Pilze im Blumentopf (Orchideensubstrat mit Rindenstückchen)

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There are 10 replies in this Thread. The last Post () by abeja.

  • Hallo Pilzfreunde,

    im Topf einer etwas zu feucht gehalten Phalaenopsis (immer noch NRW, nicht meine Orchidee 8)) wuchsen überraschenderweise diese kleinen Pilzchen (nur 2 wurden "groß") , zu denen ich keine zündende Idee habe. Vielleicht kennt jemand von euch diese Pilze?

    Einen Pilz habe ich auch getrocknet, falls das für jemanden interessant sein sollte.


    Pilzhut erst halbkugelig gewölbt, dann flach aufgeschirmt (minimal vertieft), erst in diesem Zustand minimal gerieft.

    Hutdurchmesser maximal 1 cm, Hutoberfläche erscheint leicht samtig.

    Stiel fein bereift, beim Pilz, den ich trocknete (es war der Halbkugelige) eindeutig hohl.

    Weißes "flauschiges" Mycel.

    Geruch "normal pilzig", angenehm.

    LEIDER HAT ER NICHT SICHTBAR AUSGESPORT ... deshalb kann ich zur Sporenpulverfarbe nichts sagen.

    Der Hut verfärbte sich komplett in diesem Ocker-Orangeton, auch die Lamellen nahmen beim Aussporversuch diese Farbe an.

    Die Sporen könnten aber doch weiß sein (?), jedenfalls nicht sehr dunkel.

    Auch der Stiel verfärbte sich beim Trocknen in diesen Ton.


    Geschaut habe ich bei helmlingsartigen Pilzen, bei Schwindlingen usw. (auch bei Conocybe) ... und fand nichts.

    Gesucht habe ich nach Pilzen auf Orchideensubstrat und fand Bilder von diesem Pilz, natürlich "unbenamst", es geht da immer um die Orchis.

    Ein PDF von Gewächshauspilzen (Bayreuth) las ich diagonal, ohne Ergebnis.

    Erhellung suchte ich in den "Wheels" des neuen Buches (PDF), aber immer noch keine Idee... mmmh.


    Jeder Input wird dankend angenommen :).





     


    Die Nachzügler haben Hütchen unter 1mm Größe, teilweise komplett weiß, teilweise in diesem Ockerton. Das letzte Bild ist etwas geblitzt.


     



    Alle Bilder liegen in 1200 Pixel Breite vor.


    VG, abeja

  • abeja

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  • Hallo Abeja,


    ich fürchte, ohne Sporen und ohne mikroskopische Prüfung wird man hier zu keinem Ergebnis kommen. Zuerst müsste man sich mal durch einen Gattungsschlüssel kämpfen, um überhaupt zu wissen, wo man genau suchen muß.

    Die Pilze könnten zu einer Weißsporer-Gattung gehören, vielleicht Hydropus o.ä.

    Aber da könnte man auch eine Kristallkugel befragen...;)

    Ein Samthäubchen würde ich aber jedenfalls ausschließen.


    Viele Grüße

    Harald

  • Hallo Harald,

    danke für deine Einschätzung ... so was hatte ich schon "befürchtet" ^^.

    Trotzdem, es könnte ja sein, dass ein hier vorbeischauender Mykologe auch schon mal diese Pilzchen im Blumentopf gehabt hätte und untersucht hätte - mit eindeutigem Ergebnis.

    Ich bin auch nicht sicher, was das eigentlich für Rinde ist, die in Orchideensubstraten verwendet wird und habe gerade noch einmal gesucht. Bei hochwertigem Substrat soll es sich um Pinienrinde handeln, das wäre dann doch (meist ?) europäischer Herkunft. Da mein bisheriges Suchen nach dem Pilz so gar nichts ergab, vermutete ich eine eher exotische Herkunft des Pilzes.

    Aber die Orchideen werden ja hier gezüchtet und das Substrat hier zusammengestellt.


    Aufgrund der Hydropus-Anmerkung habe ich mir jetzt noch mal ein paar Vertreter der Familie der Marasmiaceae angeschaut. Diese Pilze sollen ja bei Trockenheit völlig eintrocknen und bei Feuchtigkeit wieder zum Leben erweckt werden können. Mein Pilz trocknete schon ein bisschen hornartig ein - also Marasmiaceae halte ich für eine "heiße Spur".

    Und mehr oder weniger zufällig bin ich jetzt auf einen Australier gestoßen , der relativ ähnlich aussieht: Marasmius elegans. Die Hutoberfläche (samtig) und die Stieloberfläche (bereift) stimmt gut überein. Typischerweise ist da aber der Stiel (wie auch bei vielen einheimischen Marasmius-Arten) unten dunkler. Es ist aber vorstellbar, dass sich das noch entwickelt hätte, weil der Pilz ja im Gesamten nachgedunkelt ist.

    Allerdings ist da das Mycel so sternförmig ausstrahlend und die Lamellen stehen deutlich dichter, was dann gegen diese Art spricht.

    Nur zum Vergleichen:

    https://www.projectnoah.org/spottings/1147896016

    https://www.inaturalist.org/ta…ius-elegans/browse_photos


    VG, abeja

  • Hallo Abeja,


    ich habe jetzt ein wenig in der neuen Ausgabe der Mycologia Bavarica gelesen.

    Witzigerweise wird dort über einen Pilz berichtet, der in Phalaenopsis-Blumentöpfen gesichtet wurde: Lactocollybia variicystis.

    Sieht schon ein wenig wie dein Pilz aus. Vergleiche doch mal.


