Speitäubling: emetica, grisescens, betularum?

  • Moin,


    Ich habe mich jetzt mal an einen Speitäubling gewagt.

    Kann es R. grisescens (ohne grauenden Stiel - bisher) sein?

    Er verfärbt mit Guajak relativ schnell und die Sporen sind auch passend zwischen 7 und 9 mü und nicht darüber.

    Der Stiel graut bisher allerdings gar nicht. Er wuchs im Sphagnum bei Moorbirke und eine einzige lebende Fichte stand auch in seiner Reichweite.


    Viele Grüße,

    Tanja

  • Ich war eben nochmal an der Stelle und habe jetzt fast rein weiße Täublinge dort gefunden, vielleicht 40-50cm neben der anderen Stelle, wenn nicht genau dort. Da ich die rosa Pilze noch hatte, habe ich die Sporen verglichen und da ist kein Unterschied. Die Sporen sind eher 9 mü als 7 mü, im Schnitt aber höchstens 8,5 mü.

    Die Guajakreaktion ist bei den Weißen allerdings deutlich langsamer. Beim Rosanen färbt es nach 8-9 Sekunden um, beim Weißen da noch lange nicht.

  • Hallo Tanja,

    der Fundort ist in Schleswig-Holstein?

    Bisher ist in Norddeutschland R. grisescens nur 1 x gemeldet (in Meckl.-Vorpommern), ansonsten nur in Gebirgslagen. Das muss natürlich nicht viel heißen.


    Bei Pilzflora Ehingen sind R. grisescens abgebildet, die auch (noch) keinen grauen Stiel zeigen. Es heißt ja "im Alter" - ob aber der Pilz noch am Standort "altern" muss oder ob auch ein rel. jung gepflückter Pilz immer nachdunkelt, das weiß ich nicht.


    Ich gebe sehr viel auf die Guajak-Reaktion nach der Liste von CHALANGE, weil dort die Reaktionen so gut aufgeschlüsselt sind. Die Angaben in der sonstigen Literatur finde ich oft schlecht verwertbar.


    Lt. Russularum Icones unterscheidet man bei den Emeticinae (wobei verschied. Autoren da auch - zum Teil - verschiedene Arten einsortieren) solche, die kräftig mit GU reagieren (wie die Art, die bei Buchen wächst R. nobilis (fageticola/ mairei) und solche, die nicht oder wenig reagieren, das sind die Arten im R. emetica agg. (emetica, silvestris, betularum, grisescens).

    Von den Bäumen her (und sauer) käme ja nur R. emetica, betularum und grisescens in Betracht.


    Chalange hat aber für diese drei Arten aber doch deutlich unterschiedliche GU-Reaktionen gelistet.

    R. emetica 0/0 d.h. keine RK. nach 8 Sekunden (nach langem Liegenlassen vielleicht doch) auf Lamellen/Stiel.

    R. betularum 0 bis +/0 bis +, d.h. nach ca. 8 Sekunden fängt vielleicht bei manchen Pilzen eine ganz leichte Verfärbung an.

    Nur R. grisescens hat ++/++, d.h. nach ca. 8 Sekunden hat man eine deutliche Entwicklung gesehen, die vielleicht mit der Zeit noch was stärker wird (unter +++/+++ verstehe ich ein schlagartiges Dunkelwerden im Moment des Auftragens, was ich auch schon so gesehen habe.)


    Rein nach der GU-Reaktion könnte der rote Pilz gut R. grisescens sein und der weißliche Pilz R. betularum (der soll ja so ausbleichen).

    Ob man abseits der Sporengrößen noch feinste Unterschiede im Ornament feststellen kann, weiß ich nicht.

    R. emetica sollte jedenfalls bei der Sporenlänge in den Maximalwerten höher liegen.


    VG

    abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




  • Hallo,


    ich halte das sehr für griseascens, der viel häufiger ist als viele denken. Insbesondere die nicht wirklich kirschrote Huthaut deutet schon auf grisescens hin, und wenn dann die Guajak-Reaktion noch stimmt, dann ist es gesichert. Langsam bis zügig umfärbend, so zwischen 5 und 20 Sekunden etwa, manchmal vielleicht auch 30.

    Bin gerade in Oberhof und hatte heute eine ganze Menge grisescens in der Hand.


