Blattflecken auf Efeu (Boeremia hedericola u./o. Phyllosticta concentrica ?) und auf Walnuss (Pseudomicrostroma juglandis + ? --> Marssonina juglandis)

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  • Hallo allerseits, hallo "Freunde der Blattflecken"

    im Juli habe ich auf Blättern "pilzliche Erscheinungen" gesehen, die mir bis dahin noch niemals aufgefallen waren.

    Da diese Arten oft substrattypisch sind, kommt man mit der Internetsuche eigentlich relativ weit, aber nur relativ. ^^


    Für Pflanzengallen und minierende Tiere hatte ich einmal diese sehr gute Seite gefunden, da sind auch die pilzlichen Phytoparasiten gelistet.

    https://bladmineerders.nl/


    An Efeublättern fand ich ziemlich große schwarze Flecken, das müsste demnach dieser Pilz hier sein ... viele Namen:

    Boeremia hedericola (Durieu & Mont.) Aveskamp, Gruyter & Verkley 2010

    (Synonyme: Phoma hedericola (Durieu & Mont.) Boerema 1976, Phyllosticta hedericola Durieu & Mont. 1856

    https://bladmineerders.nl/para…emia/boeremia-hedericola/

    http://fungi.myspecies.info/all-fungi/boeremia-hedericola


    Aber ich stieß an anderer Stelle auch auf Phyllosticta concentrica, die an Efeu vorkommen soll, wo man konzentrische Zuwachsringe sehen können soll.

    https://www.biodiversidadvirtu…-Sacc.-1878-img10134.html (mehrere Fotos inkl. Mikrobilder)


    Nun sehen die Flecken ein einziges Mal besonders konzentrisch aus, die anderen aber eher nicht ...

    Ich habe eine Woche später noch einmal nachgeschaut, alles "nicht besonders konzentrisch", dafür sah man nun kleine schwarze Fruchtkörperchen.

    So genau kann man es dann makroskopisch wieder einmal nicht sagen - Proben habe ich auch nicht.

    Inzwischen hat der befallene Efeu eher Löcher an den betreffenden Stellen.


    Und dann fand ich noch den Hinweis auf Colletotrichum trichellum auf Efeu, das sieht aber (zum Glück! ;)) deutlich anders aus.

    https://www.arbofux.de/pilzliche-blattflecken-an-efeu.html


    In dem Artikel wird zwischen bakteriellen Flecken, Colletotrichum und (rel. allgemein) "Phyllosticta u. Phoma-Arten" unterschieden, wobei ich meine Funde bei letzterer Möglichkeit gerne einordnen würde.



         


       


  • An Walnussblättern fand ich neben verschiedenen Blattgallen auch ein Blatt, wo auf der Oberseite das Blatt heller/gelblich verfärbt war und wo diese Fläche auf der Unterseite mit einem weißlichen Belag übereinstimmte.


    Das müsste dann dieser Pilz hier sein ... viele Namen:

    Pseudomicrostroma juglandis (Bérenger) Kijporny. & Aime 2017

    (Synonyme: Fusidium juglandis Bérenger 1847, Fusisporium pallidum Niessl 1858, Microstroma juglandis (Bérenger) Sacc. 1886, Microstroma leucosporum (Mont.) Niessl 1858, Microstroma pallidum Niessl 1858 )


    https://bladmineerders.nl/para…udomicrostroma-juglandis/

    https://www.arbofux.de/microst…ttflecken-an-walnuss.html

    http://www.pilzflora-ehingen.d…ra/arthtml/mjuglandis.php


    Aber, großes ABER:

    bei meinem Fund sind auf der Blattoberfläche ZUSÄTZLICH noch kleine, wenige Millimeter große Flecken mit "schwarzen Pünktchen " (Acervuli ?), die ich überhaupt nicht zuordnen kann. Diese finde ich weder beschrieben noch abgebildet im Zusammenhang mit Pseudomicrostoma.

    Bei Pilzflora Ehingen sieht man von oben allerdings auch etwas Schwarzes ....?


    Es gibt ja noch die Marssonina-Krankheit (Ophiognomonia leptostyla), aber das Befallsbild sieht auch wieder etwas anders aus, und die "Pünktchen" entwickeln sich im Frühjahr auf der Blattunterseite.

    Diese Flecken auf Bild d müssten dann doch wieder etwas anderes sein, denn sie sitzen auf der Oberseite.

    https://bladmineerders.nl/para…ophiognomonia-leptostyla/

    https://www.arbofux.de/marssonina-juglandis.html


    Auf der Arbofux-Seite wird dann auch für Juglans eine Colletotrichum-Art genannt (Colletotrichum gloeosporioides), zu dem ich eigentlich nichts finde, außer dass diverse Colletotrichum-Arten in Frankreich für große Schäden an Nüssen (also an den Früchten) verantwortlich waren (seit 2007).

    https://www.nature.com/articles/s41598-018-29027-z

    Zu Blattflecken steht da nicht viel, außer ein Hinweis zu "First Report of Leaf Spot Disease on Walnut Caused by Colletotrichum fioriniae in China" (2015).


