indet. Aphyllo --> (cf.) Bjerkandera fumosa

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  • Guten Abend zusammen,


    zwischen den Jahren hier mal noch kurz ein Porlings-Fund, der mich nicht mehr loslässt.

    Am 23.12.19 entdeckt und seitdem daran verzweifelt (naja, das tagelange "große Fressen" über die Feiertage war schon eine Ablenkung und recht ähnliche Herausforderung...).


    Aber ernsthaft, makroskopisch schätze ich mich (jedenfalls bis zur nächsten Antwort in diesem Forum) als einigermaßen brauchbar in Sachen Aphyllos ein, kann diesen Pilz aber in keiner Weise zuordnen. Mit PDS, Jahn, Ryvarden und www komme ich nicht weiter - daher meine kleinlaute Hoffnung zu einem Tipp aus eurem erfahrenen Kreis...


    Leider kann ich noch nicht einmal etwas zum Substrat sagen - komplett entrindet, aber noch sehr fest. Vor Ort dachte ich noch an Laubholz (evtl. Hainbuche?), bin mir inzwischen erneut sehr unsicher.


    Seten sind nirgendwo zu finden, was wohlmöglich auch meinen Rettungsanker zu Inonotus o.ä. ausschließen sollte. Schnallen sind in den Poren, der Trama und HDS häufig zu sehen. Basidien 4-sporig, Zystiden konnte ich keine feststellen. Bei Kristallen an den Porenmündungen bin ich unsicher, die waren nur in ca. 50% der Präparate zu sehen.

    Die Zellen in der HDS sind im Gegensatz zu denen aus der Trama sehr dickwandig.


    Sporen um 6x4µm - was vermutlich für meine letzte Idee zu Antrodiella zu groß ist.


    Der Pilz wuchs/wächst großflächig unterseits und seitlich vorwiegend resupinat über schätzungsweise 1 bis 1,5 m am liegenden Stamm, zwischendurch aber auch mit kleinen Pseudo-Hütchen/"Knubbeln", zum Rand hin aber auch mehr mit richtigen Hutausbildungen bis aktuell 2 cm Breite. Auffallend ist die grauschimmernde untere Porenschicht und die weiten Poren zum Rand der effuso-reflexen Hütchen hin.


    Hinzu kommt der fast aufdringliche Geruch - für mich sehr deutlich süß/"zuckerig" - aber nicht nach Cumarin, soweit ich das beurteilen vermag. Frisch und sehr leicht vom Stamm gelöstwar der Geruch deutlichst, in der Sammeldose wieder nicht, dann nach Trocknen wieder genauso stark.


    Ich hänge mal zwei, drei Fotos an, falls von Interesse.

    Noch ein Link, aber keine "Werbung" o.ä., nur der Link zu meiner privaten Sammlung von Funden und Infos:

    http://taunuspilz.de/coppermin…album=lastup&cat=0&page=1

    Aktuell sollten die neuesten ca. 28 Fotos von diesem Pilz stammen - ob es etwas bringt, weiß ich nicht.


    Vermutlich wieder mal ein ganz simples und häufiges Pilzlein, das mich narrt.

    Bin für jeden Hinweis dankbar und suche den Stamm in den nächsten Tagen nochmal auf.


    Viele Grüße

    Klaas


    ,

  • Hallo,

    hast du mal mit (einem der) Wurzelschwämme , Heterobasidion spec. verglichen?

    Die können auch resupinat wachsen, bzw. nur ganz kleine Hutkanten ausbilden, wobei dann oft ein dunklerer/ bräunlicher/ rötlicher Rand (Krustenbildung, aber ohne Harz) zu sehen ist.

    Ich hatte jedenfalls schon mal so etwas, und Frank Dämmrich hatte das damals mikroskopisch abgeklärt.

    Den Geruch meiner Exemplare würde ich als leicht säuerlich beschreiben.

    Mit Mikromerkmalen kenne ich mich nicht aus, aber die Sporengröße und Form sollten ungefähr passen, sicherlich sind in deinen Büchern nähere Angaben.

    Hier nur aus dem Netz (zu H. annosum) zum Vergleichen:

    https://www.mushroomexpert.com/heterobasidion_annosum.html

    Quote

    Microscopic Features: Spores 4.5-6.5 x 3.5-8 µ; smooth or very finely roughened; subglobose to ovoid; hyaline in KOH; inamyloid. Cystidia absent. Hyphal system dimitic; skeletal hyphae dextrinoid.

    Das Holz halte ich für Nadelholz.


