Kann Cristulariella depraedans (Weißfleckenkrankheit) so großflächig sein? --> Ja

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  • Hallo,

    die Weißfleckenkrankheit Cristulariella depraedans an Bergahorn hatte ich vor ein paar Jahren schon mal fotografiert, das waren viele viele nahezu kreisrunde Flecken, mit etwas dunklerem Rand, die jedoch nicht zusammenflossen.


    Nun habe ich heute im Wald einerseits einen geringen Befall (ein paar Punkte pro Blatt) gesehen und fotografiert, andererseits fand ich Jungpflanzen, wo diese Flecken zusammengeflossen waren und kaum noch Grün im Blatt war.

    Allerdings las ich im Web nur so etwas wie "kann bei starkem Befall zusammenfließen, rundliche Flecken bis 20 mm" ... das war hier sehr viel größer.

    Ist das auch die Weißfleckenkrankheit, wie ich vermute ... kann die das, darf die das?

    Habt ihr das schon mal so gesehen?


             


       


    FG, abeja

  • Hallo Hans,

    ab wann sind denn diese weißgestielten Köpchen normalerweise zu erkennen.?

    Das ist ja auch ein bestimmter Reifegrad, der nicht von Anfang an da ist (ist mir damals bei den sehr typischen Blättern auch nicht aufgefallen)


    Jedenfalls erschienen mir die Blätter relativ ungewöhnlich und ich frage hier nur nach eurem Erfahrungsschatz.

    Ich werde es beobachten, ob sich da noch etwas bildet :).


    FG, abeja

  • Hallo,

    es gibt "fleckige" Neuigkeiten ;).


    Bei meine obigen Aufnahmen konnte man bei den hier eingestellten Bildern keine Konidienköpfchen erkennen.

    Auf den Originalen meinte ich etwas zu erahnen, aber ich hatte ja keine "ultra-nah-Aufnahmen" gemacht.


    So sollte das aussehen:

    http://www.pilzflora-ehingen.d…a/arthtml/cdepraedans.php

    https://bladmineerders.nl/para…ristulariella-depraedans/

    https://www.discoverlife.org/mp/20q?search=Cristulariella


    Ich bin heute am Abend kurz in den Wald (ist bei mir in der Nähe) und wollte von verschiedenen "Erscheinungen" mal Blätter mitnehmen - auch um sie vielleicht zu "bebrüten".


    Ein kleiner Bergahorn hatte viele Flecken, die m.M. nach sehr typisch für Cristulariella depraedans ausschauten.

    Man konnte relativ rundliche hellere Flecken sehen (mit dunklerem Rand), auch etwas bräunlichere Flecken und auch zusammenfließende Flecken (aber nicht so großflächig wie oben bei den sehr seltsam erscheinenden Blättern).

    Von unten waren alle Flecken heller, es sieht aus wie "entfärbt", mit bloßem Auge erkennt man nichts Besonderes.


    Die Kamera konnte aber diese weißlichen Konidienköpfchen aufs Bild bannen.

    Man erahnt auch auf einem Foto, dass sie gestielt sind (Schattenwurf).

    Zusätzlich sieht man noch so "kraterförmige" (wie Apothecien) Strukturen innerhalb der Flecken.

    Auffällig ist manchmal ein spinnwebartiges Mycel, das sich auch schon über die scheinbar intakten grünen Flächen hinzieht, da kommen auch vereinzelt diese weißen Köpfchen vor.

    An anderen Stellen, da wo die Flecken älter und brauner erscheinen (das Blattmaterial kann dann völlig wegbrechen), sieht man diese zarten weißlichen Fäden weniger.



    relativ "frischer" Fleck, mit Mycel im Umfeld - ein "älterer" bräunlicher Fleck - großflächig zusammenfließender Fleck


         


    Detailausschnitte




  • Dann bin ich zu der Stelle, wo diese stark befallenen Blätter waren.

    Diese sah ich am Freitag, heute waren sie fast verwelkt.

