Vermutung: 2 mal Russula spec?

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  • Hello again,

    im Bienwald habe ich möglicherweise vorige Tage meine ersten roten Täublinge entdeckt???

    A) Die ersten 6 Bilder kommen hoffentlich von nur einer Art. Im Gelände ging ich jedenfalls davon aus, jetzt am Schreibtisch.... hm.....

    B) Anschließend kommt noch etwas "Landschaftsaufnahme" - die roten Pilze habe ich nicht näher angeschaut, ich wunderte mich nur über ihre Größe und Vielzahl und wie sie sich gegenseitig zerquetschten.


    Zu A:

    - Höhe ca. 5,5 cm

    - Hut 4-5 cm Durchmesser, rosarot gefärbt, am rande heller, das eine Exemplar war mittig "atropurpurea"

    - Stiel etwas dezentral angesetzt, verjüngt sich etwas nach unten

    - Lamellen weiß, wachsen schön am Stiel runter, Sporenfarbe leicht gelblich, (nicht weiß wie zuerst geschrieben), Bilder s. weiter unten in meinem nächsten Post.

    - Im Schnitt ist der Pilz auch weiß gewesen.






    B:

    Und jetzt hier die Kolonie recht großer, wohl älter Exemplare - vielleicht einer anderen Art? Oder nur ausgeblichen?

    Danke für eure Rückmeldungen!




       

  • Hallo,


    also die ersten drei Bilder und die zweiten drei Bilder von "A" gehören aber nicht zusammen!

    Die obere Reihe zeigt meiner Ansicht nach Russula atropurpurea, wobei der ganz rechte sogar nochmal was anderes, nämlich R. coerulea sein könnte. Die untere Reihe zeigt Russula sanguinaria. Für letzteren ist auch die Lamellenhaltung schwach herablaufend sehr typisch, was die meisten anderen Täublinge nicht zeigen. Die Sporenpulverfarbe weiß ist dann aber von den atropurpureas, denn sanguinaria hat gelbes Spp..


    Zu "B" kann ich nichts sagen, da sind die beiden Bilder nicht aussagekräftig genug.


    Was unbedingt zu einer Täublingsbestimmung gehört ist:

    Sporenpulverfarbe nach einer entsprechenden Skala (Romagnesi-Farbton, notfalls nach Pilze der Schweiz)

    Geschmack (Lamellen)

    Chemische Reaktion mit Guajak auf Stiel und auf Lamellen (Sekunden bis zum Farbumschlag zu grün messen)

    In Frage kommende Begeitbäume


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    vielen Dank! :-) Da hab ich schon wieder einen Pilz aus einer speziellen Gruppe mitgenommen :-) . Verstehe auch nicht, warum ich so unterschiedliche Exemplare für die gleiche Art gehalten habe (im Gelände).


    Für den zu Hause untersuchten Pilz , den du als R. sanguinaria erkannt hast, kommen hier noch 2 Bilder von den Sporen, die eindeutig nicht wirklich weiß waren, das Gelb zeigt sich vlt. besser auf dem weißen Untergrund. Ich werde versuchen, das in meiner Beschreibung im ersten Post zu ändern. Würde diese schwach gelbliche Farbe passen?


    Dann beschäftige ich mich jetzt mal mit den drei von dir genannten Arten! :-) und versuche, nächstes Mal die Bestimmungshilfen alle einzuhalten (bis auf die Chemie, soweit bin ich noch nicht).


    Danke nochmal und viele Grüße

    Flitzepitz





  • Hallo,


    also nein, da kann man nicht wirklich was erkennen. Sieht mir eigentlich zu hell aus für sanguinaria.

    Spp.-Farbe wird ermittelt indem man den Sporenabwurf auf weißem Papier (besser auf einem Objektträger) zu einem Häufchen zusammenkratzt. Nur abgeworfen ist der Farbton zu hell wegen der zwischen den Streifen mit Spp. liegenden Streifen weißen Papiers.


    Ohne die von mir oben erwähnten Minimalangaben und ohne farbechte Bilder ist es kaum möglich, etwas konkretes zu sagen, und meine oben angegebenen Vorschläge sind eben auch nicht mehr als eben Vorschläge - keine sicheren Bestimmungen!

