Zerstört ein Hallimasch meine circa 18 m hohe Weide?

  • Liebe Pilzexperten,
    ein großer Pilzverbund sitzt direkt am Stammfuß meiner Weide im Garten. Von den Abbildungen bin ich mir nicht sicher, ob es sich um einen Hallimasch handelt. Die Weide hat mittlerweile lose Rinde und auch viel Totholz in den letzten zwei Jahren gebildet.

    Sollte es sich wirklich um einen Hallimasch handeln, was kann ich noch für die Weide tun, damit sie nicht stirbt?

    Ich bin für jeden Hinweis dankbar.
    Viele Grüße
    Svenja Wannert 01736375323
    Lindwedel

  • Hallo Svenja,

    man sollte immer auch bedenken, dass Hallimasche zunächst einmal Totholzzersetzer sind.
    Wenn ich aktuell durch den Wald gehe oder laufe, sehe ich an jeder Ecke Hallimasche.
    Das heißt aber nicht, dass der halbe Wald abstirbt.
    Früher glaubte man das und hat Holzreste feinsäuberlich aus dem Wald entfernt, um die "Weiterverbreitung" des Hallimaschs zu stoppen.
    Der Wald wirkte wie ausgekehrt. Das Waldsterben hat das aber nicht verhindert, sondern befördert. Bei uns starben hektarweise Bäume mit Nasskern ab.
    Mittlerweile wird bei uns ein großer Teil auch des geschlagenen Holzes im Wald belassen. Wenn ein Wald mit dem Holzernter bearbeitet wird, werden nur die leicht verwert- und transportierbaren Teile entnommen. Wenn irgendetwas beim Aufladen herunterfällt, bleibt das liegen, wenn es den Weg nicht versperrt.
    Deshalb findet man bei uns Hallimaschfruchtkörper zu dieser Zeit in Massen. Das Myzel schafft es aber bei uns nicht, gesunde Bäume zu schädigen.
    Es könnte also durchaus sein, dass dort Holzreste im Boden sind. Weiden werden ja nun unter Umständen auch beschnitten.
    Das ist natürlich auch Futter für den Hallimasch.

    Gruß,
    Marcel

  • Lieber Marcel,
    lieber Wolfgang,

    Für eure beiden Beiträge bin ich euch sehr dankbar, auch wenn es mich natürlich nicht glücklich stimmt.
    Wir haben heute Abend den Pilz in einer 30 l Tüte in den Restmüll entsorgt und auch den Großteil der lockeren Borke von der Weide entfernt und entsorgt.

    Eigentlich hatte ich vermutet, ein größeres, weißes Geflecht unter der Borke zu finden, dem war aber gar nicht so… Eher viele Kellerasseln und ein Tigerschnegel. Im Bereich des Pilzmhyzels war morsches Holz mit weißen Flecken, analog einer Weisfäule zu sehen.
    Wäre es aus eurer Sicht möglich, mit einem Fungizid das nun freiliegende Splintholz zu benetzen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern?

    Wir möchten die Weide (die nie beschnitten worden ist) so gerne erhalten, weil sie so ein gewaltiger Solitärbaum mit einem Stammumfang von 2,70 m in ein Meter Höhe ist…

    Viele Grüße

    Svenja

  • Hallo Svenja,

    ob und wie man Hallimasch mit Fungiziden bekämpfen kann, ist leider nicht mein Wissensgebiet. Das Entsorgen der Fruchtkörper wird das Pilzmycel aber nicht am Weiterwachsen hindern. Vielleicht mal einen Baumpfleger kontaktieren?

    Dass man erstmal versucht, den Baum zu erhalten, ist nachvollziehbar. Wenn er keine Gefahr für irgendeine Verkehrssicherungspflicht darstellt, z.B. weil er an einem Fußweg steht, kann man es ja einfach drauf ankommen lassen.

