25er Spätlese 5: Cuphophyllus virgineus + colemannianus ODER fuscescens, Entoloma cf. poliopus s.l (?), Hygrocybe cf. mucronella, Gliophorus psittacinus s.l. (dkl. FK)

  • (Fortsetzung von 25er Spätlese 4)

    Hallo allerseits,

    eine winzige Menge an "Wiesenpilzen" hatte ich auch in diesem November, darunter sogar zwei pers. Erstfunde.

    Fundort: magerer Halbtrockenrasen auf Kalk (am Wasserkraftwerk am Rhein, zum Teil auf einem winzigen Wiesenstück, zwischen einer Straßenböschung und nicht mehr genutztem Bahngleis).

    22 - Jaaaa, nichts Besonderes, aber schöööön: Jungfern-Ellerlinge, Cuphophyllus virgineus - an mehreren Stellen + Spielerei mit Sonne von hinten.



    23 - Deutlich größer und stabiler gebaut, bräunlicher gefärbt und mit deutlichen Anastomosen: Dattelbraune Ellerlinge, Cuphophyllus colemannianus.
    Diese Art hatte ich schon mal auf dem Gelände, aber mindestens 100 m entfernt.



    24 - Nach Saftlingen habe ich gesucht und erst einmal keine gefunden, außer einem uralten Schwärzenden Saftling (nicht fotografiert) und wiederum Jungfern-Ellerlinge (nicht fotografiert) ... und beinahe getreten bin ich dann auf diese sehr! zarten und zerbrechlichen Rötlinge ("Zärtlinge"), für mich ein Erstfund.
    Leider waren nur 2 Fruchtkörper vorhanden, ein älterer und ein jüngerer Pilz. Ich habe im Abstand von jeweils ein paar Tagen noch mal nachgeschaut, aber es war kein Neuwachstum zu sehen.
    Mit dem dunkel-bräunlichen Hut, am Rand leicht durchscheinend gestreift, in der Mitte minimal schuppig und dem "kühl-grauen" Stiel (ohne starken Blauanteil) mit weißlicher Basis und den hellen Lamellen (hier ohne gefärbte Schneiden) komme ich per "Blättern in FoTE" :saint: auf Entoloma poliopus s.l. (mutmaßlicher Artenkomplex) als nächste Annäherung, obwohl ich den Stiel eigentlich nicht als "poliert" bezeichnen würde (Der Stiel sieht aber im Bildvergleich durchaus passend aus.)
    Falls diese Pilze von Interesse sein sollten, diese beiden Wichtel habe ich getrocknet.

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 


  • 25 - Dann habe ich doch noch Saftlinge auf der Wiese gefunden, absolute Winzlinge (daumennagelgroße Hüte), auffällig durch die große Gruppe schon älterer Pilze, die sehr hell erschienen. Sie sind aber "nur" ausgeblichen - aber wie! (In der Mitte ein Jungfern-Ellerling dazwischen).
    Nach jüngeren Exemplaren Ausschau gehalten ....
    Auffällig waren bei diesem älteren Pilz die herablaufenden Lamellen. Beim jüngeren Pilz war das nicht so ausgeprägt, man kann sich aber vorstellen, dass es beim "Huthochbiegen" auch etwas mehr zu sehen sein könnte.
    Jüngste Exemplare waren schön rot, mit gelblichem, leicht "gezackten" Rand, sowie einem glänzenden, leicht feuchten Stiel.
    Mal dran geleckt und ein Stückchen probiert: bitter - aber deutlich!
    Damit habe ich keine Skrupel, die Pilzchen Bittere Saftlinge zu nennen, Hygrocybe cf. mucronella.
    (EDIT: s.u. "cf." ergänzt, weil Hygrocybe amara 2024 neu beschrieben wurde, diese Art wäre lt. PDF im jungen Zustand aber eher orange als rot.)


    Bei den Folgebesuchen (wegen der Rötlinge) konnte ich jeweils neue frische Exemplare und das langsame Ausbleichen dokumentieren.



    26 - Direkt daneben wuchsen ein paar Papageien-Saftlinge, Gliophorus psittacinus, mit etwas dunkleren Hüten - aber das ist ja im Rahmen des Normalen. Sie waren "Langsamentwickler", die Dreiergruppe habe ich noch zweimal im Abstand von insgesamt einer Woche fotografiert. Man sieht, dass auch hier die Hüte heller werden.