    Du kannst Dich natürlich gerne weiter mit diesen Funden beschäftigen und wirst dabei einiges über die Gattung Täublinge lernen, aber sicher bestimmt bekommst Du die Funde sicherlich nicht mehr. Die Gattung erfordert sehr intensive Untersuchungen, inklusive Mikroskopieren, auch wenn einige Arten mit zunehmender Erfahrung auch so erkannt werden können. Aber nicht umsonst werden von verschiedenen Kursanbietern Wochenkurse speziell für Täublingsbestimmung angeboten ….


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    nochmals merci für dein Kümmern um meine kümmerlichen Darstellungen der Funde - aller Anfang ist schwer, manchmal auch sauschwer :-) - ich verstehe alle deine Anmerkungen und freu mich, dass ich die Beschäftigung mit der Gattung Russula wenigsten mal begonnen habe. Aber es richtig mit ihr aufzunehmen.... :-) - guck mal in meinen neuen Faden - da geht die Sucherei nach dem Bestimmungsweg schon wieder los.... Auf jeden Fall werde ich mal nach einer Glasplatte suchen, auf der die Sporen gehäufelt werden können.

    Respekt, dass du (und andere hier und anderswo) so viel Wissen hast!

    Viele Grüße von

    Flitzepitz

  • Hallo Flitzepitz,


    Täublinge haben es wirklich "in sich", mir macht da das Bestimmen(versuchen) aber auch Spaß, wenn auch bisher ohne Mikro.

    Ich schreibe mal aus meiner Sicht, wie ich da normalerweise vorgehe.


    Ich sehe Pilze, die wie Täublinge aussehen (bunt meistens...) - hoffentlich mehrere einer Art nebeneinander, junge und ältere.


    Ich pflücke 1-2-3 Pilze und vergewissere mich, dass es wirklich Täublinge sind (o.k nur am Anfang): splitternde Lamellen (die Lamellen brechen wirklich ganz leicht bei Berühung, Ausnahme: Frauentäublinge und ganz junge Täublinge), der Stiel bricht wie ein Stück Apfel durch, ohne jegliches Fasern, das liegt an den kugeligen Zellen.


    Ich rieche an den Pilzen. Wenn es "obstig" riecht, dann ist der Pilz meistens oder immer (?) scharf, sie können auch stinken oder nach Bittermandel riechen, nach Camenbert oder ein wenig nussig, nach Zedernholz oder auch gar nicht. Wenn sie einen Tag liegen, können sie süßlich riechen oder nach Fisch.


    Ich schmecke am Pilz. Wenn ich scharf vermute, dann reicht es, mit der Zunge die Lamellen zu berühren, ansonsten sollte man ein kleines Stückchen von Hutfleisch mit Lamellen einspeicheln und kauen, jedoch nicht herunter schlucken. Geschmacksprobe macht man nur, wenn man sicher ist Täublinge vor sich zu haben (und keine tödlich giftigen Pilze) und wenn man eine Flasche Wasser zum Mundauspülen dabei hat. Manche Schärfe entwickelt sich auch langsam, manche Schärfe ist unglaublich scharf.


    Ich schaue nach Begleitbäumen und der Bodenbeschaffenheit (sauer, basisch, eventuell nach Zeigerpflanzen oder man kennt das Gebiet sowieso)


    Ich betrachte die Farben an Hut und Stiel (auch die Übergänge von Huthaut zu den Lamellen) und eventuelle Verfärbungen (z.B. Flecken und Gilbungen am Stiel, manche Täublinge grauen am Stiel) und fotografiere den Pilz (auch von der Seite, Stielform, Lamellen), auch Größe bzw. Größenrelationen beachten.


    Ich versuche die Huthaut abzuziehen, wie weit geht das? Ist da Riefung? Ist sie glänzend und ganz dünn oder eher matt und dick, samtig oder etwas bekörnt wirkend? Wie ist die Farbe direkt unter der Huthaut?

    Ist der Stiel sehr fest beim frischen Pilz oder schon eindrückbar bzw. sehr weich . Ist der Stiel hohl?


