallimasch (erst kam Armillaria mellea, diese Woche dann die ersten "Gallier" Armillaria gallica) gefruchtet, aber statt Kilos konnte ich 4 x 300 gr. ernten ;), ansonsten war er zu jung oder schon zu alt.

    Ebenso gab es zu alte Austernpilze und zu alte Lungenseitlinge, winzige Rotfüßchen, zerfallene Täublinge usw.


    Trotzdem siehe ich hin und wieder eine Kleinigkeit, die für mich interessant ist.


    An einem Buchentotholz wuchsen an der Schnittkante zwei Pilze, einmal Flammulaster cf. limulatus mit seinem "Zuckerkristallhut", Orangegelber Flockenschüppling (die schöneren Exemplare waren am seitlichen Stamm. Die Art sehe ich eigentlich in jedem Jahr, anderswo soll er ja selten sein),

    aber auch ein kleiner komplett trockener gelber Schüppling mit Fransen am Hut, das müsste doch Pholiota flammans sein? ... Aber auf Laubholz ... darf er das?

    In vielen Büchern wird nur Nadelholz genannt, aber ich fand auch: "selten an Laubholz"


           



    Überhaupt nicht selten ist der Spitzschuppige Stachelschirmling, Lepiota aspera - ich finde ihn immer nur so schön, obwohl er immer mitten im Dreck sitzt. Das größere Exemplar zerriss das Velum á la "Schleiertanz" - da blieb der Ring nicht unten hängen, sondern löste sich peu á peu an ganz verschiedenen Stellen ab - ein schöner Anblick: Transparenz ... wo man es nicht erwartet.


       



    Melanophyllum haematospermum, den Blutblättrigen Zwergschirmling sah ich auch erst zweimal vorher.

    Hier war eine größere Anzahl zu finden, diese "Gesellen" waren in den Lamellen für mich deutlich wenig freudig als "normal" gefärbt - auch die Hutoberfläche hatte ich etwas körniger und strukturierter in Erinnerung, hier sah man eine überaus "matte Matte".

    Zum ersten Mal habe ich den Pilz aussporen lassen, ziemlich dunkel, soll ja von grünlich nach rötlich gehen.

    Für mich sah das Pulver erst vom Farbton her fast wie Psathyrella aus, die Kamera sah aber das Rot.


      



    Ein paar Giftzwerge bei Totholz-Durcheinander: Lepiota castanea s.l., Kastanienbrauner Schirmling .

    Unterscheidet man da jetzt weiter? Das geht wahrscheinlich nicht makroskopisch?


       

  • Knapp daneben ein Wolliggestiefelter Schirmling, Lepiota clypeolaria - nehme ich an.

    Meine bisherigen Funde davon waren deutlich dunkler auf der Hutoberfläche.

    Aber da überhaupt nichts Gelbes vorhanden ist, kann es ja nicht der Gelbflockiger Wollstielschirmling sein.


       


    Immer wieder zu finden, auch bei Trockenheit, am Wegrand im Wald, in der locker aufgehäufelten Erde:

    Cystolepiota seminuda, der Behangene Mehlstielschirmling.


       


    Und jetzt kommt meine heutige Frage an die Experten:

    gegenüber von den Mehlstielschirmlingen (also auch Rand Waldweg, lockere Erde, Buchen und Nadelbäume im Umfeld) lugten andere weiße Hütchen aus der Erde (ich dachte erst, aha, da auch),

    aber die Hutoberfläche ist anders (wollig-seidig), es ist ein Ring vorhanden, der Stiel ist relativ lang.

    Die Pilze sind reinweiß,

    auch auf Druck keine Verfärbung und beim Trocknen auch nicht,

    der Geruch geht in Richtung Stinkschirmling.

    Ich komme da auf Leucoagaricus serenus (Sericeomyces serenus), Weißbleibender Egerlingsschirmpilz (bzw. Heller Seidenschirmling)

    NUR: die Pilze sind extrem klein, Hutdurchmesser ca. 1 cm, vielleicht mal 1,5 cm.

    Was meint ihr dazu?


       


     


    VG abeja

  • Hallo abeja,


    erstmal vielen Dank für diese tollen Pilzfunde!


    Beim letzten Pilz bist Du m.E. in der ehemaligen Gattung Sericeomyces (heute Sektion von Leucoagaricus) auf jeden Fall richtig.


    Wir hatten bei der Tagung in Möhnesee auch so einen Fund, ebenfalls vergesellschaftet mit Cystolepiota, und da waren auch so kleine Fruchtkörper mit 10 mm Hutdurchmesser dabei.


    Innerhalb der Sektion wird normalerweise nach Form und Kristall-Auflagerung der Cheilocystiden unterschieden. Unser Fund in Möhnesee hat deutlich gebräunt, und wir kamen wir bei A. sericifer 'raus, aber ich weiß nicht, wie konstant das Merkmal des Bräunens ist. Dann gibt es noch crystallifer, eine schmächtige Art mit mehr keuligen Cheilocystiden mit grobem Kristallbesatz.


    Ich fürchte, ohne Mikros der Cystiden wird Dein Fund keinen sicheren Namen bekommen.


    Liebe Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo abeja,


    bei den beiden Schirmlingen (castanea, clypeolaria) bin ich d'accord. Der seminuda sowieso.

    Der Leucoagaricus sieht auf den ersten Blick schon so aus wie serenus, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade die weißen Leucoagaricüsse sehr vertrackt sind, da muss man sich tief reinknien.

    Hast Du jemanden, der mikroskopiert?


    Beste Grüße

    Harald

  • Hallo,

    eben habe ich mir die getrockneten Pilzchen noch einmal angeschaut (ich hatte sie getrocknet und "eingetütet" gelagert, seit etwas über 1 Woche).


    JETZT sehe ich doch eine deutliche Bräunung an den Lamellen (das war direkt nach dem Trocknen nicht feststellbar...) - also es bleibt wirklich spannend!


    VG abeja

  • Hallo abeja,

    Die Fruchtkörper sind inzwischen stark gedunkelt, die Schneiden sind fast schwarz:


    Die Cheiloystiden von Deinem Pilz sind flaschenförmig bis unregelmäßig zylindrisch und ohne Kristalle (hier im Phasenkonstrast, weil man sie in Wasser fast nicht sieht):



    Die Sporen sind asymetrisch ellipsoid, 6-9 x 3-4 my, wobei sich die bei den in Frage kommenden Arten kaum unterscheiden.




    Mit dem Schlüssel in der Flora Neerlandica komme ich damit glatt zu Leucoagaricus sericifer, dem Bräunenden Seidenschirmling, den wir auch in Möhnesee hatten. Der scheint ein gutes Jahr zu haben...


    Grüße,


    Wolfgang

  • abeja

    Hat den Titel des Themas von „Mit Hut und Schirm im Wald: u.a. Leucoagaricus (Sericeomyces) cf. serenus (?)“ zu „Mit Hut und Schirm im Wald: u.a. Leucoagaricus (Sericeomyces) cf. serenus ? (--> L. sericifer)“ geändert.