    Vielleicht hat hier jemand etwas Erfahrung mit diesen Blattflecken bei Juglans und eine Idee zu dem "Pünktchen-Pilz" auf Bild d?


    FG, abeja



       


    Viele Grüße von abeja




    Edited once, last by abeja ().

  • Hallo abeja,

    als 2015 die "Bibel" über "Pflanzenpilze" erschien (KLENKE/ SCHOLLER: Pflanzenparasitische Kleinpilze, Springer- Verlag), hiess der erste Pilz noch "offiziell" Microstroma juglandis. Dieses Werk als auch "JULIA KRUSE (2019): Faszinierende Pflanzenpilze. Erkennen und bestimmen." beantworten (fast) alle Deine Fragen. Der erste Pilz ist klar, der zweite ist schon die genannte Marssonina juglandis, die Anamorphe von Ophiognomonia leptostyla. Diese Art gibt es wahrscheinlich an und unter jedem älteren Walnussbaum, wie man sie nennen sollte nach "one fungus, one name" weiss ich aber nicht so recht. Zwischen Ende März und Anfang Mai kann man an den vorjährigen Blattstielen die eingesenkten Perithezien der Teleomorphe mit ihren langen Hälsen finden, ich hatte da noch nie einen Fehlgriff, auf die später an den Blättern erscheinende Anamorphe wurde dann kaum noch geachtet, hatte die Art ja schon aus dem Frühjahr. Anbei ein Makro der Teleomorphe, ähnliche Arten findet man auch (immer) an Blättern anderer Baumarten.

    VG P. P.

  • Hallo Peter,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort.

    Bisher schau ich nach Phytoparasiten immer nur "so nebenbei" ... räusper.

    Dass es da ein schönes neues Buch gibt, was auch eher für Einsteiger sinnvoll ist, wusste ich schon - ich bin auch im Pflanzenbestimmungsforum, wo Jule Admin ist - der "Kaufdruck" war nur noch nicht so groß..

    Das "Pünktchenbild" stimmt ja soweit auch - mich hatte nur sehr irritiert, dass immer von Blattunterseite gesprochen wird. Ich wusste nicht, dass das so variabel sein kann. Ich werde noch einmal darauf achten. An dem Baum komme ich des öfteren vorbei, ansonsten sind die Walnussbäume hier ziemlich "fleckenlos", wenn man von den schwarzwerdenden Nüssen (Walnussfliege) mal absieht.

    Aber es schadet ja auch nicht, mit "so etwas" hier mal nachzufragen :)


    FG, abeja

  • abeja

    Changed the title of the thread from “Blattflecken auf Efeu (Boeremia hedericola u./o. Phyllostica concentrica ?) und auf Walnuss (Pseudomicrostroma juglandis + großes ??? )” to “Blattflecken auf Efeu (Boeremia hedericola u./o. Phyllosticta concentrica ?) und auf Walnuss (Pseudomicrostroma juglandis + ? --> Marssonina juglandis)”.
  • Hallo,

    ich bin heute noch einmal an dem Walnussbaum mit dem Mehrfachbefall vorbei gekommen.

    Ganz vereinzelt sieht man kleine Stellen von Pseudomicrostroma juglandis (nicht so großflächig wie oben), am gleichen Blatt sind meistens keine schwarzen Flecken. Dann gab es unerreichbar (Baum steht auf Privatgelände, ein paar Äste hängen über dem Bürgersteig) kleine schwarze Flecken.

    Daraufhin habe ich mir noch zwei andere kleinere Walnussbäume (Waldrand) angeschaut, da sahen einige Blätter typisch für einen Marssonina juglandis-Befall aus (inkl. Flecken auf der Petiole), allerdings hatten sich bei keinem Blatt schon Acervuli entwickelt.

    (Ganz "krause" Idee von mir: wenn oben bei dem ersten Fund beide Pilze am gleichen Blatt vorkommen, auf exakt der gleichen Stelle ... dann ist die Blattunterseite schon von Pseudomicrostroma mit diesem weißliche Belag "besetzt", dann macht Marssonina die Pünktchen eben auf die anderen Seite, was er sonst vielleicht nicht tun würde ... )


    Von den anderen Walnussbäumen, cf. Marssonina juglandis (noch ohne Acervuli)

    Oberseite - Unterseite - Petiole

        


    FG, abeja

  • Hallo abeja,

    mein Interesse an an den Phytopatasitischen Pilzen ist die der "Kartierung" da muß gesichert sein welcher Pilz es ist ohne wenn und aber!!! Könnte sein geht da nicht, muß man halt alles mikroskopisch nachweisen, Literatur hinweis hat Peter schon gegeben und Kurse zum Phyto verstehen werden auch angeboten.

    Schöne Grüße

    Hans

  • Hallo allerseits, hallo Hans,

    etwas Allgemeines noch:

    die mykologischen Themen sind vielfältig, die Erfahrungshorizonte und Zielsetzungen der Pilzkundler und Pilzfreude ebenso.


