Hallo zusammen
Nach Erscheinen des Artikels in der letzten ZfM wurde in Mykis schon Russula rubatra (Romagn.) F. Hampe, Kleine & Manz 2026 als Art eingeführt und Funde von R. roseocremea fallen jetzt unter Russula persicina Krombh. 1845.
Müsste nicht für alle Altfunde von R. persicina ein agg. und R. persicina s. str. eingeführt werden? Jetzt fallen ja als R. persicina bestimmte Funde bei Buche und entsprechender Ökologie mit Funden bei Pappel/Weide zusammen.
LG Karl
Russula persicina
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Hallo,
ich finde Karls Vorschlag richtig (Russula persicina agg. einstweilen mit R. persicina s.s., R. occasus und R. rubrata). Es geht nicht nur um die Problematik der Altfunde, sondern es ist letztlich auch so, dass man neue Funde ohne Sequenz nicht immer klar zuordnen kann. Morphologische Trennmerkmale wurden bislang nicht gefunden. Bleibt noch der Geruch: R. persicina, die ich als eine der häufigsten Russula-Arten in den rekultivierten Braunkohlegebieten in NW-Sachsen (aber auch von anderen Pappelstandorten) sehr gut kenne, riecht immer stark kompottartig (passenderweise Pfirsichkompott, obwohl der Name sich auf die Farbe der Pfirsichblüte bezieht). Das habe ich bei R. rubrata nie so wahrgenommen, habe aber eher wenig Erfahrung mit Frischfunden der Art. Vielleicht können ja andere mit ihren Erfahrungen hier etwas beitragen. Gerüche sind natürlich immer sehr vom subjektiven Empfinden abhängig.
Man wird auch nicht bei jedem Habitat eindeutig sagen können, dass dort nur die eine oder die andere vorkommen kann. Ich kenne persicina z. B. auch aus Eichenpflanzungen in der Tagebaurekultivierung, wo sie dann neben Lactarius acerrimus (statt wie üblich controversus) steht und die nächsten Pappeln gefühlt zu weit weg sind. Möglicherweise hangelt sich der Pilz ja dann auch an den Eichenwurzeln weiter, wer weiß das schon genau. Vielleicht gibt es auch eine Liaison mit den genannten Lactarius-Arten, was ja von anderen Sardoninae bekannt ist (R. exalbicans/L. pubescens und R. gracillima/L. torminosus).
Ich würde auch davon abraten, Altfunde pauschal nach angegebenen Begleitbäumen zuzuordnen, v.a. solange man den Charakter der jeweiligen Fundorte nicht gut kennt. Erfahrungsgemäß werden an der EcM-Bildung beteiligte Salicaceae auch gern übersehen, da als irrelevant betrachtet, und ein Mykorrhizapilz wird dann pauschal der Eiche oder der Buche zugeschlagen. Typisches Beispiel wäre der Altmeister Romagnesi, der einige Arten beschrieben hat, die nach heutiger Kenntnis regelmäßig mit Pappel assoziiert sind, ohne dass er auch nur auf eine solche Möglichkeit hinweist. Auch Sarnari war sich bei seiner R. arpalices (gehört zu Puellarinae, die in der Regel ziemlich wirtsspezifisch sind) nicht sicher und erwähnt an erster Stelle die Buche, aber die Espen waren ihm zumindest aufgefallen, sodass er sich eine weitere Präzisierung vorbehielt.
Grüße
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Hallo Jesko,
danke für die Bestätigung und die ausführliche Stellungnahme. Nur als R. roseocremea kartierte Funde können dann zu R. persicina s.s. werden. Funde aus Kalbuchen- Eichenenwäldern oder aus passenden Habitaten bei Pappel/Weide die jetzt noch als Russula persicina Krombh. 1845 ss. Melzer & Zvára kartiert sind würden dann zu Russula persicina agg. und können individuell zu R. rubrata oder R. persicina s.s. geändert werden wenn die Bestimmugen als sicher angesehen werden.
LG Karl -
Hallo Karl,
genau so ist es. Sobald das Aggregat in der TaxRef-Liste angelegt sein wird, könnte jeder seine Funde im lokalen MykIS noch einmal durchgehen und schauen, was sich zuverlässig den sensu-stricto-Arten zuordnen lässt. Bei Funden im potentiellen rubrata-Habitat empfehle ich allerdings unbedingt genaue Sporenmessungen. Rubrata-Sporen sind durchschnittlich bis 8 µm lang, größere Sporen gehören zum occasus-Komplex, so jedenfalls der aktuelle Kenntnisstand. Für den haben wir bislang keinen Fund aus Deutschland, aber Jean Michel Trendel hat ja zwei Fundorte im Elsass. In Romagnesis Beschreibung von R. persicina ist vermutlich auch der occasus-Komplex mit inbegriffen (seine großsporigen Formen). Sarnari hingegen scheint immer nur persicina s.s. und rubrata gemessen zu haben, obwohl er occasus auch zu Gesicht bekommen haben dürfte.
Viele Grüße
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Hallo zusammen,
das Aggregat Russula persicina habe ich in Mykis angelegt. Die Zuordnung von Funden aus diesem Aggregat zu R. persicina ss. str. sollte jeder selbst einschätzen.
LG
Frank