• Liebe Mitstreiter,

    Jesko Kleine hat folgenden Vorschlag zur Aggregatbildung in der Gattung Laccaria eingebracht. Dieser basiert auf zwei Publikationen von Dovana et al. 2024: Description of the New Species Laccaria albifolia (Hydnangiaceae, Basidiomycota) and a Reassessment of Laccaria affinis Based on Morphological and Phylogenetic Analyses und Dovana et al. 2025: Solving the Enigma of the Identity of Laccaria laccata

    Beide Publikationen sind über Researchgate verfügbar.

    "Aggregatbildung:

    Laccaria laccata var. pallidifolia sollte als Aggregat unter dem Namen Laccaria tetraspora geführt werden (was dabei L. laccata var. pallidifolia oder L. tetraspora sind, ist aktuell nicht geklärt).

    Das Aggregat enthält: L. albifolia, L. affinis, L. populina, die bisher unter L. laccata var. pallidifolia geführten Synonyme – nach Möglichkeit in ihrer Kombination im Artrang (aktuell meist nicht geklärt), + ungeklärte (Barcode-)Arten (im Prinzip alles, was mittelgroße rundliche langstachelige Spore und 4-sporige Basidien hat);

    Dementsprechend hat es aktuell wenig Sinn L. tetraspora (oder L. laccata var. pallidifolia) auch sensu stricto zu führen. Wenn L. tetraspora einmal geklärt sein wird, ist ohnehin die Frage, ob die aus Nordamerika beschriebene Art überhaupt in Europa vorkommt.

    Das kann man aktuell vernünftigerweise hier tun. Laccaria laccata s. s. scheint übrigens der korrekte Name für die meisten (oder alle?) unserer unter L. proxima geführten Funde zu sein, der Name L. proxima ist aktuell ungeklärt (ob Synonym von L. laccata oder eine seltenere Art). Literatur: z. B. Dovana et al. 2025"

    Ich bitte um eure Meinung dazu.

    Beste Grüße und einen guten Rutsch ins Neue Jahr

    Frank

  • Hallo zusammen,

    so habe ich das paper von DOVANA et al. 2025 leider auch verstanden. Und letztlich ist es glaube ich ziemlich gängige Praxis der letzten Jahre gewesen, unser allgegenwärtiges Laccria "laccata" als solche als Sammelart zu bezeichen, und darin alle möglichen Versuche der Abtrennung oder klarere Definierung zu vereinen. Wie Jesko oben schreibt. Einigermaßen gut dagegen abzugrenzen war halt immer die Laccaria proxima mit ihrem sehr grobfaserigen Stiel und dem feinschuppigen Hut.

    Der Vorschlag von Jesko ist prinzipiell meiner Meinung nach richtig, alles unter einem Namen zusammenzufassen - wegen mir unter L. tetraspora. Der eine oder andere hat ja auch eine Zeit lang unter diesem Namen kartiert.
    Dass allerdings dann die Laccaria proxima ab sofort unter dem Namen Laccaria laccata läuft, wird unendlich Verwirrung mit sich bringen. Alles was bisher unter diesem Namen kartiert wurde dürfte halt auch in den Komplex pallidifolia-tetraspora-usw-usw gehören. Wie wollen wir sicher gehen, dass dann zukünftig unter dem Namen laccata eben nur noch proxima eingegeben wird? Ich fürchte dass sich innerhalb kurzer Zeit unter dem Namen laccata dann proxima- und pallidifolia-Funde untrennbar vermischen werden, weil der eine schon proxima darunter versteht, die anderen aber noch tetraspora ....

    beste Grüße,
    Andreas

  • Hallo Andreas,

    wir haben ja in Mykis schon ein Aggregat Laccaria laccata und Laccaria laccata s. str.! Was Jesko vorschlägt, ist ein weiteres Aggregat Laccaria tetraspora (L. laccata var. pallidofolia) mit dem von ihm angegebenen Arten, die sich dahinter verbergen können.

    Eine pauschale Umbenennung der L. proximal-Funde in L. laccata s.str. soll es nicht geben.

    Die neue Art Laccaria albifolia habe ich in Mykis schon aufgenommen und Laccaria affinis ist jetzt eine eigenständige Art.

    Beste Grüße

    Frank

  • Hallo,

    was soll der Unterschied zwischen "laccata agg." und "tetraspora agg." sein?

    Was ist mit "laccata ss. str." gemeint - die bisherige proxima?
    Wohl eher nicht - was also ist dann "laccata ss.str."? Ich habe da nie etwas unter dem Namen kartiert, aber vielleicht kann ja jemand der diesen Namen nutzt erklären, was sich dahinter verbirgt.

    beste Grüße,
    Andreas

  • Hallo,

    die Taxonomie und Nomenklatur der Gattung sind im Fluss und wir werden auch künftig Anpassungen vorzunehmen haben.

    "Laccaria laccata agg." sollte alles das umfassen, was irgendwie wie Laccaria laccata aussieht und nicht mikroskopiert wurde.

