Zwei Sonnen im System ? (strahlend gelbe Täublinge - Russula solaris und cf. raoultii ? --> vermutl. auch R. solaris)

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  • Hallo, liebe Pilzkundige,

    wie der Titel schon sagt, geht es wieder mal um Russula, dieses Mal in Gelb - und wieder mal versuche ich mein Glück makroskopisch und mit ein bisschen Chemie.


    Nr. 1

    Mitte September 2018 hatte ich bei mir im Wald (Hochrhein, Laubmischwald auf Kalk, dort überwiegend Buche mit ein paar Eichen) zwei kleine, zerbrechliche Täublinge gefunden, ungefähr 3-4 cm groß, gelb, wobei das Gelb in der Mitte intensiver war, am leicht gerieften Rand heller, Huthaut knapp mit halbem Radius abziehbar

    Lamellen und leicht keuliger Stiel (zusammendrückbar) waren im frischen Zustand rein weiß.

    Geruch leicht obstig, Geschmack sehr scharf

    die Lamellen gilbten leicht (und schwärzten beim Eintrocknen)

    Sporenpulver zwar wenig, aber deutlich gelb (damals noch ohne Farbkartenvergleich)

    keine chemischen Versuche gemacht, weil durch Kombi Farbe, Geschmack, Sporenpulver eindeutig ---> Russula solaris, Sonnen-Täubling


         



    Nr. 2

    Ende August 2020 sah ich im gleichen Wald, diesmal bei Buchen und neben gefällten Fichten (Douglasien waren auch noch da) wieder zwei kleine, zerbrechliche Täublinge, ungefähr 3-4 cm groß, wobei auch hier das leuchtende (!!!) Gelb in der Mitte etwas intensiver war. Auch diese Pilze hatten einen gerieften Rand, die Huthaut war durch Regen sehr gallertig aufgequollen und auch recht gut abziehbar.

    Lamellen glattschneidig mit leichten Anastomosen, Stiel auch etwas keulig gebaut (zusammendrückbar), beides eher cremefarben

    Geruch leicht obstig, Geschmack sehr scharf

    .... ich dachte natürlich wieder an Russula solaris ... ABER:

    Sporenpulver wenig, aber weiß ( höchstens 1b), mehr kam nicht, der Pilz ist vergammelt.

    Lamellen blieben cremefarben

    mit frischem Guajak sowohl auf Lamellen als auch Stiel schnelle, starke Reaktion +++/ +++

    mit Eisen(II)-sulfat blass orange.


    Russula solaris kann es wegen des Sporenpulvers nicht sein.

    Verglichen habe ich

    mit Russula ochroleuca, da passt Habitat, Farbe, Geschmack nicht so richtig, Sporenpulver so la-la, aber die Guajak-Reaktion wäre passend

    mit Russula fellea, da passt Habitat so lala, Farbe eher nicht (aber in FoTE doch ähnlich), Habitus, Geschmack u. Sporenpulver wären ok., aber die Guajak-Reaktion ist lt. CHALANGE 0/0 (Kill-Kriterium ?)

    mit Russula fragilis var. gilva, da passt Habitat vielleicht, Farbe auch, sollte gesägte Schneiden haben, Geschmack und Sporenpulver wären ok., aber auch hier lt. CHALANGE Guajak 0/0

    meine beste Annäherung wäre Russula raoultii, Blassgelber Täubling: Habitat, Geschmack, Sporenpulver und Guajak-Rk. ok.

    Nur heißt es da "Blass-Gelb" und nicht in der Mitte intensiver und so leuchtend . Manche Bilder zeigen auch keinen gerieften Rand - andere allerdings doch.


         


    Wäre Russula raoultii eine gute Möglichkeit für Nr. 2, oder habe ich doch noch etwas übersehen?


    FG, abeja

  • Hallo,


    wäre für mich Russula solaris, und ich würde denken dass Du zu wenig Sporenpulver hattest für einen korrekten Farbvergleich.

    Russula raoultii ist meines Wissens eine Sammelsurium von gelben Farbvarianten verschiedener Arten. Jedenfalls ist das was ich als raoultii immer angesprochen habe glattrandig und eher grünlichgelb und keinesfalls leuchtend.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    vielen Dank für deine Einschätzung.

    Das ist wahrscheinlich die naheliegendste Möglichkeit, den "Gegenbeweis" kann ich ja leider nicht antreten.

    So wenig, wie das war, hatte ich auf das Fotografieren verzichtet und auf "Nachschub" gehofft.

    Bei spätsommerlicher Witterung (erst Regen beim Fund, dann wieder feuchte Wärme) habe ich oft Probleme mit dem Aussporenlassen. Unabgedeckt wird er zu schnell zu trocken, abgedeckt mit ein wenig Luftzufuhr trotzdem schwitzend.

    Oft probiere ich es zweigeteilt drinnen (doch zu warm) oder über Nacht auf dem Balkon. Wenn es über Nacht aber nicht richtig funktioniert hat, wird es nachfolgend da auch zu warm.

    Erst wenn die Witterung kühler ist, klappt das alles besser.


    Die Riefung bei R. raoultii sieht man auf einigen Bildern im Web, sie ist aber nur angedeutet, nicht so stark wie bei meinen Exemplaren - das ist tatsächlich ein Unterschied.


    FG, abeja

  • abeja

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  • Hallo abeja,


    Russula raoultii konnte ich im Juni finden. Leider nur ein Einzelfruchtkörper aber in sehr gutem Zustand. Nach Russularum Icones passt die Art auch von den Mikromerkmalen perfekt.

    Der Hut ist wirklich nur sehr blass gefärbt am Hutrand fast weiß. Da leuchten deine Funde schon deutlich stärker. Wobei das Thema Hutfarbe bei Täublingen ja so eine Sache für sich ist. Der Hutrand war durchaus leicht gerief. Die Art wuchs bei Buchen und wenigen Kiefern auf saurem Boden. Die Lamellen waren weiß, nicht wie bei dir cremefarben. Ich denke, dass der Vorschlag von Andreas (R.solaris), bei dir treffend ist.


    Russula raoultii



    LG Thiemo