Unschöne Begegnung auf der Streuobstwiese

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  • Hallo allerseits,

    einfach mal eine Frage:

    wenn ihr Pilze sucht (essbare oder "Untersuchlinge") oder euch Blüten anschauen möchtet oder Insekten oder oder ...

    betretet ihr dafür schon mal nicht eingezäunte Wiesen mit unklaren Besitzverhältnissen, z.B. Streuobstwiesen?


    Es heißt ja immer, man findet hin und wieder auch Morcheln unter alten Apfelbäumen auf Streuobstwiesen, werden die von "Drohnen" gefunden - oder sind alle diese Leute stolze Besitzer einer solchen Wiese ???


    Dass man den Wald außerhalb von Wegen betreten darf (wenn es nicht ausdrücklich verboten ist wg. Arbeiten oder Schonung etc.) ist ja bekannt. Aber wie es sich mit aller anderen Natur außerhalb von NSG verhält, das war mir nicht so ganz klar, vor allem was die "bewirtschaftete Natur" betrifft, d.h. "landwirtschaftlich genutzte Flächen" - worunter auch Brachflächen zählen - oder zählen können ??? Oje!!!

    Dass ich nicht durch frische Saaten trampele ist selbstverständlich und ich gehöre auch nicht zu denen, die von Bäumen, die angepflanzt in Reih und Glied stehen, Obst pflücke.

    Aber wusstet ihr, dass schon das reine Betreten von Feldern und Wiesen nach Beginn der Vegetationsperiode (früher irgendwann im April, jetzt doch schon März oder früher ???) bis zum Ende der Vegetationsperiode verboten ist ?

    Dafür müssen lt. Gesetz die Wiesen nicht eingezäunt sein und es braucht auch keine Hinweisschilder.

    Hintergrund ist natürlich die Lebensmittelerzeugung und auch das Heu-Machen (Lebensmittel fürs Vieh), dass es da zu keinen Verunreinigungen oder anderen Schäden kommt, durch z.B. Hundekot oder hinterlassenen Müll

    https://www.lbv-bw.de/Helfen-S…ODkwMjImTUlEPTU1NzEw.html


    Bei mir im Ort gibt es eine größere nicht-eingezäunte Streuobstwiese, wo ich Mitte April durch das noch niedrige Gras ging und auch mir ein paar Blüten angeschaut habe ... und Pilze an alten Bäumen fotografiert habe. Dabei bin ich wohl beobachtet worden.

    Heute war ich wieder dort, weil ich mich nicht erinnern konnte, ob der Feuerschwamm an Pflaume oder Apfel wuchs.

    Dabei hatte ich eine sehr unschöne Begegnung mit einem Herrn , der mich höchst unfreundlich im lokalen Idiom - was mir ohne gründliches "Einhören" ziemlich unverständlich ist - "angemacht" hat.

    Meine Aussage, dass ich biologisch engagiert sei und nur nach Blüten und Pilzen dort schaue, interessierte ihn nicht die Bohne.


    Hattet ihr auch schon mal so ein Erlebnis?


    Zu meinem Schrecken musste ich nun feststellen, dass er - falls er der Eigentümer ist - was er mir nicht in verständlicher Weise beantwortete - nach "Buchstaben des Gesetzes" im Recht ist.

    Allerdings findet man so allerlei zu "Streuobstwiese" in BaWü, z.b. vom SWR und Zeitungsartikel zu Streuobstwiesen in Lörrach. Demnach wird hier und dort sogar das Ernten toleriert ... besser nachfragen, natürlich.


    https://www.suedkurier.de/regi…-Arten;art372612,10260152

    http://www.oberstrifftsahne.co…d-streuobstwiesen-in.html

    "Das Betreten den Anlagen fällt unter Hausfriedensbruch. Allerdings kann man davon ausgehen, dass solcherart Anlagen eingezäunt oder ausreichend gekennzeichnet sind. " ... NEE, eben nicht!


