Entoloma sericeum ? oder Entoloma vernum ? oder..........

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  • Hallo Pilzler ind Pilzlerinnen,

    ich bin neu hier und hoffe, dass ich hier etwas Hilfe finde. Gleich zu Anfang hätte ich Pilze die ich zu Entoloma zählen würde. Bei E. sericeum oder E, verna bleibe ich aber Stecken.


    17.06.2020. 66687 Bardenbach/Saar, an grasiger Stelle bei Hainbuchen-Hecke

    Name: Seidiger Rötling, Entoloma sericeum / Frühlings Rötling, Entoloma vernum s.l.


    Hut: Leicht gerieft. Mit kleiner Warze in Hutmitte erst nach dem ausbleichen sichtbar.

    Huthaut: Zur Hälfte abziehbar. Längliche aufgeblasenen Zellen. Am Rand leicht eingezogen

    nicht überstehend.

    Farbe: Braun, schokoladenbraun, Hygrophan grauend.

    Lamellen: Stumpf, gesägt und lappig. Fläche, runzlig mit Querrippen zum Hut hin. fein

    angeheftet.

    L. Farbe: Schmutzig weiß

    Sporenpulver: Rosa

    Sporen: 7,39-11,09 x 8,2-9,47 µm. Bis sechseckig. Ecken nicht immer stark ausgeprägt. Ein

    bis mehrere Ölflecken.

    Fleisch: Wässrig dunkel u. dünn im Hut, zerbrechlich. Schmutzig weiß im Stiel

    Geruch: Mehlartig nicht Pilzig.

    Geschmack: Keine Geschmacksprobe gemacht!

    Stiel: Bräunlich, weiß überfasert, Spitze heller. Längsfasrig zerbrechlich. besteht aus

    länglichen septierten Zellen ohne Schnallen

    CH. Zystiden: keine erkannt!

    Pl. Zystigen: keine erkannt!

    Basidien: Viersporig, granuliert keulenförmig.


    Ich freue mich auf eure Meinungen. LG Rigo

  • Hallo Rigo,

    willkommen im Forum und nein, ich bin keine Entoloma-Expertin, aber ein klein wenig kann ich vielleicht schon zu der gut gemachten Anfrage sagen.


    Entoloma vernum könnte man schon ausschließen, denke ich, denn dieser Pilz riecht nicht nach Mehl.


    Ich habe selbst auch schon vergleichbare Rötlinge auf magerem Rasen gefunden und da hieß es, wenn er nach Mehl/Gurke riecht, dann ist E. sericeum die wahrscheinlichste Option (weil sehr häufig). Als Makroskopikerin speichere ich so etwas dann mit cf. ab, wenn die Farben und Größen passen, die Huthaut hygrophan ist und auch leicht gestreift.


    Was für Literatur steht dir zur Verfügung?

    Ich habe jetzt mal in die Fungi of Temperate Europe geschaut, bei E. sericeum steht da im Text nur lapidar, es gäbe noch ähnliche Arten, die sich durch den Geruch und/oder mikro. Merkmale unterscheiden. Da kommt man also nicht weiter.


    Der Gröger, der ist da schon sinnvoller:

    a) schauen ob Zystiden da sind ... keine da.

    b) isodiametrische oder heterodiametrische Sporen, da müsste man Quotienten ermitteln. Für mich sehen sie jetzt isodiametrisch aus, dann wäre man zumindest in der "Ecke" von Entoloma sericeum.


    Dann geht es aber um das Pigment in der Huthaut und da ist die mikroskopierte Schicht deutlich zu dick, die Zellen liegen übereinander. Da gibt es bestimmt Tipps und Tricks, wie man das gut hinbekommt, man braucht ein hauchdünnes Stückchen.

    Dabei muss man sehen können, ob das Pigment inkrustiert ist, oder auf dem Zellmembran aufliegt oder ob es Pigment zwischen innerhalb der Zellen gibt (intrazellulär). Nach Schnallen muss man dann auch noch schauen.

