Zerstört ein Hallimasch meine circa 18 m hohe Weide?

  • Hallo alle,

    ich kann zum eigentlichen Problem nichts beitragen. Aber auf der verlinkten Seite bei Waldwissen finde ich den Satz "Ausser dem Honiggelben Hallimasch kann man aber alle Arten blanchiert (Wasser wegschütten!) essen." ziemlich fahrlässig. Ein Pilzkontrolleur aus Südtirol hat mir mal erzählt, dass seine häufigsten Vergiftungsfälle auf 'al dente' gekochte Hallimasch zurückzuführen wären.

    Möglicherweise meinten die 'Waldwissen'-Autoren, dass man die Pilze danach noch anbraten soll? Aber es steht halt nicht da.

    Beste Grüße - Kai

    Mittlerweile sollte sich eigentlich in "Fachkreisen" herumgesprochen haben, dass Hallimasche roh giftig sind und eine Garzeit von 20 Minuten verlangen. Zudem finde ich, dass zumindest der Dunkle Hallimasch (ostoyae) ein ziemlich leckerer Speisepilz ist, die anderen Arten habe ich noch nicht selbst probiert.

    Beste Grüße
    Harald

    Landeskoordinator Pilzkartierung Hessen

  • Hallo zusammen,
    Ich halte es für fahrlässig von der DGFM eine feste Garzeit von 20 Minuten anzugeben!
    Die Angabe "Kochwasser wegschütten", die sich schon seit mindestens den 1970er Jahren in den Pilzbüchern findet, deutet eindeutig auf wasserlösliche Giftstoffe hin, die durch viel Wasser ausgeschwemmt werden müssen.
    Wenn ein Koch scharf angebraten hat, kann das Gift nicht mehr ausgeschwemmt werden, auch wenn er nachher Wasser zugibt, denn die Poren sind dann dicht.
    Langes Garen ergibt bei vorher scharf angebratenen Pilzen nur dann einen Sinn, wenn die Gifte hitzelabil sind. Aber auch da gilt:
    Nach scharf anbraten ist das Pilzstück ein geschlossenes System. Wenn die Reaktion, die das Gift zersetzt, eine Gleichgewichtsreaktion ist, bleibt darum immer noch etwas von den giftigen Anfangsprodukten enthalten.
    Die alten Pilzbücher schrieben auch öfter etwas von 20 Minuten "kochen". Ich habe aber auch von lebensbedrohlichen Vergiftungen bei mehreren Teilnehmern einer Mahlzeit gelesen, die Stein und Bein schworen, 30 Minuten gegart zu haben.
    Der Fall, an den ich mich da erinnere, betraf Nebelkappen. Obschon die mittlerweile nicht mehr empfohlen werden, habe ich aber sonst nirgendwo etwas von Aufenthalten auf der Intensivstation nach ihrem Verzehr gelesen.
    Die Anweisung müsste eher lauten: roh giftige Pilze nicht scharf anbraten, sondern dünsten!
    Beim Blanchieren soll übrigens nach dem Erhitzen in Eiswasser abgeschreckt werden. Ich habe noch nie von jemanden gehört, der eiskalte Pilze verzehrt.
    Eine weitere wichtige Anweisung wäre: roh giftige Pilze klein schneiden.
    Auch dies wurde in den alten Bücher "wegen der Verträglichkeit" wärmstens empfohlen.
    Wieder Beispiel Nebelkappe: Die sind recht massig. Wenn die einer als 2-3 große Stücke brät, sind die nach 20 Minuten nicht gar.
    Gegenbeispiel Pfifferlinge: Wer typische Pfifferlinge länger als 5 Minuten gart, hat einen völlig geschmacklosen Magenfüller.
    (Wenn ich ausnahmsweise mal riesige Exemplare habe, schneide ich die auf die normale Größe, damit alles gleichzeitig gar wird.)