    https://www.swr.de/swr1/rp/str…en-sie-mitnehmen-100.html

    Quote

    Weniger eindeutig ist die Rechtslage bei Obstbäumen in Baumalleen entlang der Straße und auf Streuobstwiesen, die nicht eingezäunt sind. Da ist die Eigentumslage oft unklar. Wer Pilze, Kräuter und Beeren im Wald oder das Obst wilder Bäume pflückt, begeht keinen Diebstahl. Die Landesnaturschutzgesetze der Bundesländer erlauben grundsätzlich das Betreten landwirtschaftlicher Flächen – aber nur vor der Aussaat im Frühling und nach der Ernte im Sommer. ...

    Auch im Sommer darf man Äcker, Wälder und Streuobstwiesen betreten, um Wildpflanzen zu sammeln, also die Früchte, Pilze und Kräuter, die niemand gezielt angebaut hat. Aber nur in kleinen Mengen, nebenbei beim Spazierengehen. Den ganzen Kofferraum mit gesammelten Pilzen, Nüssen oder Obst füllen, das geht gar nicht. Auch nicht, wenn sie wild gewachsen sind.



    Den letzten Abschnitt im Zitat empfinde ich als Widerspruch zum Gesetz mit dem generellen Betretungsverbot ... oder "Streuobstwiesen" , d.h. die eigentliche Wiese (obwohl sie gemäht wird, zur Heuerzeugung, davon gehe ich aus) zählt dann eben doch nicht zur "landwirtschaftlich genutzten Fläche" ... hmmm ???


    Jedenfalls ist mir die "Lust auf Streuobstwiese" aufgrund des erlebten äußerst kleingeistigen Gebarens abhanden gekommen, da gehe ich doch lieber in den Wald.


    FG, abeja

    Hast du heute schon gelächelt? Oder mal gelacht? ... Nein, na ja, ich weiß nicht ... hab' gar nicht dran gedacht!

    Gute Gründe gibt' s doch immer, gebt mal darauf acht. ... Es bewegt nicht nur die Lippen mit ungeheurer Macht.

    Bleibt gesund und ausgeglichen ..................................................................... ein Kein-Pilz-Gedicht, 10-12-2020


    Viele Grüße von abeja




  • Hallo Abeja,


    soweit ich es richtig im Kopf habe, ist das Betreten landwirtschaftlicher Flächen, wozu auch Streuobstwiesen gehören, in BaWü von 1. März bis 31. Oktober verboten. Wenn ich Fallobst oder Nüsse aufsammeln will, warte ich immer auf den 1. November – was dann noch unten liegt, darf man holen. Es gibt aber, wie z.B. hier in Ulm, Streuobstwiesen, die der Stadt gehören. Auf einer Site der Stadt kann man freigegebene (nicht verpachtete) Flächen sehen, auf denen der Bürger immer und jederzeit das Obst ernten und aufsammeln darf:

    https://www.ulm.de/leben-in-ul…und-natur/streuobstwiesen


    Selbstredend sind Streuobstwiesen bewirtschaftete Flächen, die gemäht werden. Auch werden die Obstbäume i.d.R. regelmäßig ausgeschnitten. Es gibt auch genügend Besitzer, die da sehr wohl spritzen, was in einem Deiner Links blauäugig ignoriert wird – also keineswegs nur eine "heile Welt". Erfahrungsgemäß ist der Schwabe mit seinen Streuobstwiesen (oder auch Nussbäumen) sehr heikel, was fremde Zugriffe betrifft, die Badener in Deiner Ecke werden ähnlich drauf sein... Dem einheimischen Idiom mächtig zu sein, ist jedoch oft ein Vorteil, wenn man mal erwischt wird.