    FG, abeja

  • Hallo abeja,


    zunächst vielen Dank für den Hinweis, Heterobasidion annosum hatte ich u.a. wegen der hierbei nicht-warzigen Sporen ausgeschlossen,

    die beiden (oder sind es noch mehr bei uns?) anderen Arten mit wohl glatt-erscheinenden Sporen nicht auf meinem Schirm.

    Da muss ich nachforschen, habe dazu nicht viel vorliegen.


    Jedenfalls, in einer so großflächigen Wuchsform, Fruchtschicht 2-3 mm dünn und sehr leicht ablösbar, getrocknet federleicht,

    hatte ich noch keinen Wurzelschwamm gesehen. Vielleicht muss ich nochmal ganz zurück auf Anfang und auch auf andere wie z.B.

    A. serialis prüfen, die ich bislang ebenso nur komplett anders wachsend kannte.



    Hallo Frank,


    auch dir lieben Dank für den Tipp, die Art schaue ich mir an und melde mich wieder.



    Viele Grüße

    Klaas

  • Hallo Frank,


    äh, da fällt mir ein, dass ich Ende Oktober etwas fand, das ich für Parmastomyces mollisimus/Sarcoporia polyspora hielt.

    Falls dieser Fund korrekt bestimmt war, fällt es mir auch dabei makroskopisch schwer, bei beiden Funden an die selbe Art zu glauben.

    Ich hänge hier mal die vermeintliche Sarcoporia vom Oktober zum Vergleich an.

    Auf dem 2. Mikro ist eine stark dextrinoide Spore zu sehen.


    Viele Grüße

    Klaas

  • Hallo zusammen,


    ich war heute noch einmal vor Ort - auf der anderen Stammseite, die ich mir letztes Mal (warum auch immer)

    nicht angeschaut hatte, waren größere Hüte bis 6 cm Breite zu finden. Allerdings tiefgefroren...


    Substrat ist für mich jetzt definitiv Laubholz, auf manchen Fotos kann man noch Rindenreste erkennen,

    auch am Stumpf direkt daneben. Vielleicht Linde? Die bereits morschen Triebe am Stumpf gehören zum Baum.


    An vitalen Sporen konnte ich am mitgebrachten Exemplar kaum welche finden, auch im Trockenmaterial sind

    die Sporen vorwiegend hinüber.

    Dextrinoid sind die Sporen aber ganz sicher nicht, das hätte ich erkennen müssen.

    Allenfalls leicht amyloid - kann aber auch täuschen, da die scheinbar auf Melzer/Lugol reagieren Öltropfen aus den

    toten Sporen ggf. auch durchschimmern?


    Hat (mir) also erstmal nicht sehr viel gebracht, außer vielleicht den erneut fast aufdringlich süßen Geruch des

    jetzt aufgetauten (und von der Konsistenz recht weichen) Hutes wieder zu riechen.


    Leider bekomme ich bei Porlingen oft keine dünnen und brauchbaren Präparate zustande, weshalb die Sporen immer

    in Bewegung und daher unscharf sind - ich hänge aber dennoch die Fotos von heute an.


    Beste Grüße

    Klaas


  • Stimmt, Laubholz ... da kann man sich wirklich vertun (ich hätte wegen dieser "Knubbel" oben, die rechtwinklig abgehen, auf Nadelholz getippt).


    Antrodia malicola ist auch keine Option? Die Sporengrößen scheinen auch etwas anders zu sein.

    Und die Poren normalerweise etwas größer, aber mich wundert das "Sinuate" Aufbrechen und die bräunliche Verfärbung, das könnte dafür sprechen.


    FG, abeja

  • Hallo abeja,


    ja, diese "Knubbel"/"Dornen" am Substrat hatten mich auch verunsichert... ;)


    Danke dir nochmals, habe gerade auf Werners "Aphyllopower"-Seite (die glücklicherweise noch immer online ist) nachgeschaut, aber so richtig bin ich nicht bei A. malicola. Ich schaue, was ich noch dazu finde - fürchte aber, das Teil wird (wie so viele andere Funde) keinen Namen von mir erhalten. Sry für die Zeitverschwendung!


    Vorhin dachte ich mir, schaust dir zur Abwechslung mal was vielleicht relativ Einfaches an und habe einen Schillerporling unters Mikro gelegt. Tja, der wird wohl auch wieder keinen Namen bekommen, obwohl er makroskopisch doch schon recht gut als I. rheades anzusprechen sein müsste... so ist das halt mit den Porlingen...


    Ich ergebe mich wiedermal den Pilzen und viele Grüße

    Klaas

  • Hallo Frank,


    für mich schien das Hyphensystem monomitisch.

