Im Wald und – auf der Heide????

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There are 2 replies in this Thread. The last Post () by Wolfgang Prüfert.

  • Hallo zusammen,


    heute möchte ich einmal über einen interessanten Fund während meins Schottlandurlaubs berichten.


    In der Nähe von Aviemore in den schottischen Highlands. Wir bezwingen den 810 m hohen Meall a‘ Bhuachaille (wessen gälisch etwas eingerostet ist – es wird Meal a wuhkal ausgesprochen und bedeutet so viel wie Berg des Schäfers). Dann, auf dem Abstieg auf der anderen Seite des Berges, kurz unterhalb des Gipfels und immer noch oberhalb der Baumgrenze eine Überraschung: dort stehen Pilze! Und gar nicht mal so wenige.


    Beim Näherkommen entpuppen sich diese als Rotkappen. Schon liegt man mal wieder platt auf dem Bauch und macht Bilder. Die damit verbundene Nähe zum Pilz bzw. dem Boden lässt dann urplötzlich die Frage aufkommen, womit diese Rotkappen verflixt noch mal eine Mykorrhiza bilden, denn Bäume sind weit und breit nicht zu sehen. Ringsumher ist lediglich sehr niedrige Heide, ebenso niedrige Heidelbeeren und eine preiselbeerähnliche Pflanze, die ich nicht einzuordnen weiß.


    Ich schnappe mir ein mittleres Exemplar für weitere Studien und mache mich an den langen Abstieg, anfangs von immer noch weiteren Exemplaren der Rotkappen begleitet, bis dann der Pilzsegen (immer noch über der Baumgrenze) so langsam versiegt und die Heide wieder höher steht.

    Zu Hause dann der Blick in die zwei mitgebrachten Pilzbücher. Hm, die „Heiderotkappe“ ist die altbekannte Leccinum versipelle, wobei die auch gebräuchliche Bezeichnung "Birkenrotkappe" auf das Vorkommen unter eben jenem Baum explizit verweist. Aber da waren eben keine Birken, geschweige denn andere Bäume. Ich bin ratlos. Da fällt mir mein Retter in der Not ein. Mein „Backoffice“, der stets geduldige und mir mit Rat und Tat zur Seite stehende Andreas Kunze. Also schnell mal ein paar Fotos per WhatsApp nach Deutschland geschickt und Andreas mit meiner Theorie einer Mykorrhiza dieser Rotkappe mit Heide konfrontiert.



    Andreas vermutete das Vorkommen einer Zwergbirke (Betula nana) und wir schauten uns die Nahaufnahmen von der Vegetation akribisch genau an, aber die Zwergbirke war partout nicht aufzuspüren. Ich hatte eine solche vor Ort auch nicht bemerkt. Allerdings hielt Andreas die Mykorrhiza einer Birkenrotkappe mit Heide für unwahrscheinlich und schlug daher vor, die Facebookgruppe der britischen Pilzler zu Rate zu ziehen. Während Andreas dies tat, nachdem ich ihn mit einigen weiteren Detailaufnahmen versorgt hatte, tauchten vor meinem geistigen Auge Bilder von britischen Mykologen auf, mit Bussen anreisend und auf Knien den Berg nach Zwergbirken absuchend….


    Inzwischen kam ein erster Vorschlag von Andreas: Leccinum rotundifoliae, die mit Betula nana und Betula humilis Mykorrhiza bildet. Allein, die Birken, wie klein auch immer, mussten ja erst mal da sein und ich sah mit schon zum zweiten Mal den doch recht anstrengenden Aufstieg bewältigen. Der Ansatz mit den Zwergbirken hatte mich auch nicht wirklich überzeugt, da die Hutfarben einen sehr dunklen Ton, deutlich dunkler als das übliche leuchtende Orangerot der Birkenrotkappen aufwiesen. Diesen Ton hatte ich allerdings bei Fichtenrotkappen schon gesehen.



    Während ich die mitgenommene Rotkappe aufschnitt und die nur mäßige und langsame Grauverfärbung des Fleisches dokumentierte (im Bild nach mehr als 2 Stunden, viel mehr passierte auch nicht), kam Andreas schließlich anhand des Hinweises auf die preiselbeerähnliche Pflanze dem Rätsel auf die Spur. Er vermutete, dass es sich bei dieser um die echte/immergrüne Bärentraube handelte (Arctostaphylus uvaursi), ein Heidekrautgewächs und Symbiosepartner der Fuchs/Nadelwaldrotkappe Leccinum vulpinum, mir als Fichtenrotkappe bekannt und in Schottland schon des öfteren begegnet.



    Einige Tage später fand ich weitere Exemplare dieses schönen Pilzes, nun ordentlich "wie es sich gehört" in einem Wald unter Fichten.

    Das aufgeschnittene Exemplar konnte ich als Belegexemplar aufbewahren, da ich dieses Mal Sorge dafür trug, dass diesem nicht das gleiche widerfuhr wie meinen anderen Proben, die diesen schottischen Räubern zum Opfer fielen (man beachte das verschlagene Grinsen des rechten Diebes).


    Alles in allem eine tolle Erfahrung. Nochmals vielen lieben Dank an Andreas, der vielleicht noch Lust hat, den ein oder andern ergänzenden Kommentar abzugeben.


    Viele Grüße von

    Babett

  • Hallo Babett,

    ich denke es ist sicher keine Birkenrotkappe, auf Bild 4 +5 sehen mir die Stielschuppen bräunlich aus und nicht schwarz, auch die überhängende Huthaut geht mehr in Richtung der Nadelwaldrotkappen wobei ich nicht sagen will das es welche sind.

    In den 70er Jahren wurde von Roy Watling Leccinum salicola unter Kriechweide in Schottland gefunden beschrieben, habe dazu aber keine Bilder gefunden.

    Ist schon eine spannende Geschichte,

    viele Grüsse

    Matthias

  • Hallo Babett,


    vielen Dank, Bärentraube hatte ich als "Fichten-Ersatz-Partner" noch gar nicht auf dem Schirm.


    Einmal kurz gegoogelt (z.B. http://www.funga.fi/Karstenia/Karstenia_53-1-2_2013-5.pdf) , scheint das Heidegewächs auch NICHT überwiegend ericoide Mycorrhiza zu machen, wie bei Wikipedia behauptet.


    Schade, dass es bei uns im Rhein-Main-Gebiet keine Bärentrauben gibt, da müssen wir uns im Offenland auf die Sonnenröschen konzentrieren, um klassische Mykorrhizapilze zu finden. Aber z.B. Dermocybe pratensis gibts hier bei Sauergräsern, was auch ziemlich weit weg vom klassischen Waldbaum ist. Da gibt's noch so viel zu lernen...


    Grüße,

    Wolfgang