    Ich handhabe es so: erkennbar gepflegte Anlagen betrete ich wirklich nur zu den erlaubten Zeiten (s.o., Ausnahme s.u.) oder wenn ich es mit dem Besitzer ausdrücklich vereinbart habe. Eindeutig verwilderte Streuobstwiesen oder Weinberge (z.B. rund um Tübingen) durchstreife ich schon, schau´ aber, dass man mich dabei nicht unbedingt sieht ;) . Ausnahme: Wenn ich total spannende Pilze sehe oder für eine Ausstellung sammle. Dann gehe ich oft in der Dämmerung hin, und ich achte darauf, nicht überall rumzutrampeln, sondern gehe den kürzesten Weg zum begehrten Objekt und auf meinen Fußspuren wieder zurück.


    Viele Grüße – Rika

  • Es heißt ja immer, man findet hin und wieder auch Morcheln unter alten Apfelbäumen auf Streuobstwiesen, werden die von "Drohnen" gefunden - oder sind alle diese Leute stolze Besitzer einer solchen Wiese ???

    Hallo Abeja,

    bei mir in der Nähe gibt es eine kleine Streuobstwiese wo Graue und Normale Speisemorcheln wachsen, schaue da aber nur selten vorbei da es für mich deutlich besseres für den Kochtopf gibt als Gemörch,

    viele Grüsse

    Matthias

  • Hallo Matthias,

    genau! Die schmecken sowieso nicht ;) ... aber ich wollte denen noch mal eine Chance geben (falls ich welche im richtigen Zustand finde, auch im Wald), weil mein Erstkontakt war nicht so besonders und danach war ich immer zu spät.

    Wenn es da insgesamt so viele - eventuell noch kryptische - Arten gibt, dann hatte ich hier einmal "M. insipida" im Sößchen.


    Hallo Rika,

    soso "bei Nacht und Nebel". ;)

    "Herumtrampeln" ist ja eigentlich nur (?) auf Trockenrasen ein Problem, d.h. was da einmal geknickt ist, kommt nicht mehr gut hoch und es entstehen immer neue Trampelpfade. Z.B. im NSG Totengrien bei Istein, gibt es viele Pfade, manche sind auch zur "Erholung" gesperrt. Mal wird hier gemäht und dort nicht. So eine Orchideenwiese muss ja künstlich freigehalten werden. Da ist es mir auch bei einem Besuch passiert, dass ich einem scheinbar normalen Pfad ein paar Meter gefolgt bin - aber das war ein ganz frisch entstandener Trampelweg.


    Was die Streuobstwiese betrifft, das ist alles "Allerweltsbewuchs" - gar nichts Besonderes.

    Vor Jahren habe ich (am Rande !) auch mal einen botanischen Kartierer aus Karlsruhe angetroffen.

    Kartieren Kartierer nur Ränder?

    Oder wissen sie immer um Eigentumsverhältnisse?

    Ja, vermutlich haben sie für alles eine "Sondergenehmigung" in dreifacher Ausführung dabei.

    Ich hatte vor Jahren schon mal ein seltsames Erlebnis in dem Umfeld, da hatte ich meine kleine Kamera locker in der Hand. Ein Eigentümer eines Gartens hat bei der Begegnung auf einem Weg für meine Begriffe sub-paranoid reagiert mit "Was haben Sie denn da? Was machen Sie denn da?" (Streichhölzer? Feuerlegen?)

    Dass jemand sich für die Natur in allen Facetten interessiert, scheint so selten vorzukommen, dass man diesen Leuten wie ein Alien erscheint.


    Die Streuobstwiese ist - sagen wir mal so - "semi-gepflegt" - es gibt brennnesselige Ecken, mehrere völlig kaputte Bäume - aber auch ein paar junge Bäume seit ein paar Jahren. Sie wird also eindeutig bewirtschaftet.


    Ich werde mich zukünftig auch an "die Vorschriften" halten, obwohl ich jemand bin, der bei solchen Regeln immer den Sinn hinterfragt. Auf immer über die Schulter linsen, wer irgendwo um die Ecke kommen könnte, habe ich definitiv keine Lust.

