Agaricus aus der Wiesenchampignon-"Ecke"? --> Agaricus urinascens, Großsporiger Egerling

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There are 3 replies in this Thread. The last Post () by abeja.

  • Hallo,

    ich habe vorgestern einen Champignon gefunden und möchte den zumindest "grob" einsortieren.


    Fundort: Friedhofsgelände, auf der Wiese unter einer Lärche, kalkhaltiger Boden, Rheinfelden (Baden)

    Hut ca. 10 cm im Durchmesser, etwas radialfaserig, hell gelblich-ockerlich

    Fleisch kompakt und NICHT deutlich verfärbend, leichte Gilbung im Stiel, aber nirgendwo Chromgelb, auch nicht nach "Ärgern"

    Stiel gleichförmig länglich, eventuell leicht wurzelnd (so ein "Anhängsel")

    Ring sehr dünn und flüchtig, wie der ursprünglich ausgeformt war, ist für mich nicht mehr feststellbar

    Lamellen im Fundzustand nur ganz leicht rosa-grau, sofort bei Transport, Lagerung eher grau werdend, nicht ausporend, Lamellen frei.

    Geruch und Geschmack nach Kulturchampignon sowohl roh als auch erhitzt, kein Anis/ kein Karbol


    Ich lande in der "Wiesenchampignon-Ecke" ... aber ich habe so wenig Erfahrung mit Champignons, ich finde immer nur ganz vereinzelt welche. So eine frühe Erscheinungszeit? Und die Lamellen nur so schwach rosa und kaum eine Verfärbung im Fleisch?

    Kann das eventuell eine seltenere Art sein? (Ich habe etwas Trockenmaterial ... und den Pilz, der leicht "löchrig" war natürlich nicht gegessen)


    VG abeja


         


       


     

  • Hallo abeja,


    vom Gesamteindruck kommt mir da der Wiesenchampignon eher weniger in den Sinn. Dafür ist mir einmal der Hut zu gelb und wenn Du von leichter Gilbung im Stiel schreibst, passt das eigentlich auch nicht.


    Das wars dann aber auch schon mit meiner bescheidenen Meinung.


    Beste Grüße

    Harald

  • Hallo Harald,

    ich war auch "eigentlich" nicht auf den normalen Wiesenchampignon aus, der kommt ja eigentlich auch etwas später (?) - und so wie ich den bisher - von ganz wenigen Funden - "kenne", hat der viel deutlicher rosa-farbene Lamellen (in dem Zustand) und rötet leicht.

    Aber mit diesem Nicht-Karbol-Nicht-Anis-Geruch und dem sehr flüchtigen Ring komme ich trotzdem in die Gruppe, irgendwie.


    Kann das in Richtung der Champignons gehen, die unter den Namen aestivalis, altipes, veneris, heimii laufen - schon wegen der Erscheinungszeit? Je nach Autor wird das ja unterschiedlich bewertet. Die sollen ja auch in die Wiesenchampignon-Gruppe gehören, aber im Wald vorkommen, bei Fichten (und eventuell anderen Nadelbäumen ?)

    Vielleicht "dachte" mein Pilz "ich bin ich Wald, da ist ja eine Lärche".

    Vergleichsbilder zeigen da auch oft eher weiße Pilze mit noch deutlich längeren Stielen noch, sowohl die Verfärbung (mal rötlich, mal gelblich) als auch der Geruch (mal Null, mal minimal Anis) werden unterschiedlich angegeben. Teilweise heißt es auch, Hut gilbend im Alter.


    Ich weiß natürlich nicht, wie verlässlich die folgenden Seiten sind, aber hier sieht die Huthaut sehr ähnlich aus:

    http://www.pharmanatur.com/Mycologie/Agaricus%20heimii.htm

    http://www.pilzbestimmer.de/Detailed/11062.html

    http://mycologie.catalogne.fre…08/Agaricus_altipes_1.jpg


    VG abeja

  • Hallo zusammen,

    es gibt Neuigkeiten zu meinem "komischen" Champignon.

    Ich hatte Christoph Hahn darauf angesprochen, weil er sich an verschiedenen Orten schon häufiger zu Egerlingen geäußert hatte, und ich durfte ihm meinen halben Pilz zusenden.


    Es handelt sich nach mikroskopischer Untersuchung um

    Agaricus urinascens (Jul. Schäff. & F.H. Møller) Singer, den Großsporige Egerling,


    Zu erkennen an seinen außergewöhnlich großen Sporen, hier in diesem Fall (vermutlich ein noch junger Pilz) :

    (6,75-)7,5-14,25 x (4,25-)4,75-7,0 µm; Q = 1,4-1,9(-2,3), ohne Keimporus und hinten mit leicht verschmälertem Ende. Einige Cheilocystiden konnten aufgetrieben werden, sie waren teils mehrzellig und ovoid bis fast kugelig.


    Dadurch kann man die Sektion der Wiesenegerlinge ausschließen.


    Der Pilz heißt in meinen Büchern noch anders (A. macroporus oder alberti oder im Gröger A. villaticus). Wenn ich nun Bilder vergleiche ... da käme ich nicht ansatzweise auf diese Idee.

    Da war mein 10cm "Riese" noch ein Zwerg, der Ring war nicht mehr so eindeutig (an einer Stelle ahnt man das nach-oben-und-nach-unten Abziehbare und Reste vom typischen Zahnradkranz) .

    Der Geruch war auch irreführend, die Verfärbung auch nicht so ganz eindeutig auf die Sektion verweisend , die oft genannte Beflockung unterhalb des Stiels ist nicht ausgeprägt ... ach ja, Champignons - blöd, wenn es dann nur ein Exemplar ist.


    Zu der Geruchsempfindung könnte man spekulieren. Es heißt, er würde beim jungen Pilz anisartig oder mandelartig riechen, aber nur ganz schwach (also weniger ausgeprägt als die anderen Anisegerlinge), dann kommt irgendwann der Umschlag auf "unangenehm" ... und irgendwie "zwischendurch" riecht er dann vielleicht ganz normal nach "Champignon" .:)


    Aber was ja auch gut passt ist diese gelbliche Huthaut (soll bei Alterung kommen, wird oft beschrieben) und die schwach gefärbten Lamellen (grau-rosa) und auch der Stiel mit dem kleinen Fortsatz, die leichte Gilbung-Bräunung im unteren Stielfleisch.

    z.B. hier in dem Stielbild identisch zu meinem Pilz

    https://www.first-nature.com/fungi/agaricus-urinascens.php


    In der Region (in benachbartem Messtischblättern) ist die Art auch gemeldet.

    http://baden-wuerttemberg.pilz…r-singer-1951#prettyPhoto[speciesgroup]/0/ (inkl. Bebilderung)


    Gut, dass ich einem Kostversuch widerstanden habe, denn das soll einer sein, der auch relativ viel Agaritin enthält und ein Schwermetallsammler ist (besonders Quecksilber und Cadmium) . Das muss man sich ja nicht "antun".


    VG abeja

  • abeja

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