• So, es geht weiter, nach KI-Recherche und Grübelei:

    In Fries "Epicrisis Systematis Mycologici, seu Synopsis Hymenomycetum (1836–1838)" nutzt er Asterisk-Zeichen (diese Sternchen: *) um "die subgenerische Klassifikation zu strukturieren". Das bedeutet bei * C. phrygianus, welche unter 102. C. sublanatus steht, dass es sich um eine Varietät handelt. Obwohl Fries in einem Kommentar zu C. phrygianus meint, dass es sich wahrscheinlich um eine eigene Art handelt, ist dies aber in seinem sanktionierenden Werk nicht als Art gekennzeichnet. Dies gilt auch für * C. croceo-caeruleus. Da Trog in seiner "Tabula analytica fungorum in epicrisi seu synopsi hymenomycetum Friesiana descriptorum. Bernae : sumptibus Huberi et sociorum (Körber), 1846" beide Cortinarien in seinem Schlüssel als Arten aufzählt, ist er nomenklatorisch gesehen tatsächlich derjenige, der diese Cortinarien als erster als Arten darstellt. Das Korrigendum in der Flora Photographica bezieht sich vermutlich auf diesen Sachverhalt: C. phrygianus (Fr.) Fr. J.G. Trog und C. croceo-caeruleus (Pers.: Fr.) Fr. J.G. Trog. In der Flora Photgraphica war jedoch das Literaturzitat falsch: Trog JG. 1844. Verzeichnis schweizerischer Schwämme. Bern, Switzerland ... richtig wäre die Tabula analytica.

    vielleicht meldet sich da noch einer, der sich mit den nomenklatorischen Gepflogenheiten besser auskennt.

  • Hallo Jürgen,

    also ob die Namen mit Sternchen wirklich eindeutig infraspezifische Taxa sind, da bin ich weiter kritisch. Es wäre wahrscheinlich sinnvoll, sich die Einleitung der Epicrisis genau durchzulesen.

    Für den Rang der Varietät, ohne dass dieser genannt wird, berufst du dich quasi auf Art. 37.4 (https://www.iaptglobal.org/_functions/code/madrid?m=art37). Ob Fries in der Epicrisis wirklich nur einen Rang unterhalb der Art genutzt hat? Dafür müsstest du dir im Grunde das ganze Werk durchlesen.

    Beste Grüße - Kai

  • Hallo Kai,

    KI hat mir das so erklärt;-) Mal schauen, ob sich noch ein berufener Nomenklatorist hier meldet, bevor ich mir das Fries`sche Werk reinziehe. Was für eine Andere Erklärung hätte Du denn z.B. für C. sublanatus var. phrygianus (in Mycobank)?

    Grüßle

    Jürgen

    p.s.: Hier mal die Antwort von Gemini (Google-KI):

    In der botanischen und mykologischen Nomenklatur, insbesondere im Kontext der Werke von Elias Magnus Fries (1794–1878), werden Asterisken (*) häufig verwendet, um spezifische taxonomische oder nomenklatorische Hinweise zu geben.

    Hier sind die Hauptbedeutungen des Asterisks in diesem Kontext:

    • Kennzeichnung von Untergattungen/Sektionen: In Fries' Hauptwerk, Systema Mycologicum (1821–1832), wurden Asterisken oft verwendet, um informelle Zwischengruppen innerhalb einer Gattung zu kennzeichnen, die heute als Sektionen oder Untergattungen betrachtet werden würden. Sie markieren eine Unterteilung, die keine formale taxonomische Bezeichnung (wie Subgenus oder Sectio) trägt.
  • Hallo Zusammen,

    abschließend kann man wohl sagen, dass es sich hier um eine Definitions/Interpretations-Sache handelt. Ich werde mal noch zusätzlich in Hymenomycetes europaei: 365 (1874) reinschauen, und gucken, ob Fries zur "Validierung" dazu einen Kommentar liefert. Womöglich hat einer der Autoren der Flora Photographica diesen Bezug zu Trog entdeckt, und das in einer Schrift kommentiert ... müßig, da jetzt zu recherchieren. Man könnte auch noch Andre Bidaud direkt dazu anschreiben, der müsste ja noch leben;-)

    Vielen Dank allen Beteiligten zu dieser Diskussion und besonders Raphael zur Entdeckung der Tabula.

  • Andre Bidaud ist vor etwa zwei Jahren gestorben...

    Ich denke das folgt so der gängigen Interpretation von Fries' Werken. Im Werk von 1874 steht nichts spezielles dazu, Trog wird aber auch nicht erwähnt. Damals hat man sich auch noch nicht so viel Gedanken zur Nomenklatur gemacht.


    Lg Raphael

  • Hallo zusammen,

    Die Sternchen kennzeichnen in der Epicrisis Arten, die er von der vorigen für wenig unterscheidbar hält - allgemeiner Konsensus ist, dies als Varietät zu betrachten. Auch im IF und MB wird dies normalerweise so angewandt -> siehe z.B. Boletus pachypus var. amarus Fr. (Epicr. 417).

    Basionym sollte damit eigentlich unzweifelhaft Cortinarius sublanatus var. phrygianus Fr. 1838 (Epicrisis: 283) sein. Zumal er in Monographia Hymenomycetum Suecica 1857 bei Cortinarius sublanatus schreibt: "In fagetis humidis legi insignem subspeciem * phrygianam." (Fettdruck von mir)
    Ob man nun darauf bestehen sollte, dass der "*" bei Fries nicht "var." (= Varietät), sondern "subsp." (= Subspezies) bedeutet, ist zumindest für unseren Fall nicht relevant. In jedem Fall handelt es sich dabei um ein Taxon auf einer Rangstufe unterhalb der Art.

    In Hymenomycetis Europaeis 1874 führt Fries dann Cortinarius phrygianus erstmals als eigenständige Art zwischen C. sublanatus und C. arenatus auf ( und zitiert Ed. 1: 283, also das Basionym).

    Ohne Kenntnis der Trog'schen Publikation würde folglich das korrekte Autorenzitat auf Artebene Cortinarius phrygianus (Fr.) Fr. heißen - und so wurde es auch lange gehandhabt.
    Meines Wissens war es Jacques Melot, der die Trogschen Publikationen ins Bewusstsein rückte. Da die als "comb. nov" anzusehende Zitierung auf Artebene durch Trog 1846 nun die bislang als gültig angesehene Kombination von Fries 1857 ungültig macht, muss eben Cortinarius phrygianus (Fr.) Trog als anzuwendendes Eptihet akzeptiert werden.

    Eigentlich nicht so schwierig, wenn man die entsprechenden Publikationen einsehen kann, und letztlich wart ihr ja auch zu dem Schluss gekomme.

    beste Grüße,
    Andreas

    P.S.: André Bidaud lebt erstens seit zwei oder drei Jahren nicht mehr und wäre auch der falsche Ansprechpartner für solche Dinge. Dafür lebt Jacques Melot noch und würde sich mit Sicherheit auch zu der Thematik äußern, wenn man ihn fragen würde (z.B. über sein Forum mycologia-europaea - aber im alles in der Welt nicht auf englisch!!!)

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