Gelber Rindenpilz auf Fichtenholz (Gloiothele citrina ?) und Stereum rugosum mit Rötungsverweigerung

For discussions about the society, its structure and goals, only the forum "Geman Mycological Society" serves as a platform for the exchange of opinions.
  • Hallo allerseits,


    Anfang November sah ich im Mischwald (Hochrhein, ca. 450 m Höhenlage) auf zwei liegenden überwiegend entrindeten Fichtenstämmen großflächig (von einigen cm bis über 1 m lang) den nachfolgenden Rindenpilz.

    Die hellgelbe Farbe, den weißlichen ausgefransten Zuwachsrand und das ausgedehnte resupinate Wachstum hielt ich für makroskopisch ziemlich markant. Deshalb habe ich - mal wieder - versucht, dem Pilz einen Namen zuzuordnen.

    In FoTE (+ I-net) bin ich auf Gloiothele citrina / Vesiculomyces citrinus (Zitronengelber Gloezystiden-Rindenpilz) gestoßen.


    Wäre das eine gute Möglichkeit - oder gibt es eine bessere Alternative ?

    Ein Pröbchen ist bei Interesse auch vorhanden.


        


    mit der "Ultra-Nah-Kamera"



    6 Wochen (jetzt) später war ich noch mal an der Stelle, die großflächigen Beläge sind nun lückig und in Auflösung begriffen. An einer Stelle waren aber kleine (2 cm) große "Tupfen". Bei den kleinen neuen Fruchtkörpern war die Oberfläche relativ weich, man konnte von der Oberfläche etwas abwischen. Die Pilze sind nicht ablösbar, man kann sie nur zusammen mit etwas Holz entnehmen.

    Im Dezember, in Auflösung

     


    Im Dezember, Neubildung

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




  • Nur als "Gimmick" zwischendurch (keine Pilze außer Flechten ... vielleicht):

    ein Bild von Kalkfelsen, an denen der kleine Pfad vorbeigeht.

    Ich sah einen finster blickenden Löwen mit Mähne in den interessant geschichteten Steinen.



    Man glaubt es kaum, aber Stereum rugosum, der Rötende Runzelschichtpilz ist (im guten Zustand) ein Erstfund für mich. Letzte Woche hatte ich diese Ansammlung am liegenden Laubholzstamm (vermutlich Linde) entdeckt. Ich hielt es für die Art, konnte aber gar keine Rötung hervorbringen.

    Im feuchten Zustand war der Pilz insgesamt sehr rot, aber auch dunkelbraun und einige Flecken heller braun. Nirgends hat es beim Kratzen gerötet, so dass ich sehr unsicher war, ob es nicht etwas anderes sein könnte. Die Hutoberkanten waren minimal behaart.

    Jetzt bei trockenem Wetter waren alle Teile viel heller (aber immer noch etwas unterschiedlich gefärbt) und alle zeigten das "vorschriftsmäßige" Verhalten. :)


    links und mittig, feucht ohne (zusätzlich hervorrufbare) Rötung (auch zu Hause im angetrocketen Zustand keine Reaktion) - rechts eine Woche später, trockener Pilz mit Rötung nach Ankratzen

       


    Das Ensemble im trockeneren Zustand



    FG, abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




  • Hallo,


    trockene Stereums muss man immer anfeuchten wenn man sie röten lassen will, oft reicht ein angefeuchteter Daumen. Aber ohne gehts bei trockenen Pilzen nicht.

    Der gelbliche RIndenpilz kann vieles sein, den kann ich ohne Mikroskop nicht erkennen. Ich würde mal auf eine Phanerochaete (sordida) tippen, aber wenn der Pilz dick genug für Vesiculomyces ist (kannman auf den Bildern schlecht einschätzen), dann könnte er das natürlich auch sein.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    da hatte ich mich mit der Rötung bei Stereum wohl missverständlich ausgedrückt. Es war ja (für mich) verwunderlich, dass der Pilz in sehr feuchtem Zustand nicht gerötet hat. Da erschien er allerdings an manchen Stellen an der Oberfläche sowieso schon recht rot zu sein. Er rötete aber auch nicht an den helleren Stellen. Dann zu Hause ... Pilz leicht abgetrocknet ... und dann wieder mit feuchtem Finger gerubbelt/gekratzt: keine Rötung.

    Erst in der Folgewoche beim Pilz vor Ort (oberflächlich trocken, siehe Sonnenbild): Rötung ohne Probleme.


    Nun ja, der Rindenpilz ... ich sollte Rindenpilze links liegen lassen. ^^

    Dieser erschien mir nun sehr auffällig ... eigentlich auch ein wenig gelber als es auf den Fotos herüberkommt. Dann ist der stark fransiger Rand in der Kombi mit den restlichen sichtbaren Merkmalen wohl nicht eindeutig genug ... schade.

