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There are 4 replies in this Thread. The last Post () by Alis.

  • Hallo zusammen,

    ich hatte vor einer halben Stunde einen Anruf von einem Krankenhaus.

    Da hat ein Mann in der Rheinebene am Straßenrand (über Bäume nichts bekannt) einen Pilz gefunden und in Selbstmordabsicht gegessen!

    Die Dame, die mich angerufen hatte gab als ermittelte Beschreibung an:

    Hut und Stiel, keine Lamellen(?!), gut 10 cm groß, weiß, in der Mitte bräunlich.

    Nach zwei Stunden noch keine Symtome.

    Was soll man dazu sagen?
    "keine Lamellen" habe ich zwar angezweifelt, aber Amanitas aufgund der Jahreszeit als eher unwahrscheinlich bezeichnet.

    Hellhütige Röhrlinge? auch höchst unwahrscheinlich.

    Ich war zwar schon lange nicht mehr in den Pilzen, aber ich denke, am ehesten stehen noch Nebelkappen herum.

    Magen wurde nicht ausgepumpt, Kohle? weiß ich nicht mehr.

    Bin auf solche Fälle nicht geeicht.

    Wenn kein Anruf mehr kommt, werde ich morgen versuchen, nochmals nachzuhaken.

    Was hättet ihr gesagt?

    Gruß Alis

  • Hallo Alis,


    einen geschlossenen Schopftintling halte ich durchaus für möglich, selbst eine Herbstlorchel will ich nicht ausschließen. Die sähe für solch einen traurigen Kandidaten ja auch schön giftig aus. Bei Beiden würde auch der Straßenrand gut passen. Ansonsten weiße Pilze mit stabilen Velum partiale sind nun gerade nicht mehr häufig. Aber, dieser oder jener Egerling wächst schon noch oder Amanita citrina.


    Ich hätte empfohlen den Patienten zu beruhigen, ihn von seinen Selbstmordabsichten abzubringen, auf Symptome hin zu beobachten und, falls leicht möglich, eventuell einen ELISA Test auf Amanitin, da frische Einnahme des Pilzes, zu machen. Bei einem Pilz wird wohl Beobachtung die richtige Empfehlung sein und der Hinweis, bei eintretenden Symptomen schnell wieder anzurufen. Untersuchbar wäre dann wenigsten eventuell das Erbrochene, was ich aber ohne Not nicht hätte erzwingen wollen.


    Beste Grüße

    Stefan

  • Ich habe zum Glück sehr selten Anfragen von Krankenhäusern.

    Zwei seinen hier erwähnt: fünf Leute essen Pfifferlinge, zwei gehen ins Krankenhaus mit Magen- Darmproblemen.

    In den wenigen Putzresten fand ich nur cibarius(cf.) und frisii.

    Ein Mann hatte Champignons gegessen. In der Nähe des Fundortes fand ich alte, große Agaricus, welche ich nicht bestimmen konnte. Mutmaßlich keine xanthoderma. Auch zwei Tage Krankenhaus...

    Soweit ich feststellen konnte, keine Folgen.

    Solche Krankenhausaufenthalte kosten einfach eine Menge Geld.

    Andererseits eine Amanitinvergiftung ist noch teurer.

    Habe eben nochmals mit der Ärztin telefoniert. Die haben nun doch vorsichtshalber das volle Programm durchgeführt.

    Elisatest noch ausstehend. Wobei nicht sicher war, ob die aufgetretenen Darmprobleme Nebenwirkungen davon waren. Habe leider versäumt um ein Feedback zu bitten.


    Ansonsten habe ich kürzlich in einem anderen Forum angekündigt, dass ich aus Zeitgründen zukünftig mich (noch) weniger mit Pilzen befassen werde. Da gibt es für mich wichtigeres. Ist mir auch zu anstrengend geworden. Selbst relativ einfache Pilzbestimmungen überfordern mich meist. Und die "Splitter" und Umbenenner tun ihr übriges dazu.


    Gute Zeit zusammen

    Alis