25er Spätlese 2: u.a. Craterellus cinereus u. sinuosus, Mycena inclinata, Otidea cf. alutacea Agg.

  • (Fortsetzung von 25er Spätlese 1)

    Hallo allerseits,

    04 - Mönchsköpfe (Infundibulicybe geotropa) gab es häufiger in diesem Herbst, leider sah ich keine ganz kleinen Exemplare. Oft lagen schon 1-2 Fruchtkörper in noch verzehrtauglichem Zustand "umgelegt" herum. Es laufen also Pilzinteressierte durch den Wald, aber anscheinend ist diese Art dem typischen Speisepilzsammler "nicht geheuer". Ein mittelgroßes Exemplar habe ich zu Esszwecken gepflückt, aber dann doch nur den Hut mitgenommen, der Stiel wäre schon deutlich zu zäh gewesen.
    Genutzt habe ich die Funde, um mir noch einmal den Geruch einzuprägen und ein "Ultra-Nahbild" der Hutoberfläche zu machen. Dachte "nun kenne ich diese Struktur gut" .... und dann werde ich - zwei Wochen später - von einem Mönchskopf mit getropfter Hutoberfläche (mit Buckel und Drum-und-dran) überrascht. Dazu habe ich recht wenige Vergleichsbilder und keinen Hinweis in Beschreibungen gefunden - es ist vielleicht untypisch, aber durchaus möglich!


    05 - Es war allgemein schwierig, mal ein schönes Bild von schönen Fruchtkörpern in einem schönen Umfeld zu machen ...
    Das Bild von diesen Pinsel-Schüpplingen, Pholiota jahnii (meist mehrere Funde jedes Jahr) ist ausschließlich aus diesem Grund entstanden. (Fundort Waldfriedhof auf vermutl. verborgenem Holz im Boden).


    06 - Diese jungen Buchen-Schleimrüblinge, Mucidula mucida/ Oudemansiella mucida sind noch "graue Entlein", die sich zu "weißen Schwänen" entwickeln wollen. Die "Model-Maße" und die oft fotografierte Transparenz sind noch nicht erreicht - ja, sie verstecken sich nahezu verschämt hinter der Holzkante. In diesem Zustand werden sie ja nicht so häufig gezeigt. Alle meine andere Funde der Art waren in diesem Jahr zu alt und/ oder ganz ungünstig in Bodennähe an liegenden Stämmen wachsend.


    07 - Dieses Grüppchen von Grauen Leistlingen, Craterellus cinereus (mitten auf altem "Rückeweg" im Buchenwald auf Kalk, ca. 450 m Dinkelberg) ist auch erst ein Zweitfund nach 2013 für mich.
    Obwohl sie selten sind - hier aber häufiger vorkommen "müssten" - habe ich ein paar FK davon mitgenommen und gegessen. Für mich ist das - nun bestätigt - eine der aromatischsten Pilzarten überhaupt. Totentrompeten, Craterellus cornucopioides (hatte ich auch) können da "einpacken". Das Aroma der Grauen Leistlinge ist im direkten Vergleich viel "breiter aufgefächert".


    08 - 09 - 10 - In einem winzigen Bereich mit Fichten (Dinkelberg, ca. 450 m) fand ich tief im Moos versteckt auf ca. 4 Quadratmeter Trompeten-Pfifferlinge (Cantharellus tubaeiformis) - anderswo ein Massenpilz, hier aber nicht. Jetzt konnte ich gut die unterschiedlichen Färbungen sehen, die Hüte waren zum Teil sehr schuppig (... und die Pilze sehr lecker). Direkt nebenan (innerhalb dieser 4 qm) wuchsen ganz wenige Echte Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) und zu meiner großen Überraschung eine winzige Menge an Krausen Kraterellen (Craterellus sinuosus). Diese Art habe ich auch schon ein paar Jahre nicht mehr gefunden - damals im reinen Laubwald, wobei diese Stellen inzwischen sehr zugewuchert sind.

