Unbekanntes Trockenobjekt am Fuß einer alten Gleditschie / Lederhülsenbaum (Hülsenfrüchtler)

For discussions about the society, its structure and goals, only the forum "Geman Mycological Society" serves as a platform for the exchange of opinions.
  • Hallo, liebes Forum,

    im Vorbeifahren sah ich diesen Pilz am Fuße einer alten Gleditschie. Beim näheren Hinsehen stellten sich die hellbraunen Fruchtkörper mit glänzend schwarzen Lamellen als recht dehydriert heraus. Ich weiß nicht, ob man diesen Exemplaren noch Bestimmungsmerkmale entlocken könnte, ich stelle die Bilder dazu mal ein, vielleicht gibt es ja jemanden mit geschultem Blick :-).

    Danke im Voraus und viele Grüße von

    Flitzepitz






  • Hallo Flitzepitz,

    das ist ein wunderbares Beispiel dafür, warum es immer heißt, dass man Babies und Mumien ignorieren soll :D.

    Aber ich kenne das, man will es trotzdem versuchen.


    Wie hat er denn geduftet ;) ? Wahrscheinlich nach gar nichts mehr.

    Wir sehen schwarze Lamellen. Ein Tintling hätte schwarze Lamellen, würde aber zerlaufen. Ein Faserling würde dunkle Lamellen bekommen (aber so dunkel?) , hätte aber nicht so einen ultrastabilen Ring. Ackerlinge hätten nicht so dunkle Lamellen und der Ring wäre auch eher flüchtig, wenn denn da einer gewesen wäre.


    Wegen dieses prominenten Ringes (man sieht auch noch so Pünktchen untendrunter - edit: oder auch nicht ?) und wegen der dunklen Lamellen, halte ich das für Egerlinge, Agaricus spec. Dann geht normalerweise sowieso nichts ohne Verfärbungsverhalten und Geruch (und auch dann nur die grobe Richtung) . Hier das müsste m.M. nach eine sehr lang- und dünnstielige Art gewesen sein.

    Und nun warten wir mal ab, ob es noch weitere Meinungen gibt ^^.


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


    Edited once, last by abeja ().

  • Und jetzt schoss mir noch eine alternative Idee durch den Kopf: gelbe Form vom Riesenträuschling, Stropharia rugosoannulata f. lutea. (Bleibt da der Ring so bestehen? Die Form würde eher passen und möglicherweise sieht man Velumreste am Hutrand.)


    Spekulier-spekulier-spekulierende Grüße, abeja

    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


  • Hallo abeja,

    erstmal herzlichen Dank für die inspirierten Spekulationen, die du dir zu meinem Pilz-Großvater machst, das hilft mir sehr, mich nicht völlig schlingernd in der großen Pilzfamilie umzuschauen. Aber ich lerne daraus auch, dass es keinen Sinn hat, solche überalterten Exemplare mitzunehmen (beim Botanisieren spricht man dann von Nekro-Botanik ;-) ).

    Ich hatte gehofft, dass die Baumart vielleicht einen Hinweis gibt, aber sie ist ja keine einheimische Art. Und ich werde die Stelle unter Beobachtung halten, vielleicht kommen ja mal frische Exemplare. Was mich gewundert hat, ist, dass an den benachbarten Gleditschien (es sind straßenbegleitende Bäume) keine Pilzexemplare zu finden waren.

    Jetzt zu deinen Fragen: das Velum hat unterseits deutlich schwarze kleine Punkte! Worauf würde das hindeuten? Und Duft ist auch vorhanden, ich würde ihn als pilzartig mit etwas muffigem Beigeruch beschreiben. Meine Palette an Duftbeschreibungen ist allerdings auch noch ungeübt und hat keine "geeichten Vergleiche".

    Zu Stropharia rugosoannulata: hier gibt es viel Ähnlichkeit (ich weiß aber nicht, ob die Eigenschaft, auf genügend Kompost-Material zu wachsen an dem Baumfuß erfüllt wird, die Stiele meiner trockenen Ex. verschmälern sich nach unten).

    Also, ich bleib dran...

    Viele Grüße und nochmals danke

    Flitzepitz

  • Hallo Flitzepitz,

    das mit den "Pünktchen" am Ring war nur so eine Idee, hier handelt es sich wahrscheinlich um "Alterungserscheinungen" oder irgendwelche Krümel sind da mit festgestrocknet (weil man sieht auch solche Pünktchen am Hut).

    Es gibt bei manchen Champignons einen "Zahnradkranz" sichtbar auf der Ringunterseite (Reste vom Velum universale, der Ring ist dann "doppelt" und manchmal verfärben sich diese Velumreste etwas anders als der andere Teil vom Ring).

    Bei Egerlingen gibt es neben dem Geruch von Kultur-Champis auch den "Anisgeruch" (auch oft als "Bittermandel" bezeichnet) bzw. irgendwas, was in diese Richtung geht, oder auch unangenehme Gerüche nach Urin oder fischig o.ä. und den Geruch nach "Karbol" (Phenol, d.h. "wie Apotheke" oder "Heftpflaster"). Es ist natürlich sehr optimistisch, da noch einen bestimmten Geruch zu erwarten.


    Der Ring von Stropharia rugosoannulata wird als auf der Oberseite "rau-buckelig" bzw. gerieft beschrieben und jung mit "Zacken" - aber so genau sieht man es hier natürlich nicht mehr. 8)

    Ich las jetzt noch, typisch für Stropharia rugosoannulata seien dicke weiße Wurzelstränge (Rhizomorphen), diese wäre vielleicht aufgefallen. Ich bin aber nicht sicher, ob die bei solchen Fruchtkörpern bei der Entnahme mitkommen, wenn man nicht damit rechnet. (Man kann aus meinen Worten schließen, dass ich den Pilz selbst noch nicht gefunden habe ...;) )


    Beide Gattungen, die mir in den Sinn kamen, sind Saprobionten und machen keine Mykorrhiza mit bestimmten Bäumen.

    Beide könnten u.a. auf gehäckseltem Holz, Rindenmulch oder Boden, in dem solche Dinge vorhanden sind, vorkommen .


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


    Edited once, last by abeja ().