    Grüße,

    Wolfgang

  • Liebe Svenja,
    ich habe hier einen interessanten Artikel gefunden:

    Hallimasch – Biologie und forstliche Bedeutung
    Hallimasch-Pilze ernähren sich vorwiegend von totem Holz. Manche unter ihnen sind gefürchtete Parasiten, die Fäulen verursachen oder lebende Bäume abtöten…
    www.waldwissen.net

    Zitat: "Als Besonderheit bildet der Hallimasch wurzelähnliche Stränge (Rhizomorphen) und weisse Myzelmatten (Abb. 3), die sich in Funktion und Form unterscheiden."
    Es gibt auch ein Bild dazu.

    Du hast keine Rizomorphen gefunden.
    Wenn Du welche gefunden hättest, hätte der Baum keine lange Lebenserwartung.
    Auch weiße Myzelmatten sehe ich nicht.

    Den honiggelben findet man bei uns im Wald eher selten, aber sehr wohl in Gärten.
    Dort häufig auf vergrabenem Totholz.
    Von Schäden an lebenden Bäumen in den betroffenen Gärten ist mir nichts bekannt.

    Gruß,
    Marcel

  • Lieber Wolfgang,
    lieber Marcel,
    vielen Dank für den Link auf die Hallimasch Informationen - sehr interessanter Beitrag!
    Ich werde auf jeden Fall den Rat von Wolfgang beherzigen und einen Baumpfleger beauftragen, sobald ich von Teneriffa zurück bin, wo ich eher mit Monsterwellen und nicht mit Hallimasch zu kämpfen habe …

    Ganz liebe Grüße aus Porto de la Cruz

    Svenja

  • Hallo Svenja,

    ich bin selbst auch leidtragender eines Hallimasch - (Arm. mellea) - Überfalls in meinem Garten, der bis heute anhält, wobei man ihm zugute halten muss, dass er es überwiegend auf bereits vorgeschädigte Bäume abgesehen hat.

    Nach einer kurzer "Verschnaufpause" hat er sich im letzten Jahr an meinen alten Flieder (vorgeschädigt durch andere Holzzersetzer) und den großen Walnussbaum (vorgeschädigt durch einen Spätfrost vor ein paar Jahren) rangemacht und beide zum Absterben gebracht.

    Der erste Akt seines Treibens ist im Tintling 5 (2013) nachzulesen!

    LG Günter

  • Hallo Svenja,
    mit Weiden kenne ich mich leider nicht aus. Das einzige, was mir dazu einfällt, ist, dass die es gerne feucht mögen.
    Dazu fällt mir ein, dass die letzten Jahre - zumindest bei uns - viel zu trocken waren.
    Bei uns sind viele kleine Gewässer auch dieses Jahr wieder trocken gefallen.
    Die einfachste Baumpflegemaßnahme ist immer das Wässern.
    In meiner Kindheit hatte mein Opa Obstbäume.
    Da ist neben schädlicher Trockenheit immer auch das Auseinanderbrechen des ganzen Baumes oder das Abbrechen großer Äste ein Thema. Bei den Obstbäumen natürlich vornehmlich durch die Last der Früchte bedingt.
    Ein starker Wind kann da aber auch schwere Schäden verursachen.
    Bei den Obstbäumen ist natürlich das Schneiden das A und O, damit der Baum die Last seines eigenen Gewichts auch tragen kann.
    Vorsichtige Menschen desinfizieren das Schneidewerkzeug.
    Bei Obstbäumen arbeitet man aber auch mit Stützen. Wenn das richtig gemacht wird, ist das manchmal die bessere Lösung.
    Wenn man das macht, sollte man aber im Geiste ein Kräftediagramm ziehen.
    Deine Weide steht unmittelbar neben anderen Bäumen. Wenn an diesen Bäumen irgendetwas verändert wird, wird auch deine Weide unter Umständen instabil. Das kenne ich aus dem Wald: Irgendein Narrenkopf entnimmt die falschen Bäume. In den nächsten 10 Jahren fallen die Nachbarbäume nacheinander um. Ein Baum ist stabil in seiner Umgebung mit den Nachbarbäumen, die da waren, als er ein kleiner Baum war.

    Gruß,
    Marcel

  • Hallo alle,

    ich kann zum eigentlichen Problem nichts beitragen. Aber auf der verlinkten Seite bei Waldwissen finde ich den Satz "Ausser dem Honiggelben Hallimasch kann man aber alle Arten blanchiert (Wasser wegschütten!) essen." ziemlich fahrlässig. Ein Pilzkontrolleur aus Südtirol hat mir mal erzählt, dass seine häufigsten Vergiftungsfälle auf 'al dente' gekochte Hallimasch zurückzuführen wären.

