Pseudoclitocybe expallens / obbata / atra

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  • Hallo zusammen,


    in Funga Nordica (2. Auflage), sind P. obbata (Fr.) Singer und P. atra (Velen.) Harmaja Synonyme von P. expallens (Pers.: Fr.) M.M.Moser. GRÖGER schlüsselt noch obbata aus, LUDWIG äußert sich zum Taxon P. obbata kritisch. Weiß jemand, ob diese Arten sequenziert wurden?


    Oder anders gefragt: Hat jemand schon mal eine "echte" P. obbata gefunden, so wie sie mit GRÖGER geschlüsselt werden kann?


    Grüßle
    Jürgen

  • Hallo Jürgen,


    ob dort schon mal jemand sequenziert hat, weiß ich nicht.
    Ich bilde mir zumindest ein, Ps. expallens von der Trift auf der Flugsanddüne in Gerwisch zu kennen und Ps. obbata (das was ich so bestimmt habe) habe ich auf einer sehr nassen Wiese auf der Wiesenpilztagung bei Bad Kreuznach im vorigen Jahr gesehen. Die Teile waren komplett ungestreift, sehr dickfleischig und die Farbe habe ich so bei Ps. cyathiformis auch noch nicht angetroffen. Den Standort auf der nassen, fast sumpfigen Wiese fand ich bemerkenswert (er stimmt aber nicht mit Grögers Angaben überein).
    Gruß Peter

  • Hallo Jürgen,


    du kannst in der Datenbank des NCBI (National Center for Biotechnology Information) nachschauen, dort sind alle Sequenzierungen die irgendwo publiziert wurden hinterlegt, gegebenenfalls mit Link zum Artikel.


    Für Pseudoclytocybe findet man dort dies:


    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/nuccore?term=Pseudoclitocybe


    13 Sequenzen für P. cyathiformis
    2 Sequenzen für P. expallens


    Also bislang keine Sequenz für einen Pilz, der vorher als P. obbata bestimmt wurde.


    LG


    Kristian

  • Hallo Jürgen,


    ich muss gestehen, dass ich Pseudoclitocybe seit Jahren nur mit der Flora Neerlandica betrachtet und daher nicht die Unterscheidung obbata/expallens getroffen habe.


    Ich habe das Versäumnis aber eben nachgeholt, und finde im Gröger den Kommentar "Frk. erinnert an ein Lyophyllum (E. Ludwig mündlich)" spannend:


    Auf unserer letzten Exkursion vom NaBu Bingen am 10.11.2012 hatten wir einen sehr dunklen Pilz, den wir auch zunächst als Lyophyllum angesprochen hatten. Erst als weitere Exemplare in allen Alterstadien dazu kamen, wurde klar, dass es sich um Pseudoclitocybe handelt. Der Fundort war nur einige Kilometer von Peter Spechts letztjährigem Standort entfernt, aber eine komplett andere Ökologie (kein saurer feuchter Borstgrasrasen, sondern eine trockene und mäßig basische Streuobstbrache) und weniger stark herablaufende Lamellen.


    Diese ganz dunklen und ungerieften Exemplare wurden bei unserer Kollektion im Alter heller, brauner und sehr wohl gerieft. Ich stehe dem Merkmal der Riefung zur Trennung daher skeptisch gegenüber.
    Leider haben wir kein Exsikkat gemacht und nicht mikroskopiert. Die Art ist aber bei uns nicht selten, und ich werde das sicher nachholen.


    Grüße,



    Wolfgang

  • Hallo an alle,


    vielen lieben Dank für die prompte Hilfe!


    @ Peter: Ps. expallens hatte ich diese Saison mal genauer betrachtet, und bin der Meinung, dass diese (gute!) Art auf mageren und artenreichen Wacholderheiden nicht selten ist. Für unsere Region ist die Art deutlich unterkartiert. Ich stelle da mal ein Portrait mit Mikromerkmalen rein. Zu Deinen sehr dunkelfarbigen Ps. obbata möchte ich die Gretchenfrage stellen: Wurde hier mikroskopiert?


    @ Kristian: Herzlichen Dank für den Link. Ich könnte mich jetzt selber in ein gewissses Körperteil treten, weil ich diese Quelle natürlich kenne, da ich mir dort mal Sequenzen zu Entoloma niphoides besorgt hatte (und sogar zum Spaß Bäumchen gebastelt!). Ich muss mal zum Arzt gehen.