    27 - Abseits der Wiese wachsen hier vor Ort im ehemaligen Kiesabbaugebiet auch hin und wieder Pilze, die hatte ich vor Jahren schon mal gezeigt. Dieses Mal war alles wieder sehr spärlich und nichts Neues, deshalb nur dieser Winzling (Größe vergleichbar mit den Bitteren Saftlingen, aber schwärzend), Hygrocybe cf. conicoides - auf Sand ... bzw. in diesen Fällen immer bisher Sand auf Hygrocybe. ;)
    Obwohl die Größe und die Farben sehr denen von Hygrocybe mucronella ähneln, sieht man deutliche Unterschiede am Hutrand, sowie den Oberflächenbeschaffenheiten von Hut und Stiel.


    Viele Grüße
    abeja


    Das war es "mit Hut und Stiel" ... aber es gibt ja noch andere Pilze, also "Fortsetzung folgt".

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 


    Edited once, last by abeja (December 22, 2025 at 10:14 PM).

  • Wolfgang Prüfert Hallo Wolfgang,

    danke für den Hinweis! Falls ich das mit Hygrocybe mucronella vs. amara schon mal irgendwo beiläufig mitbekommen haben sollte, so ist das überhaupt nicht haften geblieben.
    Jetzt habe ich nachgelesen ... die Neubeschreibungen von Hygrocybe alpina und amara (und die Abgrenzung von Hygrocybe mucronella) sind ja erst im August 24 online veröffentlicht worden.

    https://fuse-journal.org/images/Issues/Vol14Art18.pdf

    Bis jetzt (ob aktuell?) hat man die Art wohl nur in der Slowakei gefunden - alle "Verdachtsfälle" in Deutschland (Beiträge in Foren anderswo) waren H. mucronella.

    Einen makroskopischen Hinweis gibt es aber doch, zumindest wenn sehr junge Pilze dabei sind. H. amara ist von jung bis alt viel "orangefarbiger", während H. mucronella ganz jung viel stärker ins Rote spielt. (Siehe Bilder im PDF).
    Da ich hier ganz junge Pilze mit dabei habe, die extrem rot sind, gehe ich von weiterhin von H. mucronella aus, ergänze aber ein cf.

    Noch mehr "Papageien"? Es bleibt spannend... :)

    Andreas Hallo Andreas,
    dass die Ränder etwas heller sind, als bei manchen anderen Bildern - das ist mir auch aufgefallen. Allerdings gibt es auch Fotos der Art, die so wie meine Funde aussehen (Wiki Commons u.a.), wobei ich natürlich nicht weiß, ob das alles 100proz. abgesicherte Bestimmungen sind.
    Wie beurteilst du denn den älteren Fund von der gleichen Wiese (oben verlinkt)?

    Hier sind z.B. sehr helle Exemplare mit dabei (mit Mikro)
    https://www.englishfungi.org/Species/Cuphophyllus%20colemannianus

    Oder hier:
    Cuphophyllus colemannianus, Toasted Waxcap mushroom
    "pale specimens also occur and they can be difficult to identify conclusively without resorting to microscopic study."

    Die kleinen weißen Ellerlinge hätte ich daneben fotografieren sollen, denn die braunen Pilze sind ungefähr doppelt so groß (und viel kräftiger allg. gebaut).
    Ich habe mir natürlich jetzt Cuphophyllus fuscescens angeschaut - und ja, der sieht (auf manchen Bildern) sehr ähnlich aus, oft aber noch mit einer viel deutlicher akzentuierten dunklen Mitte und er erscheint mir größenmäßig doch eher wie der "normale" Jungfern-Ellerling zu sein.
    Optisch ähnlich zu meinem Fund z.B. hier (aber doch viel zierlicher):
    MycoDB : Fiche de Cuphophyllus fuscescens
    Cuphophyllus fuscescens = Hygrocybe fuscescens

    Hat denn Cuphophyllus fuscescens auch so deutliche, dicke Anastomosen?
    In irgendeinem Text wurde das Wort zwar erwähnt, aber auf bisher angeschauten Bildern ist das für mich nicht erkennbar - während bei C. colemannianus die Queraderung immer so schön ins Licht gerückt wird.

