Ritterlingsähnlicher Pilz, aber sogar Gattung unklar

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Es gibt 13 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von abeja.

  • Hallo zusammen,


    dieser Pilz macht mich wahnsinnig ... :wacko:

    Ich komme auf keine passende Art, sogar die Gattung ist unklar.


    Fakten:

    vor 1 Woche gefunden, 3 Wochen hatte es nicht geregnet,

    Laubmischwald, überwiegend Buchen auf Kalk, Hochrhein ca. 450 m Höhenlage, Erdboden bei Buchen und Esche

    Einzelexemplar


    Hut ca 8 cm Durchmesser

    Hut am Rand wollig, in der Mitte aus faserigem hellen Untergrund dunkel aufschuppend

    Hutrand sehr ordentlich umgebogen

    Lamellen ausgebuchtet angewachsen (sehr "kleiner" Burggraben)

    Lamellen sehr dicht stehend, am Stiel manchmal gegabelt, sehr dicht untergemischt.

    Lamellen sehr leicht ablösbar , Schneiden glatt

    Lamellen weißlich, aber mit gelblich-apricotfarbenem Reflex (dies beim Trocknen stärker werdend)

    Stiel spindelig ca. 8 cm lang, außen faserig, innen voll

    gelblich-apricotfarbender Reflex besonders außen (kleine hellere Zone am Lamellenansatz), im Stielfleisch an der Basis besonders gelblich

    Stiel beim Trocken deutlich intensiver gilbend, besonders unten, doch insgesamt sehr gleichmäßig, nicht fleckend

    Fleisch im Hut weiß, Fleisch sehr fest, sowohl im Hut als auch im Stiel

    der Pilz fühlte sich für seine Größe sehr schwer an.


    Geruch:

    erst eigenartig "frisch", aber auch süßlich würzig (Richtung Nebelkappe), aber auch mit "seifigem Unterton" (Richtung Seifenritterling), aber auch mit dumpf-spermatischer Basis (Richtung Risspilz), keinesfalls "mehlig"

    nach einem Tag Trocknen sehr intensiv süß, so wie süße Risspilze (Richtung Inocybe corydalina)


    Geschmack:

    nach einigem Zögern probiert: mild, aber parfümiert, unangenehm (hatte das Gefühl, mein Hals schwillt in allergischer Weise an)


    Sporenpulver: weiß, inamyloid (keine Reaktion mit Melzers-Reagenz)

    EDIT 10.11: am Exsikkat noch mal mit Melzer die Lamellen betupft: sofortige Dunkelfärbung, also doch amyloid (wahrscheinlich war der Sporenabwurf so dünn und so wenig und da habe ich eine leichte Verfärbung übersehen oder missinterpretiert)


    Einen halben Pilz habe ich mitgenommen und dann auch getrocknet, die andere Hälfte habe ich im Wald gelassen...


    Beim ersten Anschauen dachte ich:

    vielleicht ein seltsamer Ritterling (Tricholoma), den ich nicht kenne.

    Aber in dieser Gattung gibt es doch nicht solch ablösbaren Lamellen und auch nicht so dichtstehende Lamellen - und nicht diesen Geruch (nichts gefunden, was ähnlich wäre) ?

    Dann (vor Sporenpulver) dachte ich: vielleicht Lepista oder Leucopaxillus - aber das Sporenpulver ist weiß - und bei Lepista gibt es wohl nicht so wollige Arten, Lepista tomentosa sieht jedenfalls anders aus.

    Bei Leucopaxillus finde ich auch nichts, d.h. L. cutefractus könnte eine ähnliche Oberfläche haben, aber keine Verfärbung und nicht den Geruch, anderen Standort, anderen Lamellenansatz. Außerdem sind die Sporen von Leucopaxillus amyloid.


    Also zurück, aber auf was?

    Was habe ich übersehen, oder ist dieser Pilz sehr ungewöhnlich in seiner Ausformung ... oder wahnsinnig selten ?

    Wer kann mir weiterhelfen, was könnte das sein? :/:)

    (Bilder liegen in 1200 Pixel Breite vor)

         


         


    VG abeja

  • Hallo,


    oder gar mit Lentinus lepideus? Die Lamellenhaltung ist etwas verwirrend, aber manchmal sind die tatsächlich eher burggrabenähnlich statt herablaufend. Der Rest würde gut passen, und wenn dort vielleicht vergrabenes Holz war? Aber eigentlich wächst die Art immer sehr deutlich auf hartem Nadelholz ....


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo,

    danke für eure Ideen! :)

    So mal "ganz kurz" hatte ich Lentinus tigrinus in Erwägung gezogen, vor allem wegen der Hutoberfläche (die sieht sehr sehr passend aus!!). Diese Art habe ich allerdings bis her noch nicht gefunden - soll ja meist im Auwald zu finden sein, dann auch mit vielen Exemplaren.


