Taxreflistenupdate

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  • In Pilze-Deutschland.de ist seit gestern die neue Taxrefliste 4.35 eingespielt. Die Kartierungsverantwortlichen können also ihre neuesten Daten zur Aktualisierung zu mir senden. Das Update 4.35 für Mykis ist ebenfalls verfügbar.


    LG

    Frank

  • Hallo Andreas,


    in der letztes Jahr erschienenen Pilzflora Sachsens haben wir den Namen Langermannia gigantea verwendet, da er der ältere Name ist und auch die Gattung Langermannia Rostk. 1839 älter ist als Calvatia Fr. 1849. Langermannia gigantea ist von Persoon sanktioniert und der Typus von Langermannia.

    Hast du eine neuere Arbeit, in der Calvatia gigantea als gültiger Name begründet wird?


    LG

    Frank

  • Hallo Frank,


    Larsson & Jeppson (2008) schreiben in ihrer Arbeit:

    Calvatia includes species that show amore or less irregular rupture of the peridium at maturity or, in the case of subgenus Langermannia, a total dehiscence of the peridium. Species are medium- to large, and a subgleba is present or lacking (Kreisel 1992). Langermannia is the older genus name for this group, but through conservation rejected in favour of Calvatia. Some authors prefer to recognize Langermannia on genus level (e.g. Calonge & Martı´n 1990; Lange 1993; Calonge 1998) whereas others prefer one genus (e.g. Kreisel 1992).

    The study by Bates (2004) sampled six Calvatia species. In the analyses they separate into two distinct groups, each well supported and corresponding to Calvatia s. str. and Langermannia. Our analyses basically show the same results, although Langermannia is represented only by one sequence. From these two studies it seems clear that Calvatia and Langermannia should both be treated as genera. Still we suggest Calvatia is retained in a wide sense with Langermannia as a subgenus.


    Die beiden Absätze würde ich wie folgt übersetzen:

    Quote

    Calvatia umfasst Arten, die bei Reife einen mehr oder weniger unregelmäßigen Riss des Peridiums oder im Falle der Untergattung Langermannia eine vollständige Auflösung des Peridiums zeigen. Die Arten sind mittelgroß bis groß, und eine Subgleba ist vorhanden oder nicht vorhanden (Kreisel 1992). Langermannia ist der ältere Gattungsname für diese Gruppe, wurde aber durch Konservierung zu Gunsten von Calvatia verworfen. Einige Autoren ziehen es vor, Langermannia auf Gattungsebene anzuerkennen (z.B. Calonge & Martı'n 1990; Lange 1993; Calonge 1998), während andere eine einzige Gattung bevorzugen (z.B. Kreisel 1992).

    In der Studie von Bates (2004) wurden sechs Calvatia-Arten untersucht. In den Analysen unterscheiden sie zwei verschiedene Gruppen, die jeweils gut unterstützt werden und Calvatia s. str. und Langermannia entsprechen. Unsere Analysen zeigen im Wesentlichen die gleichen Ergebnisse, obwohl Langermannia nur mit einer Sequenz vertreten ist. Anhand dieser beiden Studien scheint es klar, dass Calvatia und Langermannia beide als Gattungen behandelt werden sollten. Dennoch schlagen wir vor, Calvatia in einem weiten Sinne mit Langermannia als eine Untergattung beizubehalten.


    Gruß, Andreas

  • Hallo,


    Langermannia ist zwar älter, aber Calvatia ist konserviert und zudem ist Langermannia ein nom. rej., also ein zurückgewiesener Name, zugunsten von Calvatia. Und logischerweise Calvatia ein nom. cons. gegenüber Langermannia. Das wurde vom Komittee für Nomenklatur entschieden, siehe Shenzen Code Art. 14.6/14.7. Ich weiß aber nicht auswendig, wo diese Entscheidung publiziert wurde - sehr wahrscheinlich in der Zeitschrift Taxon.


    Wer also Calvatia craniiformis (Typusart von Calvatia) und Langermannia gigantea (Typusart von Langermannia) für congenerisch hält, der MUSS den Gattungsnamen Calvatia benutzen.


    Wer Calvatia und Langermannia auf Gattungsebene trennen will, der kann das natürlich weiterhin tun.


    Hier nochmal das entsprechende Zitat von Jeppson, das Andreas schon weiter oben angeführt hat:

    "In der Studie von Bates (2004) wurden sechs Calvatia-Arten untersucht. In den Analysen unterscheiden sie zwei verschiedene Gruppen, die jeweils gut unterstützt werden und Calvatia s. str. und Langermannia entsprechen. Unsere Analysen zeigen im Wesentlichen die gleichen Ergebnisse, obwohl Langermannia nur mit einer Sequenz vertreten ist. Anhand dieser beiden Studien scheint es klar, dass Calvatia und Langermannia beide als Gattungen behandelt werden sollten. Dennoch schlagen wir vor, Calvatia in einem weiten Sinne mit Langermannia als eine Untergattung beizubehalten."

    Warum Jeppson trotzdem, dass die molekularen Daten eher für eine Trennung auf Gattungsebene sprechen, Langermannia auf Untergattungsebene führen wollen, wird von den Autoren leider nicht diskutiert.


    Ich bin kein Bauchpilzspezialist, fühle mich daher nicht kompetent diese Frage zu entscheiden. Aus Sicht von außen scheint es mir aber plausibler, bei zwei Gattungen zu bleiben, womit dann Langermannia gigantea der gültige Name für den Riesenbovist wäre - jedenfalls solange bis eine Studie mit mehr Arten in der Phylogenie doch ein Zusammenlegen der beiden Clades nahelegt.


    beste Grüße,

    Andreas



  • .....womit dann Langermannia gigantea der gültige Name für den Riesenbovist wäre - jedenfalls solange bis eine Studie mit mehr Arten in der Phylogenie doch ein Zusammenlegen der beiden Clades nahelegt.

    Prof. Hardtke hat nach dieser Meinung in der Pilzflora Sachsens entschieden und den Namen Langermannia gigantea beibehalten und deshalb ist er auch noch in der Taxrefliste und in Mykis.


    LG

    Frank

  • Ich bin kein Bauchpilzspezialist, fühle mich daher nicht kompetent diese Frage zu entscheiden. Aus Sicht von außen scheint es mir aber plausibler, bei zwei Gattungen zu bleiben, womit dann Langermannia gigantea der gültige Name für den Riesenbovist wäre - jedenfalls solange bis eine Studie mit mehr Arten in der Phylogenie doch ein Zusammenlegen der beiden Clades nahelegt.

    Hàllo Àndreas,

    das würde auch meiner einfachen Sichtweise entsprechen solange es auch genetisch auf 2 Gattungen hinausläuft.

    Bei vielen Gattungen scheint es gut zu gehen mit den DNA, aber einige sind scheinbar sehr schwierig wie Hebeloma oder Leccinum,

    viele Grüsse

    Matthias