    VG
    abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 


  • Hallo,

    das kann ich alles mangels Erfahrung nicht gesichert beantworten. Ich hatte nur auch schon "colemannianus", der sich dann im Nachhinein als Farbform von virgineus herausgestellt hat. Ich glaube dass da makroskopisch nicht so sehr viel geht, wobei ich dein verlinktes Bild vom früheren Fund aufgrund der doch wirklich dunklen Hutfarbe schon für colemannianus halte. Die SPorenmaße, wenn man genügend reife Sporen misst, sollen bei der Bestimmung helfen, insbesondere der Q-Wert.

    beste Grüße,
    Andreas

  • Bis jetzt (ob aktuell?) hat man die Art wohl nur in der Slowakei gefunden - alle "Verdachtsfälle" in Deutschland (Beiträge in Foren anderswo) waren H. mucronella.

    Einen makroskopischen Hinweis gibt es aber doch, zumindest wenn sehr junge Pilze dabei sind. H. amara ist von jung bis alt viel "orangefarbiger", während H. mucronella ganz jung viel stärker ins Rote spielt.

    Hallo Abeja,

    ich würde bei einer so jungen Art, die zudem erst aus einer Region bekannt ist, der Farbe allein als Trennmerkmal nicht trauen. Wir müssen wohl oder übel den Bestimmungen ein cf. voranstellen, bis sich die Unterschiede erhärtet haben.

    Grüße,

    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,

    "cf." - ja, klar (schrieb ich ja oben schon ;) direkt hinter dem zitierten Satz.)

    Innerhalb der 9 untersuchten Kollektionen in der Slowakei hat es sich zumindest so "herauskristallisiert" , dass es in den "Notes" zur Unterscheidung neben den Mikromerkmalen explizit mit erwähnt wurde.

    Quote

    Notes: Hygrocybe amara is closely related to H. alpina and H. mucronella. Generally, all three species differ in spore morphology, colour of basidiomata and ecology. Hygrocybe alpina is an alpine species, while H. amara and H. mucronella occur in coastal, foothills or lowland semi-natural grasslands.
    One of the most distinctive taxonomic characters is the Q value of spores. Based on the examined material the average Q value of H. amara is 1.32–1.39, while Q value of H. mucronella is 1.51– 1.63 and Q value of H. alpina is 1.71–1.86. Spores of H. alpina are irregularly ellipsoid, oblong, phaseoliform, often slightly constricted and rarely with widened or asymmetrical base, while spores of H. amara and H. mucronella are predominately pear-shaped or irregularly ellipsoid, distinctly constricted and very often with widened or asymmetrical base. Spores of H. amara are also slightly broader (H. mucronella has spores broad 4.4–6.1 μm, while H. amara 4.9–6.8 μm).
    The pileus of H. amara is pale orange, yellowish orange to orange coloured, often with darker (orange-red) central part, while pileus of H. alpina is scarlet to carmine-red and pileus of H. mucronella is orange-red to reddish orange (rarely entirely orange).

    Hallo Andreas,

    wenn du das selbst bei der Nachbestimmung schon so erfahren hast, dass es makroskopisch nicht eindeutig war, dann ist das ein sehr guter Hinweis.
    Ich vermute, das betrifft dann Fruchtkörper in einem "Merkmalsüberlappungsbereich" ;), die für die eine Art recht groß und für die andere Art recht klein (und hell) wären. Bei relativ kleinen FK von C. colemannianus kann ich mir auch vorstellen, dass die Anastomosen nicht deutlich sind - und bei besonders großen FK von C. fuscescens können sie sich wohl auch ansatzweise entwickeln. Ich habe nämlich ein eigenes altes Bild von C. virgineus gefunden, das sieht man auch ganz leichte Querverbindungen, das wird dann bei C. fusc. auch so sein.

    Dann lasse ich hier die Bestimmung natürlich offen (bzw. "oderlich" statt "ordentlich").

    Frohe Weihnachten
    abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 


  • abeja December 24, 2025 at 5:44 PM

    Changed the title of the thread from “25er Spätlese 5” to “25er Spätlese 5: Cuphophyllus virgineus + colemannianus ODER fuscescens, Entoloma cf. poliopus s.l (?), Hygrocybe cf. mucronella, Gliophorus psittacinus s.l. (dkl. FK)”.

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