Am pauken für die PSV Prüfung

For discussions about the society, its structure and goals, only the forum "Geman Mycological Society" serves as a platform for the exchange of opinions.
  • Hallo liebe Mitglieder,

    ich bereite mich Schritt für Schritt auf meine PSV-Prüfung vor und vervollständige dabei nach und nach meine Version der Prüfungsfragen.
    Zu den Merkmalsfragen habe ich die Frage, ob ich sie im richtigen und von der DGFM gewollten "Format" beantworte. Beispiel:


    Nennen Sie drei wichtige bestimmungsrelevante Merkmale des Schönfußröhrlings (Caloboletus calopus).

    1. Röhren und Poren goldgelb, später grünlich-gelb werdend
    2. Röhren blauen auf Druck
    3. Stiel oben oft gelblich, unten Kaminrot mit erhabenem hellen Netz
    4. Fleisch, blassgelb, im Anschnitt sofort blau anlaufend


    Ist das die Form, in der die Antworten verlangt werden?

    VG
    Compris

  • Hallo Compris,

    ich weiß zwar nicht was die DGFM da erwartet, aber beim Schönfußröhrling sind die Poren schon mal nicht goldgelb.

    Ich würde die Poren als primelgelb bezeichnen. - Such mal nach primelgelb - dann siehst Du, was ich meine.

    Auch "Fleisch, blassgelb, im Anschnitt sofort blau anlaufend" ist falsch. Zitat Wikipedia:

    Das weißliche bis hellgelbe, in der Stielbasis oft purpurrötliche Fleisch zeigt bei Bruch oder Anschnitt ebenfalls eine mäßig starke Blauverfärbung.

    Genau so habe ich das immer beobachtet.

    In der Praxis: Zuerst sehe ich dieses spezielle Gelb in den Poren. Dann breche ich ein winziges Stück an den Poren ab. Dann sehe ich eine leichte Blaufärbung.

    Der "schöne" Fuß (Nr 3.) ist nicht immer klar zu sehen. Das Karminrot weicht im Alter einem indifferenten Braun.

    Bei den bestimmungsrelevanten Merkmalen fehlt vor allem der bittere Geschmack.

    Den teste ich manchmal, wenn ich eigentlich schon ganz sicher bin. Der ist beim Schönfuß merklich, aber erträglich.

    Wer mal wirklich bitter schmecken will, sollte mal einen grünblättrigen Schwefelkopf als Referenz versuchen.

    Gruß,

    Marcel

  • Hallo Marcel,

    danke für deine Hinweise. Primelgelb ist in der Tat eine gute Bezeichnung und im Prinzip das, was ich zu beschreiben versucht habe. Die Formulierung "goldgelb" wird so jedenfalls auch von Andreas Gminder in seinem Handbuch für Pilzesammler verwendet - insbesondere, um die Porenfarbe von jungen FK zu beschreiben.

    Bisher habe ich mich bei allen PSV-Prüffragen davor gehütet, auf den Geschmack abzustellen, auch wenn ich ihn in meiner eigenen Bestimmunspraxis natürlich heranziehe. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Geschmack (genau wie der Geruch) etwas höchst Subjektives ist. Ich war schon mit Leuten unterwegs, die Gallenröhrlinge essen, weil sie die Bitterkeit nicht schmecken...
    Weißt du denn, ob der Geschmack von der DGFM als "objektives" Bestimmungsmerkmal gewertet wird?

    Beste Grüße
    Compris

  • Hallo Compris,

    auch wenn ich selbst kein PSV-Prüfer bin, würde ich sagen, dass bei allen Prüfern Geschmack und Geruch als Merkmal gelten (wie in der echten Pilzbestimmung auch).


    Auch von feinen Unterschieden wie zwischen goldgelb und primelgelb wird in so einem Fall nicht das Bestehen der Prüfung abhängen. Da ist die Prüfung vielleicht leichter als gedacht.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo Compris,

    ich würde mich Wolfgangs Meinung anschließen und möchte auch noch folgendes ergänzen:

    Auch Farben werden von verschiedenen Menschen verschieden wahrgenommen.

    Genau so wie es Menschen gibt, die bestimmte Bitterstoffe nicht wahrnehmen, gibt es solche, die bestimmte Farben nicht oder anders wahrnehmen.

    Wenn Andreas Gminder goldgelb schreibt, dann nimmt er die Farbe als goldgelb war.

    Ich kann meinen Farbeindruck noch etwas genauer beschreiben:

    Ein Gelb, das weder Orange noch Grüntöne enthält, ein reines Gelb.

    Ich habe noch ein Merkmal unterschlagen:

    Dickröhrlingshabitus.

    Das heißt, er hat ähnliche Größenverhältnisse Stieldicke/Hutbreite Stiellänge/Hutbreite wie zum Beispiel ein Steinpilz.

    Maronenröhrlinge habe im Gegensatz dazu z.B. üblicherweise einen im Vergleich zum Hut dünneren Stiel.

    Nimm an Du hast den Pilz als Dickröhrling eingeordnet.

    Wenn Du dann die Poren nur als irgendwie gelb kategorisierst, kommt allein auf Grund der Porenfarbe noch allerlei in Frage:

    Bei Steinpilzen ist da aber immer noch irgendwie grün dabei, bei Hexenröhrlingen irgendwie orange oder rot, das ist aber manchmal kaum zu sehen. Ich finde immer mal wieder solche Exemplare.

    Die kannst Du zwar noch anders abtrennen - über das Nicht-Blauen beim Steinpilz oder den anderer Stiel.

    Wenn Du aber den Gelbton erkennen kannst, bleiben Dir nur noch zwei Kandidaten:

    Schönfuß oder wurzelnder Bitterröhrling, ein kurzer Blick auf den Stiel und man weiß welcher von beiden.

    Wenn ich diese Prüfung ablegen wollte, würde ich alle Merkmals angeben, die ich kenne.

    Meine Erfahrung bei der Pilzbestimmung ist, dass jedes Merkmal in die Irre führen kann.

    Vor ein paar Jahren fand ich einen ausgesprochen zierlichen Röhrling. Eine Geschmacksprobe führte mich dazu, dass dieses Dürrbeindl ein Gallenröhrling war. Wenn man den geeignet gegen das Licht hielt, sah man dass die anscheinend braunen Poren einen rosa Stich hatten und dass das, was ich am Stiel für Dreck gehalten hatte, ein rudimentäres Stielnetz war.

    Da war also ein wichtiges, bestimmungsrelevantes Merkmal - Dickröhrlingshabitus - nicht da, zwei weitere waren nur mit sehr viel Mühe zu entdecken. Das bleiben aber trotzdem gültige Merkmale und man sollte immer alle Merkmale prüfen.

    Gruß,

    Marcel