Wiesenchampignon (?) mit dunkelbraunen Lamellen und abgeflachtem und verbogenen 16/17cm großen Kopf?

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  • Hallo.


    An einem Feldrand wuchsen sehr nah (einer drückte mit seinen Lamellen auf dem Kopf des Anderen) zwei weiße Pilze, deren Durchmesser (rund und nicht gerade) ungefähr 15, 16, 17cm ist. Der eine wo nur eine Seite nach unten gebogen ist ca. 16cm, der andere 17cm (von den beiden nichtgebogenen Enden zueinander).

    Der Kopf nicht als Kappe, sondern eher abgeflacht, und bei Einem auf zwei Seiten nach unten gebogen, beim Anderen auf einer Seite.
    Die Lamellen sind nicht Rosa sondern dunkelbraun. Ein Ring ist nicht zu erkennen.
    Erscheint wie ein Wiesenchampignon, und riecht auch wie ein Champignon.

    Ich habe an einem Stiel etwas von der Oberfläche abgeschnitten, und nachrund 15min ist die Stelle immer noch weiß.

    Wenn es ein Wiesenchampignon (Portobello?) ist, ändern die nicht nur ihre Lamellenfarbe von rosa zu dunkelbraun, sondern auch der Kopf geht von der runden Form in die flache (womit sich auch der Durchmesser von sonst "5cm-10cm [-15cm]" ändert?) und verbiegt sich dann?

    Anbei zwei Fotos.


    Danke...

  • Tobias Claren

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  • Hallo Tobias,

    Champignons sollten das recht unzweifelhaft sein. Allerdings sind Wiesenchampignon auszuschließen, dazu sind die Fruchtkörper zu kräftig und die Stiele zu lang. Weitere Diagnaosen verbieten sich auf die Ferne, zumal die Exemplare auch nicht mehr so ganz frisch sind.

    Allerdings würde es mich nicht wundern, wenn die sich als Karbol-Champignons entpuppen würden.


    Mehr kann man aufgrund der Fotos nicht sagen.

    Harald

    Landeskoordinator Pilzkartierung Hessen

  • Hallo Harald,


    Karbol-Champignon ist wohl auszuschließen, da der Geruch laut Tobias nach Champignon ist, und es auch keine Verfärbungen am Stiel gab: beim Karbol-Champignon wird der nach Anschnitt gelb .

  • Hallo allerseits, hallo Tobias,

    aber das hört man schon oft, dass Karbol-Egerlinge nicht so gilben wie sie sollten und auch nicht eindeutig riechen, vor allem wenn es relativ trocken ist. Als Probe für den "Hausgebrauch" wird auch oft empfohlen, ein kleines Stückchen in der Pfanne zu erhitzen - nicht zum Verzehr, sondern um die Geruchsnuancen herauszukitzeln.

    Der abgeflachte Hut mit der rissigen Oberfläche könnte dafür sprechen.


    Mir fällt jedoch auf, dass die Pilze großflächig auf der Stielaußenseite und auch auf dem Hut schwach aber doch relativ deutlich gilben. Deshalb würde ich in Richtung Anisegerlinge (Sektion Arvensis) spekulieren. Da hatte ich auch schon Exemplare, die nur schwach gilbten (erst beim Trocknen) und der Geruch sehr uneindeutig war. In dieser Sektion ist ja teilweise sogar mikroskopisch zur Zeit nicht viel zu machen, bis auf A. urinascens mit seinen großen Sporen.


    Man könnte auch noch versuchen, die Sektion mittels chem. Proben einzugrenzen (KOH und Schäfferreaktion). Falls es sich hier jedoch um eine Anfrage handelte, die gestellt wurde um herauszufinden, ob man eventuell einen essbaren Champi gefunden hat: diese Exemplare sind sowieso zu alt.

    Und die gilbenden Anisegerlinge wären zwar theoretisch essbar, aber Schwermetallsammler.

    Ein Wiesenchampignon ist es mit großer Sicherheit nicht.

    Der genannte "Portobello" ist übrigens kein Wiesenchampignon, sondern eine besonders groß geratene Variante vom Zuchtchampignon (las ich gerade) und somit nicht in dieser Weise in freier Wildbahn anzutreffen.


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


  • Hallo Harald,


    Karbol-Champignon ist wohl auszuschließen, da der Geruch laut Tobias nach Champignon ist, und es auch keine Verfärbungen am Stiel gab: beim Karbol-Champignon wird der nach Anschnitt gelb .

    Wie abeja schrieb kann das Gilben auch schon mal ausbleiben und auf Geruchsbeschreibungen, die gerade von Neulingen geliefert werden, gebe ich nicht viel.

    Und wie riecht denn Champignon? Ich habe mir mal das Vergnügen gemacht, aus dem Pilzkompendium Band 2 von 51 näher beschriebenen Champignons die Gerüche zu notieren. So riechen also Champignons:


    rettichartig

    Jodoform

    urinartig

    Anis

    Bittermandel

    pilzig

    cristatoid (wie Stink-Schirmling)

    Pelargonien/Lerchensporn

    fruchtig

    Parfüm-blütenartig

    Maggi

    Chicoree

    Lakritze

    frisch geschältes Kiefernholz

    muffig

    süßlich-seifig

    fischig

    angenehm würzig

    unbedeutend

    Karbol

    Phenol

    nussartig

    Landeskoordinator Pilzkartierung Hessen

  • Hallo an alle,

    und es auch keine Verfärbungen am Stiel gab

    Nein - Karbolchampignons verfärben im Allgemeinen nur im Fleisch der Knolle gelb, und die ist hier abgeschnitten.

    Daher fehlt dem gezeigten Pilz das wichtigste Merkmal, um ohne weitere Hilfsmittel (Chemie, Mikroskop, ...) einen typischen Karbol- von einem typischen Anis-Champignon zu unterscheiden. Und Pilze sehen nicht immer typisch aus, und durch den Klimawandel wandern auch weitere, nicht gilbende Karbol-Champignons aus dem Süden ein.


    Aus gegebenem Anlass hier also nochmal die eindringliche Warnung an alle mit-lesenden Speisepilz-Sammler: gerade Champignons kauft man wirklich besser im Supermarkt, denn die wildlebenden sind sehr schwierig. Die Magen-Darm-Vergiftungen mit Karbol-Champignons können sehr heftig ausfallen. Und: die Stielbasis gehört bei allen Anfragen zur Bestimmung immer dazu.


    Gruß,


    Wolfgang