    Gruß,
    Marcel

  • Hallo,

    meines Wissens nach geht es beim Hallimasch um hitzelabile Gifte, die natürlich auch teilweise beim Abkochen ausgeschwemmt werden. Jedoch halte ich mich beim Verzehr, der mir, meist im Mischgericht, nie Probleme bereitet hat, an die Hinweise, den Pilz mindestens 30 min stark zu erhitzen. Vor Jahrzehnten habe ich die gefundenen Hallimasch-Arten im Leipziger Auwald auch pur auf diese Weise (Dünsten ohne weggegossenes Kochwasser) und teils in größeren Mengen ohne Probleme verzehrt.

    Bei der Nebelkappe gibt es schon immer viele Unverträglichkeiten. Beim Nebularin handelt es sich jedoch um einen hitzstabilen Giftstoff. Es werden aber auch weitere Giftstoffe vermutet.

    Plädoyer für die Giftigkeit der Nebelkappe

    Beste Grüße

    Stefan

  • Hallo zusammen,
    ich muss hier noch einen Schwank aus meiner Jugend los werden:
    Im Alter von 5-6 Jahren machte ich mit meiner Mutter einen Waldspaziergang.
    Wir trafen auf ein Hallimasch Massenvorkommen und auf ein Massenvorkommen von Hallimaschsammlern.
    Wenn ich mich richtig entsinne, war es ein Windwurf. Die Hallimaschfruchtkörper erschienen nur im betroffenen Bereich.
    Man hat früher bei uns Fichten viel zu dicht als Monokulturen gepflanzt. Der erste stärkere Wind legte die ganze Anpflanzung um.
    Meine Mutter sprach einen der Sammler an, der aussah, als kenne er sich aus.
    Er meinte, das seien Hallimasch und man dürfe die nur essen, wenn "das Häutchen" noch intakt sei.
    Seitdem gibt es für mich die ungelöste Frage, ob nicht die "Unverträglichkeiten" etwas mit dem Alter der Fruchtkörper zu tun haben.
    Ich weiß mittlerweile, dass sich bei manchen Speisepilzen abhängig vom Alter der Fruchtkörper der Geschmack stark ändert. Das heißt für mich, dass sich die chemische Zusammensetzung ändert. Warum soll das nicht auch bei Hallimaschen der Fall sein?
    Hallimasch gilt hier bei vielen als der "einfachste Speisepilz". "Da kann man nichts falsch machen" habe ich schon gehört.
    Und natürlich weiß von den Betreffenden keiner, dass der lange gegart werden soll.

    Gruß,
    Marcel

  • Hallo Marcel,

    es gibt bei Pilzen generell keine Pflichtproduktion von Inhaltsstoffen in genormten Größenordnungen. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Frag mal die Färbefreunde nach ihren Enttäuschungen, wenn die richtig gesammelten Pilze einfach nicht färben wollen. Es kann so auch mal eine stärkere Produktion von Giftstoffen geben als erwartet.

    Beste Grüße

    Stefan

  • Hallo alle,

    wie schon gesagt wurde, enthalten Armillaria Arten hitzelabile Toxine, meines Wissens Hämolysine und evtl. Agglutinine. Die Empfehlung die Pilze zu kochen und das Kochwasser wegzuschütten kommt meiner Einschätzung nach aus der Zeit, als die Giftstoffe bei vielen Pilzen noch nicht bekannt waren und außerdem noch Arten gegessen wurden, die gefährliche, aber z.T. wasserlösliche Gifte enthalten, z.B. Gyromitra esculenta. Angeblich wurden zu Hungerzeiten auch Fliegenpilze mehrfach abgekocht um sie genießbar zu machen...

    Es soll aber einen Anteil von 10-15 % der Menschen geben, die Hallimasche nicht vertragen.