    Am stehenden Teil links im Foto anbei ist KOH 20% auf der Schnittfläche - es dunkelt nur die Huttrama etwas ab, an der Fruchtschicht sehe ich keine Reaktion.


    Der Hut ist etwas zäh im Schnitt, ich hoffe das Foto zeigt dennoch ausreichend Merkmale?


    Viele Grüße

    Klaas



  • Hallo Klaas,


    die Kombination der Merkmale könnte noch für Bjerkandera fumosa zutreffen. Die Art wird oft verkannt. Ich bin mir nicht sicher, ob da eine gelatinöse, etwas dunklere Schicht zwischen Röhren und Trama ist. Das wäre typisch für B. fumosa.


    Guten Rutsch

    Frank

  • Das Schnittbild sieht auch für mich ;) nach B. fumosa aus.

    Ansonsten hätte ich den jetzt nicht erkannt, obwohl ich die Art schon sehr oft hatte und mir auch einbilde, die Art makroskopisch ansprechen zu können. Was mich hier wundert: der (teil)-resupinate Wuchs. Das kenne ich bisher nur von B. adusta.

    Die Beschreibung "relativ weich" passt aber auch sehr gut.


    Den Geruch habe ich bisher allerdings immer - auch im ganz frischen Zustand mit aktiver Zuwachskante - als "normal", d.h. unbedeutend "pilzig" wahrgenommen, nicht irgendwie süßlich oder in eine "Gewürzrichtung". In FTE steht aber etwas davon, dass der Geruch lakritzartig sein könnte. Da sind in den Übersichts-Wheels die Sporen auch etwas länglicher gezeichnet. Möglicherweise ist das aber ein bisschen variabel. Mit der Abbildung bei Pilzflora-Ehingen stimmt die Sporenform jedenfalls besser überein.


    FG, abeja


    Guten Übergang ins Neue Jahr wünsche ich euch!

  • Hallo Frank,


    ich habe jetzt alle vorhandenen Hüte und resupinat wachsenden Mitbringsel durchgeschnitten

    und kann nirgendwo eine auch nur irgendwie gelatinöse/dunklere Trennschicht entdecken -

    das ist vielleicht nur dem Frost geschuldet?

    Auch finde ich überall nur Anmerkungen zum Geruch wie "unbedeutend", "schwach pilzig" o.ä. -

    ich beharre noch immer auf dem auffallend süßlichen Duft der FK -

    das ist vielleicht nur meinem Frust (oder miserablen Riechkolben) geschuldet? ;)


    Dennoch scheint mir dein Vorschlag mit B. fumosa inzwischen als der am Besten zutreffende.

    Da muss ich meine Vorstellung von Bjerkandera doch arg überdenken, zumal im Netz ja auch

    recht ähnliche und oft flächig wachsende FK zu finden sind. Hätte ich niemals so erwartet.


    Lieben Dank, ebenso guten Rutsch und alles Gute im neuen Jahr!

    Klaas


    PS: Ich lasse das "cf." vorwiegend für mich als Ermahnung/Erinnerung dran, das foppt mich ungemein.

    Und ich bin nur zu 95% überzeugt, was jedoch nur an meiner aktuell noch mangelhaften Erfahrung liegt.

  • k.h.

    Changed the title of the thread from “indet. Aphyllo” to “indet. Aphyllo --> (cf.) Bjerkandera fumosa”.
  • An dem linken durchgeschnittenen Fruchtkörper, wo der auf die Unterlage auftrifft - in dem Bereich sehe ich eine etwas dunklere Zwischenlinie.


    Hier eines von meinen Exemplaren, altes Foto

  • Hallo abeja,


    unsere Beiträge hatten sich vorhin irgendwie überschnitten, glaube ich.

    "FTE" habe ich nicht, "Geruch lakritzartig" - für mich eher nicht.

    Wenn man Gerüche doch nur mit (relativ) eindeutigen Werten wie Farben angeben könnte...

    "Pilzflora-Ehingen" - ja, als ich das Schnittbild auf Jürgens Homepage sah, hat es bei mir

    auch ohne dunkle Trennlinie vor Augen beinahe "Klick" gemacht. ;)


    Ja, da sieht man sich Material und Fotos zigfach an und wird "betriebsblind""...

    Vorwiegend auf die rechte Hälfte geschaut, ist das nicht so deutlich wie links.


    Auch dir herzlichen Dank für deine Mühe und Hilfestellung!

    Guten Rutsch und ein schönes neues Jahr wünscht

    Klaas