    Bei Entoloma sericeum sollte das Pigment ausschließlich grob inkrustiert sein und Schnallen seien (fast) nur im Hymenium, steht da, Sporen isodiametrisch, bis 10,5 (11)


    Als Verwechslungsarten werden dann dort ein paar genannt, mit denen der Vergleich empfohlen wird:

    ohne Mehlgeruch (E. atlanticum),

    schmächtigerer Bau, aber ähnliche Pigmentverhältnisse, aber Sporen etwas heterodiametrisch (E. lucidum),

    reichlich Schnallen in der Deckschicht (E. atrosericeum),

    kurzzellige Lamellentrama und eher heterodiametrische Sporen (E. anthracinellum)

    und Pigment inkrustierend und intrazellulär und Sporen schwach heterodiametrisch (E. ortonii)


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


    Edited once, last by abeja ().

  • Hallo Abeja,

    vielen Dank für die freundlich Begrüßung hier im Forum. Vorab muss ich erklären, dass ich erst seit 7 Monaten mikroskopiere und mich um die Pilzbestimmung bemühe. Daher habe ich noch keine weiterführende Literatur vorliegen, außer zwei Pilzbücher BLV und Kosmos Naturführer Pilze.

    Zystiden habe ich keine gefunden oder nicht als solche erkannt.

    Schnallen habe ich auch keine gefunden.

    An der Huthaut habe ich mich wieder Probiert, da ich ein paar Pilze habe stehen lassen. Aber ob mein Equipment und meine Fähigkeiten hier zum Ziel führt weiß ich nicht!

    LG Rigo

  • Hallo,

    die Mikrobilder müssten erfahrene Mikroskopiker beurteilen.


    Mir ist nur aufgefallen, dass ich gestern oben etwas falsch geschrieben habe. Intrazellulär bedeutet innerhalb der Zellen (klar!) und nicht zwischen den Zellen (wäre "inter"). Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man für diese Beobachtung das Präparat nicht quetschen sollte, weil - so stelle ich mir das vor - die Pigmente dann nicht mehr an den Orten sind, wo sie ursprünglich waren.


    Falls du Vergleichsbilder suchst, findet man einiges z.B. bei Pilze Deutschland.

    http://www.pilze-deutschland.d…C3%A9rat-qu%C3%A9l-1872-1

    oder auf Homepages von erfahrenen Mykologen (einfach mal suchen "Entoloma Pigment inkrustiert" als Bildsuche).


    Wenn ich mir oben bei Pilze-Deutschland das Foto mit dem inkrustierten Pigment anschaue, dann sieht das etwas anders aus, direkt aufliegend (ziemlich dicke Körnchen) auf der "Außenschicht" der Zelle - aber das ist jetzt sehr laienhaft ausgedrückt.


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


  • Hallo Rigo,


    ich würde von den Bildern vernum ausschließen, möchte aber auch sericeum nicht bestätigen. Zu der Jahreszeit kenne ich sericeum nicht, und es gibt eine Vielzahl an braunen Rötlingen auf Wiesen. Die "Ecke rund um sericeum" passt aber vermutlich schon.


    Leider geben die Bilder der Huthaut nichts zur Pigmentierung her. Dazu müsstest Du die Huthaut in Wasser mikroskopieren und die Blende am Kondensor weiter aufmachen. Dann wird das Bild zwar matter und man sieht die Zellwände nicht so deutlich, dafür aber das Pigment... Huthaut-Pigmentierung gehört m.E. zu den schwierigsten Mikroskopier-Aufgaben für Mykologen.


    Vielleicht guckt noch Kai Reschke ins Forum 'rein, der kennt sich in der Gruppe besser aus als ich.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Rigo

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  • Hallo,

    ich habe nun die Mikromerkmale der damaligen Aufsammlung mit Aufnahmen ergänzt, die wie es scheint einsporige Basidien zeigen. Wird aber wie ich fürchte nicht zur Klärung beitragen nur zu Ergänzung!

    LG Rigo