Steinpilz direkter Kontakt Fliegenpilz

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  • Hallo,

    der Kontakt in der Natur, d.h. eine mögliche leichte Berührung überträgt keine Giftstoffe von einem Pilz zum anderen. Du kannst auch einen Fliegenpilz berühren, entnehmen, dir näher anschauen und später mit den gleichen Händen Speisepilze sammeln. Fliegenpilze sind auch sowieso nicht extrem giftig.


    Allerdings sollte man Folgendes beachten: sammelt man Speisepilze einerseits und nimmt andererseits "unbekannte Bestimmlinge" (die möglicherweise giftig sein könnten) oder sogar ganz bewusst Giftpilze mit, z.B. um sich die Merkmale näher anzuschauen, gründlich zu fotografieren oder für eine Pilzausstellung, dann sollte man die Speisepilze von den anderen Pilzen immer getrennt halten - in unterschiedlichen Behältnissen.

    Da geht es aber nicht um die reine Berührung, sondern dass z.B. von sehr giftigen Pilzen unbemerkt Stückchen, z.B. von Lamellen, abbrechen könnten und dann versehentlich zusammen mit den Speisepilzen zubereitet werden könnten.

    Das wäre dann eine echte Gefahr.


    VG

    abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




  • Aaah super, vielen Dank abeja! Dann bin ich da beruhigt. Tatsächlich hat meine Freundin heute auch nicht identifizierbar eingesteckt zum nachforschen daheim, die haben wir aber in einer separaten Tasche gelagert und als wir später die Tasche doch für eindeutig essbare Pilze benötigten, haben wir sie „auf links“ gedreht und die „unbekannten“ liegen lassen 💪🏻 bin da sehr vorsichtig!

  • Natürlich sollte man immer mit "Gift"-Pilzen vorsichtig sein. Ich mache mit Amanita muscaria seit einigen Jahren schon Microdosing, d. h. ich esse den Fliegenpilz mit voller Absicht. Das hat spezielle medizinische Gründe und Wirkungen vor allem von Muscimol sind wissenschaftlich belegt. Biologisch sollte man sich aber was die Toxine angeht, gut auskennen. Wenn also mal ein Fliegenpilz einen Steinpilz berührt, ist das völlig unbedenklich, zumal die mit Abstand meisten Wirkstoffe nicht in der Huthaut zu finden sind, sondern im Fleisch direkt darunter. Ich weiß nicht, warum sich diese Info immer noch hält. Alles in allem bin ich der Meinung, man sollte Giftpilze (und auch Giftpflanzen generell) nicht verteufeln.

  • Hallo,


    es gilt immer noch der Spruch von Paracelsius: "Allein die Dosis macht das Gift ...".


    Amanita muscaria ist ja nicht nur ein bekannter Rauschpilz, sondern wurde und wird immer wieder mal auch als Speisepilz angepriesen. Bruno Hennig (Handbuch für Pilzfreunde) war übrigens ein bekennender Fliegenpilzesser und wollte ihn mit seiner Berliner Gruppe sogar nach 1945 mal in einem Pilzbuch als essbar kennzeichnen. Belegt ist dies in einem Antwortschreiben von Johann Greis (Geschäftsführer der DGfP bis 1947) an Bruno Hennig.


    Beste Grüße

    Stefan

  • Hallihallo, herrliche Geschichte, die kannte ich noch gar nicht! Danke! Mich freut es jedes Mal, was dazuzulernen. Als Zusatz fällt mir hier auch noch Paul Stamets ein, der im Podcast von Joe Rogan eine eindrückliche Geschichte über das "repetetive motion syndrome" erzählt. Zwar hinsichtlich pantherina und nicht muscaria, ich meine aber, er erwähnt, dass dies auch beim Fliegenpilz passieren kann: Das ist, bei hoher Muscimol-Vergiftung und dem gegenwärtigen Forschungsstand nach vor allem hinsichtlich einer Vanadium-Vergiftung, wie eine Bewegungsschleife, aus der man lange nicht heraus kommt. Stamets berichtet von einem Mann, der nicht unerheblich Amanita pantherina konsumiert hat. Schon nach recht kurzer Zeit setzt sich dir auf auf eine Mauer einer erhöhten stelle und lässt sich von dort auf den unter ihm befindlichen Steinboden fallen. Ohne zu versuchen, sich irgendwie abzufangen. Und das immer und immer wieder. Das war mir noch in Erinnerung. Achja, der Podcast:

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  • Hallo Tobias,


    der Pantherpilz ist wohl noch eine ganz andere Kategorie. Gerade im Moment häufen wieder sich die schweren Vergiftungsfälle mit komatösen Krämpfen in Krankenhäusern, wie mir gerade gestern aus Mecklenburg-Vorpommern berichtet wurde. Roh ist auch der Fliegenpilz sicher nicht zu unterschätzen. So harmlos ist die Ibotensäure als Prämuscimol ja auch nicht. Muskelkrämpfe und Delirien sind gefährlich. Pilze sind auch keine Drogen mit gleichbleibenden Inhalten. Auch das Alkaloid Muscimol kann bei Überdosierung zum Kreislaufversagen führen. Giftpilze sind immer wie eine hölzerne Brücke über den Abgrund. Es könnte auch morsche Bretter geben.


    Sorry, auch wenn es Paul Stamets ist, werde ich mir nicht über 2 Stunden lang ein Video ansehen und anhören.


    Beste Grüße

    Stefan

  • Hallo Stefan,


    oben hat doch jemand Paracelsus zitiert. Warst das nicht Du? :) Ich bin ganz auf Deiner Seite. Der Ibotensäure kann man ganz gut Herr werden. Bei Vanadium steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen. Wer aber Muscimol z. B. mit Psilocybin gleich setzt oder gar verwechselt, ist beinahe selber schuld. Eigentlich kann beinahe jeder chemische "Stoff" in Überdosierung gefährlich werden, selbst Wasser! Wenn das in konkreten Fällen passiert, so liegt das häufig daran, dass das entsprechende Wissen fehlt. Das ist bei Pilzen so und bei anderen giftigen Organismen. Kurz ein Beispiel: Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit bin ich die Hälfte meines Lebens im Wald. Meistens im ganzen Schwarzwald und im Schnitt ein bis zwei Wochen am Stück. Ich lebe im Wald und schlafe im Wald. Nicht nur der Fliegenpilz hilft mir hierbei, sondern z. B. auch die Tollkirsche und das seit Jahren. Wen ich abends noch in der Dämmerung unterwegs bin und die Möglichkeite habe esse ich 3 oder 4 Tollkirschen. Durch das Atropin, das darin enthalten ist, kriege ich ultrageweitete Pupillen, kann aber noch klar denken. Dadurch wird es selbst in der Dämmerung ultrahell. Bis heute habe ich aber nicht einen Menschen

    getroffen, der das weiß. Mit Ausnahme von Christian Rätsch. Das alte Wissen ist weitgehend verloren gegangen.


    PS: Meine Blutwerte sind alle hervorragend. Sorry wegen der Länge des Videos, aber vllt. interessieren sich ja auch andere hier dafür.