Kirschbaum - die Zweite

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  • Liebes Forum,

    bei den winzigen Wichten, die abeja studiert, bin ich in meinem Erkenntnisinteresse noch lange nicht angelangt - chapeau abeja! - ich scheitere schon bei normal aussehenden Pilzen - tja, so isses. :)

    Unter meinem Kirschbaum ist - ganz in der Nähe der kleinen Tintlinge von neulich - eine für meinen Garten neue Pilzart aufgetaucht.

    1. Frage: im Frühling brachte ich dort eine dünne Schicht Fremd-Kompost aus dem Vorjahr (von der städtischen Kompostieranlage) aus. Könnten damit die Pilzsporen eingebracht worden sein? Vorher gab es diese Pilze noch nicht.




    2. Frage: welche Pilzart wächst da in einem braunbeigen Büschel? Auffallend ist, dass die Stiele gerieft bis stark längsgerillt sind, hohl und längsfaserig. Die Stiele sind flach und irgendwie bereift und am Ende fand ich Würzelchen und einen kleinen Knubbel, vlt. ein Pilzanfang. Die Lamellen sind dünn und engstehend. Duft war nicht wahrzunehmen. Hutbreite und Pilzhöhe ca. 5 cm. Sporenfarbe hab ich noch nicht. Ein rillstieliger Helmling? Aber wo ist die Eiche? In dem Kompost?


    Vielen Dank für Hinweise und viele Grüße von

    Flitzpitz



             



  • Hallo Dietmar,

    vielen Dank für diesen Lösungsvorschlag! Die Bilder vom üppigen Rübling passen gut zu meinen Exemplaren und ich werde mir jetzt noch in meinen verschiedenen Büchern die Beschreibungen durchlesen. Prima!

    Viele Grüße

    Flitzepitz

  • Hallo Flitzepitz,

    ein Wunder! Pilze! ;)


    Den Üppigen Büschel-Rübling habe ich selbst auch noch nie gefunden. Es ist auch kein Wunder, dass er in den Büchern nicht enthalten ist, weil er ist ja ein "Einwanderer" aus Nordamerika und lt. Pilze Deutschland hat er gar nicht so viele Meldungen. Er wird vielleicht aber wenig kartiert .

    http://www.pilze-deutschland.d…rians-peck-murrill-1911-1

    Bisherige Funde, die ich im Internet vorgestellt sah, waren häufig dunkler von den Hüten her, aber das scheint sehr variabel zu sein. Die Trockenheit spielt dann vielleicht auch noch eine Rolle.

    http://tintling.com/inhalt/1999/Gymnopus_luxurians.pdf


    Mich hatte der Anblick der Stiele ein bisschen an viel zu groß geratene Knopfstielige Rüblinge erinnert.


    Eine Frage stellte ich mir dann - und zwar eher aus der Sicht eines Pilz-Neulings:

    woran kann man hier zielstrebigst ^^ erkennen, dass es ein Rübling im weiteren Sinn ist und keinesfalls ein Helmling.

    Als Antwort würde ich dann auch so etwas sagen wie "das ist der Gesamteindruck" - doch was ist es konkret?

    Für einen Helmling würden mir die Pilze zu groß erscheinen (auch von der Hut-Stielrelation her zu massig), aber auch da gibt es Ausnahmen (große Rettichhelmlinge z.B.) Oft haben Helmlinge geriefte Hutränder, dünnere Hutränder (Ausnahmen vorhanden)

    Die meisten Helmlinge wachsen nicht so büschelig (ähmmm ... Ausnahmen vorhanden, aber das sind kleine Pilzchen.)

    Die Hutform ist bei Helmlingen "helmlingsartig" und bei Rüblingen "rüblingsartig" :D, aber es gibt auch da Ausnahmen. Allerdings sieht man selten Helmlinge mit dem Hutrand so weit umgebogen und gleichzeitig mit der Hutmitte so flach.

    Zu Helmlingen bei Wiki:

    Quote

    Das Erscheinungsbild der Fruchtkörper ist helmlings- oder nablingsartig und in seltenen Fällen auch rüblingsartig. Helmlingsartig heißt, die Fruchtkörper sind klein und zart und haben einen glocken- bis kegelförmigem Hut und einen langen, schlanken Stiel. Der Hut ist dünnfleischig und bei den meisten Arten gerieft.


    Für mich wäre ein ziemlich gutes Indiz für einen Rübling dieser unregelmäßige, einseitig zusammengedrückte Stiel (was natürlich nicht alle Rüblinge haben).

    ... oder gibt es so etwas auch bei Helmlingen ? Mir fällt dazu jetzt keine Ausnahme ein ...


    FG, abeja

  • Hallo Stefan,

    das ist wohl so in der Mehrzahl der Rüblinge (ich weiß nicht genau, ob da nicht auch zerbrechliche Stiele bzw. nicht ganz so knorpelige S. vorkommen könnten :/).

    Zur Gattung Mycena jedenfalls findet man an verschiedenen Stellen im Web (u.a. Spektrum, Lexikon der Biologie): "Der Stiel kann zerbrechlich, knorpelig oder elastisch-hart sein." (Der Wortlaut ist fast überall gleich, das übernimmt die eine Seite von der anderen).

    Auch bei Mycena.no derselbe Wortlaut: "Stipe fragile to cartilaginous or elastic-tough".

    Z.B. Mycena galericulata soll einen ziemlich knorpeligen Stiel haben, der trotzdem von der Haptik ganz anders ist, als so ein Rüblingsstiel wie oben.

    So ein ganz hartes Trennmerkmal scheint es nicht zu sein - sondern etwas, was für die Mehrheit gilt.


    FG, abeja

  • Hallo abeja und Stefan,

    ja - ein Wunder - bei der Trockenheit Pilze! Echt nett von ihnen, dass sie mir quasi vor die Nase kommen und ich nicht in Wald und Flur herumstreunen muss, um nach langer Suche ein Exemplar zu finden. Und ich damit meine Pilzkenntnisse vermehren kann - dank der wissenden Menschen im Forum!!!

    In den letzten Tagen hat es hier endlich geregnet.

    Und dann der Name - dieser ist ja ein Gedicht: Üppiger Büschel-Rübling :-) .

    Neophyten - Neozoen - Neofungi ? Oder wie sagt man bei den Pilzen? Auf die Idee, dass der Üppige Büschel-Rübling ein Einwanderer sein könnte, bin ich gar nicht gekommen.

    Danke auch für den Tintlings-Link! Ich hatte diesen Artikel gefunden:

    http://www.czechmycology.org/_cm/CM52103.pdf


    Vielen Dank auch für die Erkennungshilfen, um Rübling und Helmling zu unterscheiden, hoffe, dass ich das bald immer besser zu erfassen lerne.


    Viele Grüße

    Flitzepitz