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 


  • 11 - Mehrere kleine Gruppen dieser Helmlinge in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befanden sich auf der Schnittkante eines Teilstücks eines Eichenstammes. Hier war ich erst unsicher, ob das Ende Oktober eventuell schon - bei trockenem Wetter sehr abgetrocknete - Winter-Helmlinge (Mycena tintinnabulum) sein könnten (noch nie gesehen) oder doch eher Buntstielige Helmlinge, Mycena inclinata (ca. zweimal gesehen bis jetzt).
    Ich habe mich dann wegen des doch deutlich "bunten" Stieles (mit Gelb- und Rotanteilen, obwohl das je nach Entwicklungsalter stark schwankt und teilweise auch für ältere M. i. beschrieben wird), der trockenen (nicht glänzenden, nicht glitschigen) Hüte + eventuell Hutform/-rand und dem Standort auf Eiche für Mycena inclinata entschieden. Kommt das so hin?
    Geruchsangaben für die beiden Arten finde ich widersprüchlich - je nachdem, wo ich schaue.
    Ich orientiere mich dann gerne bei Mycena.no.
    Zu Mycena inclinata bei Mycena.no :
    "Odour often strongly farinaceous when cut, but also experienced as rancid, of cucumber or French beans. Taste similar, but also said to be acrid and disagreeable. ... Mycena inclinata is a highly variable species but is seldom hard to identify in the field. The fasciculate habit and occurrence on Quercus stumps are good indicators. So are also the crenulate margin of the pileus, the two-coloured stipe, the woolly base of the stipe, and the strong farinaceous or rancid smell."
    ... das ist ja sehr variabel!
    Ob wollige Basis vorhanden oder nicht, das habe ich leider nicht gesehen. Die Pilzbasen waren tief im Holz und brachen beim Entnehmen ab. Der Geruch war frisch eher schwach (nicht eindeutig mehlig oder ranzig), am Folgetag nahm ich diesen Geruch nach grünen Bohnen wahr (Geschmack ähnlich). Die Stielfarbe variierte von fast ganz hell bei jg. FK über die "bunte Mehrfarbigkeit" bis fast ganz braun bei älteren FK.

    Bei mycena.no zu Mycena tintinnabulum
    "Odour indistinctive or experienced as spermatic, sourish, somewhat raphanoid-aromatic or as camembert cheese. Taste astringent-bitter. (Aronsen & Læssøe 2016) ... it can be identified by the more or less fasciculate growth, generally on Fagus stumps, and often in great numbers, late in the autumn and also during mild winters. The thick gelatinous pellicle, which gives it a viscid, lubricous or shiny appearance is a typical feature."


    12 - Diesen einzelnen Öhrling (persönlicher Erstfund - und ich habe ihn stehengelassen) fand ich noch Mitte November einsam und allein neben einem schmalen Pfad im normalerweise sehr trockenen Südhangwald vor der Haustür, direkt neben Buchen.
    Kann man hier von der Farbgebung eindeutig auf Otidea alutacea, den Ledergelben Öhrling schließen - oder geht man auch hier von einer Gruppe von ähnlichen, nur mikroskopisch sicher zu bestimmenden Arten aus?


    Viele Grüße
    abeja


    (Fortsetzung folgt demnächst in einem weiteren Thema.)

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 


  • Hallo Abeja,

    sagen wir mal so: es ist mit recht hoher Wahrscheinlichkeit O. alutacea, und das soll anscheinend wiederum ein noch nicht auseinandergedröseltes Aggregat sein. Gut ist schon mal, dass Du ihn unter Buchen gefunden hast (und nicht z.B. Pappeln oder Fichten), Farbe (für junge Frk.) und Form passen auch.

    Ich hatte den Ledergelben Öhrling dieses Jahr 2x, einmal mit wenigen angetrockneten Exemplaren (1. Bild) im Juni und am gleichen Fundort – unter Linde/Buche auf Kalk – eine zahlreiche Herbstfruktifikation im September. Unterm Mikro gab es zumindest keine Abweichungen zu dieser Art, die Sporen passten in Größe und Quotient. Da kann es aber auch Überschneidungen geben, die Frk.-form kann ebenfalls variieren. Übrigens verändert sich die Farbe der Apothezien mit dem Älterwerden erheblich – sie werden immer dunkler bis zu dunkelbraun. Damit konnte ich meine Pilzvereinskollegen foppen: ich hatte ledergelbe, mittelbraune und dunkelbraune Exemplare dabei und ließ die Experten mal raten – keiner hatte gedacht, dass es sich bei allen um die gleiche Art handelte. Leider habe ich diese Zusammenstellung nicht fotografiert. Aber von dem Grüppchen auf dem 2. Bild habe ich ein Foto, als sie noch jung und hell waren.

    Herzliche Grüße – Rika

  • Hallo Rika,

    prima Vergleichsbilder, danke dir!
    Dass die Öhrlinge sich farblich so stark verändern beim Altern, war mir auch noch nicht bewusst - ein wenig, damit rechnet man schon. ;)

    VG
    abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 


  • abeja December 18, 2025 at 9:31 PM

    Changed the title of the thread from “25er Spätlese 2” to “25er Spätlese 2: u.a. Craterellus cinereus u. sinuosus, Mycena inclinata, Otidea cf. alutacea Agg.”.

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