    Ich esse Hallimasche (A. mellea, ostoyae und auch nicht auf die Artebene bestimmte Fruchtkörper) ein paar mal im Jahr und habe sie noch nie abgekocht. Mit 20 bis 30 min. erhitzen ist man denke ich auf der sicheren Seite. Dass Pilze Poren haben sollen, die sich beim scharfen Anbraten verschließen, würde ich eher für einen Küchenmythos halten.

    Ich glaube allerdings auch, dass Armillaria Arten schon sehr früh zu gammeln anfangen, zumindest riechen sie schnell unangenehm.

    Beste Grüße - Kai

  • Hallo Kai,
    den "Küchenmythos" kannst Du gerne selber verifizieren:
    ("Poren" ist - vor allem bei Pilzen - ein nicht ganz treffendes Wort, aber das kennt jeder, der kocht, vom Braten von Fleisch)
    1. Dünsten: Erhitze Butter in einer Pfanne bis zum Schmelzen und erwärme ein wenig weiter.
    Werfe Pilze in die Pfanne. Aus den Pilzen tritt sofort Flüssigkeit aus.
    Die Pilze sind gar, wenn die Flüssigkeit verdampft ist, die Pfanne "trocken fällt". Kann man zum Beispiel auch in "Montag: Cook mal Pilze" nachlesen.
    2. Scharfes Anbraten: Erhitze Bratöl in einer Pfanne auf höchster Stufe und werfe Pilze in die heiße Pfanne.
    Es tritt keine Flüssigkeit aus. Es tritt auch im weiteren Vorgang des Garens keine Flüssigkeit aus den Pilzen aus. Die Pilzstücke bilden eine harte wasserundurchlässige Kruste, die auch die Wärmeleitung ins Innere begrenzt. Das Mundgefühl bezeichnet man italienisch als "al dente".
    Wenn Du selber kochst, müsstest Du das eigentlich wissen.
    Ich mache das gelegentlich, wenn ich Pilze mit Fleisch zusammen gare, aber das bewährt sich nicht. Ich bin aber manchmal zu faul, eine weitere Pfanne aufzusetzen. Man braucht dazu leider auch eine weitere Kochstelle, oder muss garen und danach warm stellen.

    Ich muss sagen, dass ich es sehr ärgerlich finde, wenn jemand ohne eigene Kenntnisse etwas als Mythos abqualifiziert.

    Welches ist denn deine Quelle dafür, dass die Toxine hitzelabil sind?
    Gibt es darüber irgendwelche Untersuchungen, die Du benennen könntest?
    Ich suche seit vielen Jahren nach so etwas!


    Nun noch etwas zu den alten Pilzbüchern. In neuerer Zeit werden Untersuchungen zum "morchella syndrom" angestellt.
    In einem meiner alten Pilzbücher aus den 1970er Jahren beschreibt der Autor eine eigene Vergiftung mit Morcheln!
    Er beschreibt sie als leicht aber lästig und empfiehlt das Überbrühen als Gegenmaßnahme. Das offensichtlich ebenfalls aus eigener Erfahrung. Früher haben die Autoren Empfehlungen "aus eigener Erfahrung" gegeben. Heute wird bei "zweifelhaften" Speisepilzen standardmäßig "n Minuten garen" geschrieben. Einige der früheren zweifelhaften - wie Nebelkappe, kahler Krempling, Frühjahrslorchel - sind mittlerweise als gesundheitlich bedenklich oder gefährlich giftig entlarvt worden. Vor denen haben aber auch früher schon vorsichtige Autoren gewarnt, weil sie schwere Vergiftungen kannten.

    Einziger für mich bisher ungeklärter Fall ist das, was man früher nur Hallimasch nannte.

    Gruß,
    Marcel


  • Hallo Marcel,
    es gibt durchaus aktuelle Untersuchungen über die Inhaltsstoffe von Hallimasch, gefunden habe ich konkret etwas über Armillaria mellea.