    Möglicherweise meinten die 'Waldwissen'-Autoren, dass man die Pilze danach noch anbraten soll? Aber es steht halt nicht da.

    Beste Grüße - Kai

  • Hallo Kai,
    das Problem ist, dass "blanchieren" kein eindeutig definierter Begriff ist.
    Es sagt nur aus, dass das Gargut in gesalzenem, kochendem Wasser gegart wird.
    Es wird da zwar meistens "kurz" geschrieben, man findet aber auch die Angabe, dass die Garzeit vom "Gemüse" abhänge.
    Man findet durchaus aber auch die Meinung, ein Mal kochendes Wasser über das in einem Sieb platzierte Gargut zu schütten, sei Blanchieren. Das wäre beim Hallimasch natürlich ein Problem.
    Dasselbe Problem kann aber auch auftreten, wenn die Pilze - wie von vielen gemacht - scharf angebraten und dann noch weiter gebraten werden. Durch das scharfe Anbraten werden die "al dente". Beim Dünsten werden die hingegen weich.

    Ich bin jetzt 64 Jahre alt und habe im Leben genau ein Mal Hallimasch gegessen. Das war in einem Restaurant in Südtirol.
    Ich habe die nie selbst gesammelt und zubereitet. Es wurde schon immer über Unverträglichkeiten berichtet. Für mich selbst würde ich das durchaus ausprobieren. Wenn ich aber für andere sammele, kann ich das nicht verantworten.

    Ich habe mich darum sehr gewundert, als ich Hallimasch zu Filetspitzen in Südtirol auf der Karte fand. Es wäre jetzt natürlich interessant zu erfahren, welchen Hallimasch die verwendet hatten. Offensichtlich hatten die nie den Fall, dass es bei Gästen Unverträglichkeiten gab.

    Gruß,
    Marcel

  • Liebe Pilzexperten,

    trotz der Sorge um meine Weide musste ich nun doch herzlich Lachen, als ich die neuesten Beiträge gelesen habe 🤭

    Heute waren wir in Richtung Teide auf einer großen Wanderung durch die Lorbeer- und Kiefernwälder oberhalb von Porto de la Cruz (1.200 H.ü.M.) unterwegs. Vor zwei Jahren haben dort die schweren Brände gewütet. Keinen einzigen Pilz hatte ich in der letzten Woche hier entdeckt, aber was soll ich sagen… einen gabs dann auf einmal doch 🙈 ich vermute es ist wieder ein Honiggelber Hallimasch???

    Ganz liebe Grüße von Teneriffa

    Svenja

  • Hallo Matthias,

    und ich dachte schon, der Hallimasch verfolgt mich bis nach Teneriffa 😉

    Das würde vielleicht erklären, warum in dem ganzen verbrannten Gebiet dies der einzige Pilz ist, den ich in der ganzen Zeit gesehen habe, oder was mögen die Schwefelköpfe gern in ihrem Umfeld?
    Liebe Grüße
    Svenja

  • Hallo Svenja,
    Schwefelköpfe bilden keine Rizomorphen.
    Zitat Wikipedia:
    "RhizomorphenSingular: die Rhizomorphe – sind aus Hyphen bestehende, verdickte Stränge von einigen Ständerpilzen, die sich aus isolierenden äußeren und größeren und gestreckteren inneren Hyphen zusammensetzen. "
    "Rhizomorphen dienen vor allem zum Erschließen neuer Substratquellen"
    Hausschwamm bildet auch Rizomorphen. Ich habe schon welche an der Außenwand von Häusern gesehen. Dann hat das Haus keine hohe Lebenserwartung mehr.

    Die Fruchtkörper von Schwefelköpfen sind deutlich ausdauernder. Man sieht sie oft den ganzen Winter durch.
    Im übrigen schmecken Grünblättrige impertinent bitter und sind damit ungenießbar.

    Gruß,
    Marcel

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