    Lieber Hans, dein Interesse ist die Kartierung, das hattest du schon einmal erwähnt.

    Mein Interesse könnte Kartierung theoretisch werden, praktisch ist sie es aber noch nicht, vielleicht später einmal. Dass dafür die Bestimmung so weit wie möglich abgesichert sein sollte, versteht sich von selbst. Dass dafür mikroskopische Untersuchungen oft notwendig sind, ist mir bewusst - auch "nach oben hin" ist da viel Luft ... Stichwort Genetik, sicherlich ein Reizwort für manchen "normalen Kartierer".


    Bücher kann jeder kaufen ... zu speziellen Themen tue ich es erst dann, wenn ich tiefer einsteigen will. Es gibt natürlich auch Leute, die sich am Anblick überfüllter Regale erfreuen können ... oder damit angeben wollen.

    Mikroskope kann auch jeder kaufen, man kann sich einarbeiten - ich werde es aber erst tun, wenn ich sicher bin, beim Thema bleiben zu wollen und auch genügend Lust, Zeit und Geld dafür aufbringen will - und das Mikro nicht überwiegend in der Ecke stehen würde. Bei mir sprechen seit 2014 - spätestens seit dann heißt es : "wie sind denn die Mikromerkmale?" - ungefähr 2 Gründe dafür und 10 Gründe dagegen.


    Kurse werden zu allen möglichen Themen angeboten, das ist sehr schön und auch sinnvoll.

    Doch auch hier: man belegt sie nur, wenn es Zeit, familiäre Umstände, Geld und räumliche Entfernung erlauben.


    Phytoparasiten sind ein sehr spezielles Thema, für die meisten eher ein Randthema.

    Ich schaue seit Jahren nach Pflanzen allgemein, hin und wieder nach "Auffälligkeiten" unterschiedlichster Natur, auch nach Insekten usw.

    Das Internet hilft ungemein, diese "Auffälligkeiten" zumindest grob einzuordnen. Es gibt sehr viele fachlich gute Seiten.


    "Auffälligkeiten" an Blättern können - wie du es, Hans, sehr richtig sagst - "alles Mögliche sein": Fraßspuren von Tieren, von Tieren erzeugte Gallen, tierische Minen/ Miniergänge, Bakterienbefall, Virenbefall, Pilzbefall und auch noch eine Mischung von all dem.


    Mir gefallen dann die Seiten, die sich mit der Thematik etwas fachübergreifend befassen ...

    Da steht dann z.B. (und mit guten Fotos belegt) "Pilz x sieht typischerweise so aus", "Bakterienbefall y sieht so aus - kann ähnlich sein, aber ... Unterscheidungsmerkmal so-und-so".


    Wenn dann auf solchen Seiten zu dem mutmaßten makroskopisch passenden "Ding" kein extrem ähnlicher Verwechslungkandidat genannt wird - und weitere Fundstellen im Web dies bestätigen - dann reicht mir das für meinen privaten Zweck erst einmal aus.


    Es erübrigt sich eigentlich völlig, so etwas in einem Forum einzustellen.


    Trotzdem eröffne ich hin und wieder so ein Thema, denn ich möchte von dem - wie ich glaube - vorhandenen Erfahrungsschatz profitieren - und ich denke, dass nicht nur ich von den gegebenen Tipps und Links profitieren könnte, sondern auch interessierte Mitleser.


    Ich habe so in diversen Foren ganz beiläufig viel mitbekommen - und zwar besonders dann, wenn ein Thema etwas ausführlicher, etwas spekulativer oder auch etwas kontroverser war. Dann blieb etwas hängen, viel mehr als bei Anfragen nach dem Muster "Was ist das?" --> "xy!" ... und basta.

    Umgekehrt versuche ich auch selbst, da etwas beizutragen, wo ich das zu können glaube.


    Wozu ist ein Forum gut, was hat es für Funktionen?

    Ist es vor allem eine Plattform für (Semi)-Profis mit der perfekten Fundaufarbeitung? Diese werden eher in Fachzeitschriften publizieren wollen.

    Oder ist es doch eher ein Ort, wo ein Anfänger mal ganz schnell eine einfache Bestimmung haben möchte? Diese bekommt er auch in anderen "sozialen Medien".

    Aber was ist mit all den Themen dazwischen?


    Diese nahezu "Verteufelung" von jeglicher Spekulation mit knappen Hinweisen auf Bücher und Kurse setzen meiner Meinung nach ein falsches Signal.

    Ich bin davon überzeugt, dass im hiesigen Forum eine Diversität an Beiträgen erwünscht ist.


    Ein Forum lebt davon, dass etwas geschrieben wird.


    FG, abeja

  • Hallo abeja,

    ich gebe dir recht Foren leben von Beiträgen! Nur Pilze nach Internet zu Bestimmen ist nicht möglich und es bleibt eine Spekulation. Schön daran ist jeder kann seine Meinung dazu äußern.

    Schöne Grüße

    Hans