    Da geht es ganz überwiegend um die "benefits" (ernährungsphysiologisch und gesundheitlich vorteilhaft bzw. medizinisch nutzbar) ... wie fast immer bei diesen Untersuchungen. (Nicht komplett gelesen, nur überflogen und nach Stichworten gesucht)

    z.B.
    Critical review of the phytochemical profiles and health-promoting effects of the edible mushroom Armillaria mellea
    Kaiyuan Huang a,b and Baojun Xu (Food & Funcion /Royal Society of Chemistry 2023)
    https://www.researchgate.net/figure/Fresh-A-and-dry-mushroom-B-samples-of-Armillaria-mellea-AM-The-fresh-mushrooms_fig1_374323511

    oder:
    Chemical Composition, Bioactive Compounds, and Antioxidant Activity of Two Wild Edible Mushrooms Armillaria mellea and Macrolepiota procera from Two Countries (Morocco and Portugal) MDPI Biomolecules 2021
    Chemical Composition, Bioactive Compounds, and Antioxidant Activity of Two Wild Edible Mushrooms Armillaria mellea and Macrolepiota procera from Two Countries (Morocco and Portugal) - PMC

    In den ganzen Texten kommt das Wort "toxic" oder "poisonous" o.ä. nicht vor.
    Dafür steht auch in diesen Texten meist in der Einleitung: "considered edible if fully cooked".
    (Und "cooked" meint hier nicht ein ganz spezielles "ausgekocht mit viel Wasser und Wasserverwerfen", sondern einfach nur "gegart".)
    "The fruiting bodies (young) of A. mellea is considered to be edible when thoroughly cooked. However, cases of being allergic to the honey mushroom have been reported; hence, major care should be taken when preparing and consuming it [11]

    Nr. 11 leitet hierhin:
    https://www.ibe.edu.pl/images/EBiS/Numery/2018-02/PDF/ebis-2018-2-2.pdf
    Biological, chemical and ecological properties of Armillaria mellea (Vahl) P. Kumm | Agata Sośnicka, Sandra Górska, Jadwiga Turło | EDUKACJA BIOLOGICZNA I ŚRODOWISKOWA 2/2018
    Da steht im Prinzip das Gleiche:
    "The species (young fruiting bodies) is considered to be edible when thoroughly cooked and there are a few ways of culinary processing it. Though the cases of being allergic to the honey mushroom were reported and some people might have difficulties with digesting it, hence major care should be taken when preparing and consuming it (Gumińska and Wojewoda, 1988)."

    D.h. bei den ganzen chemischen Untersuchungen hat man keinen Stoff festgestellt, der dazu führt, dass vom durchgegarten Verzehr generell abgeraten würde.

    Es gibt ja auch diese Umfragen in allen möglichen Pilzforen: "Wer verträgt Hallimasch?" Und da zeigt sich, dass manche Leute ihn nicht vertragen - und das völlig unabhängig vom Durchgaren oder gar Kochwasser verwerfen. Diese Menschen reagieren dann auf Substanzen (vielleicht auch in Verbindung mit hohem Chitingehalt), die für andere Menschen völlig unkritisch sind ... und die sowohl hitzestabil als auch nicht auswaschbar sind (!).

    Wenn über Unverträglichkeiten (Durchgaren und frische Pilze vorausgesetzt) berichtet wird, handelt es sich doch "nur" um eine temporäre Verdauungsbeschleunigung ?? ... also unschön aber nicht wirklich gefährlich. Und das wird eben auf eine individuelle Unverträglichkeit oder Allergie geschoben, wie es sie bei anderen Pilzarten und sehr vielen anderen Lebensmitteln auch gibt.

