Kissinger Heide bei Augsburg: Rosa Adermoosling in Pfeifengraswiese auf Kalk

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  • Liebe Pilzfreunde,


    nach unserer erfolgreichen Wiesenpilztour bei Harburg (Schwaben) waren Tobias Luschner und ich am vergangenen Samstag erneut gemeinsam unterwegs – dieses Mal östlich von Augsburg. Unser erstes Exkursionsziel war die Kissinger Heide mit abwechslungsreichen Magerstandorten auf Kalkschotter. Wir waren schon auf dem Weg zu den nahegelegenen Bahngruben als wir eine lückig-krautig bewachsene Pfeifengraswiese durchquerten.




    Dort erspähte Tobias auf dem Boden kleine Fruchtkörper, die seitlich und kurz gestielt waren. Das Aussehen der Frk. erinnerte mich an eine Mischung aus Violettblättrigem Zwergknäueling (Panellus violaceofulvus) und Spaltblättling (Schizophyllum commune). Der Pilz wuchs jedoch nicht an Holz sondern augenscheinlich auf nacktem Erdboden. Teils war der Boden sogar mit blassrosafarbenem Myzelfilz bedeckt.





    Nach einigem Rätseln konnte Tobias – nicht zuletzt durch Matthias Dondls gut dokumentierte Funde (2009, 2012) – den Pilz als Arrhenia roseola (Quél.) Senn-Irlet 1986 bzw. Rosa Adermoosling identifizieren. Laut Pilze Deutschlands (vermisse dort das jüngere Synonym Rhodocybe tillii Krisai-Greilh. & Noordeloos 1998) würde es sich hierbei um den 4. Nachweis in Bayern und den 5. Nachweis bundesweit handeln – Gratulation an Tobias für diesen nicht alltäglichen und – aus der Nähe betrachtet – farbenfrohen Fund!


    Abschließend noch für alle Interessierte ein paar Buidln meines Kamera-Setup:





    Gruß, Andreas

  • Lieber Andreas,


    ein sehr schöner Fund.

    Mit dem Schlüssel von Voitk et al. 2020 (DOI: 10.12905/0380.sydowia73-2020-0133) kommt man zur möglicherweise unbeschriebenen Art "AC-3".

    In der Arbeit wird Arrhenia roseola s. Senn-Irlet als misapplied behandelt und Pleurotus roseolus Quél. als Synonym von Deconica phillipsii.

    Arrhenia tillii ist offenbar eine Art die mit rottendem Koniferenholz assoziiert ist.


    Beste Grüße

    Kai

  • Lieber Kai,


    vielen Dank für diesen wichtigen Literaturhinweis, der uns ein gutes Stück weiterbringt!


    Habe versucht, die relevanten Abschnitte ins Deutsche zu übersetzen:

    Quélet (Le Breton & Quélet "1879" 1880) beschrieb Pleurotus roseolus als einen kleinen muschelförmigen, rosafarbenen Pilz mit einem relativ ausgeprägten, fast mittigen Stiel und weißem Sporenpulverabdruck, der an Binsen oder Süßgräsern vorkommt. Senn-Irlet (1986) transferierte P. roseolus Quél. zu Arrhenia. Quélets Beschreibung und eine Abbildung, die zu Deconica phillipsii (Berk. & Broome) Noordel. passt, lassen uns zu dem Schluss kommen, dass roseola fälschlicherweise auf eine rosafarbene Art von Arrhenia angewandt wird und dass es sich um ein späteres Synonym von Agaricus phillipsii Berk. & Broome handelt.


    Die beiden Abb. des mit "AC-3" ausgewiesenen Einzelfunds könnten durchaus zu Tobias' Fund passen, auch der von mir beobachtete rosafarbene Myzelfilz an der Stielbasis ist auf dem zweiten Bild erkennbar.


    Es ärgert mich, dass ich keine Beschreibung angefertigt habe, weil ich den Fund nach Tobias Recherche als eindeutig bestimmt abtat. Zwei Frk. liegen zwar noch in meinem Kühlschrank, aber mehr als die Maße lassen sich von dem überalterten Material nicht mehr ableiten. Zur Ermittlung der Sporenpulverfarbe, des Geruchs und Geschmacks sowie der mikroskopischen Merkmale braucht es zwingend eine frische Aufsammlung, dann ließe sich auch ein brauchbarer Beleg für weitere, ggf. molekulare Untersuchungen anfertigen.


    In der Kissinger Heide hat es seit unserer Begehung Ende Oktober mehrmals gefrostet. Vor allem in den letzten Tagen erreichten die Tiefstwerte je nach Wetterstation bis zu -3/-4° Celsius. Vom heutigen Donnerstag auf morgigen Freitag soll es nochmals so weit runtergehen. Insofern weiß ich nicht, ob überhaupt noch Fischmaterial vorhanden ist und falls ja, wie sich die Minustemperaturen auf die Merkmale ausgewirkt haben bzw. auswirken werden.


    Ich kann frühestens morgen dorthin touren. Bevor ich jedoch Zeit und Geld unbedacht verschwende: Hältst Du das unter den zuvor beschriebenen Umständen für sinnvoll oder wäre eine Aufsammlung im kommenden Jahr ratsamer? Andererseits stellst sich die Frage, ob die Art in 2022 überhaupt fruktifiziert. Du merkst schon: Ich bin hin und her gerissen.


    Gruß, Andreas

  • Lieber Andreas,


    ich halte Arrhenia Arten im Allgemeinen schon für einigermaßen frostbeständig. Ich kann aber nicht wirklich einschätzen ob das noch Sinn machst, dort nochmal nachzusuchen.


    Beste Grüße

    Kai