Perenniporia fraxinea

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  • Hallo allerseits,


    gestern habe ich einen für mich neuen Porling entdeckt.


    Hochrhein, ca. 270 m, wärmebegünstigt, Parkanlage, auf großem, sehr flach abgesägtem Laubholzstumpf (Holzart unbekannt, im Umfeld viel Ahorn).

    Schnittfläche mit einer dünnen weißlichen, knubbeligen, festen Schicht überzogen, Grashalme etc. eingewachsen.

    Es bilden sich gerade mehrere Hüte aus, einige Zentimeter abstehend und rel. dick, mit stark wulstigen Hutkanten.

    Hutkanten hell gelblich-orange, Farbe verblasst bei abgeschnittenen Stücken sehr schnell.


    Fleisch sehr zäh, holzfarben mit konzentrischer Zonierung, bei Berührung und/oder Luftkontakt Bräunung, mit KOH dunkler braun,

    Geruch frisch säuerlich-würzig, relativ intensiv - trockene Stücke riechen holzartig und werden bräunlicher.

    Röhren braun, bisher nur 2 mm lang.

    Porenmündungen frisch weißlich, bräunen bei Berührung, Poren etwas unregelmäßig geformt, ca. 3-4 Poren pro Millimeter.


    Ich vermute, hier Perenniporia fraxinea (Eschen-Baumschwamm) gefunden zu haben, der ja auch auf anderen Laubhölzern vorkommen kann (bevorzugt am lebenden Baum, aber auch später auf dem Stumpf).

    Ist die Bestimmung so korrekt?

    Über eine Bestätigung oder einen alternativen Vorschlag würde ich mich freuen.


    FG, abeja





           

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




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  • Guten Abend,

    und noch mal nachgehakt: sind die Fruchtkörper eventuell zu jung und die Merkmale zu unausgeprägt oder ist die Art - vor allem in diesem Stadium - vielen zu unbekannt?


    Oder liest hier zurzeit kaum jemand mit und die Klicks stammen alle von Suchrobotern? ;( ;)

    F.Dämmrich  Andreas oder @? ... schaut ihr hier hinein?


    FG, abeja

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  • Hallo Hans,

    danke für den Input. :)

    Jung? Ja!

    Climacocystis borealis ? ... Da lehne ich mich ganz weit aus dem Fenster ... mit sehr großer Sicherheit "nein" - es sei denn, der Pilz hätte sich gerade neu erfunden.

    Die gelben Knubbel im jungen Zustand sind zwar sehr ähnlich, aber der Rest eher nicht (siehe Beschreibung oben).

    Die Konsistenz war hier extrem zäh, kaum etwas abzuschneiden, nicht wässrig schwammartig wenn jung und immer zerreißbar, die Tramafarbe war hier holzartig, nicht so ganz hell, der Geruch war hier strenger säuerlich-würzig, nicht süßlich-anisig, die Poren sind feiner (nicht 1-2, sondern ca. 4 pro mm), es ist keine typische Duplexstruktur erkennbar, Wachstum an Laubholz wäre zwar möglich, aber rel. selten.

    Und wie würde das Bräunen/ Schwärzen dazu passen und die Reaktion mit KOH, das kenne ich vom Nördlichen Schwammporling nicht - und habe dazu nichts finden können.


    Nun, warten wir ab, wie der Pilz sich entwickelt (hoffentlich ungestört).

    Zu meinem "Kandidaten" habe ich jetzt noch mal nachgelesen:

    Trama dextrinoid mit Melzers-Reagenz, das kann ich auf jeden Fall noch überprüfen.

    Vielleicht sind wir dann schlauer.


    FG, abeja

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    Edited once, last by abeja ().

  • Hallo abeja,

    bei der heutigen Exkursion gab es bei für mich auch bei zwei so aussehenden Pilzen ein "zu jung"!

    Gut wenn man immer wieder mit einem Spezialisten solche Funde hat. Da lässt man die in ruhe reifen, wenn man sie wieder findet erlebt man oft eine überraschung was es für ein Pilz ist.

    Schöne Grüße

    Hans

  • Hallo allerseits,

    die Überprüfung der dextrinoiden Reaktion der Bindehyphen in der Trama ergab keine Überraschung.


    Eine absolut fantastisch schnelle (im Moment des Auftragens) und intensive Braunfärbung mit Melzers Reagenz.

    Für mich ist das ein weiteres Indiz für Perenniporia fraxinea.


    Aus "Die pileaten Porlinge Mitteleuropas" Dörfelt Ruske

    In Pilze der Schweiz ist auch ein Bild (eines größeren Porlings) mit frischen wulstigen gelblichen Zuwachskanten.


    Für die Überprüfung habe ich beim getrockneten Stück die Kante neu mit einem Brotmesser (!) abgeschnitten (deshalb wirkt die Oberfläche so wie mit der Säge bearbeitet) ;)



    FG, abeja

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  • Hallo in die Runde,

    ich mache aus dem Fund wieder so eine Entwicklungsdoku.