    Mir geht es z.B. auch ein wenig gegen den Strich, dass die 1-Kilo-Regel im Landkreis Lörrach auch für Hallimasch, Schwefelporling und Riesenporling gilt.

    Klar - wenn alle Welt über meine Wiese laufen würde, zig Leute lagern und zelten, fressen und saufen und Müll abladen, da wäre ich als Eigentümer auch dagegen. Ein Hinweisschild oder ein Zaun würde die Sache jedoch eindeutig machen und ein freundliches! Nachfragen im Fall des Falles ... bei einer Einzelperson!, die garantiert das kostbare Grün nicht schädigt - wäre auch nicht verkehrt.


    Falls ich mit dem Ausdruck "lokales Idiom" vielleicht beim einen oder anderen eine sensible Stelle treffe ... ich mag Dialekte sogar gerne hören, ich verstehe das Alemannische größtenteils im normalen Gespräch - mit "Mändig" (Montag) und Zieschdig" (Dienstag)..."gsi"(gewesen) und "gha"(gehabt) usw. - und ich bin auch keinesfalls dagegen, dass Dialekte gepflegt werden.


    Aber ein Großteil der Bevölkerung hier ist im Laufe der Industrialisierung usw. zugezogen. Der Ort hatte um 1900 ca. 1000 Einwohner, zur Zeit ca. 15 000. Bei Kindern und Jugendlichen hört man überwiegend hochdeutsch. Insofern verblüfft es mich immer wieder, wenn mich jemand im Dialekt "von der Seite anquatscht" (die Intonation bzw. Satzmelodie ist auch völlig anders) und sich dann wundert, nicht sofort verstanden zu werden. Es soll sogar Leute geben, die in hochdeutschen Gesprächen sehr schnell sehr "mulful" werden.


    Ich könnte auch ein paar Sätze sagen ... was ich bei Freunden auch schon mal tue - aber es wäre nicht authentisch.

    Gegenüber Unbekannten würde ich aber denken, dass das Gegenüber sich veräppelt vorkommen muss - wo wir wieder bei den Apfelbäumen wären. ^^


    FG, abeja

    Hast du heute schon gelächelt? Oder mal gelacht? ... Nein, na ja, ich weiß nicht ... hab' gar nicht dran gedacht!

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    Viele Grüße von abeja




  • Hallo Abeja,


    Morcheln finde ich schon sehr lecker, sie haben halt einen ganz eigenen Geschmack, und man sollte sie unbedingt OHNE Zwiebeln (oder Schlimmeres wie Knoblauch) zubereiten. Ich lösche sie gerne mit einem Schluck Weinbrand ab, eine gehäutete, entkernte Tomate passt auch gut dazu, und einen Hauch Thymian. Die erste Morchelrahmsoße hatte ich übrigens in der Schweiz gegessen – sehr fein! – und dann bei der Migros getrocknete Spitzmorchel gekauft... bevor ich eigene gefunden habe.


    Das Betreten von Streuobstwiesen ist dann ein Problem, wenn das Gras schon höher steht und dann niedergetrampelt wird: bei einem konventionellen Balkenmäher (wie ihn Privatleute dafür meist verwenden) verstopft sich dadurch das Messer – das ist sehr lästig. Es geht nicht um das Zertrampeln von seltenen Pflanzen. In der Erntezeit ist ja eh klar, dass die Besitzer keine Fremden auf ihrem Grund sehen wollen. Einzäunen ist überhaupt keine gute Idee – so ein Zaun ist bei jeglicher Arbeit nur hinderlich, abgesehen von den Kosten dafür. Hierzulande würde man darüber ziemlich verwundert den Kopf schütteln, wenn jemand "so was verrücktes" machen würde. Auch wären die Wildtiere (Fuchs, Hase und Rehe (und Wildschweine)) davon gar nicht begeistert. Und außerdem kann man sich im Winter so ohne Zäune freibewegen, beim Spazierengehen ebenso wie beim Langlaufen. Von der Optik (offenes Land) mal gar nicht zu reden. Und Hinweisschilder? Achtung Privatbesitz – Betreten verboten! Rund um die Streuobstwiese, die 200m lang und 30m breit ist? Viel unkomplizierter ist es, sich einfach an die Landesgepflogenheiten zu halten und bewirtschaftete Flächen während der Vegetationsperiode nicht zu betreten, finde ich. Eine Streuobstwiese ist halt kein Wald...