    Zu Hause versuche ich Sporenpulver zu bekommen. Ich lasse auf einer Glasplatte (Bilderrahmen) aussporen, meistens über Nacht, meistens auf dem verglasten Balkon. Problem bei mir ist im Sommer die Wärme, drinnen und draußen. In der Übergangszeit geht es besser. Man empfiehlt oft, den Pilz abzudecken. Manchmal sport er dann besser, manchmal gammelt er über Nacht. Deshalb teile ich die Proben, decke teilweise ab, mit etwas Belüftung, teilweise ohne Abdeckung (da besteht die Gefahr, dass er trocknet). Wenn der Pilz bei sommerlicher Hitze ganz trocken ist, lege ich ihn erst mit etwas angefeuchtetem Küchenpapier in eine Box in den Kühlschrank über Nacht.

    Pilze, die ich mir noch weiter anschauen möchte und ich aber keine Zeit habe, bewahre ich max. 1-2 Tage im Kühlschrank auf in einer Gefrierbox, doch den Deckel nicht ganz geschlossen.


    Wenn er ausgesport hat, schiebe ich das Pulver etwas zusammen und vergleiche mit der Farbskala, die ich unter die Glasplatte legen kann. Das geht ganz grob auch ohne gedruckte Skala, man kann weiß (z.B. weiß wie Kopierpapier, "dunkler" weiß wie Küchenrolle) unterscheiden, cremefarben wie Butter ... usw. und unterschiedlich intensive Gelb-und Ockertöne.


    Dann versuche ich den Pilz im Bon zu schlüsseln (bisher mein erster Schritt), zumindest die grobe Einteilung, man kommt da schon ganz gut in die richtige Gruppe.

    Die mutmaßten Arten/ bzw. benachbarte Arten gleiche ich dann mit Internetsuche/Bildern ab und schaue in andere Bücher, vor allem in den Gröger und in die Russularum Icones-CD (die ich aber noch nicht lange habe)

    Gibt es dann mehrere Möglichkeiten kommt die Chemie zum Einsatz, manchmal braucht man KOH, oft Guajak, Eisen-II-sulfat, manchmal die Sulfovanillin-Reaktion und das mir sehr unsympatische, weil giftige Phenol. Ich mache das immer auf dem Balkon wegen der besseren Belüftung. (Wobei man die Chemie am frischen Pilz machen sollte, noch nicht eingetrocknet! Nur die SV-Reaktion an einem trockenen Stückchen)


    Und dann hat der Pilz doch meistens einen plausiblen Arbeitsnamen ... aber manchmal müsste man dann doch ganz tief hineinblicken ... Sporen und Aufbau der Huthaut z.B. zur vollständigen Sicherheit.


    FG, abeja

  • Hallo abeja,

    wow, das ist ein umfangreiches Arbeitsprogramm - danke, dass du es mir so detailliert vermittelst, dann weiß ich wenigstens schonmal den Weg und der erleichtert mir das Bestimmen. Ich habe mir deine und Andreas Hinweise mal in ein doc gepackt und ausgedruckt für die Geländearbeit!

    Vielen herzlichen Dank!!!

    Und viele Grüße

    Flitzepitz

  • Hallo Rika,

    danke für den umfangreichen Hinweis inkl. Farbtabelle - toll, dass es solche Hilfen gibt! Mal sehen, wann ich auf denn nächsten Täubling treffe :-) und sie dann benutzen werde. Den Tipp mit der Glasscheibe vom Bilderrahmen zum Aussporen, damit die Sporen "zusammengefegt" werden können, hab ich auch schon verinnerlicht.

    Viele Grüße

    von

    Flitzepitz

  • Die Russula-Zeit ist aber eigentlich schon vorbei. Heute habe ich auf einem Friedhof noch ein paar Nachzügler angetroffen - und muss das ganze "Gedöns" gar nicht machen, ein schönes eindeutiges Merkmal verriet Russula cavipes (abietina). Ich lasse sie natürlich trotzdem aussporen (und gegilbt hat er auch noch nicht).


    FG, abeja