    Der Pilz war aber recht locker im Boden, ich konnte kein vergrabenes Holz feststellen und die Lamellen sind ja gar kein bisschen gesägt (kann sich aber vielleicht noch im Wachstum entwickeln?). Aber den ganz glatten faserigen Stiel finde ich dann auch seltsam.

    Trotzdem gefällt mir die Idee vom optischen Vergleich her ganz gut - auch wegen der Verfärbung.

    Der Geruch wird bei der Art mit "angenehm pilzig" (oder "not distinctive" ) beschrieben, da fällt das Exemplar dann etwas aus dem Rahmen mit seiner Süße ...


    Lentinus lepideus hatte ich zwar auch erst wenige Male (deutlich an großen Nadelholzstümpfen etc.), aber da ist doch auch der Stiel deutlich schuppig?


    Wie sieht es mit der "Lamellen-Ablösbarkeit" bei der Gattung Lentinus aus (ich glaube, das habe ich da noch nie getestet...)?


    Ach ja, ein "komischer" Pilz ... und dann noch ein Einzelexemplar. :(


    VG abeja

  • Hallo abeja,

    wir hatten gerade einzeln gewachsene Berindete.Seitlinge auf dem Waldboden, die von oben fast so aussahen, allerdings auch deutlich herablaufende Lamellen hatten. Aber vielleicht passt die grobe Richtung Holzraslinge, untypisch und einzeln gewachsen auf vielleicht doch verstecktem Holz?

    Grüße aus Mecklenburg

    Jan

  • Hallo Jan,

    danke auch für deine Idee (bin gestern nicht hier im Forum vorbeigekommen :)), die Raslinge habe ich mir jetzt auch noch einmal angeschaut ... mmmh ... die sind aber nicht so wollig am Rand, die Huthaut müsste schon sehr anders aussehen.


    Aber es ist wahrscheinlich wirklich so, dass ich nicht feststellen konnte, ob der Pilz an vergrabenem Holz wuchs.

    Ich habe ihn eben einfach mal ganz schnell "ausgezupft".

    Wenn es ein Lentinus tigrinus (finde ich vom Hut und den Farben her immer noch am passendsten) wäre, der normalerweise an frei in der Luft befindlichem Holz wächst, dann könnte ich mir vorstellen, dass so ein Wachstum an vergrabenem Holz auch Einfluss auf die Stielbeschaffenheit nimmt (auf die Oberflächenstruktur). Das ist natürlich reine Spekulation.


    Ich war heute noch mal kurz vor Ort (im "Kein-Pilz-Wald") - es ist nichts nachgewachsen, mein halbierter Pilz lag NACH ÜBER EINER WOCHE noch fast unverändert da. Die Lamellen erschienen (noch im Liegen?) etwas welliger geworden zu sein (aber immer noch nicht deutlich gesägt), der Stielrest war befreit von Erdanhaftungen faserig glatt bis untenhin.


    Ach ja, ein seltsamer Pilz ... skurril ist er .... ich liebe das Wort, es ist so vielseitig anwendbar - auf alles, was so sehr abweichend ist von dem, was man kennt und erwartet.


    VG abeja

  • Hallo beisammen,


    da kann ich leider nichts zur Aufklärung beitragen.


    L. tigrinus konnte ich mir hier in Donauwörth vor gut 4 Jahren etwas genauer ansehen - und zwar eine Kollektion, die scheinbar auf dem Erdboden wuchs.





    Da es sich um eine Rasenfläche handelte, ging ich davon aus, dass der Pilz auf unterirdischen Wurzelresten fruktifizierte.


    Markant fand ich u. a. die Stielbekleidung, wovon es aber bei den Frk. von abeja keine Spur gibt. Auch rochen die Exemplare wie Austernseitlinge aus dem Supermarkt und getrocknet sicher nicht auffallend penetrant süßlich.


    Insofern kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es sich bei dem Fund um L. tigrinus handeln könnte.


    Gruß, Andreas

  • Hier noch ein paar Schnappschüsse von Pleurotus dryinus am 22. September dieses Jahres. Sie wuchsen (für mich unerwartet) auf Fichtenstuben im gewöhnlichen Stangerlforst. Zuvor kannte ich die Art nur aus Auwäldern an älteren Laubbäumen mit Stammwunden infolge von Astbrüchen. Die Bäume hatten entsprechend massive Stammdurchmesser. Egtl. hatte ich die Art als Naturnähezeiger verortet. Oder ich habe hier die Art schlicht mit Neolentinus lepideus verwechselt, was ich mir durchaus zutrauen würde. :/


    Gruß, Andreas

  • Hallo Andreas,

    danke für die Vergleichsfotos!