    Grau durchzogene Stiele kommen bei vielen Täublingen, wenn sie dauernass stehen. Häufig auch bei ochroleuca zu beobachten z.B.. Und da grisescens eine Art der Moorränder und ähnlicher Standorte ist, ist es auch nicht verwunderlich dass er häufig einen grauen Stiel hat. Aber beileibe nicht alle Fruchtkörper einer Kollektion, oft sind die grauen sogar in der Minderheit.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Moin Abeja und Andreas,


    Also bewerte ich Farbe und Guajakreaktion über Sporengröße und Stielgrauen?

    Es ist verwirrend, je roter der Pilz, desto intensiver die Guajakreaktion. Beim zweiten mal hatte ich zwei Weiße und einen leicht rosa angehauchten Pilz. Die Weißen brauchen etwa 40 Sekunden bis Guajak umschlägt und der leicht rosa angehauchte etwa 25 Sekunden. Die deutlich rosa Pilze vom ersten Tag waren bei 8 Sekunden. (Wenn man Guajak jetzt sehr wichtig nimmt, wären das schon drei Arten oder der ganz hell Rosane ein Hybrid ^^ .)

    Die Sporen sind bei allen Pilzen bei 8-9 mü (ohne Ornament), das Ornament bis zu 1-1,5 mü hoch.

    Alle Pilze haben in einem Umkreis von 1m tief im Shagnum gesteckt, neben Moorbirken und einer Fichte.


    Ist es eine Art (griseascens) oder sind es zwei (griseascens und betularum) und was ist dann der, der mit Hutfarbe und Guajakreaktion genau dazwischen steht?


    Ich hänge Bilder der zweiten Kollektion an.


    (Ebenfalls im Umkreis war Russula claroflava, wo erst jetzt nach drei Tagen Schreibtisch ein Grauen im Stiel sichtbar wird.)


    Viele Grüße,

    Tanja

  • Hallo Tanja,


    für mich wären das weiterhin zwei Arten:

    die rote Art (R. grisescens), weil GU eindeutig positiv, Sporenmaße passen auch, Warzen sind aber etwas höher als in der Literatur (ich habe aber nicht viel) beschrieben.


    die weißliche/ rosa-ausblassende Art, auch die neue Aufsammlung (R. betularum), weil GU nach 8 sec. noch nichts, später ein wenig (das heißt so gut wie negativ).

    Die Sporen sollen lt. Literatur im Durchschnitt etwas größer sein. Da frage ich mich, ob eventuell die Pilze rel. unreif waren (Sporen noch nicht ausgereift), wie viele Sporen du vermessen hast und ob die gemessenen alle richtig "gelegen" haben (las etwas von "Maße nur nehmen, wenn Apiculus sichtbar") und inwiefern die Angaben in der Literatur etwas variieren.


    Schaue ich z.B. in die Russularum Icones in den Schlüssel (Bresinsky), da sind dann schon kleinere Abweichungen zu den Werten, die im Text bei den konkreten Auffindungen gemessen wurden.

    Die größte Abweichung zur Literatur entdecke ich aber bei allen deinen Werten in der Höhe der Warzen. Vielleicht ist es schwierig, die genau zu messen - oder sie sind variabler als man denkt ??


    R. betularum:

    Bresinky-Schlüssel: (irgendwie Druckfehler), ich vermute: 8,2-10,2 x 6,5-9, Warzen bis 0,75 µm

    Russularum Icones im Text: 7-11 x 6,5-9 µm, breit ellipsoid oder ovoid, mit oft sehr niedrigen, ca. 0,2-0,7 (-1) µm Warzen

    Wiki (aus einer engl. Quelle): 8-10 x 7,5-8, Warzen 0,5-0,7 µm


    R. grisescens:

    Bresinsky-Schlüssel: 8-9 x 6,5-7,5 μm, Warzen höchstens 0,8 µm

    Russularum Icones im Text: (5,5)-7-8,5-(9) x (5)-6-7 µm, mit 0,3-0,8 µm hohen Warzen

    anderer Fund: 7-9 (10) x (5,5) 6-7 (7,8) µm, 0,2-0,8 selten bis zu 1 µm hohen Warzen

    Pilzflora Ehingen: 7,5-8,9-10,3 x 6,4-7,4-8,4(8,5) µm, Warzen bis 0,9 µm

    auf einer ital. Seite: 7-9 x 6-7 µm. (nichts zu den Warzen - aber die Aussage: grauend, wenn feucht und im Alter + GU positiv)


    VG

    abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




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