Hallo,
nachdem ich mich gerade eben bei Nectria cinnabarina gegen ein Aggregat ausgesprochen habe, möchte ich nun eines für Hygrophorus agathosmus vorschlagen mit H. agathosmoides, H. agathosmus s.s. und H. pinophilus. Hinsichtlich der Taxonomie verweise ich zunächst auf Bellanger et al. (2021 in Persoonia 46).
Kurz zusammengefasst sieht es bei diesen morphologisch kaum unterscheidbaren Arten so aus:
Hygrophorus agathosmus kommt bei Fichte in +/- natürlichen Fichtenwäldern hauptsächlich auf Kalk vor (wäre ggf. für Mitteleuropa eingehender zu prüfen)
Hygrophorus agathosmoides ist zirkumpolar verbreitet und kommt bei Fichte, jedoch typischerweise an sekundären Fichtenstandorten (Aufforstungen, Parks) vor, als morphologischer Unterschied werden etwas schmalere Tramahyphen (ob immer so?) und gelegentlich blassrosa gefärbte Lamellen angeführt.
Hygrophorus pinophilus kommt bei Kiefer vor und unterscheidet sich morphologisch kaum. Die Lamellen können auch bei dieser Art blassrosa gefärbt sein.
Sequenzen eigener Funde habe ich nicht, gehe aber davon aus, dass ich agathosmoides und pinophilus aus den Tagebaurekultivierungen im Süden Leipzigs kenne.
Hygrophorus agathosmoides, Markkleeberg (4740,14), Aufforstung mit Picea pungens in Tagebaurekultivierungsgebiet
Hygrophorus pinophilus, Markkleeberg (4740,13), Aufforstung mit Pinus sylvestris in Tagebaurekultivierungsgebiet
Das Aggregat Hygrophorus agathosmus würde sich also empfehlen, weil sich die bisherigen Funddaten kaum zuordnen lassen und weil auch Neufunde sich oft nicht auf Einzelartebene bestimmen lassen werden, solange sie nicht sequenziert werden.
Nicht ins Aggregat einbeziehen würde ich hingegen Hygrophorus exiguus, Hygrophorus hyacinthinus oder Hygrophorus suaveolens, bei denen es sich um gut unterscheidbare Arten handelt.
Hygrophorus suaveolens, Markkleeberg (4740,31), Aufforstung mit Pinus nigra in Tagebaurekultivierungsgebiet, durch den schmächtigen Habitus, den in der Regel zweifarbigen Hut und die Vergesellschaftung mit Kiefer gut kenntliche Art in der Gruppe der Marzipanschnecklinge
Grüße, Jesko