Riesen-Kohlenbeeren????

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  • Hallo zusammen,


    die Trockenheit hat meine Wohngegend fest im Griff und aus der rissigen Erde sprießen weder Morcheln noch andere Pilze. Dennoch möchte ich hier einmal einen Fund von Anfang März vorstellen, zu dem ich bis jetzt einfach kein Bestimmungsergebnis gefunden habe. Der Fund stammt vom Rande des Kühkopfs, eines großen Auenwaldgebiets. Die Fruchtkörper waren zwischen 6 - 10 (+) cm groß. Sie sind steinhart. Ich war eigentlich bei Kohlenbeeren, allein diese Größe passt ja nicht dazu.

    Hat jemand eine Idee, worum es sich hier handeln könnte?

    Grüße aus dem Auenland von Babett

  • Hallo Babett,


    hättste mal durchgeschnitten, dann hättest Du eine schöne kohleschwarze Zonierung gesehen - das dürfte eine Daldinia sein. Welche müsste man mikroskopieren und vor allem auch nach dem Pigment unter der Kruste schauen (KOH auf Objektträger und ein kleines Schnipsel vom Pilz rein -> gelb, violett, grünlich oder so).


    Das Holz scheint Esche zu sein?


    LG, Andreas

  • Lieber Andreas,


    danke für deine Einschätzung. Das ist so ein typischer Fund am Wegesrand: man sieht es, macht ein Foto und lässt es stehen, zumal man hier ja im NSG unterwegs ist. Ich kenne Daldinia als lebende Holzkohle meist in schwarz und vor allem viel, viel kleiner.

    Hier hat mich die schiere Größe überrascht und wenn ich ehrlich bin, auch die lustige Brötchen-Form, die auch an andere, ähnliche rückwärtige Formen erinnert ;). Wenn ich wieder einmal an der Stelle vorbeikomme, schaue ich mal, was daraus geworden ist.


    Herzliche Grüße von Babett

  • Das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Daldinia concentria, uns zwar wohl recht frisch entwickelte Fruchtkörper. Man muss sie nicht mal aufschneiden oder mikroskopieren.


    Um diese Jahreszeit kommt in Deutschland nämlich keine andere Art der Gattung raus, und man sieht auch auf einem der Bilder die charakteristische Oberfläche. Esche also Wirt ist ebenso typisch.

    Aus dem Auenland gibt es bislang übrigens noch keinen Nachweis für die Art..


    Viele Grüße

    Marc

  • Hallo Zusammen,


    vorgestern sind mir hier oben im Bayerwald überwinterte Daldinien auf Alnus sp. begegnet.





    Substrat und Habitus passen gut zu petriniae. Eine KOH-Reaktion war überhaupt nicht mehr vorhanden.


    @Marc, haben sich die Substratlisten der europäischen Arten seit eurer Arbeit von 2001 erweitert? Kann man beispielsweise alle alten D. concentrica-Meldungen auf Alnus sp. in petriniae umbenennen?


    Alle alten D. concentrica-Meldungen ohne Substratangaben/Herbarbeleg müssen wir wohl als agg. weiterführen.


    Schöne Ostertage wünscht Peter

  • So, jetzt komme ich mal wieder dazu, mich zu meldne.


    Also das hier auf den Bildern ist definitiv D. petriniae. Die Stromata sind echt unverkennbar.

    Obwohl das ja auch ein Artenkomplex zu sein scheint, denn wir leider nicht weiter aufgelöst bekamen. Es scheint aber nicht unbedingt immer 100% zu stimmen mit der Wirtspezifität, daher würde ich nicht alles, was von Erle gesammelt wurde, pauschal in D. petriniae umbenennen. Die Anamorphe von D. concentrica wurden auch in vielen anderen Bäumen als der Esche und den Salicaceae, wo dieser Pilz vorwiegend auftritt, nachgewiesen.

    Wir haben uns seit der Weltmonographie von 2014 ansonsten eigentlich in erster Linie mit dern tropischen Daldinia spp. beschäftigt, und ich habe die Bestimmungen einige Belege, die man uns aus Deutschland geschickt hat, bestätigt. Das SIM Paper von 2014 gibt also schon noch den aktuellen Stand wieder, wobei man beachten muss, dass die Arbeit von Wolweber % Stadler in ZfM in manchen Punkten nicht mehr aktuell ist.

  • Danke Marc,

    Es scheint aber nicht unbedingt immer 100% zu stimmen mit der Wirtspezifität, daher würde ich nicht alles, was von Erle gesammelt wurde, pauschal in D. petriniae umbenennen.

    hier möchte ich nochmal nachhaken.


    Wenn sagen wir mal 95 % +X aller Daldinia-Funde auf Erle D. petrinae sind, ist es dann nicht besser alle alten D. concentrica-Meldungen auf Erle D. petriniae als D. concentrica (s.l.) zu nennen?


    Bei ersterem hätten wir eine potenzielle Fehlerquote von < 5%, bei zweiterem > 95% oder?


    Ciao, Peter