    Mein Senf zum Probieren:
    Ich bzw. wir haben schon mehrfach 3 Arten von Armillaria gegessen (mellea, ostoyae, gallica) - junge, aber durchaus auch schon komplett aufgeschirmte, gut riechende Exemplare. Einmaliger Erstversuch mit Kleinstmenge abgekocht mit Kochwasserverwerfen (EDIT: danach weiter angebraten/ geschmort etc.)(lasch, schmeckt nicht mehr), danach nur noch "normal" zubereitet, mit ausreichender Garzeit (kein extremes Anbraten - und EDIT: ja durchaus 20 Minuten insgesamt, meist aber sowieso in Zubereitungen die etwas länger vor sich hinschmurgeln, auch in Suppen eingerührt usw.). Wir haben nie irgendein Problem gehabt.

    VG
    abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 


    Edited once, last by abeja (November 19, 2025 at 10:46 PM).

  • Hallo zusammen,
    vielen Dank Abeja für den interessanten Beitrag. Die Quellen schaue ich mir noch näher an.
    Zunächst einmal etwas zum allgemeinen.
    Mich nervt schon immer die Angabe "kochen" oder englisch "cook" oder deutsch "garen"
    Jeder der selbst kocht, weiß dass das geschmackliche und haptische (Mundgefühl) Ergebnis nicht von der Dauer des Garens alleine abhängt.
    Das heißt aber auch, dass die Inhaltsstoffe der fertigen Mahlzeit auf Grund von physikalischen und chemischen Vorgängen während des Garens abhängig von der Garmethode unterschiedlich sind.
    Pilzbücher werden leider vorzugsweise von Männern geschrieben, die selbst nicht kochen können.
    Eine Ausnahme war Antonio Carluccio. Er war Koch und hat sich für seine Pilzbücher Mykologen zur Unterstützung geholt.
    Ich zitiere mal aus "Complete Mushroom Book" (aus dem Englischen übersetzt):
    "A. mellea ist einer meiner bevorzugten Pilze zu Spaghetti."
    ...
    "Er ist köstlich sautiert in Butter und Knoblauch."
    ...
    "Essen sie ihn nicht roh - er ist leicht giftig - aber zubereitet ist er absolut sicher. Blanchieren sie ihn für mindestens 5 Minuten bei hoher Temperatur und werfen sie das Kochwasser weg."
    Hier spricht ein Praktiker, der für sich selbst und für andere kocht und das viele Male ausprobiert hat.
    Er betrieb eine Restaurantkette und ich habe in London ein Mal in einem Restaurant seiner Kette gegessen.

    Jetzt noch etwas zum Thema Nebularin. Das ist ein Feststoff, der bei 181 Grad schmilzt. Es ist also nachzuvollziehen, dass er hitzestabil ist. Nebularin ist aber mit 100g/l recht gut wasserlöslich. Blanchieren wird da also mit Sicherheit die Konzentration reduzieren. Um wieviel hängt dann aber wiederum davon ab, wie klein die geschnitten sind und wie lange blanchiert wird. Nach 20 Minuten abkochen, Wasser abgießen und Wasser verwerfen, wird in der Mahlzeit kaum noch Nebularin enthalten sein.
    Wenn jemand hingegen scharf angebraten hat und danach 20 Minuten lang weiter bei geringerer Temperatur gebraten hat, ist da möglicherweise noch recht viel Nebularin enthalten.
    Man findet übrigens für Nebularin keine Angaben, wie es um die Löslichkeit in Fett bestellt ist.

    Gruß,
    Marcel

  • Hallo Marcel,

    kontroverse Diskussionen sind hier sicher willkommen, solange sie in einem respektvollen Ton und sachlich geführt werden. Ich erwarte, dass du deine Emotionen in Zukunft unter Kontrolle hast und persönliche Unterstellungen unterlässt.

    Dass dieses 'Porenverschließen' ein Küchenmythos ist, ist weithin bekannt. Fleisch besteht aus Muskelfasern, Pilze aus einem Hyphengeflecht, Poren gibt es da faktisch keine. 'Al dente' bedeutet in aller Regel 'außen weich, innen noch fest', zumeist wird es bei Pasta verwendet, manchmal bei Reis, und seltener bei Gemüsen. Bei Pilzen vmtl. kaum, aber bisher hatten es alle so verstanden, wie es gemeint war.