    Die RiMu-Morcheln hole ich mir auch ggf. nachts aus den fremden Vorgärten ... und wenn ein Zaun drumrum ist, habe ich auch schon geklingelt und gefragt, ob ich diese Pilze ernten dürfte – bei näherem Interesse habe ich den Leuten auch schon eine gekochte Kostprobe ihrer Morcheln vorbeigebracht. Waren eigentlich immer sehr nette Gespräche. Selbst wenn ich mir einen Blumenstruß aus einer Gründüngung schneiden möchte und gerade ein Bauer in Sichtweite ist, frage ich immer ganz nett, ob das okay wäre – immer positve Resonanz! Also, wenn jemand in der Nähe ist, einfach fragen "darf ich mal...", und wenn niemand in der Nähe ist, minimal invasiv schnell mal reingehen, so mach´ ich das.


    Viele Grüße – Rika

  • Hallo Rika,


    landschaftlich muss es dann bei dir komplett anders ausschauen.


    Hier ist zwar das Rheintal relativ weiträumig, aber doch sehr zersiedelt.

    Es gibt eigentlich gar keine "richtigen" Streuobstwiesen, sondern nur Restbestände davon, bzw. es soll wieder etwas mehr werden. Neben der besagten "Sündenfallwiese" liegen private - größere - Gärten, teilweise auch Pferdewiesen. Hier und da gibt es auch mittelgroße Wiesen mit Obstbäumen .... all dies ist komplett eingezäunt. Die Wiese, wo ich war, ist so gesehen eine Ausnahme, sie liegt auch nicht einsam, sondern ist von einem Weg und einem Sträßchen gut einsehbar.


    Sucht man den Ortsnamen in Zusammenhang mit Streuobstwiese, findet man heraus, dass der Ortsverband einer Partei vor ein paar Jahren etwas gekauft hat - in einem Tal zwischen Wäldern, wo es lange Jahre unbewirtschaftete Wiesen gab. Auch dort ist in Hanglage komplett alles "klein-klein" eingezäunt. (Edit: diese Wiese ist doch an einem anderen Ort, war im Zeitungsbeitrag missverständlich). Man käme gar nicht auf die Idee, dort "einzudringen" - zumindest nicht, wenn niemand vor Ort ist, den man fragen könnte. Edit: bei diesen Geländen ist aber eigentlich nie jemand vor Ort.)

    Die Wildschweine und Rehe suchen sich aber überall ihren Weg, bis hin zum Friedhof, der waldnah liegt ... und sehr hoch eingezäunt wurde. ;)


    In vielen Regionen in Spanien ist es noch schlimmer - das denkt man kaum, wenn man das weite Land sieht - aber fast alles ist in Privatbesitz. Vielerorts sind Zäune und daran steht "coto privado de caza" - andererseits gehen teilweise Wanderwege über eingezäunte Weiden, dann steht da ein Schild, dass man bitte das Gatter wieder schließen soll und "Peligro, ganado bravo!" Also ich gehe nicht über eine Weide mit "ganado bravo", wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.

    (Edit: komplett eingezäunte Privatbesitztümer, d.h. auch große Ländereien mit allen Wäldern, Feldern, Wiesen etc. ohne jegliche Betretungsrechte Dritter sind in romanischen Ländern üblich - siehe Wiki - ebenso in England und USA.)