    Bei dem vorgeschlagenen "Laccaria tetraspora agg." handelt es sich in gewisser Weise ja überhaupt nicht um ein neues Aggregat, sondern es ist eigentlich nur der neue Name für die bisherige "Laccaria laccata var. pallidifolia", also die Funde mit runden Sporen )und 4-sporigen Basidien), die ja seit Singer (1967) nicht mehr als L. laccata s.s. (mit breit elliptischen Sporen) angesprochen werden können (vgl. auch z. B. den Gröger-Schlüssel). Nur ist diese "Laccaria laccata var. pallidifolia" in unserer MykIS-Taxref ja bereits in der Realität ein Aggregat (s. Synonymliste) bzw. wir wissen, dass sich dahinter mehrere (geklärte und ungeklärte) Arten verbergen. Wenn jemand in der Vergangenheit z. B. L. populina gefunden (und mikroskopiert) hat, dann hat er das vermutlich als "Laccaria laccata var. pallidifolia" kartiert. Nomenklatorisch ist es nun sicher nicht gerechtfertigt, dieses Aggregat lediglich auf Varietätsebene von der sogar morphologisch deutlich verschiedenen L. laccata s.s. abzugrenzen, daher der Artname L. tetraspora als ältester dem Aggregat mit einiger Sicherheit zuzuordnender Name.

    Was nun L. laccata s.s. angeht, würde ich aktuell nur sequenzierte Funde dort hineinstellen und die typischen proxima weiter als L. proxima kartieren. Ich halte es für einigermaßen wahrscheinlich, dass L. proxima in die Synonymie von L. laccata fallen wird (s. die Abbildungen in Dovana et al. 2025), aber wir wissen aktuell nicht, ob alle "morphologischen proxima" sich am Ende bei nur einer europäischen Barcode-Art wiederfinden werden.

    Letztlich ist also das vorgeschlagene Aggregat im Wesentlichen eine Anerkennung taxonomischer Realitäten + eine formelle nomenklatorische Anpassung.

    Beste Grüße, Jesko

  • Moin zusammen,

    das muss man sich ja alles erstmal zu Gemüte führen...
    Im Grunde wurde ja in vergangenen Zeiten das meiste was an rötlichen Lacktrichterlingen auftauchte und nicht nach proxima aussieht als laccata kartiert und in gängiger Literatur auch so dargestellt. Nach meiner Einschätzung brachte erst das Pilzkompendium die Unterschiede zwischen laccata und tetraspora (=var. pallidifolia) unters Volk. Mir ist dabei auch noch nie eine ellipsoidsporige laccata untergekommen.

    Die Synonymliste bei laccata var. pallidifolia ist ja lang, deswegen würde ich vielleicht dafür plädieren, es vorläufig beim Status quo zu belassen und ohne agg. - dann eben tetraspora statt laccata var. pallidifolia.
    Was dann affinis sein soll, ist mir noch ganz klar, da muss mir noch ein Licht aufgehen.

    Beste Grüße
    Harald

    Landeskoordinator Pilzkartierung Hessen

  • Hallo,

    wie gesagt haben wir bei "Laccaria laccata var. pallidifolia" de facto ohnehin ein Aggregat, dann sollte man es meiner Auffassung nach auch konsequent so ausweisen (so wie wir es aktuell immer handhaben), um Missverständnisse einigermaßen zu vermeiden. Alles, was z. B. nach Ludwig oder Gröger morphologisch dort hingehört, kann man unter diesem Namen kartieren. "Laccaria laccata agg." wäre ein umfassenderes, letztlich auf Makromerkmalen basierendes Aggregat. Laccaria tetraspora s.s. könnte man aktuell hingegen überhaupt nicht kartieren, da der Name nicht geklärt ist (bis auf dass er in diesen morphologischen Komplex gehört). D. h. es gibt weder einen ITS-Barcode für L. tetraspora noch gesicherte Erkenntnisse, wie man sie ggf. morphologisch unterscheiden könnte (noch wissen wir, ob die Art überhaupt in Europa vorkommt).

    Laccaria affinis ist ein älteres Synonym von L. macrocystidiata (s. Dovana et al. 2024 in JoF zu albifolia und affinis). Das ist anscheinend eine häufige Art (viele Funde sind vermutlich unter "L. laccata var. pallidifolia" erfasst), die sich jedoch morphologisch nicht so leicht festmachen lässt: Die Cheilozystiden scheinen ein problematisches Merkmal zu sein (wohl nicht immer zuverlässig zu finden und auch bei anderen Arten in diesem Komplex vorhanden), immerhin hätte die Art auch Kaulozystiden. Wie die Zystidenverhältnisse bei den bislang ungeklärten Barcode-Arten aussehen, ist allerdings nicht öffentlich bekannt. Also wird man L. affinis aktuell nur über eine Sequenz zuverlässig bestimmen können und es ist derzeit unklar, ob alle älteren Funde von L. macrocystidiata auch immer diese Art sind. Bei Funden aus dem tetraspora-Komplex, bei denen aufgrund der Standortverhältnisse von einer Mykorrhiza mit Salicaceaen auszugehen ist, dürfte es sich in vielen Fällen (ob in allen?) um L. populina handeln. L. albifolia (sehr helle Lamellen - inde nomen, wohl keine Kaulozystiden, bei Eiche) ist wohl eine im Wesentlichen südeuropäische Art. Ob sich ihr Verbreitungsgebiet bis nach Deutschland erstreckt, wird noch zu klären sein.

    Laccaria laccata s.s.: Die nach Ludwig oder Gröger zu L. laccata s. s. gehörenden und so selten gefundenen Formen mit dem makroskopischen Erscheinungsbild von L. tetraspora agg. und den Mikromerkmalen von L. proxima scheinen eben nur ein (vermutlich seltenerer) makromorphologischer "Aspekt" der Art zu sein. Die Bilder in Dovana et al. (2025) zeigen zum Teil Fruchtkörper, die man wohl auch ohne Mikroskop ohne Zögern als L. proxima angesprochen hätte.

    Grüße, Jesko