    Bei den Inhaltsstoffen beziehe ich mich auf den DGfM-Toxikologen Siegmar Berndt. Ich vermute, dass es irgendwo in den 'gelben Seiten' der Zeitschrift für Mykologie steht.

    Die DGfM hat zu Speisepilzen/Giftpilzen über 100 Jahre Erfahrung, bezieht aber selbsverständlich auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse mit ein. Pilzsachverständige der DGfM beraten ganz überwiegend private Speisepilzsammler mit potentiell sehr unterschiedlichen Kochgewohnheiten. Das heißt, PSV können i.d.R. nur allgemeingültige Empfehlungen geben, die in jedem Fall sicher sind.

    Die Nebelkappe hat mit dem Hallimasch wenig zu tun. Sie wird von der DGfM nicht als Speisepilz empfohlen und ist in der DGfM Liste der Giftpilze, als auch in der Liste der Pilze mit uneinheitlich beurteiltem Speisewert enthalten. Uneinheitlich vmtl. v.a. deswegen, weil sie de fakto noch von einigen Menschen gegessen wird. Nebularin soll auch eine mutagene Wirkung haben, von daher sollte nach Siegmar Berndt der Verzehr insbesondere Menschen, die das zeugungsfähige Alter noch nicht überschritten haben, abgeraten werden. Die Nebelkappe enhält sehr wahrscheinlich zusätzlich auch hitzelabile Toxine, d.h. roh gilt sie als akut giftig. Siehe auch http://www.dgfm-ev.de/node/1302
    Soweit ich weiß, sind außerdem relativ häufig individuelle Unverträglichkeiten berichtet, die wohl auf unbekannte Inhaltsstoffe zurückzuführen sind.

    Grüße - Kai

  • Hallo zusammen,

    die Beiträge der sogenannten Giftpilz-Rubrik sind alle bei Zobodat in den DGfM-Mitteilungen ab 2009 zu finden.

    Zobodat - Literatur Serien

    Ich werde diese Rubrik in den nächsten Monaten in einem PDF zusammenfassen, das dann auch durchsuchbar sein wird. Dieses wird dann aktualisierbar auf unserer Homepage zu Verfügung stehen.

    Man sollte sich aber schon Gedanken darüber machen, ob es denn notwendig ist Pilze mit uneinheitlich beurteiltem Speisewert mit allen Mitteln verzehrbar zu machen. Hier gilt das Prinzip der Eigenverantwortlichkeit, gerade bei Zubereitungsmethoden. Diese Verantwortung sollte man nicht den PSV aufbürden.

    Beste Grüße

    Stefan

  • Hallo Kai,
    ich habe von persönlichen Erfahrungen berichtet, die ich durch Literaturquellen belegt habe.
    Karin Montag (Cook mal Pilze ) und das Buch des Kochs und Pilzkenners Carluccio.
    Ich empfinde es nicht als sachliches Diskutieren, wenn jemand darauf nicht eingeht, sondern ohne Belege einfach seine Meinung wiederholt.
    Auf meinen Hinweis auf die Autoren älterer Bücher unterstellst Du ihnen ohne Belege Unkenntnis der Giftstoffe.
    Ich empfinde das als respektlos gegenüber den Alten. Im Römpp von 1996 findet man im übrigen schon sehr viele Inhaltsstoffe von Pilzen. Die Inhaltsstoffe sind altbekannt: Nebularin ist zum Beispiel nach der Nebelkappe benannt. Variegatsäure nach Suillus variegatus.
    Ein sachliches Diskutieren ist entweder Quellen zu benennen oder sie zu suchen.
    Ich kann darum nicht behaupten, dass ich Deine Diskussionskultur als respektvoll empfinden würde.
    Zum Thema Pore Wikipedia:
    "Poren lassen sich zum Beispiel in biologischen Geweben wie Blättern oder Haut finden, wo sie die Durchlässigkeit für Luft, Wasser und gelöste Stoffe in einer Membran ermöglichen. " Ich beziehe mich auf diese Definition von "Pore". Eine Membran die verschlossen wird, wenn scharf angebraten wird. Dass es auch in Pilzen so etwas gibt, kann jeder durch eigene Versuche verifizieren.
    Auch das gehört für mich zum wissenschaftlichen Vorgehen:
    Eigene Experimente machen.

