Wieviel Goldschimmel in Steinpilz-Trockenware ist tolerabel bzw. gesundheitsschädlich?

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  • Hallo,


    weiß jemand ob es Richtlinien dafür gibt, wieviel Goldschimmel in Trockenprodukten mit getrockneten Steinpilzen toleriert wird, und ob es Erfahrungen für gesundheitsbedenkliche Konzentrationen gibt?

    Ich untersuche immer mal Handelsware und stoße dabei auch gelegentlich auch mal auf Hypomyces-Konidien. Wenn ich nun aber in jeder meiner Stichproben etliche Konidien finde, dann stellt sich mir irgendwann mal die Frage, ist diese Qualität noch tolerierbar. Ich habe dazu aber keine Angaben gefunden. Im Lebensmittelbuch ist nur die Klassifizierung anhand gestochener Anteile als Qualitätsmerkmal drin.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    von Vorschriften oder Richtlinien bzw. Grenzwerten dazu weiß ich nichts, allerdings stellen sich mir folgende Fragen:


    - weiß man überhaupt, welche Toxine durch Goldschimmel entstehen?

    - nur, wenn man die Toxine kennt, kann man sie auf Schädlichkeit untersuchen.

    - nur, wenn man die Schädlichkeit kennt, kann man Grenzwerte zu den Toxinen einrichten (aber nicht Grenzwerte für vorgefundene Konidien, es sein denn man wüsste eine mengenmäßige Korrelation von Konidien zu Toxinen.)

    (Edit: ich hatte ursprünglich statt "Konidien" Hyphen geschrieben und das später verbessert.)


    Man könnte natürlich aus reiner Vorsicht Grenzwerte zu gefunden Konidien einrichten, weil ein Goldschimmelbefall ja irgendwie unappetitlich ist und es wahrscheinlich (normale) Eiweißzersetzungsprodukte im Pilz dann sowieso gibt.


    Suche ich zu Goldschimmel bzw. Hypomyces chrysospermum und Toxinen ... kommt nichts Konkretes.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Goldschimmel

    "... könnte giftig sein" dazu zwei Literaturhinweise (nicht gerade neu):David Arora: Mushrooms demystified: a comprehensive guide to the fleshy fungi, 2. Auflage, Ten Speed Press, Berkeley 1986, ISBN 0-89815-169-4.Roger Phillips: Mushrooms. Pan MacMillan, 2006, ISBN 0-330-44237-6


    Oder hier:https://www.zobodat.at/pdf/nat-land_2017_2_0028-0035.pdf

    "Worum geht es beim Goldschimmel? Seine Stoffwechselprodukte sind giftig und stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Bei allzu reifen Fruchtkörpern der sonst harmlosen Pilze konsumiert man also ungewollt auch die Toxine des Goldschimmels mit."

    (ohne Literaturquelle)


    Das klingt dann nach den bekannten Aflatoxinen, wo es bei Nüssen, Gewürzen etc. Grenzwerte gibt.

    Beim Goldschimmel kann es sich aber nicht um Aflatoxine handeln, da diese nur bei ganz bestimmten Temperatur- und Feuchtigkeitsgehalten von Aspergillus-Arten gebildet werden.

    https://www.laves.niedersachse…lebensmitteln-134526.html

    Quote

    Aflatoxine werden ausschließlich von bestimmten Stämmen der Schimmelpilze Aspergillus flavus und Aspergillus parasiticus gebildet. Die Gruppe der Aflatoxine umfasst mehr als 20 verschiedene Toxine, doch treten als Kontaminanten von pflanzlichen Lebensmitteln vor allem Aflatoxin B1, B2, G1 und G2 auf. Die Indices B und G beziehen sich dabei auf ihre blaue bzw. grüne Fluoreszenz im ultravioletten Licht. Als Folgeprodukte einer Entgiftungs- bzw. Hydroxylierungsreaktion entsteht Aflatoxin M1, das bei laktierenden Tieren z.B. Kühen in die Milch gelangt, wenn diese Aflatoxin B1 kontaminierte Nahrungs- bzw. Futtermittel zu sich genommen haben („Carry Over“).

    ...

    Aflatoxine sind typische Vertreter einer Nachernte bzw. Sekundärkontamination. Zur Bildung der Aflatoxine sind ein feucht, warmes Klima zwischen 25 und 40°C, sowie kohlenhydrathaltige Nährböden von Vorteil. Daher sind diese Toxine trotz des weltweiten Vorkommens in subtropischen und tropischen Gebieten wesentlich verbreiteter, als in Anbaugebieten der gemäßigten Klimazonen (für Europa spricht man von sogenannten „importierten“ Toxinen).

    Hauptsächlich betroffen sind Nahrungsmittel wie Getreide, Nüsse, Trockenfrüchte, Gewürze und Ölsaaten. Ein Eintritt in die Nahrungskette ist ebenfalls über tierische Lebensmittel wie Fleisch, Eier, Milch und Milchprodukte möglich, wenn kontaminiertes Futtermittel verfüttert wurde.

