Ganz schön ausdauernd - ganz nett vorwitzig

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  • Hallo Pilzfreunde


    so oft habe ich Ohrlöffelstachelinge, Auriscalpium vulgare, mangels Kiefernwald noch nicht gefunden, die gezeigten Exemplare sind erst mein Zweitfund (Hörnli-Friedhof, Riehen Basel, Schweiz, vom Oktober 2019, bei freistehenden Pinus sylvestris auf Kalkboden).

    Schon beim Fund waren die Pilze optisch relativ dunkel, also vermutlich schon ein bisschen älter.

    Ich nahm den Zapfen mit beiden Pilzen mit und setzte ihn in mein "naturnahes Miniatur-Ökosystem", d.h. in meinen Balkonkasten ;). Dort haben sie überwintert und die Hüte waren während der Trockenheit sehr eingeschrumpft und relativ hell geworden.

    Durch den Regen sahen sie nun wieder ganz ansehnlich aus, der eine Hut blieb aber hell. Beim kurzfristigen Abtrocknen wurde auch der zweite Hut wieder weißlich.

    Nun heißt es ja, der Pilz wäre ganzjährig anzutreffen, mit frischen Exemplaren sei ab ca. Mai zu rechnen und überwinterte Pilze seien oft mit Grünalgen besetzt. Beobachtet habe ich eine solche Überwinterung aber noch nicht.

    Ich fand es ganz interessant zu sehen, wie die Pilze fast unverändert bleiben - ganz schön ausdauernd



         



    Dann - ganz nett vorwitzig - fand ich winzige Austernpilze schon im April, als es noch gar nicht geregnet hatte.

    Weil ich dachte, diese würden bei der Trockenheit sowieso nicht weiter wachsen, habe ich sie geerntet (2 Büschelchen, 50 gr. Pilze).

    Es war für mich ein Erstfund an WEIDE (liegender Stamm, aber nicht im Auwald, den ich gar nicht habe, sondern im Laubmischwald auf Kalk).

    Da wächst zwar überwiegend Buche, aber am Rande des Fichtenareal, das im letzten Jahr gefällt wurde, waren auch ein paar Salweiden eingestreut.

    Ich habe bisher noch nie Pleurotus cornucopiae, den Rillstieligen Seitling gefunden. Diesen hatte ich hier kurzzeitig vermutet, aber jetzt denke ich doch, dass es sich um normale Pleurotus ostreatus handelt.


    Was mich auf Pleurotus cornucopiae brachte, waren die Anastomosen, die besonders an einem kleinen Pilz sehr deutlich sind. Aber diese Querverbindungen sind in der Nähe vom Hutrand und nicht in Stielnähe. Es gibt ein paar am Stiel herablaufende, aber nicht querverbundene Lamellen, aber das soll auch bei Pleurotus ostreatus möglich sein.

    Das Basismyzel war sehr undeutlich ausgeprägt, von Pleurotus ostreatus kenne ich das bisher striegeliger. P. cornucupiae soll wenig Basismyzel haben.

    Der Geruch war sehr angenehm, etwas süßlich (nicht mehlig), durchaus mit vorhandener Anisnote.

    Pleurotus cornucopiae soll bei jungen Pilzen eine leichte Bereifung auf dem Hut haben, kleinste Velumreste, das sehe ich hier nicht wirklich. Vor allem die allerkleinsten Pilzchen wirken eher glatt auf mich, während die etwas weiter entwickelten Pilze ein leicht körnig wirkende Oberfläche hatten.

    Bei so kleinen Pilzen ist es schwierig festzustellen, ob der Stiel eher mittig (P.c.) oder eher exzentrisch (P. o.) steht.

    Aber hier diese junge P. cornucopiae sind deutlich anders geformt als meine Pilze:

    https://images-na.ssl-images-a…wpCYhEj9L._AC_SL1200_.jpg


    In englischer Sprache wird Pleurotus cornucopiae auch "Branched Oyster" genannt, weil sich die Einzelfruchtkörper oft aus einem gemeinsamen Stiel heraus verzweigen.

    Ganz deutlich hier: https://www.first-nature.com/fungi/pleurotus-cornucopiae.php


    Bei meinen Exemplaren waren die einzelnen Stiele wie aneinander "geklebt", aber durchaus als Einzelstiele zu erkennen.


    Also ... leider (nee, nicht leider, sie haben gut geschmeckt :saint: ), doch nur "normale" Austernpilze, Pleurotus ostreatus?

    Was meint ihr dazu?


    Das Übersichtsbild ist nicht besonders gut gelungen, es waren schlechte Lichtverhältnisse und ich vor dem Stamm wackelnd in der Hocke ...


       




    FG, abeja