    Phanerochaete sordida habe ich mir nun angeschaut (ist in meinen Büchern nicht enthalten). Auffällig (und eigentlich nicht zu meinem Pilz passend) ist da allerdings die Aussage zur Makroskopie (wenn das stimmt, das kann ich nicht beurteilen)

    "anfangs von rein weisser, später etwas gelblicher Farbe. Oberfläche des Pilzes wellig höckerig, Rand gleichartig, nicht faserig, oft etwas krümelig." aus http://www.pilzbestimmer.de/Detailed/21352.html

    Oder andere Quelle ... das ist ja ein verzwickter Artenkomplex:

    https://www.researchgate.net/p…_on_Phanerochaete_pallida

    zur Makroskopie von Ph. sordida :

    Quote

    Basidiomes annual or biennial, effused, 0.2–0.5 mm thick, pellicular to densely membranaceous. Margin first byssoid

    to floccose, cream-colored, later compact, pale cream-colored to pale ochraceous, firmly attached to the substrate. Hymenial surface first even, cream-colored, in older basidiomes strongly cracking, pale to dirty ochraceous, sometimes with reddish or vinaceous tints.

    FG, abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




    Edited 2 times, last by abeja ().

  • Hallo zusammen,

    bei einem gelben Rindenpilz auf Nadelholz könnte es sich durchaus um Vesiculomyces citrinus handeln.Da sollte man aber zumindest noch prüfen, ob die Sporen auch schön kugelig sind (bei Phanerochaete sind sie eher ellipsoid).


    Rindenpilze rein makroskopisch bestimmen zu wollen, macht eigentlich keinen Sinn. Ohne die Sporen-/Zystiden-/Basidien-/Hyphen-/Schnallen-Merkmale braucht man mit der Suche nach einem Namen gar nicht erst anzufangen.


    Viele Grüße

    Harald

  • Hallo allerseits,

    danke auch für deine Einschätzung, Harald.


    Das "ich sollte links liegen lassen" oben bezog sich auf die mir bekannte Tatsache, dass man Rindenpilze soooo nicht mit Sicherheit benennen kann ... meistens. Ihr sagt mir also eigentlich nichts Neues. :)

    Trotzdem schaue ich mir so etwas hin und wieder an und dann stelle ich das auch noch hier ein. Warum nur, das könnte ich doch auch lassen?

    Glaubt mir, häufig genug lasse ich das - wenn mir die Farben, die Ränder und die Oberflächen zu uncharakteristisch erscheinen.


    Manche Rindenpilze sind aber für meine Begriffe makroskopisch auffällig und ich spekuliere darauf, dass man sie doch ein wenig eingrenzen kann.

    Natürlich kann man sich dann fragen "ja, was soll denn das?", "das bringt doch nichts!" diese ganzen "Cfs" oder "Oders" im Fotoalbum. Ich lese dann aber ein wenig über die Möglichkeiten. Die große Menge an ähnlichen Phanerochaete-Arten war mir zum Beispiel noch nicht bewusst - auch nicht, wodurch sie sich makroskopisch auszeichnen. Ich denke, das geht doch einigen noch nicht ganz so fortgeschrittenen Pilzinteressierten so.

    Bei mir war das jedenfalls immer so, dass ich auf diese Weise quasi nebenbei etwas mitbekommen habe (ob ich es nun darauf anlegte oder nicht ...).


    Mir bringt das was, wenn jemand sagt: "neeee, kann nicht sein ... weil" oder "könnte sein, gute Möglichkeit ... aber" inklusive dem Hinweis auf die wichtigen Mikromerkmale. Andererseits brenne ich nicht (sorry!) dermaßen für die Pilzbestimmung, dass ich es in jedem Fall ganz ganz ganz genau wissen muss.

    Jetzt z.B. habe ich noch einen Fund, den ich aber nicht einstelle werde. :saint:

    Weil der ist mir zu uncharakteristisch ... hell cremefarben, ablösbar, fransiger Rand, auf Laubholz. Der Pilz erinnerte an Ablösenden Rindenpilz (... aber der hat ja keine auffälligen Rhizomorphen. Oder am Rand doch manchmal winzige Fusselchen, wenn ganz frisch ...) Und er erinnerte an Steccherinum fimbriatum (... aber die Oberfläche passt ja überhaupt nicht! Oder sie könnte sich noch entwickeln ... aber das würde man wahrscheinlich schon ein wenig sehen ...).

    Nun ja ... abwarten, vielleicht wird das noch deutlicher. (Oder : eigentlich auch egal.)

    Aber ... "Essenz" von dieser Geschichte: es könnte eine von "diesen" Phanorochaete-Arten sein, weil diese sich häufig durch diese Farben, diese Oberflächen + Rhizomorphen am Rand (und auf der umliegenden Fläche) auszeichnen. Aber Phanerochaete sordida, die hier oben ins Spiel gebracht wurde, ist da wohl eine Ausnahme, denn die hat das nicht.


    FG, abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S