    In der Regel ist eine Kontamination des Lebensmittels für den Verbraucher nicht sichtbar.

    Sucht man zu chemischen Komponenten von Hypomyces chrysospermum kommen sehr aktuelle Untersuchungen, die die Inhaltsstoffe auf ihre Wirkung gegenüber Krebszellen untersuchen, also eher auf eine medizinisch positive Wirkung hoffen - und dazu auch Vielversprechendes herausgefunden haben.

    https://www.researchgate.net/p…ferent_human_cancer_cells


    Wenn ich mich aber selbst - als potentielle Endverbraucherin frage - dann möchte ich keine Goldschimmelkonidien in getrockneten Steinpilzen haben, weil sie für mich ein Kriterium für mangelhafte Frische des Pilzes vor dem Trocken wären.

    Ich weiß allerdings nicht, ob man nicht immer etwas finden würde.


    Wäre es nicht interessant, mal privat getrocknete Steinpilze (entweder von einem selbst oder von einem Pilzkenner, dessen Sorgfalt man gut einschätzen kann) zu untersuchen?

    Da glaubt man ja zu wissen, dass erstklassige Pilze genommen wurden und diese nach besten Wissen und Gewissen weiter verarbeitet wurden. Wenn sich da auch überall Goldschimmelkonidien finden lassen, dann ist das wohl nicht 100 proz. zu vermeiden. Findet man dort nichts oder nur minimal, dann wäre die o.g. Handelsware unter aller ...


    FG, abeja

    Hast du heute schon gelächelt? Oder mal gelacht? ... Nein, na ja, ich weiß nicht ... hab' gar nicht dran gedacht!

    Gute Gründe gibt' s doch immer, gebt mal darauf acht. ... Es bewegt nicht nur die Lippen mit ungeheurer Macht.

    Bleibt gesund und ausgeglichen ..................................................................... ein Kein-Pilz-Gedicht, 10-12-2020


    Viele Grüße von abeja




    Edited 2 times, last by abeja ().

  • Hallo abeja,


    ich habe schon mehrfach Steinpilzgranulat und auch Rohware aus dem Handel untersucht. Und ich habe zum Vergleich aus eigenen Steinpilzvorräten Proben gezogen und untersucht, aus diversen Jahren und diverse Steinpilzarten.

    In meinen eigenen Steinpilzen habe ich nie auch nur eine einzige Konidie gefunden. Was mich nicht wundert, denn der Goldschimmel ist schon ziemlich fortgeschritten wenn er anfängt Konidien zu bilden. Dann geht der weiße Belag in Goldgelb über, denn es sind die Konidien die diese Farbe haben. Also wenn ich das leicht graue Röhrenfutter von Rotfußröhrlingen mikroskopiere dann sehe ich da auch noch keine Konidien.

    Im Granulat und der Rohware aus dem Handel finde ich so gut wie nie Konidien. Selten mal ganz vereinzelt. Nur eine Probe hatte ich mal da waren sie auch häufiger, und das war genau eine Probe von einem Lieferanten, der meinem Auftraggeber eh etwas suspekt war.

    Und dass nun im Pulver einerseits eine nennenswerte Menge an Agaricus-Sporen zu finden war, andererseits auch eine nennenswert höhere Menge an Hypomyces-Konidien, das deutet für mich darauf hin, dass das Steinpilzpulver zumindest zum Teil aus qualitativ minderwertigen und anderweitig nicht mehr veräußerbaren Steinpilzen hergestellt wurde, und zudem noch mit Champignon gestreckt wurde.

    Aber wie gesagt, ich konstatiere nur, was das dann für Auswirkungen nach sich zieht ist letztlich nicht mein Bier. Aber es interessiert mich halt :-)


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    danke für die ausführliche Erläuterung.

    Dann ist das Finden von Konidien ja schon ein recht deutliches Zeichen für minderwertige Ware, die ich zumindest nicht essen möchte (egal, ob jetzt Hypomyces c. an sich toxisch ist oder nicht, eher wegen des Allgemeinzustandes der verwendeten Pilze).


    FG, abeja

    Hast du heute schon gelächelt? Oder mal gelacht? ... Nein, na ja, ich weiß nicht ... hab' gar nicht dran gedacht!

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    Viele Grüße von abeja




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  • Hallo Andreas,

    das wäre natürlich auch eine Möglichkeit ... aber welche professionellen (?) Sammler arbeiten denn so unsauber ? Es ist ja m.M. nach mehr Arbeit, hinterher den Gammel auszusortieren, als gleich zu Beginn nur schöne Exemplare zu nehmen.

    Woher stammen denn für gewöhnlich Steinpilze, die in solchem Pulver landen - werden die in D. gesammelt - oder eher (?) importiert ?


    Gegen die - anderswo geäußerte - Annahme, dass da immer irgendwelche Kontaminationen sind, spricht ja deine Erfahrung, dass du ansonsten davon nichts in dem Ausmaß gefunden hast.


    FG, abeja

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    Viele Grüße von abeja