    Gruß,
    Marcel

  • Hallo Stefan,
    ich habe es mein Leben lang so gehalten, dass ich niemanden Pilze vorgesetzt habe oder selbst konsumiert habe, von denen Vergiftungsberichte vorliegen.
    Ich gebe das auch so weiter. Manche Leute prüfen das aber an anderer Stelle nach. So wurde ein in der Gegend von Mainz ansässiger Pilzsachverständiger von einem Sportkameraden nach der Nebelkappe befragt. Ich hatte gesagt: "Hat man früher gegessen, heute wird empfohlen, die nicht mehr zu essen." Der Pilzsachverständige bestätigte mich und erwähnte, dass die früher auf dem Markt in Mainz gehandelt wurden.
    Man muss also immer damit rechnen, dass die Menschen eine zweite Quelle befragen.
    Ich kenne eine Person, die Fliegenpilze nach der ihm bekannten Vorbehandlung verzehrt hat. In meiner Jugend gab es aber leider auch Kinder, die Fliegenpilze roh verzehrt haben und danach im Krankenhaus behandelt wurden. Sie hatten den Lehrern und den Eltern nicht geglaubt, dass die giftig sind.
    Fliegenpilze gelten bei vielen leider auch heute noch als die wichtigsten gefährlichen Giftpilze. Von Knollenblätterpilzen haben die noch nie etwas gehört.
    Man sollte aus meiner Sicht bei den Zweifelhaften den Sachstand objektiv wiedergeben, mit dem Hinweis: Wenn Ihr die trotzdem essen wollt, geht ihr ein Risiko. Es kann sein, dass es individuelle Faktoren für die Giftwirkung beim Menschen gibt und wenn euch das trifft, habt ihr Pech gehabt.

    Gruß
    Marcel

  • Hallo zusammen,
    ich habe mir die von Abeja verlinkten Beiträge angesehen und möchte auf folgende Inhaltsstoffe hinweisen:
    1. Galaktit Galaktitol (weitere Synonyme Dulcit, Dulcitol)
    Stoff ist hitzestabil, aber in heißem Wasser löslich. Stoff wird als "schädlich" bezeichnet. Er tritt bei Menschen mit einer seltenen Stoffwechselerkrankung verstärkt auf und verursacht bei ihnen schwere gesundheitliche Schäden. Die einzige Hilfe ist dagegen ist, die Lebensmittel zu vermeiden, die da verstoffwechselt werden. Dazu gehört auch Muttermilch.
    Es wird von manchen behauptet, bei gesunden Menschen sei der Stoff unschädlich. Andere halten ihn für sehr ungesund und empfehlen darum Milch nicht in großen Mengen zu konsumieren, weil er in Milch in erheblichem Umfang enthalten sei.

    2.Albumine
    Das sind wasserlösliche Proteine, von denen jeder Organismus eigene Versionen hat. Es besteht der Verdacht, dass die Weizenvariante für Weizenallergien verantwortlich ist. Bei Proteinen gehe ich davon aus, dass die nicht hitzestabil sind, aber belastbare Daten finde ich dazu nicht. Es könnte durchaus sein, dass die Hallimaschvariante für allergische Reaktionen verantwortlich ist.