    Pleurotus dryinus (ich bin sicher, dass deine Pilze zu dieser Art gehören ... die sehen doch ganz typisch aus, mit diesen Velumresten, dem hellen Stiel und den glatten Lamellen) habe ich bisher auch nur an Laubholz gefunden - aber abseits von Auwäldern, "ganz normal" im Wald an lebender Buche, und einmal an Buchentotholz.

    Aber man findet ja die Webstellen (und auch Vergleichsfotos) zu Pleurotus dryinus an Nadelholz (besonders Fichte) - das war mir auch noch nicht so bewusst.


    Ich finde es auch sehr interessant, wie Lentinus tigrinus ... scheinbar ... auf dem Erdboden wächst.

    Auf deiner Seite sieht man auch sehr schön, wie die ganz jungen Pilze ausschauen, noch VIEL wolliger und auch VIEL dunkler mit sehr vielen Schüppchen am Stiel ... während dann beim ausgewachsen Pilz der Randbereich und die Lamellen in Farbe und Dichte (bis auf die bei deinen Fotos doch an einigen Stellen deutlich erkennbare Sägung) schon recht ähnlich zu meinem "Pilzunikat" ausschauen.

    Ich glaube ... ich habe einen Pilz gefunden ... der sich gerade NEU "erfunden" hat.^^


    VG abeja

  • Hallo Peter,

    wow, das wäre ja was.

    Jetzt habe ich erst einmal "herumgegoogelt"...

    Leucopaxillus hatte ich oben ja eigentlich ausgeschlossen, weil mein Pilz (glaube ich zumindest) inamyloide Sporen hatte (und weil auch sonst nichts so richtig passen wollte).


    Porpoloma, den Namen hatte ich zwar schon mal gehört (Wiesenritterlinge ... hätte ich nicht im Wald vermutet - und ich habe da auch noch keinerlei Funderfahrung) ... aber die Gattung hätte ja auch amyloide Sporen (??? kann das mit dem Melzer so undeutlich ausfallen, dass ich mich da vertan haben sollte? Ich habe das vor kurzem mal bei einer anderen Art probiert, die amyloid sein soll - da hat es funktioniert, die "Linien" des Sporenpulverabdruckes sind dunkel geworden)


    In einem Google-Book-Auszug (Flora Agaricina Neerlandica) findet man eine ausführliche Beschreibung - das sieht schon sehr gut aus - auch der Geruch und die Gilbung stimmt, die Lamellendichte, der Lamellenansatz - Standort auch, auch dass der Stiel so tief wurzelnd ist.


    Im Gröger ist er ja auch enthalten ... übersehen .


    Mit dem direkten Bildvergleich habe ich trotzdem so ein bisschen Probleme - die Art kommt ja recht vielgestaltig daher (oft so feinwolliger und dickstieliger).


    VG abeja

  • Hallo,

    hier muss ich in der Frage "amyloid oder inamyloid" zurückrudern.

    Ich habe ja einen Teil des Pilzes getrocknet und jetzt noch einmal ein Stückchen der Lamellen mit Melzers Reagenz betupft. Die Lamellen wurden SOFORT dunkel (das Fleisch nicht).

    Der Sporenabwurf war sehr dünn, ich hatte ihn auch nicht zusammengeschoben - vermutlich habe ich eine leichte Verfärbung übersehen, bzw. konnte das nicht richtig einschätzen.


    Also: die Sporen sind eindeutig amyloid, was dann auch für die Porpoloma-Idee sprechen würde.


    (Der Pilz ist ja sogar im "Bon" - aber auch nach der Zeichnung würde ich den nicht erkennen ....)


    VG abeja

  • Hallo,


    kann man denn wirklich Amyloidität auf den Lamellen nachweisen? Ich dachte bisher, dass das nicht möglich ist. Ich wäre da vorsichtig, denn wenn es am Sporenabwurf (und wenn er noch so dünn ist) nicht sichtbar war, dann würde ich denken wäre es auf den Lamellen erst recht nicht sichtbar. Vielleicht rührt die Dunkelfärbung ja auch von was anderem her (dextrinoide trama oder was weiß ich ...)


    Leucopaxillus hat ziemlich stark amyloide Sporen, das sieht man auch vom Exsikkat unter dem Mikroskop noch gut. Ich würde an Deiner Stelle das mal chekcen (lassen) um wirklich sicher zu gehen.


    LG, Andreas

  • Hallo Andreas,

    hmmm ja, von so etwas habe ich (noch) keine Ahnung ... ich dachte mir das nur so (weil es hängen ja jede Menge Sporen an den Lamellen) - und die haben sich auch nicht bräunlich (dextrinoid) verfärbt, sondern bläulich-schwärzlich.

    Der Pilz wird "gecheckt" werden ...


    VG abeja