Tote Hainbuche mit 2 Pilzfunden: Cryphonectria carpinicola (?) und Nitschkia spec.(?)

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  • Hallo allerseits,

    letzte Woche - nachdem es etwas feuchter war - habe ich eine Runde im sonnenexponierten Südhangwald auf Kalk (Hochrhein, ca. 300 m Höhenlage) gemacht (halbtoter Buchs, ansonsten Buchen, Eichen, Linden, ein paar Eschen und Hainbuchen etc.).

    Pilze mit Stiel und Hut gab es dort immer noch nicht, doch an einer stehenden toten Hainbuche habe ich zwei pilzliche Entdeckungen gemacht, die ich hier zeigen möchte mit der Bitte um eine Einschätzung.


    Die Rinde löste sich bereits, doch an den berindeten Stellen sah man kleine Schlitze, darin etwas Orangefarbenes. So etwas hatte ich 2015 schon mal an einer abgestorbenen Hainbuche gesehen. Damals war ich - ganz grob -auf Cryphonectria parasitica gekommen, wobei diese Art hauptsächlich an Kastanien (Castanea) vorkommen soll.

    Nun habe ich nochmal gesucht und dabei festgestellt, dass 2021 eine neue Art beschrieben worden ist (nach genetischer Untersuchung, nach Anzucht und Kreuzungsversuchen): Cryphonectria carpinicola (Funde auf Carpinus in Österreich, Italien und der Schweiz bisher, sowie in Georgien)

    Cryphonectria carpinicola sp. nov. Associated with hornbeam decline in Europe
    Since the early 2000s, reports on declining hornbeam trees (Carpinus betulus) are spreading in Europe. Two fungi are involved in the decline phenomeno…
    www.sciencedirect.com

    Ob das wohl ein erster deutscher Fund (grenznah zur Schweiz) dieser Art sein kann?

    Proben habe ich nicht - aber ich weiß, wo der Baum steht.


    Auf entrindeten Flächen sah ich mehrfach Ansammlungen von "schwarzen Kügelchen", die scheinbar nicht zusammenhängen.

    Hier war ich erst komplett ratlos, bin dann aber in FoTE auf die Gattung Nitschkia gestoßen. Makroskopisches Merkmal soll da sein, dass die warzigen Perithezien zwar erst kugelig sind, dann aber bei Trockenheit sich zu kleinen becherartigen Formen verändern. Die einzelnen Perithezien hier sind knapp 0,5 mm groß (eher etwas kleiner).

    Man sieht auf den Bildern teils abgeflachten Strukturen mit einer winzigen Ostiole, dann neigen sich die Ränder zusammen - richtig runde Kugeln sah ich nicht.

    Davon habe ich ein Pröbchen mitgenommen. Ganz trocken neigen sich die Ränder dieser "Becher" völlig zusammen.

    Im Schnitt sieht man dann eine weiße wattige Struktur, darin eingelagert auch noch mal "was Schwarzes". So einen Querschnitt habe ich bei Abbildungen von Nitschkia nicht gesehen ... ob das so aussehen darf?

    Ich las was vom "schwärzlichen Subikulum" ... wo ist das? Ich sehe nichts.

    Von der dichtbesetzten Fläche her tendiere ich am ehesten zu Nitschkia grevillei - ich habe aber gar keinen Überblick, was es da so alles geben könnte.


    Liege ich mit der Einschätzung Nitschkia einigermaßen richtig oder kommt auch noch etwas ganz Anderes infrage?


    FG, abeja


    Nun die Bilder :)


      



       



     

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