    In Südspanien ist es bei bewirtschaftetem Land auch üblich - so sagte man uns - eine kleine Menge z.B. Oliven bei Reife "einfach so" ernten zu dürfen, wo ich allerdings ohne Nachfragen auch Skrupel hätte (... es sind ja nicht meine Oliven).


    Ich hätte mir auch in diesem Fall - rein theoretisch - ein gutes Gespräch vorstellen können. Über Obstsorten, Bestäubung, Schädlinge, Erträge usw. aber keine Chance dazu. Die Wiese war noch so niedrig wie die zum Teil noch ungemähten Wiesen um Häuser. In diesem Jahr ist hier alles später als in den Vorjahren, da stand im April das Gras schon kniehoch. Wenn das Gras sehr hoch ist (es wird dort nicht mit "normalen" Rasenmähern gemäht) gehe ich sowieso nicht da durch, ich bin etwas "zeckophob" ... obwohl mich Zecken überhaupt nicht mögen ...


    Es ging diesem Mann rein ums Prinzip - und nicht um einen potentiellen Schaden, Mehrarbeit oder Ertragsverlust - und im Prinzip hat er das Recht dazu, etwas zu sagen - wobei ich, wie bereits angemerkt, noch nicht einmal weiß, ob er Eigentümer, Pächter oder "selbsternannter" Aufpasser war, als er da vorbeigeradelt kam.


    Aber wenn ich das Ganze in Relation setze, dann wird mir "so ganz anders" ... ich weiß nicht.

    Hier und da bin ich schon mal aus dem Wald gekommen und habe dann in der Vegetationsperiode (jedenfalls noch vor November) eine Wiese überquert, die selbstverständlich auch (vermutlich) zweimal gemäht wird. Ich habe - tatsächlich - auch schon mal Blüten von Herbstzeitlosen mitten auf der Wiese fotografiert.

    Ehrlich gesagt finde ich Wiesen außerhalb der Vegetationsperiode total uninteressant, da ich weder Drachen steigen lasse noch (edit) (Ski)-Langlauf mache - hier gibt es sowieso nur einmal im Jahr Schnee - höchstens. Und querfeldein zu laufen über buckelige Wiesen und Äcker im (edit) (Spät)-Herbst oder Winter, warum sollte man das tun, da bevorzuge ich tatsächlich Wege.

    Auch wenn man tatsächlich vorhätte, Fallobst und Nüsse zu sammeln, dann wären hier im November nur noch unansehnliche Reste zu finden. Man könnte hier höchstens beobachten, welche Bäume tatsächlich nicht abgeerntet werden und wo tatsächlich diverse Leute regelmäßig sammeln und es dann auch nur dort machen. Aber es geht mir ja gar nicht um das Ernten.


    Hier und da ist auch eine Wiese mit "Charakter", die durch Beweidung mit Schafen und Ziegen offengehalten wird, mal ist dieser Teilbereich abgezäunt, mal jener. Darf ich dann den gerade nicht abgezäunten Bereich betreten und bot. Raritäten bestaunen? Genau genommen eher nicht.

    Andererseits werden ins NSG fremde Pflanzen (Euphorbien und Kakteen) eingebracht, Orchideen und Türkenbundlilien sind auf einmal weg. Auf einer Wiese (die ich natürlich auch schon mehrfach querte) stand ein uralter Birnbaum, mit Schwefelporling manchmal, mit Hornissennest im hohlen Stamm. Auf einmal waren Birnbaum und Hornissennest weg. Auch wenn der Baum selbst umgefallen wäre, hätte man in dem Bereich alles liegenlassen können, "Verkehrssicherungspflicht" besteht da nicht.

    Kurz darauf wurde in einem nahegelegenen Tal vor "aggressiven Hornissen" gewarnt ... usw....usw...


