Tricholoma Projekt Kollektion #30

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  • Liebe Ritterlingsfreunde,


    Auch die folgende Beschreibung ist eine Ergänzung - diesmal zu Kollektion #11.

    Diese Pilze sind, zumindest wenn man sie regelmäßig findet, leicht kenntlich und im Feld gut ansprechbar. Die Art ist in Ostbrandenburg sehr selten und taucht in manchen Jahren erst gar nicht auf. Mitunter auch nicht in scheinbar guten Pilzjahren. In manchen Jahren gibt es die Art auch mal häufiger. Immer wenn nach einem überdurchschnittlich warmen Sommer ergiebige Regenfälle Ende August/Anfang September eine längere Trockenperiode beendeten, traten die Fruchtkörper ab Mitte Oktober etwas zahlreicher auf. Das war 2006, 2010 und zuletzt auch 2020 der Fall. 2017 konnte ich Mitte Oktober ganze zwei Einzelexemplare finden. Dem ging ein regnerischer, durchschnittlich temperierter Sommer voraus.

    2020 konnte ich von Mitte Oktober bis in den November hinein gut 30 Exemplare auffinden.

    In den Jahren 2011, 2012, 2014, 2015, 2018 und 2019 wiederum konnte ich keine Pilze dieser Art finden.


    Warum ich das so genau aufschreibe, hat einen Grund. Der Pilz ist von den Farben her und vom gesamten Erscheinungsbild den milden Pappelritterlingen sehr ähnlich. Noch ähnlicher ist er dem Niedergedrückten oder Getropften Ritterling (T. pessundatum), den ich leider nur von Bildern her kenne. Der einzige augenfällige Unterschied zu den beiden anderen Arten ist das Größenverhältnis Hut / Stiel. Bei der vorgestellten Art ist der Stiel in der Regel länge als der Hutdurchmesser breit ist. Bei den Pappelritterlingen und auch bei T. pessundatum ist das genau umgekehrt.


    Funddatum der gesicherten Kollektion #30: 17.10.2020

    Fundort: Kiefernwald, zwischen Müllrose und Frankfurt/Oder; MTBQ 3752/243

    Boden: sandig, abseits von Waldwegen im Moos

    Vorkommen: Einzelexemplare bzw. in kleinen Gruppen von 2-3 Exemplaren.


    Hut: Durchmesser im Schnitt bei 6 cm, Ausreißer bis 12 cm.; Farbe hellbraun-orange, glatt, Rand bei älteren Exemplaren immer deutlich gerieft, Huthaut abziehbar.

    Stiel: im Schnitt 10 cm x 1 – 1,5 cm; Ausreißer bis zu 20 cm! Grundfarbe reinweiß; von der Basis her hellbraun-orange überfasert-geschuppt; teils verdreht und an der Basis zugespitzt.

    Lamellen: dicht, jung reinweiß, später cremefarben mit hellbraunen Lamellenschneiden, zum Stiel hin "am Zahn" herablaufend.


    Das Fleisch im Stiel- und im Hutfleisch wies bei Verletzung deutlich orange-braune Verfärbungen auf (hier nicht im Bild). Es sind also offensichtlich rote Pigmente vorhanden.

    Geruch: unauffällig, aber deutlich mehlartig

    Geschmack: Das Fleisch der im Jahr 2020 aufgefundenen FK schmeckte ausnahmslos mild.


    Chemie:

    KOH ohne signifikante Reaktion, außer einer Verstärkung der Braunfärbung.

    Guajak: innerhalb einer Minute signifikante Reaktion im Bereich der Stielspitze, deutlicher Richtung Lamellenansatz.


    Bilder:


    Bilder weitere Kollektionen vom 24.10./31.10./07.11.2020



    Diese Art passt ganz gut zur Beschreibung von Tricholoma stans in den BW-Großpilzen.

    Nach ausführlichen Bildvergleichen im Internet und unter Berücksichtigung des Bildes zur Originalbeschreibung von E. Fries bin ich davon mittlerweile abgerückt.


    Die Art wirkt schon in geringen Mengen stark abführend und ist somit giftig. Ein einziger Fruchtkörper in einer Mahlzeit reicht schon. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um die „Pessundatum-Art“, die in der Vergangenheit immer wieder mit Vergiftungen Schlagzeilen machte. Siehe auch Westfälische Pilzbriefe und die Nebennotiz in der BON-Monographie unter T. pessundatum. Dazu passt auch das sporadische Autreten dieser Ritterlinge. .


    Zu letzterem Thema arbeite ich noch an einer separaten Veröffentlichung.


    Gruß Ingo