    Bei den meisten Blättern (es waren viele Pflanzen befallen) waren die stark verfärbten Stellen ganz zusammengeschrumpelt. Ich habe trotzdem etwas davon mitgenommen und versucht, zu fotografieren.


    Die bräunliche Unterseiten zeigen genau diese "kraterförmigen" Strukuren wie oben, dieses zarte fädige Mycelgeflecht war nicht sichtbar, "frische" weiße Köpfchen zumindest nicht auf Anhieb findbar in der großen Fläche.

    Aber im dunkleren Randbereich, da waren sie.

    Auch dieser großflächige Befall müsste demnach Cristulariella depraedans sein.


    Diese schwarzen "Sachen" halte ich ... hoch-spekulativ :saint: - für einen Sekundärbefall mit einem "Sensu-lato-Schimmel".

    Die sklerotienartige Dauerform, die sich auf abgefallenen Blättern ausbilden soll, sollen kleine schwarze Pünktchen sein.


    Bei der Suche nach ausführlicheren Beschreibungen habe ich ein Dokument von 1930 gefunden (aus den USA, nimmt aber auch Bezug auf frühere europäische Funde - es geht auch nicht nur um Bergahorn, sondern auch um andere Ahornarten):

    https://portal.ct.gov/-/media/…lletins/b316pdf.pdf?la=en


    Darin wird an mehreren Stelle erwähnt, dass bei starkem Befall die Flecken zusammenfließen können und fast das gesamte Blatt einnehmen können.

    Quote

    ... the whole surface blotched with grayish spots, which were in many cases confluent over a great portion of the leaf.

    ... Grayish spots were formed on the leaves, which were sometimes large and confluent.

    ...Activity of the fungus influenced by favorable environmental conditions caused these spots to increase in size and finally merge, thus producing large, irregular, wilted portions, which covered quickly the entire area of many of the leaf blades.

    Von ebenso befallenen Blättern, wie ich sie im obersten Beitrag gezeigt hatte:

    von der Mitte einer solchen fast das gesamte Blatt einnehmenden Verfärbung

      



    vom Rand einer solchen großflächigen Verfärbung



    FG, abeja

  • Hallo nochmal zum fleckigen Thema,

    dass die Blätter fast vollständig entgrünt sind... das kann natürlich wirklich "alles Mögliche" sein.

    Letzte Woche war ich am Rheinufer, da gab es Feldahorn, Spitzahorn, Eichen und Pimpernuss, wo die Blätter so ähnlich aussahen, wie die oben gezeigte Erscheinung.

    Allerdings waren die entgrünten Stellen nicht so hell, sondern bräunlicher. Meistens waren die Randbereiche betroffen, erst später größere Anteile am Blatt. Ich hoffe, das war nur die Trockenheit und nichts Schlimmeres.

    Die Kamera, die ich wie eine starke Lupe verwenden kann, konnte keinerlei Pilzrasen oder Myzelfäden "sehen" - nur so bräunliche, schwärzliche unregelmäßig geformte Fleckchen innerhalb der entfärbten Zonen gab es auch - was immer das sein mag.


    Meine angeschrumpelten Ahornblätter (siehe oben) hatten sich in einer Gefrierbox mit feuchtem Küchenpapier doch ein wenig erholt. Bei genauer Betrachtung sieht man auch im großflächigen Befall hin und wieder weiße Konidienköpfchen in der entgrünten Fläche, als auch auf dem noch grünen Blatt - aber sehr sehr selten.

    Mit bloßem Auge sieht man da NICHTS, das "Kameraauge" muss das Blatt abscannen - mit guter Lupe geht es wohl auch (die hatte ich verlegt, aber inzwischen gefunden).


    Aber dabei ist mir aufgefallen, dass in den großflächig befallenen Blättern diese schwärzlichen Stellen doch teilweise wie rundliche. teilweise glänzende (!) Erhebungen aussehen. Es könnte sich möglicherweise hier und da doch schon um die beschriebene sklerotienartige Dauerform handeln.



       




    FG, abeja

  • abeja

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