    Ich habe folgende sehr interessante Seite gefunden:
    Armillaria Mellea: Der Honigpilz: Mythologie, Wissenschaft und Gastronomie
    Naturnext verkauft wohl Zuchtboxen u.a. für Hallimasch und gibt eine detaillierte Beschreibung möglicher Vergiftungserscheinung und Kochanweisungen:

    "Um die kulinarischen Qualitäten des Hallimaschs ohne Risiko zu genießen, ist es entscheidend, diese Anweisungen sorgfältig zu befolgen:

    Langes Kochen: die Pilze mindestens 15-20 Minuten in reichlich Salzwasser kochen. Einfaches Blanchieren reicht nicht aus.
    Kochwasser wegschütten: die hitzeempfindlichen Toxine gehen ins Wasser über, das daher entsorgt und nicht wiederverwendet werden sollte."

    Dabei hat man wohl mit dem "Istituto Superiore di Sanità" zusammengerarbeitet. Diese Institution betreibt einen Giftnotruf, dessen Daten ausgewertet wurden. Deren Homepage ist:

    Home - ISS
    Istituto Superiore di Sanità
    www.iss.it

    Gruß,
    Marcel

    Nachtrag: NaturNext erwähnt Armillariolide.
    Hierzu finde ich:
    "Studies on the chemical constituents of Armillaria mellea mycelium. V. Isolation and characterization of armillarilin and armillarinin"
    Zitat:"Two new protoilludane sesquiterpenoid aromatic esters, armillarilin C24H30O7, mp 179-180 degrees C,[alpha] D14+ 162 (c 0.97 CHC1 (3] and armillarinin C24H29O7 C1, mp 152-155 degrees C,[alpha] D17+ 153.6,(c 0.09, CHC1 (3], have been isolated from the artifically cultured mycelium of Armillaria mellea (Vahl. ex Fr.) Quel (Tricholometaceae)."
    MP = Melting Point = Schmelzpunkt. Wenn die Stoffe sich bei den angegebenen Temperaturen zerstörungsfrei schmelzen lassen, sind sie hitzestabil.
    Auf Grund der Struktur ist zu vermuten, dass sie wasserlöslich sind. (polare Gruppen) Es gibt Algorithmen, um die Wasserlöslichkeit aus der Struktur zu schätzen, die ich jedoch im Detail nicht kenne.
    Die Stoffe sind Kandidaten dafür, als Krebsmedikamente eingesetzt zu werden, insbesondere gegen Leukämie.

  • Liebe Pilzexperten,
    ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen, aber an der Weide sieht man nun den ganzen Schaden, offensichtlich auch, weil ich vor 20 Jahren eine falsche Entscheidung getroffen habe und dem Hallimasch freie Bahn geboten habe 😢

    Gestern war ein Baumgutachter da und ich habe mal für alle interessierten den Bericht angehängt.
    Ganz lieben Dank noch mal für die Unterstützung und die Empfehlungen Ende letzten Jahres.

    Für mich ist es tatsächlich unfassbar, wie schnell der Hallimasch in den letzten Monaten die Oberhand gewonnen hat.

    Ganz liebe Grüße
    Svenja

  • Hallo Svenja,

    danke für die Meldung!
    Mir ist vor allem aufgefallen, dass der Sachverständige auch Hochthronende Schüpplinge gefunden hat.
    Noch etwas allgemeines:
    Bäume sterben normalerweise langsam. Der Vorgang kann viele Jahre dauern. Ich musste nur einmal beobachten, dass eine stattliche Ulme im neuen Jahr keinerlei grüne Triebe mehr ausbildete.
    Einige der Bäume die vom "Waldsterben" betroffen waren, zeigen aber heute noch Lebenszeichen.
    Die Meisten hat man leider bei den ersten Krankheitszeichen gefällt.

    Ich würde darum dem Alternativvorschlag radikaler Rückschnitt folgen und den Baum natürlich sterben lassen.

    Gruß,
    Marcel

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