    Mich macht so etwas traurig.


    Aber ich soll mir bei jedem Schritt abseits des Weges darüber Gedanken machen, ob das - ganz pingelig betrachtet - erlaubt ist? Mich vor irgendwem rechtfertigen zu müssen, ist mir zuwider - aber genauso zuwider ist mir, auf solche Streifzüge völlig zu verzichten und am allerzuwidersten ist mir das verstohlene Umherschleichen - wenn ich das in Relation zu den o.g. Dingen setze.


    Vermutlich geht ihr nie-niemals-nicht über Wiesen vor November ... auch nicht im Oktober zur Saftlingszeit ;) - und wenn doch, dann jedenfalls nicht so "blauäugig" wie ich.

    Es war auch etwas "blauäugig" von mir, das Thema hier überhaupt einzustellen. :saint:

    Allerdings kann ich mir immer noch gut vorstellen, dass all dies meistens überhaupt gar kein Problem ist ... weil da sowieso kein Hahn nach kräht (edit: wenn nicht sichtlich Schaden angerichtet wird) und ich nur etwas Pech hatte.


    Noch zu den Morcheln:

    ich hege den Verdacht, dass sie geschmacklich sehr unterschiedlich ausfallen können. Da manche Leute von sagenhaftem Aroma berichten und mein Einzelexemplar einer gelben Morchel (damals,frisch) NULL Geschmack hatte und die einzige Spitzmorchel (damals, getrocknet) etwas besser war (Erstversuche immer relativ pur). Entweder entstehen die Unterschiede durch klimatische Begebenheiten oder den Boden oder es sind verschiedene Arten im Spiel oder oder. Für genauere Untersuchungen fehlt mir aber immer das "Material". (Fund "Rimumo" Nr. 1 im Privatgarten ... zu straßennah, Fund "Rimumo" Nr. 2 Friedhof ... eingetrocknet usw. - es wächst hier alles nicht so gut.)


    Und doch noch mal eine Nachfrage, ganz neutral:

    wie ist denn die Aussage im Beitrag des SWR zu bewerten? (s.o.)

    "Auch im Sommer darf man Äcker, Wälder und Streuobstwiesen betreten, um Wildpflanzen zu sammeln, also die Früchte, Pilze und Kräuter, die niemand gezielt angebaut hat. Aber nur in kleinen Mengen, nebenbei beim Spazierengehen. Den ganzen Kofferraum mit gesammelten Pilzen, Nüssen oder Obst füllen, das geht gar nicht. Auch nicht, wenn sie wild gewachsen sind."

    aus https://www.swr.de/swr1/rp/str…en-sie-mitnehmen-100.html

    Da geht es zwar eigentlich um das Sammeln, aber Sammeln geht ja nun nicht ganz ohne Betreten.


    EDIT: die Aussage ist "eigentlich" rechtlich nicht haltbar, spiegelt aber den "Usus" wider, der normalerweise toleriert wird - und meiner unmaßgeblichen Meinung nach auch toleriert werden sollte, sofern dadurch kein Schaden angerichtet wird. Aber die Toleranz und Kommunikationsbereitschaft (und -fähigkeit ?) kann eben SEHR unterschiedlich ausgeprägt sein von Landstrich zu Landstrich, von Dorf zu Dorf, von Bauer zu Bauer. Berichte im Web von Landwirten und Wiesenbesitzern, die sich ärgern, betreffen fast ausschließlich Müll, Hundekot, sichtbare Trampelpfade und gewerbsmäßig geklautes Obst.


    FG, abeja

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    Viele Grüße von abeja




    Edited 2 times, last by abeja ().

  • Psst, ein kleines P.S. (zusätzlich zum EDIT oben):

    kennt jemand eine gute Quelle für Tarnkappen?

    Das wäre doch eine Idee!


    E scheeni oobend, abeja

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