    Die neuen Aufnahmen entstanden genau 14 Tagen nach den oben eingestellten Fotos, am 21.09.2021


    Die wulstigen Kanten haben sich etwas vergrößert. Da, wo ich was abgeschnitten hatte, ist alles wieder zugewuchert.

    Diese schönen gelblichen Farben am Zuwachs sind nun Vergangenheit, der Rand ist weiß.

    Dafür bildet sich nun eine rötlich-bräunliche Oberfläche aus, teilweise mit sehr dunklen, schwärzlichen Anteilen.

    In diesen schwarzen Gebieten sind aber auch teilweise dunkle Blätter mit eingewachsen.


    Für mich spricht weiterhin nichts gegen Perenniporia fraxinea.


    FG, abeja







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  • Hallo allerseits,

    so sieht der Pilz 3 Monate nach "Erstkontakt" aus.

    Er ist ganz schön veränderlich, farblich auf der Oberseite zumindest.

    Es passt aber alles ins Bild. Die Fruchtkörper sind so hart und zäh, dass manuell nichts umzubiegen oder abzureißen ist. Mit dem Messer habe ich ein winziges Tortenstückchen herausgeschnitten.


    Ich habe auch noch eine interessante I-net-Seite aus UK gefunden, da werden viele Fruchtkörper von Perenniporia fraxinea an ganz unterschiedlichen Substraten gezeigt.

    Perenniporia fraxinea not on Fraxinus sp.
    A few hosts other than ash (Fraxinus excelsior) that are host to the wood-decay fungus Perenniporia fraxinea.
    arboriculture.wordpress.com


    FG abeja




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  • abeja

    Changed the title of the thread from “Perenniporia fraxinea?” to “Perenniporia fraxinea”.
  • Hallo abeja,


    auch für mich sieht dein Fund nach Perenniporia fraxinea aus. Eine Sporenbild würde die Bestimmung eindeutig machen. Mit den dickwandigen, rundlichen und dextrinoiden Sporen ist er unverwechselbar.

    Bei makroskopischen Bestimmungen bleibt immer ein Rest Unsicherheit.


    Beste Grüße

    Frank

  • Hallo Andreas und Frank,

    danke für die - so weit wie mögliche - Bestätigung und die Informationen und Tipps.

    Ich werde den Pilz auf jeden Fall noch weiter im Blick behalten.


    FG abeja

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  • Hallo abeja,

    der Fund erinnert mich an einen Standort in Kehl, wo ich schon lange Perenniporia fraxinea in einem Park beobachte.

    Stammt Dein P.F. von dort?

    Was den Standort angeht, so möchte ich Andreas zustimmen. Die Art ist da sehr "flexibel" was das Substrat angeht.

    Ich hatte sie im Garten lange Jahre an Salix. Ich habe sie u.a. auch schon an Malus und Sophora gefunden. Im Saarland hatten wir ihn hauptsächlich an Robinia.

    schöne Grüße in die Runde.

  • Hallo Günter,

    vielen Dank für die zusätzlichen Informationen. Das stimmt ja auch überein mit dem, was man im Web so liest. Der Name ist ein wenig in die Irre führend.

    Der Fundort ist im Emilienpark, Grenzach-Wyhlen (bei Basel "um die Ecke 'rum"), ungefähr bei 7,65641 E 47,55555 N .


    FG abeja

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  • Hallo Abeja,

    im Herbst habe ich für eine Baumpflegefirma junge Porlingsfruchtkörper an einer ca. 150 Jahre alten Linde bestimmt, es handelte sich um Perenniporia fraxinea. Obwohl sie im Aussehen an Saftporlinge erinnerten, fiel mir gleich die extrem zähe Konsistenz auf. Es war äußerst mühsam, ein Stück des Fruchtkörpers zur Bestimmung herauszuschneiden.

    Inzwischen wurde der Baum mit einem Schalltomographen auf seine Standsicherheit überprüft. Die Restwandstärke im Stamm ist ausreichend, und er kann stehen bleiben. Offenbar ist der Pilz wohl kein aggressiver Holzzersetzer, bzw. er baut das Holz nur langsam ab.

    Viele Grüße Harald

  • Hallo Harald,

    genau, der ist extrem zäh ... und wirklich ein "Verwandlungskünstler".

    Bei deinem Fund ist der Rand (noch) wulstig, aber schon deutlich auf dem Weg flacher zu werden. Dabei ist die Farbe insgesamt noch recht hell. Das ist ein Zustand, den ich bei meinem Fund nicht gesehen habe, irgendwie zwischen dem zweiten und dritten von mir gezeigtem Stadium.


    Der Pilz an der Linde scheint etwas höher am Stamm zu wachsen?


    FG abeja

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