    @ Wolfgang: Deine Beobachtung kann ich nur bestätigen, und zwar hinsichtlich der altersbedingten Variationsbreite mancher Gabeltrichterlinge. Ps. expallens fand ich an einem Standort in so ziemlich allen Erscheinungsformen vor: Dunkel schokoladig, ungestreift, stark gestreift, ausgeblasst, mit blaugrauen Lamellen, mit ockerfarbenen Lamellen. Deine "obbata" müsste man mal genauer anschauen. Die Mikromerkale sind ja lt. Gröger evident.


    Grüßle
    Jürgen

  • Hallo Jürgen und Co,


    Ich schick mal ein Bild von expallens von gestern (Wacholderheide, Mainfranken) in verschiedenen Altersstufen.
    Auch bei uns nicht selten in derartigem Habitat- ich hätte gestern hunderte sammeln können.


    Davor ein altes Bild, das evtl. obbata darstellen könnte (Kalksanddüne, Astheim bei Volkach)- um unangenehmen Fragen zuvorzukommen: kein Exsikkat, keine Mikros...


    Sichere obbatas kenne ich auch nicht.


    LG Rudi

  • Hallo zusammen,


    hier mal ein Portrait von Ps. expallens mit Mikromerkmalen. Diese Art ist ein typischer Bewohner von mageren Wiesen oder artenreichen Kalkmagerrasen. Im Gegensatz zu Ps. cyathiformis besitzt diese Art rundere Sporen (kleinerer Q-Wert), verzweigte Hyphen der Huttrama, einen glatteren Stiel, und einen anderen Lamellenansatz (schräg, im Winkel ansetzend); und nicht wie bei typischen Ps. cyathiformis konvex bogig. Aber diese Unerscheidungsmerkmale kann man alle wunderbar bei LUDWIG oder GRÖGER nachlesen.

    Fundort:

    Wacholderheide auf Kolluvisol über Schotter (Riß-Kaltzeit).


    Beschreibung:
    Hut - 35 mm, jung schon trichterig mit eingebogenem Hutrand, Hutrand durchscheinend gestreift, graubraun, dunkelbraun, hygrophan, zu hellocker ausblassend. Lamellen rel. weit stehen, mit Lamelletten untermischt, in Stielnähe teilweis auch gegabelt, jung weißlich, auch mit bläulichem Reflex - creme, älter grauocker, am Stiel im Winkel auslaufend. Stiel 30-40 x 3-4 mm, zylindrisch, glatt bis rillig, basal verdickt mit hellem Mycelfilz. Geruch fruchtig säuerlich. Geschmack mild, adstringierend. Sporenpulver weiß.


    Sporen [95% • 16 • SAP • v • H2O(nat)]: 7,5-9,0-10,6 x 5,4-6,5-7,5 µm; Q = 1,1-1,4-1,7; Vm = 200 µm³; subglobos bis breitellipsoid, glatt, hyalin, mit vielen kleinen Öltröpfchen (schaumig), amyloid. Basidien 4-sporig. Schnallen fehlen. Hyphen der Huttrama (im Radialschnitt) - 13 µm breit, hyalin, ohne lichtbrechenden Inhalt, verzweigt.

  • Hallo zusammen,


    November 2011 hatten wir (AG Südbaden) auch eine schöne Kollektion, die durch Blautöne bei den jungen Fruchtkörpern auffiel. Die Bestimmung mit der FN führt eigentlich problemlos zu Ps. expallens. Standort war ein Trockenrasen in der Rheinaue südl. Freiburg MTB 8111/1. Am Standort fanden wir noch Arrhenia rickenii,Clit. rivulosa, Omphalina pyxidata und Tulost. brumale.


    Der Beschreibung von Jürgen ist kaum etwas hinzuzufügen, aber was Einträge in Datenbanken angeht, so sollte man sehr vorsichtig sein. Diese Sequenzen gehören zu Funden, die der Einsteller so bestimmt hat und das ist - so meine Erfahrung bei Cortinarius - nicht immer absolut zu sehen :-)


    einen schönen Abend noch


    Günter

  • Hallo Rudi
    genau sowas wie auf deinen ersten Bild hatte ich gestern auch..
    Probe vorhanden wenn du sie haben möchtest gerne..
    LG,Eike
    Ps:ich stell nacher mal Bilder rein