    Viele Grüße

    Harald

  • Wow!

    Danke Harald, sehr heiße Spur!

    Die ersten Vergleichsbilder zeigten (im Ausland) durchweg weißere, etwas größere Pilze, möglicherweise auch etwas dichtere Lamellen und auch einen etwas dichteren rasigeren Wuchs.

    Dann habe ich noch mal nach der Gattung gegoogelt (tropisch... einige Arten), aber eine Art wurde erst 2008 in Österreich von Anton Hausknecht, Irmgard Krisai-Greilhuber neu beschrieben (auch aus Blumentopf, Reste von Dendrobium-Orchideen): Lactocollybia dendrobii (das Habitusbild in dem PDF sieht rein optisch auch ähnlich aus, auch die makroskopische Beschreibung).

    https://www.zobodat.at/pdf/OestZPilz_17_0053-0057.pdf


    Der Wiki-Artikel über Lactocollybia variicystis verlinkt unten auf ein PDF, Erstnachweis in den Niederlanden und ich fand einen weiteren Text aus den Niederlanden.

    In beiden Dokumenten gibt es Bilder, die mit meinem Fund rein optisch SEHR gut übereinstimmen,

    Im ersten Dokument hier meiner Meinung nach absolut identisch. Hier soll die Rinde aus Südfrankreich stammen.

    https://www.mycologen.nl/Cooli…ocollybia_variicystis.pdf


    In dem zweiten niederländischen Text wurde nachgeforscht, woher die Rindenstückchen des Orchideensubstrats stammte. Der Händler sagte, es handele sich um einen südostasiatische harzfreie Pinus-Art.

    http://groningen.paddestoelenkartering.nl/vondsten_2016/


    Das Problem (Luxus-Problem :) ) ist, dass ich das niederländische PDF bisher nur überflogen habe (teilweise auch den Google-Übersetzer bemüht). Demnach hatte der Autor auch erst Zweifel an der Bestimmung, weil das Internetbildmaterial so anders aussah. Die verwendete Literaturrecherche ließ dann aber nur Lactocollybia variicystis übrig.

    In Österreich wurde aber eine neue Art beschrieben, weil Beschreibungen nicht ganz exakt passten.

    Mmmh ... ob ich da mal nachfrage?


    VG, abeja

  • Hallo abeja,


    um die Gattung Lactocollybia sicher zu bestimmen, musst Du mikroskopieren. Normalerweise haben Lactocollybien eine matte weiße Hutoberfläche, was nicht so ganz zu deinem Pilz passt. Auch sind sie oft exzentrisch gestielt.

    Jedenfalls nochmal: Ohne mikroskopische Untersuchung ist das Kaffeesatzleserei. Wenn Du also ernsthaft an einem Ergebnis interessiert bist, dann müsste ein Exsikkat vorliegen, das man nachuntersuchen kann. Gibt's das denn? Oder kannst Du noch einen Trockenbeleg anfertigen, ist noch Material im Topf?


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    einen Pilz habe ich getrocknet, wie ich bereits oben schrieb.

    Mikroskopieren kann ich nicht, weiß aber natürlich, dass das in solchen Fällen notwendig ist. Aufdrängen möchte ich mich damit niemandem, ich kann den Pilz für mich persönlich auch als cf. Lactocollybia spec. ablegen - es könnte aber sein, dass das so eine Rarität ist, die auch für andere interessant ist. Dass die meisten der bekannten L.- Arten anders ausschauen, sah ich bei der "bösen" Internetbildvergleichsuche.

    ABER: die Pilze in den niederländischen PDF-Dokumenten sehen identisch aus (und Lactocollybia ist da sicher) . Die in Österreich 2008 neu beschriebene und auch sehr ähnlich ausschauende Art hat auch einen bräunlichen bereiften Hut mit mittigem Stiel.


    "Nachschub" kann ich leider nicht liefern, da ich nicht mehr in NRW, sondern wieder in Süddeutschland bin.

    Ich vermute auch, dass der Pilz gar nicht so selten auftreten würde, wenn das Orchideensubstrat zu feucht gehalten wird.

    Genauer gesagt wuchs der Pilz bei meiner Mutter, die kürzlich Geburtstag hatte und von lieben Gästen gleich mit 4 Töpfen "Phalaenopsen" bedacht wurde, jeweils mit einem engsitzenden Übertopf . Nur in einem Topf war das Substrat so extrem feucht, vielleicht konnte da überschüssiges Wasser nicht abfließen oder verdunsten - entweder war das schon vom (unbekannten) Händler so oder es wurde einmal zu viel gegossen. Inzwischen hörte ich "musste die eine Orchidee umtopfen, da faulten die Wurzeln" ... das pilzbefallene Substrat ist also nicht mehr vorhanden.


    VG, abeja

  • Hallo abeja,


    schön dass es einen Beleg gibt! Das hatte ich überlesen ….

    Wenn es warten kann und sich niemand anderes nach dem Pilz drängelt, dann würde ich ihn sehr gerne untersuchen - aber erst im Winterhalbjahr. Momentan komme ich sicher nicht dazu und er würde eher verloren gehen ….

    Ich habe Lactocollybia cycadicola mal in Jena im Botanischen Garten gehabt, die Art wuchs da aber auf der Rinde einer lebende Palme (Dioon edulis).


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    vielen Dank für das Angebot, das Pilzchen ist gut getrocknet und lagerfähig (denke ich ...)

    Wir können das ja "nach der Saison" absprechen.


    VG, abeja